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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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»Aber Ihr hattet uns gesagt, dass ihr Dämon fliehen wollte«, sagte dy Cabon. »Hat er vielleicht die Oberhand gewonnen?«

»Warum sollte er dann so viel Ballast mitnehmen?«, fragte Liss. »Der Körper von Lady Cattilara, ihr Schmuckkästchen und ein einziges schnelles Pferd würden seinen Zwecken besser dienen.«

Foix betrachtete sie mit einem Hauch von Respekt.

»Ich glaube nicht, dass er die Oberhand gewonnen hat«, sagte Ista bedächtig. »Aber ich nehme an, ihr Dämon hat sie davon überzeugt, dass eine Flucht ihrer beider Ziele besser dienen könnte. Dann hätte sie seine volle Unterstützung.«

»Sie will, dass ihrem Gemahl das Leben zurückgegeben wird, oder dass zumindest sein seltsames Halbleben unbegrenzt fortdauert«, sagte Foix. »Wie kann es da dienlich sein, wenn sie ihn und den armen Lord Illvin in einen Wagen lädt und fortbringt?«

»Ah …«, sagte dy Cabon.

Alle Gesichter im Gemach wandten sich ihm zu. »Was ist?«, fragte Ista.

»Ich frage mich, ob vielleicht ich irgendetwas gesagt habe … gestern Abend nach dem Abendessen kam Lady Cattilara zu mir. Ich dachte, sie wollte mich um geistlichen Rat ersuchen. Wir unterhielten uns über dieses scheinbar aussichtslose Dilemma. Die Tränen liefen ihr glitzernd wie winzige Edelsteine des Kummers die Wange hinunter, dem armen Ding.«

Ista verdrehte die Augen. »Und dann?«

»Ich wollte ihr Rat geben und sie trösten zugleich und ihr erklären, wie sehr sie ihren Ehemann in theologischer Hinsicht in Gefahr bringt, und was für eine körperliche Gefahr sie seinem Bruder auferlegt hat, und dass ein Risiko für ihre eigene Seele bestünde. Ich sagte ihr, mehr dämonischer Zauber wäre keine Verbesserung. Nur ein Wunder könne den unausweichlichen Fortgang der Ereignisse verändern. Sie fragte mich, wo man Wunder bekommen könne, als wären sie in irgendeinem Kramladen erhältlich. Ich sagte, nur ein Heiliger könne sie von den Göttern zu uns weiterleiten. Sie fragte mich, wo man Heilige fände. Ich sagte, an den verschiedensten, seltsamsten und an wenigsten erwarteten Orten, an den höchsten und niedrigsten Plätzen. Ich sagte, dass ich Euch, Majestät, für die Heilige hielte, in deren Hände dieser Knoten zum Auflösen gelegt worden war. Sie sagte … nun, einige heftige und unüberlegte Dinge. Offenbar hält sie Euch für ihre Feindin. Ich versicherte ihr, das könne nicht sein. Sie meinte, dass jeder beliebige andere Heilige in der Welt für diese Aufgabe für diese Aufgabe besser geeignet sei, und sie bat mich, nach einem schicken zu lassen. Als wären Heilige zugleich Heiler, die man von der Kirche auf Anforderung erhalten könne! Manche Heilige sind Heiler, aber es ist nicht so … ich meinte, dass sie wahrscheinlich keine andere Antwort von den Göttern erhalten würde. Die meisten Leute bekommen nicht einmal eine Antwort. Ich fürchte, an den schwierigeren Fragen der Theologie war sie nicht sonderlich interessiert.«

»Sie wollte ein einfaches Ritual«, sagte Ista. So wie einst ich. »Einen Handel. Gib die Münzen, dann hol dir die Waren. Sie findet nur keinen Krämer.«

Er zuckte die Schulter. »Ich fürchte, da habt Ihr Recht.«

»Also hat sie nun ihren Lebenden und ihren Toten genommen und ist mit ihnen auf Pilgerfahrt gegangen. Um nach einem Wunder zu suchen. Um einzukaufen.«

»Die Straßen hier sind alles andere als sicher, wie wir gestern festgestellt haben«, merkte Foix mit besorgter Stimme an.

