Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
»Brauchen wir denn diesen Weg?«
»Nein.«
»Willst du auf diesem Weg dein Glück suchen, auf die Gefahr hin, daß ich meine Ruhe und Achtung verliere?«
»O nein, nein! Ich schwöre bei Gott, um nichts auf der Welt!« rief er leidenschaftlich aus.
»Warum sprichst du dann davon?«
»Das weiß ich wirklich selbst nicht ...«
»Ich weiß es aber: du wolltest wissen, ob ich dir meine Ruhe hinopfern, und ob ich mit dir diesen Weg gehen würde? Nicht wahr?«
»Ich glaube, du hast es erraten ... nun also?«
»Niemals, um nichts in der Welt,« sagte sie entschlossen.
Er sann nach und seufzte dann.
»Ja, das ist ein schrecklicher Weg, und eine Frau braucht viel Liebe, um darauf dem Mann zu folgen, sie muß auch, während sie zugrunde geht, noch lieben.«
Er blickte ihr fragend ins Gesicht; sie erwiderte nichts; nur die Falte über der Braue bewegte sich, aber der Ausdruck blieb ruhig.
»Stell dir vor,« sagte er, »daß Sonitschka, die nicht deinen kleinen Finger wert ist, dich bei der Begegnung plötzlich nicht wiedererkennen würde!«
Oljga lächelte, und ihr Blick blieb ebenso hell. Oblomow ließ sich von der Stimme seiner Eitelkeit hinreißen, die Oljgas Herzen Opfer abfordern und sich daran berauschen wollte.
»Stelle dir vor, daß die Männer sich dir nicht mit ehrfurchtsvoll gesenkten Augen nähern, sondern dich mit einem dreisten, spöttischen Lächeln anblicken würden ...«
Er sah sie an; sie schob mit dem Schirm fleißig ein Steinchen über den Sand hin.
»Bei deinem Eintreten in den Salon würden sich ein paar Hauben entrüstet bewegen, irgendeine davon würde von dir fortrücken ... Dein Stolz wäre aber nicht geringer als jetzt, und du würdest deutlich erkennen, daß du besser bist als sie und über ihnen stehst ...«
»Wozu sprichst du mir von solchen Schrecken?« sagte sie ruhig. »Ich werde diesen Weg nie betreten.«
»Nie?« fragte Oblomow traurig.
»Nie!« wiederholte sie.
»Ja,« sagte er sinnend, »deine Kraft würde nicht ausreichen, um der Schande in die Augen zu blicken. Du würdest vielleicht den Tod nicht fürchten; nicht die Hinrichtung ist schrecklich, sondern die Vorbereitungen, die beständigen Foltern sind es; du würdest es nicht ertragen und hinwelken - ja?«
Er blickte ihr fortwährend in die Augen, um zu sehen, wie sie sich dazu verhielt.
Sie schaute lustig drein; das Bild des Schreckens hatte sie nicht verwirrt; ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen.
»Ich will weder hinwelken noch sterben! Das ist nicht die Hauptsache,« sagte sie, »man kann, ohne jenen Weg zu wählen, noch inbrünstiger lieben ...«
»Warum würdest du denn jenen Weg nicht wählen?« fragte er beharrlich und fast ärgerlich, »wenn du dich nicht fürchtest?«
»Weil man sich darauf ... in der Folge stets ... trennt,« sagte sie, »und ich ... sollte dich verlassen? ...« Sie schwieg, legte ihm die Hand auf die Schulter, blickte ihn lange an, warf dann plötzlich den Schirm fort, umfaßte seinen Hals rasch und leidenschaftlich mit den Armen, küßte ihn, wurde dann blutrot, schmiegte das Gesicht an seine Brust und fügte leise hinzu:
»Nie!«
Er stieß einen Freudenschrei aus und glitt aufs Gras zu ihren Füßen hin.
Dritter Teil
Erstes Kapitel
Oblomow strahlte, als er nach Hause ging. Sein Blut wogte, seine Augen leuchteten. Ihm schien, daß sogar seine Haare flammten. So trat er in sein Zimmer - da plötzlich verschwand das Leuchten, und seine Augen blieben in unangenehmem Staunen an einem Punkt haften; auf seinem Sessel saß Tarantjew.
»Wie lange soll man denn noch auf dich warten? Wo treibst du dich herum?« fragte Tarantjew streng, indem er ihm seine zottige Hand hinstreckte. »Auch dein alter Teufel ist ganz aus Rand und Band; ich verlange einen Imbiß - er sagt, es ist nichts da, er hat mir nicht einmal einen Schnaps gegeben.«
»Ich bin hier im Hain spazierengegangen,« sagte Oblomow nachlässig und konnte sich von dem Schlag, der das Erscheinen des Landsmanns in einem solchen Augenblick für ihn war, noch nicht erholen.
