Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
»Er lebt in der Nähe, aber nicht direkt an der Straße oder auf dem Pass selbst. Die Ichani werden sich als eine kleine Gruppe ausländischer Händler tarnen. Selbst wenn irgendjemand sie bemerkte, würde Dorrien vielleicht erst ein oder zwei Tage später von den Einheimischen davon erfahren.«
»Es sei denn, Lorlen weist ihn an, ein Auge auf die Straße zu haben und Reisende zu befragen.«
Akkarin antwortete nicht. Stattdessen beobachtete er schweigend die fernen Ichani. Der Himmel jenseits des Horizonts wurde ein wenig heller, ein Zeichen, dass der Mond bald aufgehen würde. Als der erste Lichtschein erschien, begann Akkarin wieder zu sprechen.
»Wir müssen uns von der windabgewandten Seite nähern, sonst wird der Limek uns wittern.«
Sonea drehte sich zu der Wasserschale um. Sie war jetzt bis zum Rand gefüllt und quoll über.
»Wenn wir noch Zeit haben, wäre da etwas, das wir zuerst tun sollten«, sagte sie.
Er beobachtete sie, während sie zu der Schale hinüberging. Sie wärmte das Wasser mit ein wenig Magie, dann blickte sie zu ihm auf. »Dreht Euch um – und nicht linsen.«
Ein schwaches Lächeln spielte um seine Lippen. Er drehte ihr den Rücken zu und verschränkte die Arme vor der Brust. Ohne ihn aus den Augen zu lassen, zog Sonea nacheinander ihre Kleidungsstücke aus, wusch sie und wusch auch sich selbst, bevor sie alles mit Magie trocknete. Sie musste warten, bis die Schale sich einige Male von Neuem füllte, während ihre Kleider das Wasser aufnahmen. Zu guter Letzt leerte sie die Schale über sich aus. Sie massierte sich die Kopfhaut und stieß einen wohligen Seufzer aus.
Dann straffte sie sich und schüttelte sich das Haar aus den Augen.
»Jetzt seid Ihr an der Reihe.«
Akkarin drehte sich um und ging auf die Schale zu. Sonea entfernte sich einige Schritte und setzte sich dann, mit dem Rücken zu ihm, auf den Boden. Während sie wartete, beschlich sie bohrende Neugier. Sie schob die Regung beiseite und konzentrierte sich darauf, ihr Haar mit Magie zu trocknen, während sie mit den Fingern die Knoten entwirrte.
»So ist es schon besser«, sagte er schließlich.
Als Sonea sich umdrehte, erstarrte sie, denn sein Hemd lag auf dem Boden neben ihm. Ihr Blick fiel auf seine nackte Brust, und da sie spürte, wie ihr die Röte in die Wangen schoss, wandte sie sich hastig wieder ab.
Mach dich nicht lächerlich, schalt sie sich. Du hast schon jede Menge halbnackter Männer gesehen. Die Arbeiter auf den Märkten trugen in der sommerlichen Hitze kaum mehr als kurze Hosen. Das hatte sie nie in Verlegenheit gestürzt.
Nein, antwortete eine Stimme in ihrem Hinterkopf, aber du hättest dich ganz anders gefühlt, wenn einer von ihnen dir gefallen hätte.
Sie seufzte. Sie wollte nicht so empfinden. Es machte die Situation schwieriger, als es sein musste. Sie holte tief Luft und stieß sie langsam wieder aus. Ausnahmsweise einmal wünschte sie sich, sie würden weitergehen, damit die Wanderschaft durch das raue Terrain der Berge ihre ganze Aufmerksamkeit verlangte.
Sie hörte Schritte hinter sich. Als sie aufblickte, stellte sie zu ihrer Erleichterung fest, dass Akkarin wieder voll bekleidet war.
»Also, weiter«, sagte er.
Sie stand auf und folgte ihm den Berghang hinab. Die Anstrengung half ihr tatsächlich, wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Sie bewältigten den Abstieg ziemlich schnell und bewegten sich direkt auf die Ichani und ihr Licht zu. Nachdem mehr als eine Stunde vergangen war, verlangsamte Akkarin seinen Schritt und blieb stehen. Sein Blick war auf einen Punkt in der Ferne gerichtet.
»Was ist los?«, fragte sie.
»Lorlen hat den Ring übergestreift«, sagte er nach einer langen Pause.
»Dann trägt er ihn also nicht ständig?«
»Nein. Bis jetzt ist der Ring ein Geheimnis geblieben. Sarrin hat die Bücher gelesen und hätte erkannt, was der Ring bedeutete. Normalerweise streift Lorlen ihn jeden Abend einige Male über.« Akkarin setzte sich wieder in Bewegung. »Ich wünschte, ich hätte etwas Glas«, murmelte er. »Dann würde ich dir auch einen Ring machen.«
Sonea nickte, obwohl sie von Herzen dankbar war, dass er diese Möglichkeit nicht hatte. Ein Blutring hätte zu viel von ihren Gedanken enthüllt. Bis es ihr gelang, sich ihre törichten Gefühle für Akkarin aus dem Kopf zu schlagen, wollte sie nicht, dass er erfuhr, was in ihr vorging.
