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Die Kriegerin der Himmelsscheibe

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Die Kriegerin der Himmelsscheibe
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Das durfte doch nicht wahr sein.

Die Hochstimmung, die sie erfasst hatte, nachdem sie den nebligen Sumpf endlich verlassen hatten, hatte nicht allzu lange angehalten. Ein Gewitter hatte sie vor sich hergetrieben, Blitz und Donner hatten sich so schnell abgewechselt, dass sie kaum noch zu unterscheiden gewesen waren, und dann war unmittelbar neben ihnen krachend ein Blitz eingeschlagen und hatte einen Baum gespalten, der neben ihnen funkensprühend zu Boden gekracht war, um dann augenblicklich in Flammen aufzugehen.

Auf Ekarnas Kopf waren grellrote Funken übergesprungen, doch bevor sie ihr hatten gefährlich werden können, war Torgon schon herangekommen und hatte sie ausgeklopft - aber immerhin nicht mit der Hand, mit der er den Griff seines Hammers umklammert hielt, sondern mit der anderen. Danach war um sie herum ein Chaos aus Blitz, Donner und brennenden Bäumen ausgebrochen, und sie waren nur noch blindlings davongestürmt.

Es blieb ihnen keine Zeit, auf irgendetwas anderes zu achten als darauf, dass sie nicht von herabkrachenden Ästen oder lichterloh in Flammen stehendem Gezweig getroffen wurden - und dann löste sich das Gewitter ganz plötzlich auf wie ein Spuk, und sie fanden sich in einem üppig wuchernden Wald wieder, durch den Torgon - wann immer das nötig war - mit immer kraftloser werdenden Hammerschlägen eine Schneise zu treiben versuchte.

Und dann dies hier.

Unmittelbar vor ihnen.

Die Grube.

»Nein«, sagte Lexz. Er schüttelte den Kopf, dies aber nur noch benommen, müde und dabei maßlos enttäuscht, gar nicht mehr wütend, wie es eigentlich eher seiner Art entsprochen hätte. »Das kann nicht sein. Wir sind nicht im Kreis gelaufen. Unmöglich. Vollkommen un... mög... lich!«

Ekarna berührte ihn am Arm, und Lexz zuckte auf eine ganz übertrieben wirkende Art zusammen. »Das sieht hier alles fast so aus wie an der Stelle, an der wir von diesen unheimlichen Gestalten in den Kapuzenmänteln überfallen worden sind. Ihr wisst doch, was das bedeutet.«

»Unsinn«, entfuhr es Torgon, und in seiner Stimme schwang Verzweiflung mit. »Du musst dich täuschen.«

»Ich wünschte, es wäre so«, flüsterte Ekarna. »Aber es kann doch kein Zweifel daran bestehen, wo wir herausgekommen sind. Dies da vorn ist die Grube, an der wir schon einmal waren.«

Sie sagte es so leise, dass der Sinn ihrer Worte erst langsam in Lexz’ übermüdeten Verstand einsickerte. Aber er weigerte sich einfach, es anzuerkennen. »Ganz ruhig. Es kann ja sein, dass es hier so ähnlich aussieht. Vielleicht gibt es sogar mehrere solcher Gruben in diesem Wald.«

»Ja«, brummte Torgon. »Natürlich. Das muss es sein!«

Lexz nickte heftig. »Wir haben die Keulen schwingenden Barbaren in Richtung Hügelkette verfolgt«, versuchte er sich zu erinnern. »Und dann ... als wir meinten, sie seien in Richtung Wald unterwegs ...«

»Was falsch war«, unterbrach ihn Torgon.

»Ja«, Lexz nickte grimmig, »was ein großer Fehler gewesen ist. Und das nicht nur, weil wir deswegen Isana verloren haben. Sondern auch, weil wir dadurch in diesen verfluchten Schlingpflanzenwald geraten sind. Wir haben zwar eine ganze Ewigkeit dort festgesessen und nicht rausgefunden, aber bestimmt auch keine größere Strecke dabei zurückgelegt. Und danach kam das Moor - oder der Sumpf, oder was auch immer es gewesen sein mag.« Er schüttelte den Kopf. »Wir können nicht im Kreis gelaufen sein. Unmöglich.«

»Ob unmöglich oder nicht«, Ekarna atmete tief aus und schob ein paar Zweige zur Seite, um einen besseren Blick auf die grausige Grube vor ihnen zu haben, »ja, ich bin mir sicher ... seht ihr das nicht? Diese zusammengetrampelte Fläche vor dem Leichenpfuhl ... da, der Baum, an dem du dich abgestützt hast, Torgon.« Sie ließ die Zweige wieder zurückschnellen und nickte bekräftigend. »Ja. Hier waren wir schon mal!«

