Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Was wird hier gelagert?«, fragte ich Jamie, während ich neugierig an dem massiven Gebäude hochsah. Die riesige, zweiflügelige Tür war geschlossen und verriegelt, und ein einzelner, rotberockter Wachtposten stand reglos wie ein Zinnsoldat davor. Neben dem Lagerhaus stand ein kleineres Gebäude, auf dem eine englische Flagge schlaff in der Hitze hing; vermutlich war dies das Reich des Sergeanten, den wir suchten.
Jamie zuckte mit den Achseln und strich sich eine vorwitzige Fliege von der Augenbraue. Trotz der Bewegung des Wagens hatten wir mit zunehmender Tageshitze mehr und mehr Fliegen angezogen. Ich schnüffelte vorsichtig, doch ich roch nur einen leisen Hauch von Thymian.
»Alles, was die Krone für wertvoll hält. Pelze aus dem Hinterland, Vorräte für die Marine – Pech, Teer und Terpentin. Aber die Wache steht wegen des Alkohols hier.«
Zwar braute jedes Wirtshaus sein eigenes Bier, und jeder Haushalt hatte seine Rezepte für Apfelcidre und Kirschwein, doch die hochprozentigeren Spirituosen waren der Krone vorbehalten: Brandy, Whisky und Rum wurden in kleinen Mengen und unter schwerer Bewachung in die Kolonie importiert und für teures Geld unter dem Siegel der Krone verkauft.
»Im Moment ist ihr Vorrat wohl nicht sehr groß«, sagte ich und deutete auf den einzelnen Wachtposten.
»Nein, die Alkohollieferungen kommen einmal im Monat von Wilmington den Fluss herauf. Campbell sagt, sie nehmen jedes Mal einen anderen Wochentag, um das Risiko von Raubüberfällen zu verringern.«
Er sprach geistesabwesend, und zwischen seinen Augenbrauen stand eine kleine Falte.
»Meinst du, Campbell hat uns geglaubt? Dass sie es selbst getan hat?« Unwillkürlich warf ich einen flüchtigen Blick hinter mich in den Wagen.
Aus Jamies Kehle drang ein schottischer Laut der Verachtung.
»Natürlich nicht, Sassenach, der Mann ist kein Narr. Aber er ist ein guter Freund meiner Tante; er wird uns keine Schwierigkeiten machen, wenn es nicht sein muss. Wir wollen hoffen, dass die Frau niemanden hatte, der Krach schlagen könnte.«
»Ziemlich kaltblütig von dir«, sagte ich leise. »Bei deiner Tante habe ich noch gedacht, du würdest anders fühlen. Aber du hast wohl recht – hätte sie jemanden gehabt, wäre sie jetzt nicht tot.«
Er hörte die Bitterkeit in meiner Stimme und sah zu mir herab.
»Ich will ja nicht pietätlos sein, Sassenach«, sagte er sanft. »Aber das arme Kind ist tot. Ich kann nicht mehr für sie tun als für eine anständige Beerdigung sorgen, ansonsten muss ich mich um die Lebenden kümmern, aye?«
Ich seufzte und drückte kurz seinen Arm. Meine Gefühle waren viel zu komplex, um zu versuchen, sie zu erklären; ich hatte nur ein paar Minuten bei der Frau gesessen und hätte ihren Tod keinesfalls verhindern können – doch sie war mir unter den Händen weggestorben, und ich verspürte die ohnmächtige Wut, die jeder Arzt unter solchen Umständen empfindet, das Gefühl, dass ich irgendwie versagt hatte, dass der Todesengel mich überlistet hatte. Und jenseits von Wut und Mitleid erklang das Echo unausgesprochener Schuld: Das Mädchen war ungefähr in Briannas Alter – Brianna, die in ähnlichen Umständen auch niemanden haben würde.
»Ich weiß. Es ist nur … ich fühle mich wohl irgendwie für sie verantwortlich.«
»Ich auch«, sagte er. »Keine Angst, Sassenach, wir sorgen schon dafür, dass sie zu ihrem Recht kommt.« Er zügelte die Pferde unter einer Kastanie, schwang sich herab und bot mir die Hand.
Es gab keine Kaserne. Campbell hatte Jamie erzählt, dass die Männer der Lagerhauswache in mehreren Häusern in der Stadt untergebracht waren. Wir erkundigten uns bei dem Schreiber, der in der Stube arbeitete. Er schickte uns zum Wirtshaus Golden Goose auf der anderen Straßenseite, wo der Sergeant zurzeit beim Mittagessen anzutreffen war.
