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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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»Versucht es jetzt«, sagte Arhys.

Ista und Illvin widersprachen gleichzeitig. Sie sahen einander an.

»Selbst wenn Ihr es nicht tun könnt, muss ich es wissen«, drängte Arhys.

»Aber … Ich kann es nur versuchen, indem ich es tue. Und dann weiß ich nicht, wie ich es wieder rückgängig machen könnte.«

»Ich habe nicht gesagt, dass Ihr es wieder rückgängig machen sollt.«

»Ich hätte Angst, Euch der Verdammnis auszuliefern.«

»Mehr als jetzt?«

Voller Unbehagen blickte Ista zur Seite. Sie las eine Erschöpfung in seinem Gesicht, die bis in die Tiefe seiner Seele reichte. Als wäre er mit jeder Stunde eher bereit, alle Mühen hinter sich zu lassen, auch wenn es das Vergehen im Nichts bedeutete. »Aber was ist, wenn das nicht die Aufgabe ist, für die ich hierher geschickt wurde? Was ist, wenn ich mit meinen Überlegungen Unrecht habe — ein weiteres Mal? Ginge es darum, Euch zu heilen, wäre ich mit Begeisterung dabei. Aber ich habe wenig Lust, einen weiteren dy Lutez zu ermorden.«

»Ihr habt es schon einmal getan.«

»Ja, aber nicht durch Zauberei, sondern durch Ertränken. Das würde bei Euch nicht gehen. Ihr habt während der letzten fünf Minuten nicht einmal Luft geholt.«

»Oh. Ja.« Er wirkte verlegen und atmete ein.

Illvins Augen waren groß geworden. »Was ist das denn für eine Geschichte?«

Ista blickte zu ihm hinüber, biss die Zähne zusammen und erklärte: »Arvol dy Lutez starb nicht unter der Folter im Zangre. Ias und ich haben ihn versehentlich ertränkt, als wir drei gemeinsam versuchten, ein Wunder zu Chalions Rettung herabzurufen. Die Anklage des Verrats war gänzlich erfunden.« Nun. Mit zunehmender Übung ging es immer schneller.

Illvins Mund blieb noch einen Augenblick offen. Schließlich sagte er: »Ich … Ich war immer schon der Ansicht, dass diese Anklage seltsam angegangen wurde.«

»Das Ritual scheiterte, weil Arvol der Mut verließ.« Ista hielt inne; dann platzte es aus ihr heraus: »Und doch hätte ich vielleicht noch alles retten können, hätte ich nur ein Wunder der Heilung gewirkt. Sogar dann noch, als er tot zu unseren Füßen lag. Die Mutter, die Göttin der Heilung selbst, stand zu meiner Rechten, gleich hinter einer … einer seltsamen Biegung der Wahrnehmung. Doch meine Seele war so angefüllt mit Wut und Furcht und Kummer, dass kein Platz mehr blieb für den Eintritt eines Gottes.« Sie blickte wieder zur Seite und auf Illvin. »Wenn ich ihn geliebt hätte, statt ihn zu hassen. Oder wenn … ich weiß es nicht.«

Illvin räusperte sich. »Die meisten Leute schaffen es überhaupt nie, ein Wunder zu wirken. Eine solche Nachlässigkeit dürfte kein Grund für Vorwürfe sein.«

»In meinem Fall schon. Ich war auserwählt.« Sie grübelte, während der Wagen quietschend über die Straße rollte. Nun bin ich wieder auserwählt. Doch wozu? Sie blickte zu Arhys. »Ich frage mich, ob unsere Leben anders verlaufen wären, hätte Euer Vater Euch tatsächlich an den Hof geholt. Vielleicht haben wir den falschen dy Lutez in das Fass gesteckt.« Oh, das war ein Gedanke. »Wie war er mit zwanzig, Illvin?«

»Ganz so wie jetzt«, gab Illvin zurück. »Vielleicht nicht so formvollendet und erfahren. Und nicht so breitschultrig.« Bei der Erinnerung blitzte ein Lächeln auf. »Nicht so vernünftig.«

»Nicht so tot«, knurrte Arhys und blickte missmutig auf seine Hände. Er streckte seine Finger, ballte sie wieder zur Faust. Prüfte er sie auf Taubheit? Auf fortschreitende Taubheit?

