Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
»Ja, ja,« sprach er vor Freude zitternd - »und ein verschämt bejahender Blick wird die Antwort sein ... Sie wird kein Wort sagen, wird erröten, vom Grunde ihres Herzens wird ein Lächeln aufsteigen, dann wird ihr Blick sich mit Tränen füllen ...« Tränen, dann ein Lächeln, eine schweigend hingestreckte Hand, dann lebhafte, stürmische Freude, frohe Eile der Bewegungen, dann ein langes Gespräch, ein Flüstern unter vier Augen, dieses zutrauliche Flüstern der Seelen, der geheimnisvolle Vertrag, zwei Leben zu einem einzigen zu verschmelzen! In jeder Kleinigkeit, in Gesprächen über alltägliche Dinge wird die außer ihnen niemand sichtbare Liebe durchschimmern. Und niemand wird sie mit einem Blick zu verletzen wagen.
Sein Gesichtsausdruck wurde plötzlich ernst und wichtig.
»Ja,« sprach er zu sich selbst, »da ist die Welt des aufrichtigen, ehrlichen, andauernden Glücks! Ich muß mich schämen, daß ich bis jetzt diese Blumen gepflückt habe, wie ein Knabe im Duft der Liebe geschwebt hat, Rendezvous gesucht habe, beim Mond spazierengegangen bin, dem Schlagen eines Mädchenherzens gelauscht und nach den Schwingungen ihrer Träume gehascht habe ... O Gott!«
Er errötete bis über die Ohren.
»Oljga wird noch heute abend erfahren, welche strenge Pflichten die Liebe auferlegt; heute wird die letzte Begegnung unter vier Augen sein, heute.«
Er legte seine Hand aufs Herz; es schlug heftig, aber gleichmäßig, so wie es bei ehrlichen Menschen schlagen soll. Jetzt tauchte in ihm wieder der Gedanke auf, daß Oljga anfangs traurig sein würde, wenn er ihr sagte, daß sie nicht mehr zusammenkommen dürften; dann würde er ihr schüchtern sein Vorhaben mitteilen, nachdem er ihre Ansicht darüber erfahren hatte, er würde sich an ihrer Verlegenheit weiden, und dann ... Ferner träumte er von ihrem verschämten Jawort, von ihrem Lächeln und ihren Tränen, von ihrer schweigend entgegengestreckten Hand, vom langen, geheimnisvollen Flüstern und dem Kuß im Angesicht der ganzen Welt.
Zwölftes Kapitel
Er lief Oljga suchen. Man sagte ihm bei ihr zu Hause, daß sie fortgegangen war; er eilte ins Dorf - sie war nicht da. Dann erblickte er sie in der Ferne, wie sie gleich einem dem Himmel entgegenschwebenden Engel den Berg hinanstieg, so leicht stützte sich ihr Fuß, so anmutig wiegte sich ihre Gestalt. Er folgte ihr, doch sie berührte kaum das Gras und schien wirklich fortzufliegen. Er rief sie, als er den Berg bis zur Hälfte erklommen hatte. Sie wartete auf ihn; sowie er ihr aber um zwei Klafter näher kam, eilte sie weiter, so daß zwischen ihnen wieder eine große Entfernung entstand, blieb dann stehen und lachte. Endlich ward ihm zur Gewißheit, daß sie ihm nicht entkommen würde. Sie lief ihm ein paar Schritte entgegen, reichte ihm die Hand und schleppte ihn lachend zu sich. Sie traten in den Hain; er nahm den Hut ab, sie wischte ihm die Stirn mit einem Tuch ab und begann ihm mit dem Schirm das Gesicht zu fächeln.
Oljga war lebhafter, gesprächiger und fröhlicher als sonst, manchmal ließ sie sich durch eine zärtliche Aufwallung hinreißen und vertiefte sich dann plötzlich in ihre Gedanken.
»Rate, was ich gestern getan habe?« fragte sie, als sie sich in den Schatten gesetzt hatten.
»Gelesen?«
Sie schüttelte den Kopf.
»Geschrieben?«
»Nein.«
»Gesungen?«
»Nein. Karten gelegt!« sagte sie. »Die Wirtschafterin der Gräfin war gestern da; sie kann Karten legen, und ich habe sie darum gebeten.«
»Nun, und was ist herausgekommen?«
»Nichts. Zuerst eine Reise, dann eine Menschenmenge und überall ein blonder Mann, überall ... Ich bin rot geworden, als sie mir plötzlich in Katjas Anwesenheit sagte, daß ein Cœur-König an mich denkt. Als sie erzählen wollte, an wen ich denke, habe ich die Karten durcheinandergeworfen und bin fortgelaufen. Denkst du an mich?« fragte sie plötzlich.
»Ach!« sagte er, »wenn ich an dich nur weniger denken könnte!«
»Und ich!« sagte sie sinnend, »ich habe schon ganz vergessen, daß man anders leben kann. Als du vorige Woche geschmollt hast und zwei Tage lang nicht gekommen bist - weißt du, du warst böse? - bin ich plötzlich ganz anders geworden, so zornig. Ich habe mich mit Katja herumgezankt, wie du mit Sachar; ich habe sie heimlich weinen gemacht, und sie hat mir gar nicht leid getan. Ich antwortete ma tante nicht, hörte nicht, was sie sagte, tat nichts, wollte nirgends hin. Und sowie du gekommen bist, bin ich plötzlich ganz anders geworden. Ich habe Katja mein Lilakleid geschenkt ...«
»Das ist die Liebe!« sprach er pathetisch.
»Was? Das Lilakleid?«
»Alles? Ich erkenne mich in deinen Worten; auch für mich gibt es ohne dich keinen Tag und kein Leben, ich träume des Nachts immer von blühenden Tälern. Wenn ich dich sehe, bin ich gut und tätig; wenn nicht, langweile ich mich, bin träge, will mich hinlegen und an nichts denken ... Liebe, und schäme dich deiner Liebe nicht ...«
Plötzlich schwieg er. Was sage ich da? Ich bin ja nicht deswegen gekommen! dachte er, begann sich zu räuspern und furchte die Brauen.
»Und wenn ich plötzlich sterbe?« fragte sie.
»Welch ein Gedanke!« sagte er wegwerfend.
»Ja,« fuhr sie fort, »ich erkälte mich und bekomme Fieber; du kommst her - ich bin nicht da, du gehst zu uns - man sagt dir, ich bin krank, morgen ist wieder dasselbe; meine Fensterläden sind geschlossen; der Doktor schüttelt den Kopf; Katja kommt zu dir auf den Fußspitzen verweint heraus und flüstert dir zu: Das Fräulein ist krank, es stirbt ...«
»Ach!« rief Oblomow plötzlich aus.
Sie lachte.
»Was wird mit dir dann sein?« fragte sie, ihm ins Gesicht blickend.
»Was? Ich werde wahnsinnig oder erschieße mich, und du wirst dann plötzlich wieder gesund.«
»Nein, nein, hör' auf!« sagte sie ängstlich. »Was wir da zusammensprechen! Komm aber nicht zu mir, wenn du tot bist; ich fürchte mich vor den Toten ...«
Er lachte, sie auch.
»Mein Gott, was für Kinder wir sind!« sagte sie, sich besinnend.
Er räusperte sich wieder.
»Höre ... ich wollte sagen ...«
»Was?« fragte sie, sich lebhaft zu ihm umwendend.
Er schwieg ängstlich.
»Nun, sprich doch,« sagte sie, ihn leise am Ärmel zupfend.