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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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Arhys zupfte an seinem kurz geschnittenen Bart. »Es gab Gerüchte, dass die beiden mehr waren als Saufkumpane … Ich gehe davon aus, dass es eine Verleumdung war, aus politischen Gründen, und verbreitet von den Neidischen …?«

»Nein«, erwiderte sie knapp. »Jahrelang waren sie Liebhaber, wie ganz Cardegoss wusste, auch wenn man außerhalb der Hauptstadt nicht darüber sprach. Meine eigene Mutter hat es mir erzählt, kurz vor meiner Hochzeit, damit ich nicht ahnungslos hineinstolpern würde. Damals hielt ich sie für gefühllos. Inzwischen glaube ich, dass sie klug war. Und besorgt. Außerdem glaube ich im Nachhinein, dass es ein Angebot war, es mir noch einmal anders zu überlegen. Damals jedoch ist mir dieser Hintersinn gänzlich entgangen. Später fand ich heraus, dass Lord dy Lutez auf dieser Warnung bestanden hatte — um sich spätere Unannehmlichkeiten zu ersparen, nehme ich an, und auch Ias. Doch trotz all der freimütigen Worte verstand ich nicht, was sie bedeuteten. Wie hätte ich auch — ein romantisches junges Mädchen, überwältigt von einem großen Sieg auf dem Feld der Liebe, wie es ihr erscheinen musste, und auserwählt als Braut des Königs. Ich stimmte zu, bestrebt, vernünftig und aufgeklärt zu erscheinen.«

»Oh«, sagte er leise.

»Falls Ihr also geglaubt habt, Eure Mutter würde ihren Schwüren untreu, indem sie Illvins Vater in ihr Bett nahm — seid versichert, ein anderer dy Lutez hatte die Schwüre zuvor schon gebrochen. Ich fürchte, ihre Mutter war nicht so klug und aufrichtig wie die meine, als man sie auf die Hochzeit vorbereitete. Oder weniger gut informiert.«

Nachdenklich hob er die Brauen. »Das erklärt manches, das ich als Kind nicht verstanden habe. Ich glaubte, mein Vater hätte sie verstoßen, aus Zorn und dem Gefühl der Demütigung, und das wäre der Grund, weshalb er nie hierher kam. Ich kam nie auf den Gedanken, sie könnte ihn verstoßen haben.«

»Oh, ich bin ziemlich sicher, dass Lord dy Lutez von ihrem Fehltritt ernsthaft beleidigt war«, meinte Ista. »Wie gerechtfertigt er auch gewesen sein mag. Sein Stolz hielt ihn davon ab, zurückzukehren, doch sein Sinn für Gerechtigkeit — das muss man ihm zugestehen — hinderte ihn ebenso daran, auf Rache zu sinnen. Vielleicht war es auch Scham. Hoffe ich jedenfalls.« Trocken setzte sie hinzu: »Jedenfalls, zum Ausgleich für seine Verletzung blieb ihm ja noch immer ihr Besitz, den er seinen ausgedehnten Gütern zuschlagen konnte.«

Er musterte sie. »Ihr habt ihn für gierig gehalten.«

»Niemand sammelt aus purem Zufall so viel an. Doch als Gier würde ich es nicht bezeichnen, denn er wusste selbst kaum, was er alles besaß, und ein gieriger Mann zählt jede Münze, die ihm gehört.«

»Wie würdet Ihr es dann nennen?«

Ista kniff die Augenbrauen zusammen. »Befriedigung«, meinte sie schließlich. »Für ihn waren seine Besitztümer ein magischer Spiegel, die ihn so groß zeigten, wie er gern gewesen wäre.«

»Das«, meinte er nach kurzer Pause, »ist ein Furcht einflößendes Urteil, Majestät.«

Ista nickte. »Er war ein komplizierter Mann.« Sie holte tief Luft, setzte neu an: »Arvol und Ias haben mich nicht betrogen, indem sie mir ihre Liebe verschwiegen. Sie haben mich betrogen, indem sie den Fluch verheimlichten. Ich ließ mich auf die Ehe mit Ias ein, ohne die Gefahr zu kennen, in die ich geriet, oder die Gefahr für meine künftigen Kinder. Als ich mit Iselle schwanger war, kamen die Visionen. Die Götter versuchten, zu mir vorzudringen. Ich glaubte, den Verstand zu verlieren. Und Ias und dy Lutez ließen mich in diesem Glauben. Zwei Jahre lang.«

Er zuckte leicht zusammen, als er den plötzlichen Zorn in ihrer Stimme vernahm. »Das hört sich … sehr unfreundlich an.«

