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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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»Freund Fraser«, sagte er mit belegter Stimme. »Ich bin – bitte um Verzeihung – ich war –«

Jamie verbat sich seine Entschuldigungen, setzte sich ihm gegenüber hin und nahm sich beiläufig eine Butterstulle von der Platte.

»Kann ich Euch irgendwie dienen, Mr. Husband?«

Husband rieb sich mit der Hand durch das Gesicht, was zwar nicht zur Verbesserung seines Aussehens beitrug, ihn jedoch vollständig zu wecken schien. Bei genauer Betrachtung im weichen Nachmittagslicht der Küche sah er sogar noch schlimmer aus als draußen. Seine Augen waren verquollen und blutunterlaufen, und sein gräuliches Haar und sein Bart waren verknotet. Ich wusste, dass er erst Mitte fünfzig war, doch er sah zehn Jahre älter aus. Er unternahm einen Versuch, sich den Rock glatt zu streichen, und nickte erst mir zu, dann Jamie.

»Ich danke Euch für die Freundlichkeit Eures Empfangs, Freund Fraser. Und Euch auch, Mrs. Fraser. Ich bin in der Tat gekommen, um Euch um einen Gefallen zu bitten, wenn ich darf.«

»Natürlich könnt Ihr fragen«, sagte Jamie höflich. Er biss in sein Brot und zog fragend die Augenbrauen hoch.

»Würdet Ihr mein Pferd kaufen?«

Jamie ließ die Augenbrauen nicht sinken. Er kaute langsam und überlegte, dann schluckte er.

»Warum?«

Warum, in der Tat. Es wäre sehr viel leichter für Husband gewesen, in Salem oder High Point ein Pferd zu verkaufen, wenn ihm der Ritt nach Cross Creek zu weit war. Kein vernünftiger Mensch hätte sich an einen so abgelegenen Ort wie Fraser’s Ridge begeben, nur um ein Pferd zu verkaufen. Ich stellte Adso auf den Boden und setzte mich neben Jamie, um seine Antwort abzuwarten.

Husband warf ihm einen Blick zu, der zwar blutunterlaufen, aber klar und direkt war.

»Ich höre, man hat Euch zum Oberst der Miliz ernannt?«

»Als Strafe für meine Sünden«, sagte Jamie und hielt sich das Brot vor den Mund, ohne hineinzubeißen. »Glaubt Ihr vielleicht, der Gouverneur hat mir Geld gegeben, um mein Regiment mit Pferden auszustatten?«

Husbands Mundwinkel hob sich kurz als Reaktion auf diesen trockenen Witz. Ein Oberst der Miliz versorgte sein Regiment selbst und verließ sich dabei darauf, seine Kosten irgendwann von der Abgeordnetenversammlung erstattet zu bekommen; ein Grund, warum nur Männer mit Besitz in diesen Rang erhoben wurden – und ein wichtiger Grund, warum diese Berufung nicht als uneingeschränkte Ehre galt.

»Wenn er es getan hätte, wäre es mir ein Vergnügen, etwas davon anzunehmen.« Auf Jamies einladende Geste hin streckte Husband die Hand aus und griff erneut nach einer gebutterten Brotscheibe, auf der er ernst herumkaute, während er Jamie unter seinen dichten, graumelierten Brauen hinweg ansah. Schließlich schüttelte er den Kopf.

»Nein, Freund James. Ich muss mein Vieh verkaufen, um die Strafen zu zahlen, die der Gerichtshof mir auferlegt hat. Wenn ich nicht so viel wie möglich verkaufe, könnte es sein, dass es beschlagnahmt wird. Und wenn ich es nicht will, bleibt mir keine andere Wahl, als die Kolonie zu verlassen und mit meiner Familie an einen anderen Ort zu ziehen – und wenn ich gehe, dann muss ich veräußern, was ich nicht mitnehmen kann – um jeden Preis.«

Zwischen Jamies Augenbrauen bildete sich eine kleine Falte.

»Aye, ich verstehe«, sagte er langsam. »Ich würde Euch ja helfen, wenn es mir möglich wäre, Hermon. Ich hoffe, Ihr wisst das. Aber ich habe keine zwei Shilling in bar – nicht einmal Proklamationsgeld, geschweige denn Sterling. Wenn es allerdings irgendetwas in meinem Besitz gibt, was Euch von Nutzen sein könnte …«

Husband lächelte sacht, und seine schroffen Gesichtszüge wurden weicher.

»Aye, Freund James. Eure Freundschaft und Ehre sind mir von wahrhaft großem Nutzen. Was den Rest angeht …« Er lehnte sich vom Tisch zurück und tastete in der kleinen Schultertasche herum, die er neben sich gestellt hatte. Er brachte einen dünnen Brief zum Vorschein, der ein rotes Wachssiegel trug. Ich erkannte das Siegel, und es verschnürte mir die Brust.