Langsam setzten sie ihren Weg fort. Nach mehreren hundert Schritten legte Akkarin einen Finger an die Lippen. Sie schlichen vorsichtig weiter und hielten viele Male inne, damit Akkarin die Windrichtung ermitteln konnte. Sonea sah einen Lichtschein zwischen zwei Felsen vor ihnen und wusste, dass sie ihr Ziel erreicht hatten.
Während sie und Akkarin sich dem Felsen näherten, konnten sie schwache Stimmen ausmachen, die langsam deutlicher wurden. Sie blieben stehen und duckten sich hinter die Felsen. Die erste Stimme, die Sonea hörte, war männlich und wies einen starken Akzent auf.
»… bessere Chancen als ich, mit einem Yeel.«
»Sie ist ein kluges Mädchen«, erwiderte die Frau. »Warum legst du dir nicht auch einen Yeel zu, Parika?«
»Ich hatte mal einen. Letztes Jahr habe ich eine neue Sklavin aufgegriffen. Du weißt ja, wie die neuen manchmal sind. Sie ist mir davongelaufen, und als der Yeel sie fand, hat sie ihn getötet. Allerdings hatte er ihr vorher die Beine zerfetzt, so dass sie anschließend nicht mehr weit gekommen ist.«
»Du hast sie getötet?«
»Nein.« Parika klang resigniert. »So verlockend der Gedanke war. Es ist zu schwer, gute Sklaven zu finden. Sie kann jetzt nicht mehr laufen und macht daher nicht mehr so viel Ärger.«
Die Frau schnalzte mit der Zunge. »Sie machen alle Ärger – selbst wenn sie loyal sind. Entweder das, oder sie sind dumm.«
»Aber notwendig.«
»Mmmh. Ich hasse es, allein zu reisen, ohne jemanden, der mich bedient«, sagte die Frau.
»Aber es geht schneller.«
»Diese Kyralier hätten mich aufgehalten. Ich bin beinahe froh, dass ich sie nicht gefunden habe. Mir behagt der Gedanke nicht, Magier gefangen zu halten.«
»Sie sind schwach, Avala. Sie hätten dir nicht viel Mühe bereitet.«
»Tot würden sie noch weniger Mühe bereiten.«
Ein Frösteln überlief Sonea. Plötzlich wollte sie nur noch so schnell wie möglich weit fort von hier. Es war kein angenehmes Gefühl zu wissen, dass zwei Magier, die ihren Tod wünschten, nur etwa ein Dutzend Schritte entfernt saßen.
»Er will sie lebend.«
»Warum macht er dann nicht selbst Jagd auf sie?«
Der Ichani kicherte. »Es juckt ihn wahrscheinlich in allen Fingern, aber er vertraut den anderen nicht.«
»Ich vertraue ihm nicht, Parika. Vielleicht hat er uns nur mit der Suche nach den Kyraliern beauftragt, um uns aus dem Weg zu schaffen.«
Der Mann antwortete nicht. Sonea hörte ein leises Rascheln von Gewändern, dann das Geräusch von Schritten.
»Ich habe getan, was ich konnte, um sie zu finden«, erklärte Avala. »Ich möchte nicht ausgeschlossen werden, deshalb kehre ich zu den anderen zurück. Wenn er diese beiden Kyralier haben will, wird er selbst Jagd auf sie machen müssen.« Sie hielt inne. »Und was wirst du tun?«
»Ich kehre zum Südpass zurück«, antwortete Parika. »Ich bin davon überzeugt, dass ich dich bald wiedersehen werde.«
Avala brummte etwas Unverständliches. »Dann gute Jagd.«
»Gute Jagd.«
Sonea hörte Schritte, die sich langsam entfernten. Akkarin sah sie an und deutete mit dem Kopf in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Langsam und schweigend folgte sie ihm. Als sie mehrere hundert Schritte gegangen waren, beschleunigte er sein Tempo. Statt in die höheren Bereiche des Berges zurückzukehren, machte er sich auf den Weg in südliche Richtung.
»Wohin gehen wir?«, murmelte Sonea.
»Nach Süden«, antwortete Akkarin. »Avala konnte es kaum erwarten, zu den anderen zurückzukehren, da sie befürchtete, etwas zu verpassen. Wenn sie sich ohne Parika, der zum Südpass wandern will, auf den Weg zu Kariko macht, muss Kariko die Absicht haben, über den Nordpass nach Kyralia einzudringen.«