»Also sind wir tagelang im Kreis herumgeirrt?« Lexz hätte Ekarna am liebsten an ihrem Armen gepackt und geschüttelt. »Das kann doch nicht dein Ernst sein! Wir hätten es doch merken müssen! Der Sonnenstand, der Mond - all das hat uns doch die Richtung gewiesen.«

»Nichts hat uns die Richtung gewiesen«, widersprach Torgon müde. »Wir wussten doch bloß, dass wir in Bewegung bleiben müssen. Und über uns war die meiste Zeit ein dichtes Blätterdach ...«

»So ein Unfug!«, schimpfte Lexz. »Wir wandern seit zwei Sonnenwenden durch endlose Landschaften, haben Gebirge überquert, sind Seen und Flüssen ausgewichen und haben uns durch dichte Wälder gequält. Aber dabei sind wir doch niemals im Kreis gelaufen! Und das soll uns ausgerechnet jetzt passiert sein?«

»Nein«, brummelte Torgon. »Das soll uns nicht passiert sein. Das ist uns passiert. Und jetzt ...«

»Aber du hast doch gerade noch selbst gesagt ...!«

»Ich habe den Baum wiedererkannt, an den ich mich gelehnt habe«, unterbrach ihn Torgon.

»Oh«, machte Lexz. »Aber kann es nicht sein ...«

»Es ist so!« Ekarna fuhr sich mit einer verzweifelten Geste durch die Haare. »Es ist die gleiche Stelle, von der aus wir aufgebrochen sind, vor ich weiß nicht wie viel Tagen!«

»Nein«, beharrte Lexz. »Das kann nicht stimmen. Ich habe noch nie in meinem Leben die Orientierung verloren. Warum sollte mir das ausgerechnet jetzt passieren?«

»Vielleicht, weil irgendetwas unsere Sinne verwirrt hat.« Ekarna streckte den Kopf vor, und nun war sie wieder ganz die Raubkatze, die Witterung aufgenommen hatte. »Aber wir sind ganz sicher wieder hier. Ich kann es doch riechen!«

»Es riecht nicht, es stinkt«, murrte Lexz. »Und das auf eine so üble Weise, dass ich hier bloß noch weg will.«

»Nein, dass meine ich nicht.« Ekarna streckte den Kopf noch weiter vor. »Es stinkt hier genauso erbärmlich wie damals.« Als Lexz sie nur verständnislos anstarrte, fügte sie hinzu: »Kurz bevor mich die Dämonen angegriffen haben.«

»Dämonen?« Lexz’ Spott blieb ihm im Hals stecken, als er an die Kerle dachte, die Ekarna angegriffen hatten. Ja. Vielleicht hatte sie doch recht. Vielleicht waren es wirklich Dämonen gewesen. Und trotzdem ...

Er drehte sich um und starrte in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Die Vegetation hinter ihnen schien unversehrt, aber dort, wo das Gewitter getobt hatte, sah es anders aus: An einzelnen Stellen brannte es immer noch ziemlich heftig. Lexz sah eine Feuersäule, die fast senkrecht aufstieg, aber auch dichten Rauch und Qualm, der verwirbelt wurde und dann bis zu ihnen hinüberzog. »Ich rieche es auch«, bestätigte er. »Es ist das Feuer!«

»Nein.« Ekarna stemmte die eine Hand auf ihre Steinaxt, die andere auf den Griff ihres Bronzeschwerts. »Das kann nicht sein. Was ich hier spüre, ist ... die Anwesenheit von jemandem. Oder auch ...«, sie zuckte unglücklich mit den Schultern, »von etwas

»Von Dämonen?«, fragte Lexz.

Das Wort, das nun auch noch einmal von ihm ausgesprochen wurde, ließ sich nicht mehr zurücknehmen. Lexz sah Ekarna auf eine Weise an, dass sie um eine Antwort rang.

»Wenn du mir verrätst, wo die Kerle sind«, sagte Torgon, »dann lass ich sie meinen Hammer schmecken.«

Ekarna ließ den Blick über das dichte Unterholz streifen. Dann zuckte sie mit den Schultern. »Ich weiß es nicht. Aber es ist jemand ganz in der Nähe. Da bin ich mir sicher.«

»Dann halten wir also die Augen auf«, sagte Lexz, obwohl seine Augenlider so schwer waren, dass er sie kaum noch heben konnte. »So sind wir wenigstens ...«

Er verstummte. Ja, Ekarna hatte recht, da war tatsächlich irgendetwas. Bei ihm war es nicht der Geruch, der diese Gewissheit auslöste, sondern etwas, das er hörte: ein leises Scharren, fast wie Metall auf Metall, oder auch wie Feuerstein, der auf einem harten Holz gerieben wurde, oder auch irgendetwas, das nur entfernt ähnlich klang.

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