Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.
- Автор: Andre Martina
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:
»Was ist denn hier los?« Von ferne konnte Viktoria sehen, dass Sven Theisen in T-Shirt und Jogginghose am Einkaufsladen des Kasachen lehnte und sich mit Rodius aufgeregt unterhielt.
Zusammen mit Kolja gesellte sie sich zu den deutschen Kollegen, um herauszufinden, warum Bashtiris Leute und Lebenovs Soldaten in hektischer Betriebsamkeit zwischen den Baracken hin und her liefen.
»Es hat einen weiteren Toten geben.« Rodius klang merkwürdig ruhig, und Viktoria dachte für einen Moment, er mache einen Scherz.
Theisen sorgte für Aufklärung. »Eine von Olguths Studentinnen hat einen von Lebenovs Söldnern erschossen.«
»Weiß man warum?« Kolja runzelte die Stirn.
Unwillkürlich musste Viktoria daran denken, dass auch er eine Pistole besaß. Offenbar waren hier alle im Begriff, verrückt zu werden.
»Nein«, antwortete Theisen. »Man verhört sie noch. Sie haben sie in die Lazarettbaracke gebracht. Man wartet auf Doktor Parlowa.« Er schaute demonstrativ auf seine Taucheruhr. »Kann nicht mehr lange dauern, bis sie aus Krasnojarsk zurück ist.« Viktoria spürte, wie er sie beiläufig musterte. »Wo warst du? Ich habe vorhin an deine Tür geklopft. Es hat niemand geantwortet.«
»Sie hat mit mir einen Morgenspaziergang am See unternommen.« Kolja sprang ihr bei, bevor Viktoria sich eine Antwort ausdenken konnte.
Theisen war anzusehen, dass er dieses Vorgehen missbilligte. Viktoria bemerkte eine lächerliche Eifersucht in seiner Miene, als er Kolja regelrecht mit seinen Blicken durchbohrte.
»Aha«, sagte der Deutsche nur. »Dann hättet ihr die Schüsse eigentlich hören müssen.« Er hob eine Braue und wandte sich erneut Professor Rodius zu. »Und wie bewertest du nun die Lage? Ich denke, wir sollten Kontakt zur deutschen Botschaft in Moskau aufnehmen.«
Der Professor sah ihn von der Seite an, dann fiel sein Blick auf Viktoria. »Du hast recht. Langsam wird mir die Sache zu anstrengend. Es kommt mir vor, als ob ein Fluch auf unserer Mission liegt. Wenn es so weitergeht, schlage ich vor, wir packen tatsächlich unsere Sachen und fliegen nach Hause.«
Viktoria hätte liebend gerne etwas gesagt - über Koljas Einschätzung, dass die russische Regierung ihre Arbeit für ihre ureigensten Zwecke nutzte, oder über den Bunker und letztendlich über Leonid, der vermutlich sehnsüchtig auf seine Befreiung wartete. Doch Kolja stand direkt hinter ihr.
Unruhig ließ sie ihren Blick über das Wasser schweifen. Wie gerne hätte sie sich einfach in eines der Motorboote gesetzt und wäre zu Leonid zurückgekehrt, um ihn aus diesem Loch zu befreien.
Der ohrenbetäubende Lärm eines Helikopters kündigte wenig später die Rückkehr von Doktor Parlowa an.
Die Ärztin mit dem Körperbau eines Ringers machte ihrem Aussehen alle Ehre, als sie sich den Weg zu der völlig apathischen Studentin bahnte und alle Umherstehenden mit einer barschen Bemerkung hinaus auf den Hof scheuchte - bis auf Bashtiri und Lebenov, die mit gekreuzten Armen neben dem Bett des Mädchens standen. Unbarmherzig setzte die Ärztin der jungen Frau eine Spritze, die ein ausgesprochen wirksames Wahrheitsserum erhielt. Bisher hatte die neu entwickelte
Substanz jeden noch so widerspenstigen Rebellen zum Sprechen gebracht. Lebenov hatte darauf bestanden, nachdem die Studentin auf ihrem Krankenlager endgültig verstummt war. Sie starrte nur noch geradeaus, als habe sie sich in eine Puppe verwandelt.
Parlowa nahm noch zwei Ampullen Blut ab, um sie ins Labor nach Vanavara bringen zu lassen, damit man sie einer Untersuchung auf Drogeneinnahme unterzog.
