Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
»Nichts, so ...« sagte er erschrocken.
»Nein, du hast etwas im Sinn!«
Er schwieg.
»Wenn es etwas Schreckliches ist, dann sprich lieber nicht,« sagte sie. »Nein, sag's doch!« fügte sie plötzlich hinzu.
»Es ist nichts, ein Unsinn.«
»Nein, nein, du hast etwas, sprich!« ließ sie nicht nach, ihn so nahe am Rock haltend, daß er das Gesicht nach links und nach rechts wenden mußte, um sie nicht zu küssen.
Er würde es getan haben, wenn ihr drohendes »Nie« ihm nicht noch immer in den Ohren getönt hätte.
»Sag' es! ...« bat sie beharrlich.
»Ich kann nicht, es ist nicht nötig ...« suchte er nach einem Ausweg.
»Wie konntest du predigen, daß das ›Vertrauen die Grundlage des gegenseitigen Glücks ist, daß es im Herzen keine einzige Regung geben darf, die sich den Augen des Freundes nicht offenbart‹. Wer hat diese Worte gesagt?«
»Ich habe nur sagen wollen,« begann er langsam, »daß ich dich so liebe, so liebe, daß wenn ...«
Er zögerte.
»Nun?« fragte sie ungeduldig.
»Daß, wenn du jetzt einen andern lieben würdest und er befähigter wäre, dich glücklich zu machen ... ich mein Unglück schweigend verwunden und ihm meinen Platz überlassen hätte.«
Sie ließ seinen Rock plötzlich los.
»Warum?« fragte sie erstaunt. »Ich verstehe das nicht. Ich würde dich niemand abtreten; ich will nicht, daß du mit einer anderen glücklich bist. Das ist zu verwickelt, ich verstehe das nicht.«
Ihr Blick irrte sinnend über die Bäume hin.
»Das heißt also, daß du mich nicht liebst?« fragte sie dann.
»Im Gegenteil, ich liebe dich bis zur Selbstvergessenheit, wenn ich mich aufopfern will.«
»Aber wozu? Wer bittet dich darum?«
»Ich sage ja, im Fall du einen andern lieben würdest ...«
»Einen andern! Du bist verrückt! Wieso, wenn ich dich liebe? Wirst denn du eine andere lieben?«
»Warum hörst du mir zu? Ich spreche Gott weiß was, und du glaubst daran! Ich wollte ja ganz etwas anderes sagen ...«
»Was wolltest du denn sagen?«
»Ich wollte sagen, daß ich dir gegenüber schuldig bin, und schon seit langer Zeit ...«
»Worin besteht deine Schuld? Wieso? Du liebst mich nicht? Du hast vielleicht gescherzt? Sprich schnell!«
»Nein, nein, das ist es nicht!« sagte er niedergeschlagen.
»Weißt du ...« begann er unschlüssig, »wir sehen uns ... heimlich ...«
»Heimlich? Warum heimlich? Ich sage meiner Tante fast jedesmal, daß ich dich gesehen habe ...«
»Wirklich, jedesmal?« fragte er unruhig.
»Was ist denn Schlimmes dabei?«
»Das ist meine Schuld, ich hätte dir längst sagen sollen, daß man so etwas nicht ... tut ...«
»Du hast es gesagt.«
»Ich habe es gesagt? Ja! Ich habe es tatsächlich ... angedeutet. Ich habe meine Pflicht also erfüllt.«
Er faßte Mut und freute sich, daß Oljga ihm so leicht die Last der Verantwortung abnahm.
»Was noch?« fragte sie.
»Noch ... Das ist alles.«
»Das ist nicht wahr,« bemerkte Oljga mit Bestimmtheit, »du hast noch etwas; du hast mir nicht alles gesagt.«
»Ja, ich dachte ...« begann er, indem er einen nachlässigen Ton anzuschlagen bestrebt war, »daß ...«
Er schwieg; sie wartete.
»Daß wir seltener zusammenkommen sollten ...«
Er blickte sie schüchtern an.
Sie schwieg.
»Warum?« fragte sie nach einer Weile.
»An mir nagt eine Schlange: mein Gewissen ... Wir bleiben so lange allein; ich bin erregt, mein Herz hört zu schlagen auf; du bist auch unruhig ... ich fürchte mich ...« sprach er mit Mühe zu Ende.
»Wovor?«
»Du bist jung, Oljga, und kennst alle Gefahren nicht. Manchmal hat der Mensch keine Macht über sich; dann beherrscht ihn etwas Höllisches, Finsternis senkt sich auf seine Seele herab, und aus seinen Augen schießen Blitze. Die Klarheit des Geistes trübt sich; die Achtung der Reinheit und Unschuld gegenüber wird von einem Wirbelwind fortgeweht; der Mensch verliert die Besinnung, ihn sengt die Leidenschaft; er hört auf über sich zu verfügen - und dann öffnet sich vor ihm ein Abgrund ...«
Er fuhr sogar zusammen.
