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Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.

Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:

Sommer 2008. Hundert Jahre sind vergangen, seit in Sibirien eine verheerende Explosion stattgefunden hat. Viktoria Vandenberg versucht mit zwei anderen deutschen Forschern dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hat es sich um den Einschlag eines Meteoriten gehandelt? Leo, ein junger Hirte, erzählt Viktoria von seiner neunzigjährigen Großmutter, deren Vater zu den ersten Wissenschaftlern vor Ort gehörte. Die Alte beschwört Viktoria, ihre Nachforschungen einzustellen: Geister, böse Schamanen seien am Werk. Als sämtliche Stromgeneratoren ausfallen, scheinen die Prophezeiungen in Erfüllung zu gehen, erst recht als eine Serie von geheimnisvollen Todesfällen über die Forschergruppe hereinbricht. Doch Viktoria gibt nicht auf. Sie begreift, dass Leo den Schlüssel zu einer Wahrheit besitzt, die weitaus unglaublicher erscheint als ein Meteoriteneinschlag.
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»Dummkopf«, zischte der Turkmene und verpasste Leonard einen leichten Stoß zwischen die Rippen. »Kein Regentanz, eher ein Blitzlichtgewitter, aber eines von der allerfeinsten Sorte.«

Leonard schüttelte ungläubig den Kopf. »Ich kann mir kaum vorstellen, dass er uns für solche Spielchen zur Verfügung steht, geschweige denn, was uns das nützen sollte.«

»Lass das nur meine Sorge sein.« Aslan setzte ein diabolisches Grinsen auf.

»Was soll das bedeuten?« Leonard schaute den Turkmenen mit schmalen Lidern an.

»Für die Rettung meiner Familie ist mir kein Preis zu hoch.«

Mit einem unguten Gefühl legte sich Leonard zurück auf seine Pritsche.

»Aslan«, flüsterte er.

»Ja?« Die Antwort klang erschöpft.

»Das, was du da herausgefunden hast ... die Sache mit dem schweren Wasser und dem Atommodell.«

»Ja?«

»Klingt nobelpreisverdächtig.«

»Ich weiß.« Aus der Stimme des Turkmenen war ein Lächeln herauszuhören. »Und jetzt schlaf, Nemez.«

Leonard hielt für einen Moment den Atem an. Nemez, so hatte Katja ihn immer genannt. Es war der russische Spitzname für einen Deutschen.

Plötzlich war ihr Gesicht so dicht vor ihm, dass er nur die Lippen schürzen musste, um sie zu küssen. Aslan hatte recht: Für die Rettung der Familie war kein Preis zu hoch.

22.

Juni 2008, Tunguska - Alte Rechnungen

Makar Charitonowitsch Schirov warf seiner Frau einen wissenden Blick zu, als Lebenovs Männer ohne Ankündigung den Vorhang zu seiner Hütte zur Seite schoben, um ihn abzuholen und in das Camp des kaukasischen Ölbarons zu bringen.

»Kommandant Lebenov erwartet dich in Sergej Bashtiris Lager oben am Chekosee, Alterchen.« Nicht nur die Anrede des jungen Wachmanns war respektlos, auch dessen Tonfall verriet, dass er dem Stammesführer der Ewenken keine Achtung entgegenbrachte.

Schirov reagierte nicht sofort, sondern schenkte sich aus dem Samowar einen Tee nach. Dann setzte er sich auf das ausladende Sofa und schlürfte das golden schimmernde Gebräu in aller Ruhe. Erst nachdem er das Glas wieder abgesetzt hatte, ergriff er das Wort.

»Darf ich zunächst den Grund dieser überaus freundlichen Einladung erfahren?« Das faltige Gesicht des Ewenken verzog sich zu einem aufgesetzten Lächeln.

Der ältere der beiden Soldaten räusperte sich und nahm beinahe Haltung an, während der jüngere Schirov ratlos anglotzte.

»Soweit uns bekannt ist, sucht man immer noch nach dem Entführer der deutschen Geophysikerin. Außerdem haben sich in den vergangenen Tagen drei mysteriöse Todesfälle im Camp ereignet. Unser Kommandant will, dass du ihm Rede und Antwort stehst und ihm hilfst, die Ursachen zu finden.«

Schirov klopfte sich auf die Schenkel und erhob sich wie in Zeitlupe. Sein eindringlicher Blick traf erneut auf die ängstlichen Augen seiner Frau, was nichts anderes zu bedeuten hatte, als dass sie ihren gemeinsamen Enkel umgehend warnen sollte. Es ging nicht nur darum, dass Leonid sich in Vanavara und Umgebung nicht mehr blicken ließ. Am besten würde er für eine Weile ganz aus der Gegend verschwinden - so lange bis oben am Cheko wieder Ruhe eingekehrt war.