»Lord Arhys hätte seiner Frau sicher nicht gestattet, jetzt auf diesen Straßen zu reisen, was immer sie sich davon erhofft.«

»Meint Ihr, ihm blieb eine Wahl? Steht dort eine Trage in diesem Wagen, oder zwei — die beiden Brüder, Seite an Seite, wie zwei Bündel Klafterholz? Der Dämon kann dafür sorgen. Es wäre vermutlich sogar eine Erleichterung für ihn, wenn keiner der beiden sich bewegen würde.«

Dy Cabon kratzte sich am Kopf. »Sie hat mehr Rechte, sich um die Heilung von Lord Arhys zu bemühen, als irgendjemand sonst. Immerhin ist er ihr Ehemann.«

»Illvin ist es nicht«, sagte Ista knapp. »Und was Arhys braucht, geht über eine Heilung weit hinaus. Sie müssen zurückgebracht werden. Foix, bereite deine Schar und ihre Pferde vor. Liss, verbinde meine Knie, sodass ich reiten kann. Ich möchte mir nur ungern den Schorf aufreißen.«

Dy Cabon sagte: »Majestät, auch Ihr solltet nicht auf der Straße reisen!«

»Da stimme ich Euch zu. Doch Foix hat nicht die Autorität, Cattilaras Dienern gegen ihren Willen Befehle zu erteilen. Und jemand muss auch mit dem Dämon fertig werden.«

»Das könnte ich, Majestät«, sagte Foix. Argwöhnisch blickte er zu dy Cabon hinüber.

»Könnt Ihr auch gleichzeitig mit einer schreienden, schluchzenden und verzweifelten Frau fertig werden?«

»Oh«, meinte er und dachte über diese unerfreuliche Vorstellung nach. »Könnt Ihr?«

»Ich glaube schon.« Ich glaube sogar, dass ich mich auf diese Gelegenheit freue.

»Das würde ich zu schätzen wissen, Majestät.«

»Gut. Gebt Arhys’ Offizieren Bescheid … hm.« Sie kniff die Lider zusammen. »Arhys wäre es wohl nicht recht, wenn diese Geschichte überall herumerzählt wird. Dy Cabon. Wenn wir nicht zurück sind in … wann, Foix? Zwei Stunden?«

»Sie haben vier Pferde vor den Wagen gespannt und eine Stunde Vorsprung, vielleicht auch zwei.«

»Gut. Wenn wir nicht in drei Stunden zurück sind, gebt Arhys’ wichtigsten Offizieren Bescheid und sorgt dafür, dass sie Männer hinter uns herschicken.« Ista wandte sich Foix zu. »Rasch. Wir werden im Vorhof zu Euch stoßen, sobald die Pferde gesattelt sind.«

Er grüßte und eilte davon. Liss streifte bereits ihr edles Kleid ab und trat die Hausschuhe in die Ecke. Ista schob den protestierenden dy Cabon durch die Tür hinaus.

»Aber ich sollte mit Euch reiten, Majestät!«, rief der Geistliche. »Und Foix sollte nicht ohne Führung bleiben!«

»Nein. Ich brauche Euch hier. Und sollte Foix’ Tanzbär eines Halsbandes bedürfen, bin ich besser dazu in der Lage, es zur Verfügung zu stellen.«

»Außerdem seid Ihr zu fett und reitet zu langsam«, rief Liss durchs Fenster, begleitet vom Knallen von Stiefeln, die bereitgestellt wurden.

Dy Cabon wurde rot.

Ista legte ihm die Hand auf die Schulter. »Das ist ein trockener Landstrich hier, und Durchlassrohre sind nur schwer aufzutreiben. Mir wäre sehr viel wohler, wenn ich wüsste, dass Ihr sicher hier auf der Burg verweilt.«

Er wurde noch röter, verbeugte sich dann aber in missmutigem Gehorsam. Ista schloss die Tür hinter ihm und beeilte sich, ihre Reitkleidung anzulegen.

19

Ista trat in den Vorhof und betrachtete erstaunt das Pferd, das Liss für sie ausgesucht hatte. Es war groß, von schimmerndem Weiß und mit einer samtigen grauen Nase. Mähne und Schweif glichen seidenen Bannern — Ferda wäre gewiss in poetische Schwärmereien verfallen. Das Fell war sorgfältig vom Schmutz des Stalles gereinigt. Nur noch einige schwache, gelbliche Spuren waren geblieben, die Ista unwillkürlich an die Flecken auf dy Cabons weißen Roben erinnerten. Die großen, dunklen Augen des Tieren schimmerten feucht und wirkten gutmütig. Es schnaubte und stubste Ista an.

»Was ist das für ein Pferd?«, fragte sie, als Liss es zur Trittbank führte.

»Es heißt Feder. Ich hatte das am besten ausgebildete Tier aus dem Stall für Euch verlangt, und man hat mich förmlich angefleht, dieses hier zu nehmen. Seit Lord Illvin krank ist, steht es nur noch faul im Stall herum, frisst und setzt Fett an.«

»Also ist es Lord Illvins persönliches Reittier?«, fragte Ista und schwang ein Bein über den breiten Rücken. Das Pferd stand vollkommen still, während sie behutsam ihre gepolsterten Knie gegen seine Flanken legte und nach den Steigbügeln tastete. »Aber es ist doch gewiss kein Streitross?«

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