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Der Weltensammler

Электронная книга - «Der Weltensammler». Краткое содержание книги:

Ein spannender Roman über den englischen Abenteurer Richard Burton (1821–1890). Anstatt in den Kolonien die englischen Lebensgewohnheiten fortzuführen, lernt er wie besessen die Sprachen des Landes, vertieft sich in fremde Religionen und reist zum Schrecken der Behörden anonym in den Kolonien herum. Trojanows farbiger Abenteuerroman über diesen Exzentriker zeigt, warum der Westen bis heute nichts von den Geheimnissen der anderen Welt begriffen hat.
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— Wie Baba Ishmails Gesicht, wenn er sein Boot voller Fische an Land zieht.

— Oder wie die Gesichter der Kinder, wenn der erste Regen fällt.

— Wie wäre es hiermit: Wie der Ausdruck auf dem Gesicht von Baba Sidi, wenn er seinen Freunden von seinen Triumphen erzählen kann.

— Ihr kennt also dieses Glück, das ist gut, ich brauche es euch nicht weiter zu beschreiben, so ein Ausdruck von Glück war auf ihren Gesichtern, wenn sie ein Ziel erreichten, das kein anderer Wazungu vor ihnen erreicht hatte. Doch jede Sache wirft ihren Schatten, und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sich ihre Gesichter verdüsterten, wenn sie erfuhren, sie seien nicht die ersten, ihnen sei jemand zuvorgekommen, die dunkelsten Wolken zogen sich über ihren Gesichtern zusammen, bei der geringsten Gefahr, ihnen könnte jemand zuvorkommen. Nie werde ich die Verblüffung von Bwana Speke und Bwana Grant vergessen, als sie am Rande des größten aller Seen einen anderen Mzungu trafen, der schon seit Jahren dort handelte, einen Kaufmann mit dem Namen Amabile de Bono, der zwar nicht aus ihrem Land stammte, aber von einer Insel, die von ihrer Königin erobert worden war. Ihr könnt euch nicht die Sorge auf dem Gesicht von Bwana Stanley vorstellen, in den langen Monaten, in denen er vermuten mußte, Bwana Cameron eile ihm mit einer anderen Karawane voraus, Bwana Cameron könnte der erste sein, der das Land von dem Ort des Sonnenaufgangs zum Ort des Sonnenuntergangs durchquert. Es war eine Anspannung in ihm, die ihn jeden Abend fluchen und nur das Schlechteste über einen Menschen sagen ließ, dessen Bekanntschaft er nie gemacht hatte. Ich versuchte Bwana Stanley zu beruhigen. Pflückt Bwana Cameron alles, sagte ich zu ihm, was entlang des Weges wächst? Wird er denn nichts für Sie übriglassen? Worauf er mir grob antwortete: Das verstehst du nicht. Ich habe mich geärgert über seine Antwort, damals, aber heute gebe ich es gerne zu: Ich verstehe die Wazungu nicht.

— Ich weiß genau, was du meinst, Baba Sidi, es gibt immer jemanden, der noch früher aufgestanden ist als du selber. Als ich ein junger Mann war, arbeitete mein Vater für einen Araber, der mit zwei anderen Arabern und vierzig Trägern zu dem großen See marschiert ist, von dem du sprichst, immerzu gen Westen, und als sie den See erreichten, haben sie ein Boot gebaut, und mit diesem Boot haben sie über den See gesetzt, und dann besuchten sie ein Land, das Muata Cazembe hieß, ich habe mir diesen Namen gemerkt, Muata Cazembe, denn er klang für mich wie ein Anfeuerungsruf, und dann erreichten diese Araber, nach sechs weiteren Monaten, das andere Ende des Landes, die andere Küste, und die Sonne ging vor ihnen unter, und sie trafen dort auf Wazungu, die einen Handelsposten aufgebaut hatten, andere Wazungu als jene, die sie aus Sansibar kannten, Menschen von den Portugiesen, und der Ort, den diese Menschen gegründet hatten, hieß Benguela.

