Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
»Punkt fünf Uhr!«
»Wissen Sie, wo Professor Peddick gerade steckt?« fragte ich Verity.
»Ich glaube, in der Bücherei«, sagte sie, nahm einen weiteren Lampion und raffte ihren Rock zusammen, um wieder die Leiter zu erklimmen. »Er wollte etwas über die Schlacht von Bannockburn heraussuchen. Einen Moment noch!« Sie stieg wieder eine Stufe hinab. »Ich habe darüber nachgedacht, was Sie über Finch gesagt haben. Sie haben recht. Er ist nicht der Mensch, der Katzen ertränken kann.« Sie legte eine Hand auf ihre Stirn. »Ich kann nie klar genug denken, wenn mich die Zeitkrankheit erwischt hat.«
»Das Gefühl kenne ich«, sagte ich.
»Ich kann mir bloß partout nicht vorstellen, was Finch hier tut«, fuhr sie fort. »Sie etwa?«
Ich schüttelte den Kopf.
»Ich werde noch einmal springen, um herauszufinden, ob die Gerichtsmedizinerin Glück hatte«, sagte Verity. »Mal sehen, ob ich etwas über Finch herausfinde. Dunworthy wollte mir nichts sagen, aber vielleicht kann ich Miss Warder ausquetschen.«
Ich nickte und ging los, um Professor Peddick zu finden, wobei ich einen Umweg in Kauf nahm, damit Mrs. Mering mich nicht sehen und erneut mit Beschlag belegen konnte.
Der Professor war weder in der Bibliothek noch im Salon. Ich ging zum Stall hinüber und dann zum Haus zurück, um Jane zu fragen, ob sie ihn gesehen hatte.
Ich war gerade auf halbem Weg, als Finch mit Jane zusammen aus dem Dienstboteneingang kam. Er sagte etwas zu ihr, und sie kicherte. Dann schaute sie ihm nach, als er fortging und schwenkte ihre Schürze hinterher.
»Jane«, sagte ich und ging zu ihr hinüber, »was wollte Finch hier?«
»Er brachte die Marmorkuchen für das Fest morgen«, sagte sie und blickte ihm sehnsüchtig hinterher. »Ich wollte, er wäre unser Butler statt Mr. Baine. Mr. Baine will mich immer dazu überreden, Bücher zu lesen. Er meint, ich solle mich bilden, und ob ich mein Leben lang ein Dienstmädchen bleiben wolle? Mr. Finch ist immer nett, er nörgelt nie an mir herum. Er unterhält sich einfach nur mit mir.«
»Worüber hat er mit Ihnen gesprochen?« Ich versuchte, die Frage so beiläufig wie möglich klingen zu lassen.
»Ach, über alles mögliche. Über das Fest morgen und ob ich mir Lose für die Kuchen kaufe und darüber, daß Prinzessin Arjumand verschwunden war. Er interessierte sich besonders für Prinzessin Arjumand und wollte alles über sie wissen.«
»Prinzessin Arjumand?« fragte ich scharf. »Was sagte er?«
»Ach, bloß, wie froh er sei, daß sie nicht ertrunken ist, und ob sie schon mal Junge gehabt hätte, und daß Miss Stiggins sagte, es sei eine so hübsche Katze, und sie hätte gern eines von den Kleinen. Und ob sie immer bei Miss Mering sei oder manchmal streunen ginge. Na ja, undsoweiter.«
»Wollte er sie sehen?«
»Ja«, sagte Jane. »Aber ich konnte sie nicht finden. Ich sagte Mr. Finch, daß sie wahrscheinlich draußen am Fischteich wäre und versuchte, Colonel Merings Goldfisch zu fressen.« Plötzlich schien ihr einzufallen, mit wem sie eigentlich sprach. »Es war doch nicht ungehörig von mir, Sorr, mich mit ihm zu unterhalten, oder? Wir haben dabei die ganze Zeit über gearbeitet.«
»Nein, natürlich nicht«, erwiderte ich. »Ich fragte nur, weil ich dachte, er hätte das Raritätenkabinett für den Basar gebracht.«
»Nein, Sorr«, entgegnete sie. »Bloß die Marmorkuchen.«
»Aha.« Ich machte mich auf den Weg zum Fischteich, wartete, bis ich aus Janes Sichtweite war und verfiel dann in Galopp. Verity hatte recht gehabt. Finch war hinter Prinzessin Arjumand her.
Ich rannte quer über den Rasen, wo Mrs. Mering immer noch den Handwerker anschrie, und an der Stelle vorbei, wo Verity Lampions aufgehängt hatte. Die Leiter war noch da, sie selbst aber nicht, und ich fragte mich, ob sie bereits nach Oxford gesprungen war.
