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Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:

Oblomow
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Eines Abends verfiel sie in einen besonders unruhigen Zustand, in einen Somnambulismus der Liebe, und erschien Oblomow in einer neuen Beleuchtung. Es war heiß und schwül; aus dem Wald tönte das dumpfe Rauschen des warmen Windes herüber; der Himmel bedeckte sich mit dunklen Wolken. Es wurde immer dunkler und dunkler. »Es wird regnen,« sagte der Baron und fuhr nach Hause. Die Tante zog sich in ihr Zimmer zurück. Oljga spielte lange, in Gedanken versunken, Klavier, hörte aber dann auf.

»Ich kann nicht, meine Finger zittern, mir ist es so schwül,« sagte sie zu Oblomow. »Wollen wir in den Garten gehen.«

Sie schritten lange schweigend durch die Alleen, einander bei der Hand haltend. Ihre Hände waren feucht und weich. Sie traten in den Park. Die Bäume und Sträucher bildeten eine einzige düstere Masse; man konnte in einer Entfernung von zwei Schritten nichts unterscheiden; nur die Wege schlängelten sich als weiße Streifen hin. Oljga blickte starr ins Dunkel und schmiegte sich an Oblomow. Sie irrten schweigend herum. »Ich fürchte mich!« sagte sie plötzlich erzitternd, als sie sich fast tastend durch die schmale Allee, zwischen zwei schwarzen, undurchdringlichen Baumwänden fortbewegten. »Wovor denn?« fragte er. »Fürchte dich nicht, Oljga, ich bin bei dir.« - »Ich fürchte mich auch vor dir!« flüsterte sie, »aber es ist eine so angenehme Angst! Das Herz stockt mir. Gib mir die Hand und fühle, wie es klopft.« Und dabei fuhr sie zusammen und blickte sich um. »Siehst du, siehst du?« flüsterte sie zitternd und packte ihn mit beiden Händen fest bei der Schulter, »siehst du nicht dort im Dunkel jemand?« Sie schmiegte sich fester an ihn. »Es ist niemand da ...« sagte er; doch auch ihm lief eine Gänsehaut über den Rücken. »Decke mir schnell mit irgend etwas die Augen zu ... noch fester!« flüsterte sie ... »So, jetzt ist es besser ... Das sind nur die Nerven,« fügte sie aufgeregt hinzu. »Jetzt wieder! Schau, wer ist das? Setzen wir uns irgendwo auf eine Bank hin ...« Er fand tastend eine Bank und setzte sie hin. »Gehen wir nach Hause, Oljga,« redete er ihr zu, »du bist krank.« Sie legte den Kopf auf seine Schulter. »Nein, hier ist die Luft frischer,« sagte sie, »da am Herzen beengt mich etwas.« Sie atmete heiß auf seine Wange. Er berührte ihren Kopf mit der Hand - auch dieser war heiß. Ihre Brust atmete schwer und suchte sich durch Seufzer zu befreien. »Wäre es nicht besser, nach Hause zu gehen?« sprach Oblomow unruhig, »du mußt dich hinlegen.« - »Nein, nein, laß mich, rühr mich nicht an ...« sprach sie mit matter, kaum hörbarer Stimme; »es brennt bei mir hier ...« sie zeigte auf die Brust. »Wir sollten wirklich nach Hause gehen ...« drängte Oblomow. »Nein, warte, es wird vorübergehen ...« Sie preßte seine Hand zusammen, blickte ihm ab und zu tief in die Augen und schwieg lange. Dann begann sie zu weinen, zuerst leise und dann laut. Er verlor die Fassung. »Um Gottes willen, Oljga, gehen wir schnell nach Hause!« sagte er unruhig. »Es ist nichts,« antwortete sie schluchzend, »störe mich nicht, ich muß mich ausweinen ... Die Hitze wird mit den Tränen vergehen, es wird mir dann leichter sein; es sind nur die Nerven ...« Er hörte im Dunkel, wie schwer sie atmete, fühlte, wie ihre heißen Tränen auf seine Hand tropften, wie krampfhaft sie seinen Arm zusammenpreßte. Er bewegte keinen Finger und atmete nicht. Und ihr Kopf lag auf seiner Schulter, ihr Atem wehte seine Wange heiß an ... Er begann auch zu zittern, wagte es aber nicht, ihre Wange mit den Lippen zu berühren. Dann wurde sie immer ruhiger, und ihr Atem ging gleichmäßiger ... Sie schwieg. Er dachte, sie wäre eingeschlafen, und hatte Angst, sich zu rühren. »Oljga!« rief er flüsternd. »Was?« antwortete sie auch flüsternd und seufzte laut. »Jetzt ist's ... vorüber ...« sagte sie ermattet, »mir ist leichter, ich atme frei.« - »Komm,« sagte er. »Komm,« wiederholte sie ungern. »Mein Lieber!« flüsterte sie dann zärtlich, seine Hand umfassend, und ging, sich auf seine Schulter stützend, mit unsicheren Schritten nach Hause. Im Salon blickte er sie an; sie war schwach, doch sie lächelte seltsam, wie bewußtlos, gleichsam unter dem Einfluß eines Traumes. Er setzte sie auf den Diwan, kniete vor ihr nieder und küßte ihr ein paarmal, von tiefer Rührung erfüllt, die Hand. Sie blickte ihn noch immer mit demselben Lächeln an, indem sie ihm beide Hände überließ, und folgte ihm bis zur Tür mit den Augen. Er wandte sich an der Tür um; sie blickte ihm noch immer nach, ihr Gesicht war noch von derselben Ermattung und demselben heißen Lächeln erfüllt, als könnte sie es nicht bekämpfen ... Er ging sinnend fort. Er hatte dieses Lächeln irgendwo gesehen; er erinnerte sich an ein Bild, auf dem eine Frau mit einem solchen Lächeln dargestellt war ... das war aber keine Cordelia ...

