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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»So, wie der Sergeant reagiert hat, ist er wohl keines natürlichen Todes gestorben?«, fragte ich.

»Nein«, sagte er. Er seufzte und zuckte leicht mit den Schultern, um den engen Rock etwas zurechtzurücken.

»Jeden Morgen haben sie uns zum Steinbruch geführt und in der Dämmerung wieder zurück, und jeder Wagen wurde von zwei oder drei Männern bewacht. Eines Tages hatte Klein Bobby Murchison das Kommando. Er ist morgens mit uns ausgezogen – aber er ist am Abend nicht mit uns zurückgekommen.« Er blickte erneut zum Fenster. »Am Fuß des Steinbruchs war eine ziemlich tiefe Wassergrube.«

Sein sachlicher Ton ließ mich fast genauso frösteln wie der Inhalt seines kargen Berichtes. Trotz der drückenden Hitze lief mir ein leichter Schauer über den Rücken.

»Hast du –«, begann ich, doch er legte einen Finger auf seine Lippen und wies mit dem Kopf auf die Tür. Einen Augenblick später hörte auch ich die Schritte, die er mit seinen schärferen Ohren aufgefangen hatte.

Es war der Sergeant, nicht sein Schreiber. Er hatte stark geschwitzt; Schweißspuren liefen ihm unter der Perücke über das Gesicht, und seine Haut hatte die ungesunde Farbe frischer Rinderleber.

Er blickte auf den verwaisten Schreibtisch, und ein kurzer, heftiger Laut entfuhr seiner Kehle. Mir tat der abwesende Schreiber leid. Der Sergeant schob das Durcheinander auf dem Schreibtisch mit einer ausladenden Armbewegung zur Seite, und ein Papierregen ergoss sich auf den Boden.

Er schnappte sich ein Tintenfass aus Zinn und einen Bogen aus dem Haufen und knallte beides auf den Tisch.

»Aufschreiben«, befahl er. »Wo Ihr sie gefunden habt, was geschehen ist.« Er hielt Jamie einen fleckigen Gänsekiel hin. »Unterschreiben, mit Datum.«

Jamie sah ihn aus zusammengekniffenen Augen an, machte aber keine Anstalten, die Feder zu ergreifen. Mir wurde plötzlich schwindelig.

Jamie war Linkshänder, doch man hatte ihn dazu gezwungen, mit der rechten Hand zu schreiben, und dann war diese rechte Hand verkrüppelt worden. Schreiben war für ihn eine langsame, mühsame Prozedur, deren Ergebnis verkleckste, schweißbefleckte und zerknitterte Seiten waren – und er selbst war dann kaum in einem besseren Zustand. Keine Macht der Erde konnte ihn dazu bringen, sich vor dem Sergeanten in dieser Weise zu erniedrigen.

»Schreibt. Es. Auf.« Der Sergeant biss jedes Wort mit den Zähnen ab.

Jamie kniff die Augen noch weiter zu, doch ehe er etwas sagen konnte, streckte ich die Hand aus und riss dem Sergeanten den Gänsekiel aus der Hand.

»Ich war dabei, ich kann es tun.«

Jamies Hand schloss sich um die meine, noch bevor ich die Feder in das Tintenfass tauchen konnte. Er nahm mir den Kiel aus der Hand und ließ ihn mitten auf den Tisch fallen.

»Euer Schreiber kann mich später im Haus meiner Tante aufsuchen«, sagte er kurz zu Murchison. »Komm mit, Claire.«

Ohne eine Antwort des Sergeanten abzuwarten, ergriff er mich am Ellbogen und zog mich geradezu auf die Füße. Wir waren draußen, bevor ich wusste, wie mir geschah. Der Wagen stand immer noch unter dem Baum, doch jetzt war er leer.

»Also, im Augenblick ist sie in Sicherheit, Mac Dubh, aber was zum Teufel sollen wir mit der Frau machen?« Duncan kratzte sich die Bartstoppeln am Kinn; er und Ian hatten drei Tage die Wälder durchsucht, bevor sie die Sklavin Pollyanne gefunden hatten.