»Es war feige. Und noch dazu eine Geringschätzung meines Verstandes und meiner Stärke. Sie ließen mich an den Folgen teilhaben, doch sie vertrauten mir nicht seine Ursache an. Ich war für sie kaum mehr als ein Kind, nicht reif genug für eine solche Bürde. Doch um Ias’ Kinder zur Welt zu bringen, dafür schien ich ihnen geeignet. Doch die Götter waren offenbar anderer Meinung. Denn sie kamen zu mir. Nicht zu Ias. Nicht zu dy Lutez. Zu mir

Sie verzog die Lippen. »Im Rückblick frage ich mich, wie sehr Arvol sich davon gekränkt fühlte. Er wäre gern der einsame strahlende Held gewesen, der zu Ias’ Rettung herbeigeeilt wäre, wenn er gekonnt hätte. Das war seine gewohnte Rolle. Und tatsächlich, eine Zeit lang schien es, als hätten die Götter ihm eben diese Rolle zugedacht.

Schließlich erschien mir die Sommermutter selbst, nicht im Traum, sondern in einer Vision am hellen Tag. Vielleicht werden selbst die Götter irgendwann ungeduldig mit unserer Begriffsstutzigkeit. Jedenfalls, ich war überwältigt — ich hatte noch nicht gelernt, den Göttern gegenüber misstrauisch zu sein. Sie ließ mich wissen, dass der Fluch gebrochen werden und aus der Welt geschafft werden könne, von einem Mann, der dreimal sein Leben für das dahinsiechende Königshaus von Chalion opferte. Ich war jung und verrückt vor Sorge um meine kleinen Kinder. Also nahm ich diese Aussage allzu wörtlich und schloss daraus, dass sie von mir verlangte, einen gefährlichen Ritus zu ersinnen, um diesen Widersinn Wirklichkeit werden zu lassen.«

»Das ist in der Tat gefährlich. Und …«, Falten zeigten sich auf seiner Stirn, »widersinnig.«

»Ich erzählte alles Ias und Arvol, und wir berieten uns. Arvol war betroffen von unseren Tränen und erklärte sich bereit, die Rolle des Helden zu übernehmen. Wir einigten uns auf Ertrinken als Methode, denn wir wussten, dass gelegentlich schon Menschen vom Tod durch Ertrinken zurückgekehrt waren. Außerdem hinterließ es keine entstellenden Spuren. Arvol studierte alle Berichte, die er darüber bekommen konnte, beschäftigte sich mit Opfern, sowohl mit Verstorbenen wie auch mit solchen, die man gerettet hatte. In einer Höhle unter dem Zangre stellten wir ein Fass auf, bereiteten Seile und eine Winde vor. Wir errichten Altäre für alle Götter. Arvol ließ sich ausziehen, fesseln und kopfüber hinunterlassen, bis er sich nicht mehr rührte und das Licht seiner Seele vor meinem inneren Auge erlosch.«

Arhys wollte etwas sagen, doch Ista hob die Hand, um ein Missverständnis zu verhindern. »Nein. Noch nicht. Wir zogen ihn wieder heraus, pressten ihm das Wasser aus der Lunge, massierten sein Herz, riefen unsere Gebete, bis er schließlich würgte und wieder zu atmen begann. Und ich sah erste Risse im Fluch.

Wir hatten vor, das Ritual in drei aufeinander folgenden Nächten zu wiederholen. In der zweiten Nacht verlief alles genauso, bis sein Haar die Wasseroberfläche berührte. Dann aber forderte er uns auf, innezuhalten — er könne es nicht ertragen! Er warf mir vor, ich wolle ihn ermorden, aus Eifersucht. Ias zögerte. Ich war erschüttert, und mir war übel, doch ich ließ mich von der Vernunft drängen. Arvol selbst hatte diese Methode ausgewählt, und einmal war es ja schon gut gegangen … ich jammerte aus Furcht um meine Kinder. Ich war verzweifelt, weil wir ihrer Rettung so nahe gekommen waren und nun scheitern sollten, nur eine Handbreit davor. Und ich war wütend über dy Lutez’ Verleumdung und darüber, dass sein Hochmut mich zu so großen Hoffnungen verleitet hatte, die nun durch seine Schwäche so jämmerlich zunichte gemacht werden sollten.« Schlicht fügte sie hinzu: »Ich glaubte an das, was er zu sein vorgab, wisst Ihr.«

Aus der Dunkelheit, aus irgendeinem Tal unterhalb der Burgmauern, erklang das dünne, hohe Zirpen von Insekten. Kein anderer Laut war zu hören. Arhys hatte zu atmen vergessen. Vielleicht verlor sein Körper allmählich seine Gewohnheiten. Sie fragte sich, wie lange es dauern würde, bis er darauf aufmerksam wurde.

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