Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
»Ein ereignisreicher Tag, den Eure zurückgekehrten Gefährten und ihr jokonischer Anhang uns verschafft haben«, begann er. »Zwei meiner Patrouillen sind aus dem Süden und Westen zurückgekehrt, hatten aber nichts zu berichten. Zwei weitere Patrouillen aber sind noch fort, und ich mache mir Sorgen.« Er zögerte. »Cattilara hat mich bei meiner Rückkehr nicht willkommen geheißen. Ich glaube, sie ist wütend auf mich.«
»Weil Ihr ausreitet und Eure Pflicht tut? Sie wird Euch gewiss vergeben.«
»Sie wird mir nicht meinen Tod vergeben. In dieser Sache bin ich zu ihrem Feind geworden, aber auch zu ihrem Gewinn.«
Seid Ihr das? »Sie glaubt immer noch, sie kann Euch zurückgewinnen. Oder zumindest verhindern, dass Ihr dahingeht. Ich glaube, sie verkennt die zerstörende Auswirkung dieser Verzögerung auf Euch, weil sie von der Oberfläche der Dinge geblendet wird. Falls sie sich auflösende Geister überhaupt wahrnimmt — das Wesen ihrer Verdammnis begreift sie bestimmt nicht.«
»Verflucht«, flüsterte er. »Ist es das, was ich bin? Das erklärt einiges.«
»In theologischer Hinsicht ist es genau das, glaube ich, auch wenn dy Cabon diesen Ausdruck vielleicht verfeinern kann. Ich kenne die Sprache der Gelehrten nicht, aber ich habe es selbst gesehen. Ihr werdet nicht mehr von der Materie genährt. Zugleich wird Euch auch der Beistand Eures Gottes vorenthalten. Allerdings nicht durch Euren eigenen Willen, wie es bei tatsächlich verlorenen Geistern der Fall ist, sondern durch das Wirken eines anderen. Das ist … falsch.«
Er streckte sich und verschränkte die Hände. »So kann es nicht weitergehen. Ich tue nicht einmal mehr so, als ob ich esse. Ich trinke nur noch wenige kleine Schlucke. Meine Hände, mein Gesicht und meine Füße werden allmählich gefühllos. Erst in den letzten zehn Tagen ist mir das aufgefallen, anfangs nur schwach, aber es wird schlimmer.«
»Das hört sich gar nicht gut an«, meinte sie und zögerte. »Habt Ihr gebetet?«
Er legte die Hand auf den linken Ärmel, und Ista erinnerte sich an die schwarze und graue Gebetsschnur, die er insgeheim darunter herumgewickelt hatte. »Im Leben eines Mannes kommen und gehen die Augenblicke, in denen er der Hilfe der Götter bedarf. Cattilara sehnte sich nach einem Kind, und ich erwies meine Ehrerbietung … Doch wenn der Wintervater je meine Gebete gehört hat, so zeigte er es nicht. Ich habe nie zu den Menschen gehört, die irgendwelche Zeichen empfangen haben, oder die sich so etwas einredeten. Bei mir war die Antwort auf meine Gebete stets nur Schweigen. Doch in letzter Zeit habe ich den Eindruck, dass dieses Schweigen … leerer geworden ist. Majestät …«, sein Blick, der aus dem Schatten heraus aufblitzte, schien sie zu durchbohren, »wie viel Zeit habe ich noch?«
Sie wollte sagen: Ich weiß es nicht. Aber diese Ausflucht hatte den Beigeschmack der Feigheit. Kein Arzt aus dem Orden der Mutter hätte ihm seine Frage besser beantworten können als sie. Was kann ich ihm sagen? Sie musterte ihn genau, sowohl mit ihrem gewöhnlichen Blick wie auch mit dem zweiten Gesicht. »Ich habe schon viele Geister gesehen, doch mehr alte als neue. Sie sammeln sich an, müsst Ihr wissen. Die meisten behalten die Gestalt bei, die sie zu Lebzeiten hatten, zumindest für zwei oder drei Monate. Aber sie bleichen allmählich aus und verlieren an Substanz. Ein Jahr nach dem Tod kann das zweite Gesicht normalerweise keine menschlichen Züge mehr unterscheiden, obwohl sie immer noch die grobe Form eines Körpers haben. Nach mehreren Jahren bleibt nur ein weißer Fleck zurück, der dann schwächerer wird, bis er schließlich ganz verschwindet. Doch die Zeitdauer ist sehr unterschiedlich. Ich nehme an, es hängt von der Stärke des Charakters ab, den die Person zu Anfang hatte.« Und vielleicht auch mit der Belastung ihrer schwindenden Existenz? Arhys war ein einzigartiger Fall. Die Anforderungen an seinen Geist wären selbst für einen lebenden Mann gewaltig gewesen. Wie konnte sein hungernder, einsamer Geist sie ertragen?