»Was folgt daraus? Er soll sich nur öffnen!« sagte sie, ihn groß anblickend.
Er schwieg; entweder hatte er nichts mehr zu sagen, oder er hielt es für überflüssig.
Sie blickte ihn lange an, als wollte sie in seinen Stirnfalten wie in geschriebenen Zeilen lesen, und dachte dabei an jedes Wort und jeden Blick von ihm; sie ließ die ganze Geschichte ihrer Liebe im Geiste an sich vorübergleiten, gelangte bis zum dunklen Abend im Garten und errötete plötzlich.
»Du sprichst Unsinn!« bemerkte sie schnell, indem sie seitwärts blickte, »ich habe in deinen Augen nie Blitze gesehen ... Du schaust mich meistens so wie ... meine Kinderfrau Kusminischna an!« fügte sie lachend hinzu.
»Du scherzest, Oljga, ich spreche aber ernsthaft ... und habe noch nicht alles gesagt.«
»Was willst du noch sagen?« fragte sie. »In was für einen Abgrund schaust du hinab?«
Er seufzte.
»Daß wir uns nicht ... allein ... sehen dürfen ...«
»Warum?«
»Es ist nicht gut ...«
Sie sann nach.
»Ja, man sagt, daß es nicht gut ist,« sagte sie nachdenklich, »aber weshalb?«
»Was wird man sagen, wenn man es erfährt, wenn sich das verbreitet ...«
»Wer wird denn etwas sagen? Ich habe keine Mutter; nur sie könnte mich fragen, warum ich mit dir zusammenkomme, und nur ihr gegenüber würde ich statt einer Antwort aufweinen und sagen, daß weder ich noch du etwas Böses tun. Sie würde mir glauben. Wer denn sonst?« fragte sie.
»Die Tante,« sagte Oblomow.
»Die Tante?«
Oljga schüttelte traurig und verneinend den Kopf.
»Sie fragt mich nie. Wenn ich für immer fortginge, würde sie mich auch nicht suchen und ausfragen, und ich würde ihr nicht mehr sagen kommen, wo ich war und was ich getan habe. Wer denn noch?«
»Die andern alle ... Neulich hat Sonitschka dich und mich lächelnd angeblickt und auch all die Herren und Damen, die mit ihr waren.«
Er erzählte ihr, in welcher Unruhe er sich seitdem befand. »Solange sie nur mich anblickte,« fügte er hinzu, »hat's mir nichts gemacht, als aber derselbe Blick auf dich gerichtet wurde, erstarrten mir die Hände und Füße ...«
»Nun? ...« fragte sie kalt.
»Seitdem quäle ich mich bei Tag und bei Nacht und zerbreche mir den Kopf, wie der Klatsch zu verhindern wäre; ich habe mich bestrebt, dich nicht zu erschrecken ... Ich wollte schon lange mit dir sprechen ...«
»Deine Sorge war überflüssig!« entgegnete sie, »ich habe es auch ohne dich gewußt ...«
»Wieso hast du es gewußt?« fragte er erstaunt.
»So. Sonitschka hat mit mir gesprochen, mich ausgeforscht, gestichelt und sogar belehrt, wie ich mich mit dir benehmen soll ...«
»Und du hast mir kein Wort gesagt, Oljga!« warf er ihr vor.
»Du hast mir bisher auch nichts von deinen Sorgen gesagt!«
»Was hast du ihr denn geantwortet?«
»Nichts! Was sollte ich ihr darauf antworten? Ich bin nur errötet.«
»Mein Gott! Wie weit ist es gekommen; du errötest! Wie unvorsichtig wir sind! Was wird daraus werden?«
Er sah sie fragend an.
»Ich weiß nicht,« sagte sie kurz. Oblomow hatte gehofft, nachdem er Oljga seine Gedanken mitgeteilt hatte, aus ihren Augen und Worten Willenskraft zu schöpfen, und, als er keine lebendige, entschlossene Antwort fand, sank ihm der Mut. Sein Gesicht nahm einen schwankenden Ausdruck an, und der Blick irrte traurig umher. In seinem Innern stieg ein leichtes Fieber auf. Er hatte Oljga fast ganz vergessen, vor ihm drängten sich die Gäste und Sonitschka mit ihrem Mann; er hörte ihre Gespräche und ihr Lachen. Oljga schwieg, statt schlagfertig wie sonst zu sein, blickte ihn kalt an und sprach noch kälter ihr »ich weiß nicht«. Er gab sich nicht die Mühe oder verstand es nicht, in den geheimen Sinn dieser Worte einzudringen.