»Es wird nicht leicht sein, sie vom Fleck zu bewegen«, warf Ian ein, während er eine Scheibe Schinken vom Frühstückstisch zog. Er teilte sie und gab Rollo die Hälfte ab. »Die arme Frau ist vor Schreck fast gestorben, als Rollo sie aufgespürt hat, und es war ein Heidenaufwand, sie auf die Beine zu bringen. Wir konnten sie nicht auf ein Pferd bekommen; ich musste meinen Arm um sie legen und neben ihr gehen, damit sie nicht hinfiel.«

»Wir müssen sie irgendwie wegbringen.« Jocasta runzelte die Stirn, die ausdruckslosen Augen zum Nachdenken halb geschlossen. »Dieser Murchison war gestern Morgen schon wieder bei der Sägemühle und hat einen Aufruhr verursacht, und gestern Abend hat Farquard mir ausrichten lassen, der Mann hätte erklärt, es sei Mord gewesen, und dass er Männer angefordert hat, um den Distrikt nach der Sklavin zu durchsuchen, die es getan hat. Farquard war so aufgebracht, dass ich dachte, ihm platzt der Kragen.«

»Meinst du, sie könnte es getan haben?« Ian blickte kauend von Jamie zu mir. »Unbeabsichtigt, meine ich?«

Trotz der Morgenhitze erschauerte ich und dachte an den Metallspieß, wie er unnachgiebig und fest in meiner Hand lag.

»Es gibt drei Möglichkeiten: ein Unfall, Mord oder Selbstmord«, sagte ich. »Es gibt viel einfachere Arten, Selbstmord zu begehen, glaube mir. Und ein Mordmotiv ist uns nicht bekannt.«

»Wie auch immer«, sagte Jamie und würgte damit das Gespräch geschickt ab, »wenn Murchison die Sklavin festnimmt, wird er sie innerhalb eines Tages hängen oder zu Tode peitschen lassen. Er braucht keinen Prozess. Nein, wir müssen sie unbedingt aus dem Distrikt bringen. Das habe ich mit unserem Freund Myers arrangiert.«

»Du hast was mit Myers arrangiert?«, durchschnitt Jocastas Stimme scharf das Durcheinander der Ausrufe und Fragen, mit denen seine Ankündigung begrüßt wurde.

Jamie bestrich die Toastscheibe in seiner Hand mit Butter und gab sie Duncan, bevor er etwas sagte.

»Wir werden die Frau in die Berge bringen«, sagte er. »Myers sagt, die Indianer werden sie gern aufnehmen; er weiß einen guten Platz für sie, sagt er. Und dort wird sie vor Klein Billy Murchison sicher sein.«

»Wir?«, fragte ich höflich. »Und wer ist wir?«

Er antwortete mit einem Grinsen.

»Myers und ich, Sassenach. Ich muss mir das Hinterland ansehen, bevor es kalt wird, und dies ist eine gute Gelegenheit. Myers ist der beste Führer, den ich mir wünschen kann.«

Er verzichtete auf die Anmerkung, dass es für ihn ebenfalls von Vorteil wäre, vorübergehend aus Sergeant Murchisons Einflussbereich zu verschwinden, doch für mich lag diese Schlussfolgerung auf der Hand.

»Du nimmst mich doch mit, oder, Onkel Jamie?« Ian strich sich das feuchte Haar aus der Stirn und machte ein eifriges Gesicht. »Du wirst Hilfe brauchen mit der Frau, glaube mir – sie hat die Ausmaße von einem Melassefass.«

Jamie lächelte seinem Neffen zu.

»Aye, Ian, wir können wohl noch einen Mann brauchen.«

»Hm-mm«, sagte ich und warf ihm einen bösen Blick zu.

»Und sei es auch nur, um auf deine Tante aufzupassen«, fuhr Jamie fort, indem er meinen Blick erwiderte. »Wir brechen in drei Tagen auf, Sassenach – wenn Myers bis dahin auf einem Pferd sitzen kann.«

Drei Tage waren nicht viel Zeit, doch mit Myers’ und Phaedres Hilfe wurde ich wenige Stunden vor dem Aufbruch mit meinen Vorbereitungen fertig. Ich hatte einen kleinen Reisemedizinkasten mit Arzneien und Instrumenten gepackt, und unsere Satteltaschen waren mit Lebensmitteln, Decken und Kochgerät gefüllt. Jetzt blieb nur noch das kleine Problem mit meiner Kleidung.

Ich kreuzte die Enden des langen Seidenbandes über meiner Brust, verknotete sie lässig zwischen meinen Brüsten und begutachtete das Ergebnis im Spiegel.

Nicht übel. Ich streckte die Arme aus und wackelte mit dem Oberkörper hin und her. Ja, das würde gehen. Obwohl, wenn ich es mir vielleicht noch einmal um die Brust wand, bevor ich die Enden überkreuzte …

»Was tust du da, Sassenach? Und was um Himmels willen hast du an?« Jamie lehnte mit gekreuzten Armen in der Tür und beobachtete mich mit hochgezogenen Augenbrauen.

»Ich improvisiere einen Büstenhalter«, sagte ich würdevoll. »Ich habe nicht vor, im Damensitz und mit einem Kleid durch die Berge zu reiten, aber selbst wenn ich kein Korsett trage, will ich doch auch nicht, dass meine Brüste die ganze Zeit herumwackeln. Das ist ziemlich unangenehm.«

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