Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Sie ließ die Lider wieder sinken. Sie sollte aufstehen, aber sie wollte sich nicht bewegen. Sobald sie das tat, würde der Tag beginnen, und sie wusste, was er bringen würde: neue Gewaltmärsche durchs Gebirge und eine Fortsetzung ihrer Flucht vor dem Ichani. Und Akkarin würde ihr wieder mit der gewohnten Kälte begegnen.
Sie öffnete die Augen vollends und betrachtete ihn genauer. Sein Gesicht wirkte ausgezehrt, und unter den Augen lagen bläuliche Ringe. Winzige, dunkle Bartstoppeln betonten das eckige Kinn und die hervortretenden Wangenknochen. Er sah dünn und müde aus. Hatte er überhaupt geschlafen? Oder hatte er die ganze Nacht über sie gewacht?
Plötzlich trafen sich ihre Blicke, und ein missbilligender Ausdruck trat in seine Züge.
»Ah. Du bist endlich wach.« Er erhob sich. »Steh auf. Wir müssen so viel Abstand wie möglich zwischen uns und den Pass legen.«
Dir auch einen guten Morgen, dachte Sonea. Sie rollte sich herum und zog sich unsicher auf die Füße.
»Wie spät ist es?«
»Die Sonne geht bald unter.«
Sie hatte den ganzen Tag geschlafen. Noch einmal musterte sie die Schatten unter seinen Augen.
»Habt Ihr etwas geschlafen?«
»Ich habe Wache gehalten.«
»Wir sollten uns bei der Wache abwechseln.«
Er antwortete nicht. Sie ging zum Eingang der Höhle hinüber. Bei dem Anblick des steilen Abgrunds wurde ihr schwindlig. Akkarin legte ihr eine Hand auf die Schulter, und sie spürte die Vibration von Magie unter ihren Füßen.
»Lasst mich das tun«, erbot sie sich.
Er ignorierte sie. Dann wurden sie von Magie emporgetragen. Sonea beobachtete Akkarins Gesicht, als sie langsam aufwärts stiegen, und ihr fiel seine Anspannung auf. Morgen Abend würde sie darauf bestehen, die erste Wache zu übernehmen, beschloss sie. Offenkundig konnte sie sich nicht darauf verlassen, dass er sie wecken würde, damit er selbst schlafen konnte.
Als er sie oben auf dem Felsen wieder absetzte, nahm er die Hand von ihrer Schulter. Er machte sich daran, den Boden abzusuchen, und Sonea folgte ihm. Da sie vermutete, dass er nach Spuren des Ichani Ausschau hielt, ließ sie sich ein wenig zurückfallen. Nachdem er einige hundert Schritte den Berg hinaufgestiegen war, blieb er stehen, kam zu ihr zurück und blickte in die entgegengesetzte Richtung.
Sonea drehte sich ebenfalls um und sog voller Staunen die Luft ein. Vor ihr breitete sich das Ödland aus. Obwohl das Licht der Dämmerung das Bild ein wenig dämpfte, waren die Farben des Landes trotzdem ungeheuer lebhaft.
Dunkle, rostfarbene Erde grenzte an den Fuß der Berge, aber dort, wo Flüsse das Land unterspült hatten, waren schwarze und hellgelbe Streifen zu sehen. Wenn sie genau hinschaute, konnte sie auf der Oberfläche sogar hier und da Grasbüschel erkennen und kleine, spärliche Wäldchen, deren Bäume sich im Wind bogen.
Es war eine trostlose Landschaft, die jedoch gleichzeitig eine wilde Schönheit barg. Die Farben waren so intensiv und fremdartig. Selbst der Himmel schien von einem anderen Blau zu sein als in Kyralia.
»Es ist so, wie ich befürchtet habe. Er ist nach Süden weitergegangen, statt in die Ödländer hinabzusteigen.«
Als sie sah, dass Akkarin wieder auf sie zukam, blinzelte sie überrascht. Er ging an ihr vorbei und setzte seinen Weg den Hang hinauf fort. Seufzend eilte sie ihm nach.
Ein anstrengender Aufstieg folgte. Statt zu schweben zog Akkarin es vor, die sich überlagernden Felsschichten hinaufzuklettern. Er blieb nicht stehen, um sich auszuruhen, und als die letzten Sonnenstrahlen über den Bergen erloschen waren, war Sonea einmal mehr vollkommen erschöpft, und ihre Glieder schmerzten.
Schon bald sehnte sie sich nach der Erleichterung, einfach nur still dastehen zu dürfen. Oder zumindest in der Lage zu sein, mit Akkarins langen Schritten mitzuhalten. Wenn sie ihn dazu bringen konnte, mit ihr zu reden, würde er vielleicht für kurze Zeit sein Tempo drosseln.
»Wohin gehen wir?«
Akkarin zögerte, blieb jedoch nicht stehen und drehte sich auch nicht zu ihr um.