Die Menschen mit großen Seelen geben großzügig von ihrem Überfluss. Doch selbst sie müssen irgendwann ans Ende ihrer Kräfte gelangen, ohne die stützende Hand … Ihr Verstand scheute davor zurück, diesen Gedanken zu Ende zu führen. Sie lenkte ihn in eine andere Richtung. Ihres Gottes.
»Und wie sehe ich jetzt aus?«
»Eure Farbe ist fast zur Gänze ausgebleicht«, erwiderte sie widerstrebend. »Und Eure Extremitäten werden bereits verschwommen.«
Mit einer tastenden Hand rieb er sich übers Gesicht und murmelte: »Ah. Das erklärt manches.« Für einen Augenblick saß er schweigend da; dann schlug er leicht gegen sein Knie. »Ihr habt mir einmal gesagt, dass Ihr Ias versprochen habt, mit keiner lebenden Seele über das Schicksal meines Vaters zu sprechen. Hier bin ich nun, Majestät, und würde es gern wissen.«
Ista stieß ein überraschtes Schnauben aus. »Für einen Toten gebt Ihr einen recht ansehnlichen Advokaten ab. Dieser Gegenstoß wäre ein guter Treffer geworden, wäre meine Behauptung nicht von Anfang an eine Lüge gewesen. Ias hat mir nie ein solches Versprechen abverlangt. Er redete damals kaum noch mit mir. Die Geschichte, die ich Euch erzählt habe, war lediglich ein Schild, um meine Feigheit zu verstecken.«
»Feige ist nicht das Wort, mit dem ich Euch beschreiben würde, Majestät.«
»Irgendwann lernt man es besser, als seine Wahlmöglichkeiten der Furcht zu überlassen. Mit dem Alter, mit jeder neuen Wunde und jeder Narbe lernt man es.«
»Dann bitte ich Euch nun um die Wahrheit, als meine Grabbeigabe. Das erscheint mir erstrebenswerter als Blumen.«
»Aaah.« Mit einem langen Seufzer stieß sie den Atem aus. »Ja.« Sie fuhr mit den Fingern über den glatten kalten Amethyst und die silberne Filigranarbeit der Brosche unter ihrem Busen. Dy Lutez hat es an seinem Hut getragen, an seinem letzten Tag. Ich erinnere mich. »Das ist das dritte Mal in meinem Leben, dass ich dieses Geständnis mache.«
»Aller guten Dinge sind drei, sagt man.«
»Was weiß man schon?« Sie schnaubte wieder, leiser diesmal. »Ich glaube das nicht. Jedenfalls, meine Zuhörer bei diesem Geständnis waren stets erlesen, wie es meinem Rang und dem Verbrechen geziemt. Ein wahrhafter Heiliger, ein ehrlicher Geistlicher, und der Sohn des Toten … so.« Sie hatte die Geschichte in Gedanken stets wiederholt. Eine weitere Probe war nicht nötig. Sie setzte sich gerade auf und begann:
»Jeder weiß, dass Ias’ Vater, König Fonsa, voller Verzweiflung über den Verlust seiner Söhne und seines Königreichs unter dem Ansturm des Bündnisses des Goldenen Heerführers, seinen Feind durch einen Todeszauber niederstreckte und zum Ausgleich sein eigenes Leben gab.«
»Das ist Geschichte, ja.«
»Sehr viel weniger Menschen jedoch wissen, dass bei diesem Ritual etwas zurückblieb, ein schleichender Fluch, der Fonsas Erben quälte und alles vergiftete, was sie anfingen. Erst Ias, dann dessen Sohn Orico. Teidez. Iselle. Oricos unfruchtbare Ehefrau Sara. Und mich«, hauchte sie. »Mich.«
»Die Regierungszeit König Ias’ galt als wenig glücklich für Chalion«, räumte er vorsichtig ein. »Auch nicht die von Orico.«
»Ias, der Unglückliche. Orico, der Kraftlose. Diese Spitznamen, die das gewöhnlichen Volk ihnen gab, werden nicht einmal zur Hälfte der Wahrheit gerecht. Ias wusste von dem Fluch, wusste, woher er kam und wie er entstanden war. Aber selbst Orico hat er erst auf dem Sterbebett davon erzählt. Er teilte das Wissen allerdings mit Arvol dy Lutez, seinem Gefährten seit der Kindheit, seinem Marschall, seinem Kanzler, seiner rechten Hand. Vielleicht wollte er Arvol als Zange verwenden, um die Staatsgeschäfte Chalions zu führen, ohne sie mit dem Fluch zu belasten. Orico versuchte das später mit seinen eigenen Günstlingen. Nicht, dass diese List Erfolg gehabt hätte. Doch Arvol dy Lutez’ Ehrgeiz und seinen großen Energien sagte es sehr zu. Und seiner Überheblichkeit. Ich versichere Euch, auf seine Weise liebte Euer Vater Ias. Ias verehrte ihn und war von seinem Urteil abhängig. Arvol war es sogar, der mich für ihn ausgewählt hatte.«