»Das trifft sich gut«, raunte Lebenov und rief mit einem Wink seinen kirgisischen Fahrer heran. »Nimm zwei von den Jungs mit, und bring mir diesen ewenkischen Stammesältesten hierher. Ich habe schon mit dem Bürgermeister gesprochen. Er hat einen Boten ausgesandt, damit sich der Alte in seinem Hüttendorf bereithält.«
»Denken Sie tatsächlich, es sind Drogen im Spiel?« Bashtiri stand nun wieder im Outfit eines selbst ernannten Diktators der Ärztin gegenüber.
Doktor Parlowa musterte ihn unauffällig und dachte sich ihren Teil. Als frühere Olympiateilnehmerin war sie mit der Einnahme von lei-stungssteigernden Substanzen bestens vertraut, und auch beim Einsatz psychogener Drogen machte ihr so schnell keiner was vor.
Doch in diesem Fall war es für eine Prognose zu früh.
»Keine Ahnung«, erklärte sie. Mit sicherer Hand gab sie die Ampullen an einen der Sanitäter weiter, der sie in eine Styroporkiste verpackte und dann nach draußen eilte.
»Vielleicht Ecstasy«, bemerkte Parlowa leise, nachdem sich die Tür hinter dem Mann wieder geschlossen hatte. »Wir müssen abwarten, wie sie auf das Serum reagiert.« Routiniert klatschte sie dem Mädchen rechts und links mit der flachen Hand auf die bleichen Wangen, als ob sie zu sich kommen sollte. »Mal sehen, was sie sagt. Warten wir noch einen Moment.«
Die Augen des Mädchens veränderten sich von lethargischer Gleichgültigkeit hin zu einem gehetzten Blick. Doktor Parlowa stellte die Fragen, weil sie trotz aller Härte immer noch einfühlsamer wirkte als die beiden Männer, die mit finsteren Mienen hinter ihr warteten.
Schweiß trat auf die Stirn des Mädchens, und sie wurde zusehends unruhiger, bis sie schließlich von ganz alleine zu sprechen begann.
»Wir haben ... miteinander geschlafen«, erzählte sie stockend. »Ich habe Kirill gesagt, er solle seine Uniform anlassen.« Wieder stockte sie, dabei starrte sie mit aufgerissenen Augen an die Decke, als ob dort oben ein Film ablaufen würde. »Ich hatte noch nie mit einem Soldaten . und ich fand es aufregend. Er hat mich ausgezogen, und ich habe nur seinen Hosenschlitz aufgeknöpft und seinen ...«, sie schluckte, »... herausgeholt. Er war riesig, und als er mich schließlich gevögelt hat, haben wir gelacht, weil es so lustig war.«
»Habt ihr vorher etwas eingenommen - außer Wodka, Tabletten, Kokain oder Pilze?«
»Nein.« Die Antwort kam schnell und klar. »Ich hatte noch eine Flasche Krimsekt, und nachdem es uns ... gekommen war, haben wir einen Sekt getrunken - auf eine gute Nacht. Danach sind wir irgendwann eingeschlafen. Gegen Morgen ist Kirill neben mir aufgewacht. Er wollte noch mal, und ich hatte nichts dagegen.« Einen Moment schien sie überlegen zu müssen, wie es weitergegangen war, doch dann fuhr sie fort.
»Während er in mich eindrang, glaubte ich einen huschenden Schatten zu sehen, und dann spürte ich, wie Kirill etwas durchfuhr. Ein Ruck ging durch seinen Körper, und er verdrehte die Augen. Ich dachte zuerst, er mache einen Scherz. Doch dann breitete sich ein höllischer Schmerz in meinem Unterleib aus, und ich bettelte ihn an, er solle damit aufhören. Aber er dachte nicht daran. Sein Schwanz erschien mir wie ein Speer, an dem sich Widerhaken befanden. Ich habe ihn angebrüllt und dabei in seine Augen geschaut. Ein seltsames Glühen lag in seinen Pupillen und machte mir höllische Angst. Ich konnte nichts tun. Er hielt mich fest und beugte sich laut stöhnend über mich. Dann schnellte seine Zunge hervor, wie die Zunge eines Warans, blau und gespalten. Ich hatte das Gefühl zu ersticken, als er sie in meinen Rachen stieß. Ich habe geröchelt und versucht, um Hilfe zu schreien, doch es ging nicht. Es war, als ob sich Zunge und Schwanz durch all meine Eingeweide hindurchbohren würden und er mir damit sämtliche Organe herausreißen wollte. In meiner Not habe ich nach seiner Waffe gegriffen. Sie lag neben dem Bett, weil er mir noch in der Nacht gezeigt hatte, wie man sie lud und entsicherte.« Sie stockte abermals, und ihr Gesicht verwandelte sich in eine verzweifelte Grimasse. »Ich musste ihn töten, er war ein Monster. Er hätte mich umgebracht!«