Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
Er begann zu schreiben und nachzudenken und fuhr sogar zum Architekten hin. Bald lag auf seinem kleinen Tisch ein Plan des Hauses und des Gartens. Das war ein geräumiges Familienhaus mit zwei Balkons. Hier bin ich, hier ist Oljga, hier ist das Schlafzimmer, das Kinderzimmer ... dachte er lächelnd. Aber die Bauern, die Bauern ... Das Lächeln verschwand und seine Stirn furchte sich vor Sorge. Der Nachbar schreibt mir über alle Details, spricht vom Pflügen und Dreschen ... Wie langweilig das ist! Außerdem schlägt er vor, auf gemeinschaftliche Rechnung eine Straße in den großen Marktflecken zu bahnen, den Fluß zu überbrücken, bittet mich um dreitausend und will, ich soll Oblomowka verpfänden ... Und woher weiß ich denn, ob das notwendig ist? Ob dabei was herauskommt? Ob er mich nicht betrügt? ... Er ist zwar ein ehrlicher Mensch; Stolz kennt ihn, aber auch er kann sich ja irren, und mein Geld ist dann verloren! Dreitausend - ein solcher Haufen Geld; wo soll ich es hernehmen? Nein, ich fürchte mich! Dann schreibt er noch, ich soll einige Bauern auf das unbebaute Land übersiedeln lassen, und verlangt baldige Antwort - alles soll so schnell gehen! Er übernimmt es, alle Dokumente, die zur Verpfändung des Gutes erforderlich sind, dem Kuratorium einzusenden. Wenn ich ihm die Vollmacht hinschicken will, muß ich sie mir von den Behörden bestätigen lassen - was er von mir alles verlangt! Und ich weiß nicht einmal, wo sich dieses Departement befindet und wie man dort die Tür aufmacht. Es waren schon zwei Wochen vergangen und Oblomow antwortete ihm noch immer nicht; sogar Oljga fragte ihn, ob er schon bei den Behörden war. Vor kurzem hatte Stolz einen Brief an ihn und an sie zugleich geschickt und fragte darin, was er tue. Übrigens konnte Oljga die Tätigkeit ihres Freundes nur oberflächlich in der für sie zugänglichen Sphäre kontrollieren. Ob er frisch aussah, gerne überall mitfuhr, zur verabredeten Stunde im Haine erschien, ob ihn die Stadtneuigkeiten und ein allgemeines Gespräch interessierten. Am eifrigsten beobachtete sie, ob er nicht das Hauptziel seines Lebens aus dem Auge verlor. Wenn sie ihn über die Behörden ausfragte, geschah es nur, um Stolz über die Angelegenheiten seines Freundes zu schreiben.
Der Sommer hatte seinen Höhepunkt erreicht; es war Ende Juli; das Wetter war herrlich. Oblomow trennte sich fast gar nicht von Oljga. An klaren Tagen war er im Park, um die heiße Mittagsstunde suchte er mit ihr im Haine unter den Fichten Zuflucht, saß zu ihren Füßen und las ihr vor; sie stickte schon an einem anderen Kanevasstreifen - für ihn. Auch bei ihnen herrschte heißer Sommer; manchmal sammelten sich Wolken und verzogen sich dann. Wenn ihn schwere Träume bedrückten und Zweifel ans Herz pochten, stand Oljga wie ein Engel auf der Wache; sie brauchte ihm nur mit den hellen Augen ins Gesicht zu blicken und herauszubekommen, was er auf dem Herzen hatte - und alles beruhigte sich wieder in ihm, und ihre Liebe glitt rhythmisch wie ein Fluß dahin und spiegelte die sich stets neugestaltenden Gebilde des Himmels wider. Oljgas Ansichten über das Leben, über die Liebe, über alles, wurden noch klarer und bestimmter. Sie blickte sicherer als früher um sich und ließ sich durch die Zukunft nicht einschüchtern; in ihr entwickelten sich neue Seiten des Verstandes und neue Charakterzüge. Ihr Wesen äußerte sich bald in poetischer Vielfältigkeit und Tiefe, bald regelmäßig, klar, ruhig und natürlich ... Sie besaß eine Beharrlichkeit, welche nicht nur das Schicksal, sondern sogar Oblomows Apathie und Trägheit bekämpfte. Sowie sie nur einen Vorsatz gefaßt hatte, begann sie mit aller Kraft zu arbeiten. Dann sprach sie von nichts anderem. Und wenn sie es nicht tat, sah man doch, daß sie nur an das eine dachte, daß sie es nicht vergaß, es nicht beiseite schob und sich nicht verwirren ließ, sondern sich alles überlegte und das, was sie suchte, auch erreichen würde. Er konnte nicht begreifen, wo sie diese Kraft, diesen Takt, zu erkennen und zu erfahren, wie alles zu tun war, hernahm, welches Ereignis auch eintreffen mochte. Das kommt daher, dachte er, weil die eine Braue bei ihr niemals gerade liegt, sondern sich immer ein wenig in die Höhe hebt, so daß darüber eine feine, kaum merkbare Falte liegt ... Dort, in dieser Falte, verbirgt sich ihre Beharrlichkeit. Wie ruhig und hell ihr Gesichtsausdruck auch sein mochte, glättete sich diese Falte doch nie, und die Braue legte sich nie gerade hin. Sie besaß aber keine äußere Kraft, keine schroffen Manieren und Anlagen. Die Energie in ihren Vorsätzen entfernte sie nicht auf einen Schritt aus der Sphäre der Weiblichkeit. Sie wollte nicht gefeiert sein, einen ungeschickten Verehrer mit schroffen Worten abweisen und den ganzen Salon durch die Beweglichkeit ihres Verstandes in Erstaunen setzen, damit jemand aus der Ecke »Bravo! Bravo!