Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
»Als wir ihn das zweite Mal herauszogen, war er wirklich tot, und all unserer Tränen und Gebete, unser Bedauern und die gegenseitigen Beschuldigungen brachten ihn nicht ins Leben zurück. Später kam Ias zu dem Schluss, dass Arvols Anschuldigung der Wahrheit entsprach. Und die meiste Zeit war auch ich dieser Meinung. Die Verantwortung lag bei … Ias, für seine Schwäche, und bei mir, für meine Ungeduld und Dummheit. Denn wäre Ias mir entgegengetreten, hätte ich nachgegeben. Oder hätte ich auf mein Herz gehört und nicht auf meinen Kopf, und hätte Arvol mehr Zeit eingeräumt — wer weiß, ob er nicht einen Tag später, oder eine Woche, oder einen Monat, seinen Mut zurückgewonnen hätte? Das werde ich jetzt nie mehr erfahren. Die Götter hatten mich verlassen. Der Fluch blieb bestehen, ungebrochen, und mit schlimmeren Folgen als je zuvor. Bis schließlich eine neue Generation einen anderen Mann hervorbrachte, der besser geeignet war, den Fluch von der Welt zu nehmen.« Sie holte Luft. »Und das war der Grund, dass ich Euren Vater ermordet habe. Wenn Ihr es wirklich wissen wollt.«
Arhys blieb lange Zeit still. Schließlich sagte er: »Ich glaube, Majestät, das ist kein Geständnis. Das ist eine Anklage.«
Sie lehnte sich zurück. »Gegen Arvol? Ja«, erwiderte sie langsam. »Das auch. Hätte er sich niemals freiwillig bereit erklärt, hätte ich nicht schlechter von ihm gedacht. Wäre er beim ersten Versuch gestorben, hätte ich geglaubt, dass diese Aufgabe die Kräfte jeden Mannes übersteigt, oder dass mein Plan fehlerhaft war. Aber dass er erst einmal zeigte, dass es tatsächlich möglich ist, und dann scheiterte … es brach mir das Herz. Arvol dy Lutez war ein großer Mann. Aber er war nicht groß genug.«
Arhys blickte in die Dunkelheit. Die Fackel war beinahe heruntergebrannt, doch am oberen Ende der Treppe leuchtete noch immer Liss’ Kerze. Sie saß dort, das Kinn auf die Hände gestützt, und kämpfte gegen die Müdigkeit. Der Page war eingeschlafen und lag dicht bei ihr an ihren Röcken.
»Wenn mein Vater überlebt hätte«, sagte Arhys schließlich, »meint Ihr, er hätte mich jemals an seine Seite gerufen?«
»Hätte er seine Seele weit genug geöffnet, um Erfolg zu haben, hätte sie Euch mit umfassen können. Diejenigen, die einen Gott aufgenommen haben, schrumpfen danach nicht wieder auf ihr früheres Maß zurück, meiner Erfahrung nach. Doch hätte er es niemals versucht … nun, er war nie so klein, dass er jeder Gefahr aus dem Weg gegangen wäre. Also, ich weiß es nicht.«
Er gab einen leisen Laut von sich, der schreckliches verborgenes Leid zum Ausdruck brachte. Dann blickte er zum Himmel auf und schätzte an den Sternen die Zeit ab. »Majestät, ich halte Euch vom Schlafen ab.«
Aber nicht umgekehrt. Worüber dachte er während der langen einsamen Wachen seiner schlaflosen Nächte nach? Doch Ista beherzigte seinen Rat und erhob sich. Er stand mit ihr auf; seine Rüstung klirrte.
Er nahm ihre Hand, deutete eine Verbeugung an und drückte kurz seine kühle Stirn auf ihren Handrücken. »Majestät, ich danke Euch für diese Grabkränze aus Wahrheit. Ich kann ermessen, was sie Euch gekostet haben.«
»Sie sind aus trockenem, bitterem Dornengestrüpp gewunden. Ich wollte, ich könnte Euch etwas Besseres an die Bahre legen.« Ich wünsche es von ganzem Herzen.
»Ich lege keinen Wert auf einen weicheren Kranz.«
Liss sah die beiden über den Hof zurückkommen, weckte den Knaben durch einen Stoß in die Seite und ging zum Fuß der Treppe, um Ista in Empfang zu nehmen. Arhys grüßte sie ernst und wandte sich ab, und sein schläfriger Page schlurfte hinterdrein.
Es dauerte lange, bis Ista einschlief. Im Morgengrauen glaubte sie, ein Poltern zu hören und leise Stimmen in einiger Entfernung. Doch ihre Erschöpfung ließ sie wieder aufs Kissen zurücksinken. Sie fiel in einen üblen Traum, in dem sie neben Lady Cattilara am Ehrentisch saß. Die Gräfin glühte schwach violett; sie bewirtete ihre Gäste mit Speisen, die Istas Leib anschwellen ließen, und ertränkte Istas Verstand in Wein, bis Ista sich in ihrem Stuhl zurücklehnte, weil ihre Glieder gelähmt waren und sie sich nicht mehr erheben konnte.