»Ich habe den Boten in Pumpkin Town getroffen«, sagte Husband und sah zu, wie Jamie den Brief ergriff und seinen Daumen unter die Lasche schob. »Ich habe ihm angeboten, Euch den Brief zu bringen, da ich so oder so hierher unterwegs war.«

Jamie zog die Augenbrauen hoch, doch seine Aufmerksamkeit galt einzig dem Papierbogen in seiner Hand. Ich rückte näher, um ihm über die Schulter zu blicken.

22. November 1770

Oberst James Fraser

Alldieweil man mich unterrichtet, dass die Männer, welche sich Regulatoren nennen, sich in großer Zahl in der Nähe von Salisbury gesammelt haben, habe ich General Waddell mitteilen lassen, dass er sich augenblicklich mitsamt der ihm verfügbaren Miliztruppen dort hin begeben soll, um die gesetzeswidrige Versammlung zu zerstreuen. Ihr werdet hiermit ersucht und kommandiert, jedwede Männer um Euch zu sammeln, die Ihr für den Dienst in einem Milizregiment tauglich befindet, und Euch mit ihnen eiligst nach Mooresville zu begeben, um Euch am oder vor dem 15. Dezember eiligst den Truppen des Generals anzuschließen, da er zu diesem Zeitpunkt auf Salisbury marschieren wird. So weit möglich, bringt Mehl und genügend andere Vorräte mit, um Eure Männer zwei Wochen lang zu verpflegen.

Euer ergebener Diener

William Tryon

Bis auf das sanfte Dröhnen des großen Kochtopfes über den Kohlen in der Feuerstelle war es still im Zimmer. Ich konnte hören, wie sich die Frauen draußen in kurzen Sätzen unterhielten, die von angestrengtem Keuchen unterbrochen wurden, und durch das offene Fenster kam Seifengeruch herein und vermischte sich mit den Düften von Eintopf und aufgehendem Sauerteig.

Jamie blickte zu Husband auf.

»Ihr wisst, was hier steht?«

Der Quäker nickte, und seine Gesichtszüge erschlafften in plötzlicher Erschöpfung.

»Der Bote hat es mir gesagt. Der Gouverneur hat schließlich nicht den Wunsch, seine Absichten geheim zu halten.«

Jamie grunzte zustimmend und sah mich an. Nein, der Gouverneur würde es nicht geheim halten wollen. Wenn es nach Tryon ging, so war es umso besser, je mehr Leute wussten, dass Waddell mit einer großen Miliztruppe nach Salisbury unterwegs war. Daher also die Festlegung eines bestimmten Datums. Jeder kluge Soldat macht seinem Gegner lieber Angst als gegen ihn anzutreten – und da Tryon keine offiziellen Truppen hatte, ließ er lieber Vorsicht walten, als das Nachsehen zu haben.

»Was ist denn mit den Regulatoren?«, fragte ich Husband. »Wie sehen ihre Pläne aus?«

Er sah ein wenig erschrocken aus.

»Pläne?«

»Wenn sich Eure Leute zusammenziehen, steckt doch sehr wahrscheinlich eine Absicht dahinter«, erläuterte Jamie mit leicht sardonischem Unterton. Husband hörte diesen Ton, protestierte jedoch nicht dagegen.

»Sicherlich gibt es eine Absicht«, sagte er und richtete sich würdevoll auf. »Obwohl Ihr irrt, wenn Ihr sagt, dass dies meine Männer sind, außer natürlich insofern, als sie meine Brüder sind wie alle Menschen. Doch was ihre Absicht angeht, wollen sie nur gegen den Machtmissbrauch protestieren, der heutzutage nur allzu verbreitet ist – das Auferlegen gesetzeswidriger Steuern, die grundlose Beschlagnahmung von –«

Jamie schnitt ihm mit einer ungeduldigen Geste das Wort ab.

»Aye, Hermon, ich habe es gehört. Schlimmer noch, ich habe gelesen, was Ihr darüber geschrieben habt. Und wenn dies die Ziele der Regulatoren sind, wie lauten dann die Euren?«

Der Quäker starrte ihn an, die buschigen Augenbrauen fragend hochgezogen, den Mund halb geöffnet.

»Tryon hat keinerlei Interesse daran, seine Pläne geheim zu halten«, führte Jamie aus, »doch bei Euch könnte das anders sein. Es wäre schließlich nicht von Vorteil für die Regulatoren, wenn er seine Absichten ausführen würde.« Er starrte Husband an und rieb sich mit dem Finger langsam über den langen, geraden Nasenrücken.

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