« rufen sollte. Sie besaß sogar die vielen Frauen eigene Schüchternheit; sie zitterte zwar nicht, wenn sie eine Maus sah, fiel nicht in Ohnmacht, wenn ein Sessel umgeworfen wurde, fürchtete sich aber, sich weit vom Hause zu entfernen, kehrte um, wenn sie einen Bauer sah, der ihr verdächtig vorkam, und schloß ganz nach Frauenart das Fenster, damit keine Diebe sich ins Zimmer schleichen konnten. Dabei war sie dem Gefühl des Mitleids so zugänglich! Es war nicht schwer, bei ihr Tränen hervorzurufen; ihr Herz war leicht erreichbar. In der Liebe war sie so zärtlich, in ihren Beziehungen allen gegenüber war so viel Sanftheit und freundliche Aufmerksamkeit enthalten - mit einem Wort, sie war ein Weib! Manchmal leuchtete in ihren Worten ein Funken von Sarkasmus auf, doch darin spiegelte sich eine solche Grazie, ein so sanfter, liebenswürdiger Verstand wider, daß jeder mit Freuden seine Stirn hinhalten würde! Dafür fürchtete sie sich nicht vor Zugluft, ging in der Dämmerung leicht gekleidet aus - das schadete ihr nicht! Sie erfreute sich einer blühenden Gesundheit; sie aß mit Appetit; sie hatte ihre Lieblingsgerichte; sie wußte auch, wie sie zubereitet wurden. Das alles wußten auch viele andere, aber diese vielen konnten nicht entscheiden, was in dem einen oder anderen Fall zu tun war, und wenn sie es wußten, war es doch nur Angeeignetes, Nachgeäfftes, von dem sie sich keine Rechenschaft gaben, warum sie es so und nicht anders machten, und bei dem sie sich auf die Autorität einer Tante oder Cousine beriefen. Viele wußten nicht einmal, was sie wollten, und wenn sie sich auch zu etwas entschlossen, taten sie es so träge, als wären sie im Zweifel, ob es nötig sei oder nicht. Das kam wahrscheinlich daher, weil ihre Brauen in geradem Bogen lagen, mit den Fingern zurechtgezupft waren und weil sie keine Falte an der Stirn hatten.
Zwischen Oblomow und Oljga hatten sich geheime, für andere unsichtbare Beziehungen entwickelt; jeder Blick, jedes unbedeutende Wort, das in Anwesenheit anderer gesprochen wurde, besaß für sie einen besonderen Sinn. Sie sahen in allem eine Andeutung auf ihre Liebe. Und Oljga flammte manchmal trotz ihrer Sicherheit auf, wenn bei Tische von irgendeiner Liebe, die an die ihrige erinnerte, erzählt wurde, und da alle Liebesgeschichten einander sehr ähnlich sind, mußte sie oft erröten. Und Oblomow nahm sich, bei irgendeiner Andeutung auf dieses Thema, vor Verlegenheit einen solchen Haufen Gebäck, daß er irgend jemand sicher zum Lachen brachte. Sie wurden wachsam und vorsichtig. Manchmal erzählte Oljga der Tante nicht, daß sie Oblomow gesehen hatte, und er sagte zu Hause, daß er in die Stadt fuhr, und ging dann in den Park.
Aber wie klar Oljgas Verstand auch sein mochte, wie bewußt sie alles um sich herum auch anblickte, wie frisch und gesund sie auch war, begannen bei ihr doch neue, krankhafte Symptome zu erscheinen. Manchmal erfaßte sie eine Unruhe, die ihr Gedanken machte, und die sie sich nicht zu erklären wußte. Manchmal, wenn sie um die heiße Mittagsstunde an Oblomows Arm hinschritt, stützte sie sich träge auf seine Schulter und ging mechanisch und beharrlich schweigend in einer gewissen Ermattung weiter. Ihre Frische verschwand; ihr Blick wurde müde und verlor seine Lebhaftigkeit, er wurde reglos, richtete sich auf irgendeinen Punkt, und sie war zu träge, ihn einem anderen Gegenstand zuzuwenden. Etwas lastete auf ihr, etwas beengte ihr die Brust und beunruhigte sie. Sie nahm ihre Mantille und ihr Tuch von den Schultern ab, doch auch das half nicht - das Bedrückende und Beengende ließ nicht nach. Sie hätte sich am liebsten unter einen Baum gelegt und so ganze Stunden verbracht. Oblomow wurde ganz hilflos und fächelte ihr mit einem Zweig das Gesicht, doch sie wies seine Bemühungen mit einem ungeduldigen Zeichen von sich und quälte sich weiter. Dann seufzte sie plötzlich auf, blickte wieder bewußt um sich, sah ihn an, drückte ihm fest die Hand, lächelte, erlangte wieder ihre Frische und ihr Lachen und beherrschte sich wieder.