Vielleicht war es gut, wenn der Junge nach Krasnojarsk ging - dort hatte Schirov ein paar zuverlässige Freunde - oder nach Jakutsk, wo Schirovs unverheiratete Schwester als Köchin in einem abgelegenen christlich-orthodoxen Kloster arbeitete. Die frommen Brüder waren für den Zuwachs junger Männer dankbar; selbst wenn sie sich nicht für einen endgültigen Beitritt als Mönch entschieden, boten sie dem Orden wenigstens Unterstützung bei einfachen und schweren Arbeiten.

Makar Schirov konnte sich indes nicht vorstellen, welches Interesse Lebenov an seinem Erscheinen am Chekosee hatte und warum er nicht selbst nach Vanavara kam, um mit ihm, dem Stammesältesten, vor Ort und vielleicht sogar im Beisein des Bürgermeisters zu sprechen.

Stoisch ertrug er das Rumpeln des Geländewagens, während er auf dem Rücksitz saß und ihn bei jedem Schlagloch sämtliche Knochen schmerzten. Das ungute Gefühl, dass die Sache einen gewaltigen Haken hatte, wollte ihn dabei nicht verlassen.

Als sie das Camp nach gut anderthalb Stunden bei strahlendem Sonnenschein erreichten, fühlte er sich in seinen Befürchtungen bestätigt, als ihm zunächst die deutsche Geophysikerin über den Weg lief. Sie befand sich in Begleitung eines hochgewachsenen, blonden Mannes und strich sich nervös ein paar dunkelblonde Haarsträhnen aus dem Gesicht, während sie ihm entgegenging. Für einen Moment überkam Schirov die Furcht, sie könne stehen bleiben und ihn auf ihre gemeinsame Unterhaltung vor ein paar Tagen ansprechen. Doch sie ging ohne Gruß an ihm vorbei und sah ihm dabei direkt in die Augen - lange genug, um ihn erkennen zu lassen, dass sie nicht gegen ihn spielte und dass sie Leonid inzwischen begegnet sein musste.

Gemeinsam mit Theisen machte sich Viktoria auf den Weg in den kleinen provisorischen Laden des Kasachen. Wie beinahe jeden Tag wollten sie sich mit ein paar Flaschen Wasser eindecken. Dabei war ihr nicht entgangen, dass man Leonids Großvater geholt hatte. Flankiert von zwei jungen Wachleuten wurde er zu Bashtiris Luxushütte geleitet -nicht wie ein Besucher, dem man den nötigen Respekt entgegenbrachte, sondern wie ein Gefangener, dem gar nichts anderes übrigblieb, als den Anweisungen seiner Begleiter zu folgen. Die Sache wurde immer obskurer, und Viktoria fasste, noch bevor sie die Eingangstür des Ladens erreichten, einen Entschluss. Wenn sie versuchen würde, Leonid im Alleingang aus dem Bunker zu befreien und ihr dabei etwas zustoßen sollte, würde er dort unten lebendig begraben bleiben. Die Vorstellung, dass er verdurstete oder erfror, wenn sie ihm nicht rechtzeitig in die Freiheit verhalf, jagte ihr einen Schauer des Entsetzens über den Rücken. Würde sie Theisen jedoch davon überzeugen können, ihr unauffällig zur Seite zu stehen, würde sie sich sicherer fühlen. Mit der Unterstützung von Theisen und Rodius würde es viel leichter sein, einen wissenschaftlich fundierten Grund für ihre unerlaubte Exkursion zu finden, zumindest solange sich Leonid nicht in ihrer Begleitung befand. Dass Theisen ganz nebenbei von dem Bunker erfuhr, konnte ihr nur recht sein. Sie war jetzt schon gespannt, wie er auf die Entdeckung reagieren würde. Dass er auf diese Weise auch von der Existenz Leonids erfuhr, war eine andere Sache, aber dieses Risiko musste sie eingehen.

»Sven, ich muss mit dir reden.«

Theisen blieb kurz vor der Ladentür stehen, um einem von Olguths Mitarbeitern den Vortritt zu lassen, dabei schaute er überrascht zurück, auch weil Viktoria ihn vertrauensvoll am Arm gefasst hielt.

Mit leichtem Nachdruck führte sie ihn zu einer Stelle neben der Hütte, wo sie sich unbeobachtet glaubte.

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