Am nächsten Tag ließ er anfragen, wie es ihr ging. Man schickte ihm folgende Antwort: »Es geht dem Fräulein, Gott sei Dank, gut, man bittet Sie, heute zum Essen zu kommen, und abends fahren alle fünf Werst weit zu einem Feuerwerk.«

Er glaubte nicht und ging selbst hin. Oljga war frisch wie eine Blume; ihre Augen glänzten voll Lebenslust, die Wangen waren rot, die Stimme klang hell! Doch sie wurde plötzlich verlegen und hätte fast aufgeschrien, als Oblomow auf sie zukam, sie wurde feuerrot, als er fragte, wie sie sich nach gestern fühle. »Es war eine kleine Nervenstörung,« sagte sie eilig. »Ma tante sagt, daß ich früher schlafen gehen muß. Ich habe das erst seit kurzer Zeit ...«

Sie sprach nicht zu Ende und wandte sich ab, als bäte sie um Schonung. Sie wußte selbst nicht, warum sie so verlegen wurde. Warum nagte und sengte sie die Erinnerung an den gestrigen Abend, an diese Störung? Sie schämte sich und ärgerte sich, teilweise über sich selbst und teilweise über Oblomow. Und manchmal schien es ihr, daß Oblomow ihr teurer war als je, daß es sie zu ihm hinzog, daß ihr die Tränen kamen, als wäre er ihr seit dem gestrigen Abend auf eine geheimnisvolle Weise nähergerückt ...

Sie schlief lange nicht; des Morgens ging sie aufgeregt allein durch die Allee vom Haus bis zum Park und wieder zurück, dachte unaufhörlich nach, verlor sich in Vermutungen, machte ein finsteres Gesicht, flammte dann auf und lächelte über etwas und konnte zu keinem Entschluß kommen. Ach, Sonitschka! dachte sie ärgerlich, wie glücklich sie ist! Sie würde sich gleich entschlossen haben! Und Oblomow? Warum war er gestern mit ihr so stumm und reglos, trotzdem ihr Atem seine Wangen wie Feuer berührte, trotzdem ihre Tränen auf seine Hand tropften und er sie in seinem Arm nach Hause fast trug, während er das indiskrete Flüstern ihres Herzens hörte ... Und ein anderer an seiner Stelle ...

Obwohl Oblomow seine Jugend im Kreise von allwissenden jungen Leuten, die alle Lebensfragen längst gelöst hatten, an nichts glaubten und alles kalt und weise analysierten, verbracht hatte, glühte in seiner Seele doch noch der Glaube an die Freundschaft, an die Liebe, an die menschliche Würde, und soviel er sich in den Menschen auch geirrt hatte, soviel er sich noch irren würde, litt darunter nur sein Gefühl, doch das Gute und der Glaube daran hatte noch nie in ihm gewankt. Er betete im stillen die Reinheit des Weibes an, erkannte ihre Macht und ihre Rechte und brachte ihr Opfer. Doch es mangelte ihm an Charakterstärke, das Gute und die Achtung der Reinheit gegenüber offen zu bekennen. Im stillen berauschte er sich an ihrem Duft, aber äußerlich schloß er sich manchmal dem Chor der Zyniker an, die selbst vor dem Verdacht, keusch zu sein und die Keuschheit zu achten, zitterten, und fügte ihrem wilden Chor auch sein leichtsinniges Wort hinzu. Er stellte sich nie deutlich vor, wieviel ein gutes, wahres, reines Wort wiegt, das in den Strom der menschlichen Rede hineingeworfen wird, was für eine tiefe Biegung es bilden kann; er dachte nicht daran, daß, wenn es kühn und laut ohne falsche Schamröte, mit Überzeugung ausgesprochen wird, es im widrigen Schrei der Satiriker der Gesellschaft nicht untergeht, sondern wie eine Perle in die Tiefe des Lebens sinkt und sich immer eine Muschel findet. Viele bleiben bei einem guten Wort vor Scham glühend stecken und gebrauchen dreist und laut eine leichtfertige Wendung, ohne zu ahnen, daß auch diese unglücklicherweise nicht ohne Folgen verschwindet, sondern eine lange Spur von oft untilgbaren Übeln hinterläßt. Dagegen war Oblomow in seinem Handeln ohne Tadel; kein einziger Fleck oder Vorwurf, mit kaltem, seelenlosem Zynismus vorgegangen zu sein, lastete auf seinem Gewissen. Er konnte die täglichen Gespräche darüber, daß der eine die Pferde, das Möbel, und der zweite eine Frau gegen eine andere eingetauscht habe ... und zu welchen Ausgaben dieser Tausch geführt habe, nicht anhören. Mehr als einmal hatte er um die von den Männern verlorene Würde und Ehre gelitten und um den schmutzigen Fall einer ihm fremden Frau geweint, aber er fürchtete sich vor den Menschen und schwieg. Man mußte es erraten; Oljga erriet es.

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