Ich erblickte den Sergeanten sofort, als ich das Wirtshaus betrat; er saß an einem Tisch beim Fenster, hatte seine weiße Lederhalsbinde abgelegt, seinen Uniformrock aufgeknöpft und machte einen völlig entspannten Eindruck. Vor ihm standen ein Krug Bier und die Reste einer Fleischpastete. Jamie trat hinter mir ein und verdunkelte vorübergehend den Eingang. Der Sergeant blickte auf.
Obwohl es im Schankraum ziemlich dunkel war, konnte ich sehen, dass das Gesicht des Mannes vor Schreck jeden Ausdruck verlor. Jamie blieb hinter mir abrupt stehen. Er brummte etwas auf Gälisch, das ich als deftigen Kraftausdruck erkannte, doch dann ging er ohne Zögern an mir vorbei.
»Sergeant Murchison«, sagte er im Tonfall leichter Überraschung, so wie man vielleicht einen beiläufigen Bekannten begrüßt. »Ich hatte nicht damit gerechnet, Euch noch einmal zu Gesicht zu bekommen – jedenfalls nicht in dieser Welt.«
Der Gesichtsausdruck des Sergeanten legte die Vermutung nahe, dass das Gefühl auf Gegenseitigkeit beruhte. Und dass jedes Zusammentreffen diesseits der Himmelspforte für ihn zu früh war. Das Blut stieg ihm in die fleischigen, pockennarbigen Wangen, und er schob seine Bank zurück, die quietschend über den sandbestreuten Fußboden rutschte.
»Ihr!«, sagte er.
Jamie zog den Hut und neigte höflich den Kopf.
»Euer Diener, Sir«, sagte er. Ich konnte jetzt sein Gesicht sehen, das nach außen hin freundlich war, doch seine Augen verrieten Argwohn. Ihm waren seine Gefühle nicht so deutlich anzusehen wie dem Sergeanten, doch auch er war überrascht.
Murchison erlangte die Selbstbeherrschung zurück. Ein Hohnlächeln trat an die Stelle seines erschrockenen Blickes.
»Fraser. Oh, Verzeihung, das heißt jetzt sicher Mr. Fraser, richtig?«
»So ist es.« Trotz des beleidigenden Tons der Bemerkung hielt Jamie seine Stimme neutral. Egal, was zwischen ihnen vorgefallen war – er wollte jetzt keinen Ärger. Nicht angesichts dessen, was draußen im Wagen lag. Ich wischte mir unauffällig die verschwitzten Handflächen am Rock ab.
Der Sergeant hatte angefangen, sich die Uniformjacke zuzuknöpfen, ohne den Blick von Jamie abzuwenden.
»Ich habe gehört, dass ein Mr. Fraser angekommen sein soll, um bei Mistress Cameron auf River Run herumzuschmarotzen«, sagte er und verzog seine dicken Lippen. »Das seid dann wohl Ihr, oder?«
Der Argwohn in Jamies Augen gefror zu einem Blau so kalt wie Gletschereis, obwohl seine Lippen weiter freundlich lächelten.
»Mistress Cameron ist meine Verwandte. Ich bin in ihrem Namen hier.«
Der Sergeant legte den Kopf zurück und kratzte sich ausgiebig am Hals. Eine lange, scharfkantige, rote Falte zog sich dort über die bleiche Haut, als hätte jemand erfolglos versucht, den Mann zu garrottieren.
»Eure Verwandte. Tja, das sagt sich leicht, ist es nicht so? Die Dame ist blind wie ein Maulwurf, habe ich gehört. Kein Ehemann, keine Söhne, eine leichte Beute für jeden Gauner, der hier aufkreuzt und behauptet, zur Familie zu gehören.« Der Sergeant senkte den Kopf und grinste mich an. Er hatte sich wieder völlig im Griff.
»Und die Dirne gehört auch zu Euch, ja?« Es war pure Böswilligkeit, ein Schuss ins Blaue; der Mann hatte mich kaum angesehen.
»Das ist meine Frau, Mistress Fraser.«
Ich konnte sehen, wie die beiden steifen Finger an Jamies rechter Hand einmal zuckten, der einzige sichtbare Hinweis auf seine Gefühle. Er legte den Kopf etwas zurück und betrachtete den Sergeanten mit einer Art sachlichem Interesse.
»Und welcher seid Ihr, Sir? Ich bitte meine Erinnerungslücke zu entschuldigen, aber ich gestehe, dass ich Euch nicht von Eurem Bruder unterscheiden kann.«
Der Sergeant zuckte zusammen, als hätte man ihn angeschossen, und erstarrte beim Anlegen seiner Halsbinde.
»Verdammt!«, sagte er und erstickte fast an seinen Worten. Sein Gesicht hatte einen ungesunden Pflaumenton angenommen, und ich dachte bei mir, dass er wirklich auf seinen Blutdruck achten sollte. Das sagte ich aber nicht laut.