— Oh, das hieße, sie haben das ganze Land durchquert, wenn Bwana Stanley oder Bwana Cameron das wüßten, diese Nachricht würde mehrere Töpfe ihres Stolzes vergiften. Sie könnten sich nicht mehr damit brüsten, als erste das Land von Osten nach Westen durchquert zu haben, sie müßten lernen, Fußstapfen in anderen Fußstapfen zu sein, sie müßten die Vorstellung ertragen, Nachzügler zu sein. Für sie war jedes Dorf, jeder Fluß, jeder See, jeder Wald wie eine Jungfrau, und sie hatten Begierden von Riesen, die nur zufriedenzustellen waren, wenn sie sich all dieser Jungfrauen bemächtigen konnten. Um diese Gelüste zu befriedigen, nahmen sie alles auf sich, sie erlitten die Kälte, sie erlitten das Fieber, sie erlitten die Bisse und Stiche von Zecken und Mücken und Fliegen, Stiche, die Schwellungen verursachten, die über Nacht wuchsen, bis sie so juckten, daß wir glaubten, wahnsinnig zu werden. Und alles, was die Wazungu erlitten, mußten auch wir erleiden. Das war die schreckliche Erkenntnis, die sich mir aufdrängte, meine Freunde, bald nachdem wir aufgebrochen waren. Wir waren Gefangene einer Karawane, die dem Wahn zweier Wazungu ausgeliefert war, dem Wahn, durch die Hölle zu marschieren, um an ein Ziel zu gelangen, von dem keiner genau wußte, wo es war, wie es war, was es war. Und für uns gab es keine Aussicht auf Erlösung, nur einen Sold, einen kleinen Sold, der zur Hälfte schon bezahlt war und den jene, die in Sansibar Familie hatten, bei ihren Kindern und Frauen zurückgelassen hatten. Mit jedem Stich der stacheligen Kugeln des Akazienbaums wurde mir klarer, auf was ich mich eingelassen hatte. Und für mich gab es keinen Weg zurück. Die Träger, sie konnten versuchen wegzulaufen, weil sie den Weg nach Hause kannten, weil wir ihrem Zuhause entgegengingen, weil keiner in ihrem Dorf sie später zur Rechenschaft ziehen würde, aber ich, selbst wenn ich es alleine durch die Wälder und die Steppen bis zur Küste zurück schaffen sollte, wenn ich auf dieser einsamen Reise nicht verenden, nicht von einem wilden Tier gerissen und nicht in die Fänge der Sklavenhändler geraten würde, ich könnte mein Gesicht nicht mehr hier in Sansibar zeigen, ich war von dem Sultan selbst dazu auserkoren worden, diese Wazungu zu begleiten und ihnen zur Seite zu stehen, bis zu ihrer Rückkehr oder bis zum Ende. Ich mußte weitergehen, ich mußte die Stiche weiter ertragen, für mich gab es nur einen Ausweg, den Weg durch die Hölle.

— Spuckst du wieder große Töne, du alter Schwadroneur. Trägst du wieder mal dick auf?

— Was hast du schon gehört, Frau?

— Wenn du irgendwann in deinem Leben auf etwas anderes achten würdest, als auf deine eigenen Geschichten, dann würde dir auffallen, wie du und deine Freunde die Gasse verstopfen.

— Die Fensterläden knacken unter deinen Tiraden. Wovon sprichst du?

— Es kleben so viele Zuhörer an deinen Lügengeschichten, kein anderer kann mehr durch die Gasse kommen. Da ist eine Wagenfuhre, wenn du dich mal aufrichtest, siehst du sie, der arme Mann wartet schon ewig auf das Ende deines Geschwafels.

Abwechslung, immer wenn sie sich einem Dorf nähern. Die Musketen werden in die Luft gefeuert, selbst der erschöpfteste Träger reißt sich zusammen und reiht sich ein in den Stolz der Karawane, die beäugt wird von den Kindern und den Frauen — mit Sicherheit sind im Hintergrund auch die Augen der Männer auf sie gerichtet. Bei diesen Einmärschen hat Burton das Gefühl, alle Beteiligten führen eine szenische Inszenierung auf, ein dramatisches Gehabe, das ihnen vergeht, sobald sie dem Dorf den Rücken kehren: die Schultern sinken, die Füße schlurfen, die Stimmung schleift über den Boden.

Entschädigung gibt es abends am Lagerfeuer. Manchmal kann er sein eigenes Wort im Gespräch mit Speke nicht verstehen unter dem Lärm der Lieder und des Gelächters. Trommeln werden geschlagen, Glocken erklingen und altes Eisen klappert. Einer der Belutschen, Ubaid, holt eine Sarangi hervor und versammelt alle Halunken des Lagers um sein kräftiges Gekratze herum, so als würde er die Schuppen eines riesigen Fisches abschaben. Hulluk, der Narr der Karawane, übernimmt die Rolle eines Nautsch-Mädchens und tanzt mit vortrefflicher Liederlichkeit. Nach einer großzügigen Gabe an Verrenkungen und Grimassen scheint er entschlossen, mehr zu wagen, seiner Figur mehr Tiefe zu verleihen. Er stellt sich auf den Kopf und beginnt mit seinen Hüften zu wackeln, zu zucken, die Fersen wölben sich von den dürren Knochen wie Fladenbrote, denen zuviel Hefe beigemischt worden ist. Dann verschränkt er, immer noch kopfüber, die Beine im Schneidersitz, und in dieser Position imitiert er den Ruf eines Hundes, der hungrig, einer Katze, die traurig, eines Affen, der dreist, eines Kamels, das bockig ist, und die Rufe eines Sklavenmädchens, das alle Männer des Lagers in dieser Nacht mit lustvollen Versprechen zu sich lockt. Schließlich rollt sich Hulluk in einer unvermittelten und erstaunlich flüssigen Bewegung über den Boden, bis er gekrümmt wie die Verlegenheit vor Burton zu sitzen kommt und auch diesen nachahmt, mit bellender Befehlsgewalt, so unnachgiebig ausdauernd, bis er einen Dollar erhält für seine unverschämte Mühe, den Burton gerne gibt, weil das Lager im gemeinsamen Lachen den Tagesmarsch vergessen hat. Als der Narr allerdings eine weitere Münze fordert, erhält er einen Tritt — er rauscht davon, mit einer Stimme, die so übertrieben von den Enttäuschungen der Liebe piepst, daß alle Lacher ihr hinterhereilen wie herrenlose Köter.

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