Ich sprintete an den Fliederbüschen vorbei zum Gartenpavillon und dann den Weg zum Flußufer hinunter. Prinzessin Arjumand war nirgends zu sehen, und es gab auch keine Anzeichen dafür, daß sie vor kurzem ins Wasser geworfen worden war, doch ich hielt mir immer wieder vor Augen, welch ungeheuren Unterschied ein paar Minuten machen konnten.
»Prinzessin Arjumand!« rief ich und rannte den Weg entlang durch den Blumengarten bis zum Steingarten.
Der Fischteich lag in der Mitte des Steingartens, umrahmt von einem gepflasterten Weg und bedeckt mit Wasserlilien. Cyril saß daneben und Prinzessin Arjumand direkt am Ufer. Ihre Pfote schwang spielerisch durchs Wasser.
»Aufhören«, rief ich, und Cyril sprang schuldbewußt auf alle viere.
Prinzessin Arjumand fuhr unbeeindruckt fort, ihre Pfote ins Wasser zu tauchen, als fische sie mit einer Schleppangel.
»Also gut, ihr beiden«, sagte ich. »Ihr steht unter Arrest. Kommt mit.« Ich schnappte Prinzessin Arjumand und begann, zum Haus zurückzugehen, Cyril im Schlepptau, der mit hängendem Kopf hinter uns hertrottete.
»Du solltest dich schämen«, sagte ich zu ihm, »dich von ihr zu so einem kriminellen Leben verleiten zu lassen. Weißt du nicht, was mit dir passiert wäre, wenn Baine dich entdeckt hätte?« Da sah ich den weißen Schimmer des Netzes neben dem Gartenpavillon.
Ich schaute besorgt um mich und hoffte, daß niemand nahe genug war, ihn zu sehen. Das Netz begann zu glühen, und Cyril hielt inne und wich grollend zurück.
Verity erschien neben dem Pavillon und schaute sich um. »Ned!« rief sie, als sie meiner ansichtig wurde. »Wie nett von Ihnen, mich hier abzuholen!«
»Was haben Sie herausgefunden?«
»Und Sie haben Cyril mitgebracht!« Sie tätschelte ihm den Kopf. »Und unsere süße Miezmiez«, fuhr sie gurrend fort, nahm mir Prinzessin Arjumand ab und wiegte sie im Arm. Sie bewegte die Finger vor Prinzessin Arjumands Pfoten hin und her, und die Katze schlug spielerisch nach ihr. »Hattu nicht langsam genug von Frauchens Blablaplap?« fragte Verity. »Solltest sie hauen, wenn sie damit anfängt. Hattu verstanden?«
»Verity«, fragte ich, »geht’s Ihnen gut?«
»Absolut«, entgegnete sie, immer noch mit den Katzenpfoten spielend. »Wo ist Terence?« Sie ging zum Rasen. »Ich muß unbedingt mit ihm reden. Er kann sich nicht in Tossie verlieben, weil das Schicksal der freien Welt auf dem Spiel steht. Außerdem«, sie senkte die Stimme zu einem Bühnenflüstern, »betrügt sie beim Crocket.«
»Wie oft sind Sie gesprungen?«
Sie zog die Stirn kraus. »Sechzehn Mal. Nein, acht. Zwölf?« Sie betrachtete mich genau. »Es ist einfach nicht fair.«
»Was?« Ich wurde wachsam.
»Das mit Ihrem Strohhut. Sie sehen damit aus wie Lord Peter Wimsey, besonders wenn Sie sich etwas nach vorn beugen, wie eben.« Sie betrat den Rasen. Ich nahm ihr Prinzessin Arjumand ab, setzte sie auf den Boden, und packte Veritys Arm.
»Ich muß Tossie finden«, sagte sie. »Es gibt ein paar Dinge, die ich ihr unbedingt sagen muß.«
»Das ist keine gute Idee. Setzen wir uns doch einen Moment, ja? Drüben im Pavillon.« Ich schob sie in die Richtung.
Sie folgte gefügig. »Das erste Mal, als ich Sie sah, dachte ich, mein Gott, er sieht aus wie Lord Peter Wimsey. Sie trugen diesen Strohhut und… nein, das war nicht das erste Mal.« Ihre Stimme klang anklagend. »Das erste Mal war in Dunworthys Büro, und Sie waren vollkommen rußverschmiert. Trotzdem sahen Sie bewunderungswürdig aus, auch wenn Ihr Mund offenstand.« Abwägend betrachtete sie mich. »Tragen Sie einen Schnurrbart?«
»Nein.« Ich führte sie zu den Stufen des Pavillons. »Ich möchte jetzt, daß Sie mir haarklein erzählen, was in Oxford geschah. Warum mußten Sie zwölfmal springen?«
»Siebenmal. T. J. wollte die Schlupfverluste im Mai und August 1888 messen. Er hält nach Gebieten Ausschau, in deren Umfeld sich die Verluste rapide erhöhen.« Inzwischen redete sie wieder mehr zusammenhängend, und ich überlegte, ob die Symptome nur vorübergehender Natur gewesen waren.