Er hatte die düstere Sphäre, in der er bis dahin gelebt hatte, vergessen und war deren bedrückende Luft nicht mehr gewöhnt. Tarantjew zerrte ihn im Nu vom Himmel gleichsam wieder in den Sumpf herab. Oblomow fragte sich gequält: Warum war Tarantjew gekommen? War es für lange? Ihm kam die furchtbare Vermutung, er könnte vielleicht zum Essen dableiben, und dann wäre es nicht möglich, zu Iljinskys zu gehen. Der einzige Gedanke, der Oblomow beschäftigte, war, wie er ihn, selbst wenn das einige Ausgaben erfordern sollte, loswerden konnte. Er wartete schweigend und düster ab, was Tarantjew sagen würde.
»Warum schaust du dich gar nicht nach der Wohnung um, Landsmann?« fragte Tarantjew.
»Das ist jetzt nicht mehr nötig,« sagte Oblomow und bestrebte sich, Tarantjew nicht anzublicken. »Ich ... ziehe nicht dorthin.«
»W-as? Wieso ziehst du nicht hin?« entgegnete Tarantjew drohend, »du hast sie gemietet und ziehst nicht ein? Und der Kontrakt?«
»Was für ein Kontrakt?«
»Hast du schon vergessen? Du hast einen Kontrakt auf ein Jahr unterschrieben. Gib mir die achthundert Rubel, und geh dann, wohin du willst. Vier Personen haben die Wohnung angeschaut und wollten sie mieten; man hat alle abgewiesen. Jemand wollte sie auf drei Jahre mieten.«
Oblomow erinnerte sich erst jetzt, daß Tarantjew ihm am Tage des Umzuges aufs Land ein Papier gebracht hatte, das er in der Eile, ohne es zu lesen, unterschrieben hatte.
Ach mein Gott, was habe ich angerichtet! dachte er.
»Ich brauche aber keine Wohnung,« sagte Oblomow, »ich reise ins Ausland ...«
»Ins Ausland!« unterbrach Tarantjew, »mit diesem Deutschen? Aber das ist doch nichts für dich ... Du wirst doch nicht hinreisen!«
»Warum nicht? Ich habe schon einen Paß, ich werde ihn gleich zeigen. Ich habe auch einen Reisekoffer gekauft.«
»Du wirst nicht reisen!« wiederholte Tarantjew gleichgültig. »Gib mir das Geld für das halbe Jahr lieber im vorhinein.«
»Ich habe kein Geld.«
»Verschaffe dir welches, woher du willst; der Bruder meiner Gevatterin, Iwan Matwejewitsch, liebt keine Scherze. Er reicht gleich bei den Behörden ein; dann kommst du nicht mehr los. Ich habe für dich gezahlt, gib mir das Geld zurück.«
»Woher hast du so viel Geld?« fragte Oblomow.
»Was geht das dich an? Ich habe eine alte Schuld behoben. Gib das Geld her! Ich bin deswegen gekommen.«
»Gut; ich komme dieser Tage und übergebe die Wohnung einem anderen, und jetzt habe ich Eile ...«
Er knöpfte sich den Rock zu.
»Was brauchst du denn für eine Wohnung? Du findest in der ganzen Stadt keine bessere. Du hast sie ja nicht gesehen.«
»Ich will sie gar nicht sehen, wozu soll ich dorthin ziehen? Sie ist für mich zu weit weg ...«
»Wovon?« fragte Tarantjew grob. Doch Oblomow antwortete nichts.
»Vom Zentrum,« fügte er dann hinzu.
»Von welchem Zentrum? Wozu brauchst du es? Um zu liegen?«
»Nein, ich liege jetzt nicht mehr.«
»Warum denn nicht?«
»So. Ich ... bin heute ...« begann Oblomow.
»Was?« unterbrach Tarantjew.
»Ich esse nicht zu Hause ...«
»Gib das Geld her und scher dich zum Teufel!«
»Was für ein Geld?« wiederholte Oblomow ungeduldig. »Ich komme dieser Tage in die Wohnung und werde mit der Hausbesitzerin sprechen.«
»Mit welcher Hausbesitzerin? Mit der Gevatterin? Was versteht sie? Ein Frauenzimmer! Nein, sprich mit ihrem Bruder, dann wirst du was erleben.«