»Als ich noch jung und schön war, am Hof zu Cardegoss …« Als Arhys nicht einmal das erste Mal verheiratet gewesen war. Als noch alle Möglichkeiten offen standen. Hätte sie dann vielleicht tatsächlich einen dy Lutez zum Liebhaber genommen und die Verleumdung zur Wahrheit gemacht? Doch Fonsas düsterer Fluch hatte alle keimenden Hoffnungen an diesem Hof zunichte gemacht — in was für einen Schrecken hätte er diesen süßen Traum verwandelt, zu was für Katastrophen Arhys’ jugendliche Begabung geführt? War es ein falscher Trost oder stimmte es tatsächlich, wenn sie Arhys gegenüber andeutete, dass Arvol ihn zur eigenen Sicherheit fern gehalten hatte? Sie unterdrückte ein Schnauben. »Es wäre trotzdem zu spät gewesen.«

Arhys blickte sie blinzelnd an und verstand die Andeutung nicht. Illvin aber ließ ein schmerzliches Lachen hören. »Wenn Ihr Euch schon verpasste Gelegenheiten ausmalt, dann stellt Euch doch vor, Ihr hättet ihn getroffen, bevor Ihr Ias geheiratet habt«, empfahl er und warf ihr einen merkwürdigen Blick zu. »Für mich führen alle verpassten Gelegenheiten zum selben Ergebnis.«

Der Wagen hüpfte und schaukelte, während er um eine Straßenkehre bog. Ista spähte hinaus und stellte fest, dass sie das ummauerte Dorf wieder erreicht hatten. Sie hielten ein weiteres Mal am Olivenhain, um die Pferde zu tränken. Die Sonne hatte inzwischen den höchsten Stand erreicht, und es war sehr heiß geworden.

Ista kletterte für einen Augenblick hinaus, streckte die Beine, die immer besser heilten, und besorgte sich etwas zu trinken. Liss führte immer noch Lord Illvins weißes Pferd hinter sich her und tränkte es am Fluss. Illvin schaute ihm sehnsüchtig nach und verschwand dann unvermittelt im Wagen. Stimmen drangen unter der Plane hervor — ein Streit zwischen Illvin, Goram und dem Diener. Kurz darauf kam Illvin wieder zum Vorschein und grinste zufrieden. Er trug Gorams Lederhosen unter seinem leichten Leinengewand und die Stiefel des Dieners an den Füßen. Die Hose wurde nur vom Gürtel an der Taille gehalten und reichte ihm kaum bis zu den Waden, doch die Stiefel schlossen die Lücke.

Illvin forderte sein Pferd zurück und grinste immer noch, als er aufstieg. In seinem Gesicht stand deutlich die Freude über einen Körper zu lesen, der wieder auf eigenen Beinen stehen und sich nach Belieben durch das helle Tageslicht bewegen konnte. Eine Freude, die vielleicht umso intensiver war, weil es sich um einen gestohlenen Augenblick von unbestimmter Dauer handelte.

Mit Liss’ Hilfe verlängerte er die Steigbügel, bedankte sich, ließ sich im Sattel nieder und grüßte Ista fröhlich.

Erleichtert stellte Ista fest, dass Goram eine schlecht sitzende Leinenhose gefunden hatte, vermutlich aus den unzureichenden Beständen des Wagens. Der unglückliche Dienstbote allerdings musste barfuß bleiben. Die Ritter der Tochter halfen dabei, die Leinenplane des Wagens an den Seiten halb heraufzurollen, denn die Hitze des Tages machte die Stickigkeit im Wageninnern schwerer erträglich als den aufgewirbelten Straßenstaub, auch wenn Ista einräumen musste, dass Lord Arhys das eine vermutlich ebenso wenig bemerken würde wie das andere.

Sie brachen wieder auf. Foix befahl vier seiner Männer vor und zwei hinter dem schwerfälligen Wagen. Illvin und Liss ritten zu beiden Seiten mit, nah genug für eine Unterhaltung.

Einige Meilen vom Dorf entfernt erreichten sie den Kamm der Anhöhe, bogen nach rechts den Hang entlang ab und begannen ihren Abstieg in das breite Tal, das Porifors beschützte. Sie umrundeten eine Baumgruppe, als Foix plötzlich eine Hand emporriss. Die kleine Reisegruppe hielt.

Illvin richtete sich in den Steigbügeln auf. Seine Augen wurden groß. Ista und Arhys kletterten zur Vorderseite des Wagens und schauten hinaus. Arhys fletschte die Zähne, aber nur Ista atmete zischend ein. Rau wie eine Raspel kratzte die Luft durch ihre Kehle.

Ein langer Zug berittener Krieger bog unmittelbar vor ihnen nach einem Ritt quer durchs Gelände auf die Straße ein. Die weißen Pelikane von Jokona glänzten auf meergrünen Wappenröcken. Ihre Rüstungen funkelten. Eine lange Reihe von Speerspitzen blitzte im hellen Licht; vor dem Hintergrund der abfallenden Landschaft funkelten sie wie Juwelen, die auf dem Gewand eines Höflings aufgezogen waren.

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