Erst ein viel lauteres Poltern an der Tür zum Vorzimmer weckte sie schließlich aus ihrer absonderlichen Traumgefangenschaft. Sie stellte fest, dass sie in ihrem eigenen Bett lag, dass ihr Körper nicht entstellt war, und dass sie sich wieder bewegen konnte. Erleichtert atmete sie auf. Allerdings fühlte sie sich alles andere als erholt. Leuchtende Linien schimmerten durch die Fensterläden, und Ista erkannte, dass es heller Tag war.
Liss’ Schritte waren zu hören, dann Stimmen: die von Foix, tief und eindringlich, und die von dy Cabon, schrill und aufgeregt. Ista hatte sich bereits aus dem Bett geschwungen und ihr schwarzes Kleid übergezogen, als die Verbindungstür zwischen den Gemächern sich öffnete und Liss den Kopf ins Zimmer steckte.
»Majestät, es ist etwas sehr Merkwürdiges vorgefallen …«
Ista schob sich an ihr vorbei. Foix war vollständig angezogen, mit blauer Tunika, Hosen, Stiefeln und Schwert. Sein Gesicht war vor Anstrengung gerötet. Dy Cabons weißes Untergewand saß schief, die Knöpfe vorn steckten nicht in den richtigen Löchern, und er war noch barfuß.
»Majestät.« Foix senkte den Kopf. »Habt Ihr in der Morgendämmerung etwas Ungewöhnliches gehört oder gesehen, bei Lord Illvins Gemächern oder auf der Galerie? Euer Gemach liegt näher daran als unseres.«
»Nein … das heißt, vielleicht. Ich bin wieder eingeschlafen.« Sie verzog das Gesicht, als sie an den unangenehmen Traum dachte. »Ich war sehr müde. War da irgendetwas?«
»Lady Cattilara kam bei Sonnenaufgang mit einigen Dienern und trug Lord Illvin auf einer Trage davon. Sie sagte, sie wollte ihn hinunter zum Tempel bringen, um für ihn zu beten und sich mit den Heilkundigen dort zu beraten.«
»Aber wieso? Die Heilkundigen des Tempels würden auch hier oben auf Burg Porifors nach ihm sehen«, sagte Ista beunruhigt. »Ist Lord Arhys mit ihnen gegangen?«
»Der Graf ist heute Morgen nirgends aufzufinden. Ich habe überhaupt erst von all dem erfahren, als einer seiner Offiziere mich gefragt hat, ob ich ihn gesehen hätte.«
»Ich habe Arhys zuletzt in der vergangenen Nacht gesehen. Er kam vorbei, um sich unten im Innenhof mit mir zu unterhalten, ungefähr um Mitternacht. Liss war auch dabei.«
Das Mädchen nickte. Offensichtlich war sie eher als Ista erwacht: Sie war vollständig bekleidet, und ein Tablett mit dem morgendlichen Tee und mit frischem Brot stand schon auf dem Tisch bereit.
»Nun«, fuhr Foix fort. »Ich hatte ein ungutes Gefühl, vielleicht eine Nachwirkung der schlechten Träume von letzter Nacht. Da können einem wirklich Zweifel am Essen hier in der Burg kommen. Jedenfalls, ich entschuldigte mich und ging hinunter zum Tempel, um zu sehen, was dort vor sich ging. Lady Cattilara war nie dort angekommen. Schließlich fand ich heraus, dass sie einen Frachtwagen und ein Gespann mit Zugpferden aus den Ställen der Garnison dort unten beschlagnahmt hatte. Niemand konnte mir sagen, was sie aufgeladen hatte, aber es wurde beobachtet, wie der Wagen vor mindestens einer Stunde die Stadt verlassen hat, in Richtung Süden. Goram hockte auf dem Kutschbock, und einer der Diener saß neben ihm.«
Ista holte scharf Luft. »Wurden sie oder Arhys seitdem gesehen?«
»Nein, Majestät.«
»Dann hat sie die beiden herausgeschmuggelt. Sie hat Arhys mitgenommen und Illvin entführt, um Arhys zu erhalten.«
Foix musterte sie scharf. »Ihr meint, die Gräfin steckt dahinter? Nicht Lord Arhys?«
»Lord Arhys würde Porifors niemals im Stich lassen oder seinen Posten. Nicht um alle Tränen seiner Frau«, sagte Ista mit Bestimmtheit. Denn er ist willensstärker als Ias. Aber das waren die dy Lutez schon immer.