»Weg von dem Pass.«
»Und dann?«
»Irgendwohin, wo wir in Sicherheit sind.«
»Habt Ihr einen bestimmten Ort im Sinn?«
»Ich will nur irgendwohin, wo wir weit weg sind von Sachaka und den Verbündeten Ländern.«
Sonea hielt inne und starrte auf Akkarins Rücken. Weg von Sachaka und Kyralia? Er hatte nicht die Absicht, in der Nähe zu bleiben, damit er der Gilde beistehen konnte, wenn die Ichani angriffen? Er würde Kyralia doch gewiss nicht im Stich lassen?
Es ergab jedoch durchaus Sinn. Was sonst konnten sie tun? Sie waren nicht stark genug, um gegen die Ichani zu kämpfen – ebenso wenig wie die Gilde. Und die Gilde würde ihre Hilfe ohnehin nicht annehmen. Was für eine Rolle spielte es da, ob sie blieben oder nicht?
Trotzdem konnte sie nicht glauben, dass er so leicht aufgab. Sie konnte nicht so leicht aufgeben. Sie würde kämpfen, selbst wenn das bedeutete, dass sie diesen Kampf wahrscheinlich verlor.
Aber wenn das bedeutete, dass sie Akkarin verlassen musste…?
Akkarin drehte sich zu ihr um. »Genau genommen habe ich die Absicht, Karikos Gruppe zu finden und selbst ein wenig zu spionieren«, erklärte er. »Wenn ich sie finde, werde ich ein Bild dessen, was ich sehe, an die Gilde schicken.«
Sonea blinzelte, dann schüttelte sie den Kopf. Er hatte sie also auf die Probe gestellt. Diese Erkenntnis erfüllte sie gleichzeitig mit Erleichterung und Zorn. Dann dachte sie über seine Worte nach, und das Blut gefror ihr in den Adern.
»Die Ichani werden Euch hören. Sie werden wissen, dass Ihr sie beobachtet«, wandte sie ein. »Sie werden -«
Er blieb stehen und wandte sich zu ihr um. »Warum bist du mitgekommen, Sonea?«
Sonea starrte ihn an. Seine Augen glitzerten gefährlich. Zuerst war sie gekränkt, dann wütend.
»Ihr braucht mich dringender, als die Gilde es tut«, beschied sie ihm.
Seine Augen wurden schmal. »Dich brauchen? Ich brauche keine halb ausgebildete, ungehorsame Novizin, die ich beschützen muss.«
Ungehorsam. Deshalb ist er also so wütend. Sie straffte sich. »Wenn Ihr tatsächlich die Absicht habt, diesen schlecht durchdachten Plan in die Tat umzusetzen, dann braucht Ihr mich wahrhaftig«, gab sie zurück.
Sein Blick flackerte kurz, aber seine Miene wurde nicht weicher.
»Schlecht durchdacht oder nicht, warum sollte ich dich in meine Pläne einschließen, wenn es dir so sehr widerstrebt, sie zu befolgen?«
Sie hielt seinem Blick stand. »Es widerstrebt mir nur, Plänen zu folgen, die zu Eurem Tod führen werden.«
Er blinzelte, dann sah er sie durchdringend an. Auch diesmal wich sie seinem Blick nicht aus. Schließlich wandte er sich abrupt ab und setzte seinen Marsch fort.
»Deine Anwesenheit hat die Dinge kompliziert. Ich kann nicht tun, was ich beabsichtigt hatte. Ich werde darüber nachdenken müssen, was ich… was wir jetzt tun werden.«
Sonea eilte ihm nach. »Ihr habt doch nicht wirklich die Absicht gehabt, die Ichani auszuspionieren und der Gilde zu übermitteln, was Ihr gesehen habt?«
»Ja und nein.«
»Wenn die Ichani Euch hören, werden sie herausfinden, wo Ihr Euch versteckt.«
»Natürlich«, erwiderte er.
Und wenn sie ihn fingen, würden sie ihn nicht versklaven. Sie würden ihn töten. Plötzlich verstand Sonea, was Akkarin der Gilde hätte zeigen wollen. Ein kalter Schauer überlief sie.
»Nun, wenn Ihr ihnen das zeigt, werdet Ihr die Gilde damit eindeutig von der Existenz der Ichani überzeugen.«
Er hielt inne und straffte sich. »Ich wollte damit nicht andeuten, dass ich die Absicht hatte, mich zu opfern«, entgegnete er steif. »Die Ichani werden mich nicht hören, wenn ich mich durch Lorlen mit der Gilde in Verbindung setze.«
Lorlens Ring. Hitze stieg ihr in die Wangen. »Ich verstehe«, erwiderte sie.
Ich bin eine Närrin, dachte sie. Jedenfalls ist es mir gerade gelungen, mich wie eine Närrin aufzuführen. Vielleicht wäre es besser, wenn ich den Mund hielte.