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Der Weltensammler

Электронная книга - «Der Weltensammler». Краткое содержание книги:

Ein spannender Roman über den englischen Abenteurer Richard Burton (1821–1890). Anstatt in den Kolonien die englischen Lebensgewohnheiten fortzuführen, lernt er wie besessen die Sprachen des Landes, vertieft sich in fremde Religionen und reist zum Schrecken der Behörden anonym in den Kolonien herum. Trojanows farbiger Abenteuerroman über diesen Exzentriker zeigt, warum der Westen bis heute nichts von den Geheimnissen der anderen Welt begriffen hat.
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— Ich habe mit eigenen Augen erlebt, Baba Yusuf, wie die Bestraften bei der nächsten Gelegenheit wieder das taten, weswegen sie gezüchtigt wurden. Die Peitsche hinterläßt keine dauerhaften Spuren auf einer Haut, die abgeworfen wird. Glaubt mir, meine Freunde, der Mensch häutet sich wie eine Schlange. Es gibt nur eine Möglichkeit, ihn mit völliger Sicherheit von einer Tat abzuhalten: Du mußt ihn töten.

— Das hatte Bwana Stanley offensichtlich begriffen.

— Aber was nutzte es ihm? Er hatte danach einen Träger weniger.

Von Kingani nach Bomani, von Bomani nach Mkwaju la Mvuani, jeden Abend notiert er die Namen mit Sorgfalt, die Namen der Orte grundieren seinen Bericht; von Kiranga-Ranga nach Tumba Ihere, von Tumba Ihere nach Segesera, noch befinden sie sich in der Region der etablierten Namen, bestätigt von seinen Unterlagen, von Gewährsleuten entlang des Weges — in Küstennähe herrscht Eintracht über die Nomenklatur; von Dege la Mhora nach Madege Madogo, von Madege Madogo nach Kiruri in Khutu, jeder Ort geometrisch und hypsometrisch erfaßt — die ordentliche Liste läßt keine Unklarheit aufkommen, sie bannt das Unheil. Sie stehen noch am Anfang, er stellt sich jedem Problem, voller Zuversicht, es mit einigen Handgriffen, mit einer kleinen Anpassung, lösen zu können. Alles kann noch ins Lot gebracht werden. Die Natur bietet einige Entdeckungen. Die Bäume, die sich an lange Trockenzeiten so hervorragend adaptiert haben, sie heißen Miombo, und er kann drei Arten unterscheiden, die Julbenardia, die Brachystegia und die Isoberlinia, letztere dient den Elefanten als Futter. Die hohen Bäume mit den geraden Stämmen und der gelben Rinde (Taxus elongatus oder damit verwandt); die zwergwüchsigen Fächerpalmen (Chamaerops humilis, mit Sicherheit); der chinesische Dattelbaum (Zizyphus jujuba, umgangssprachlich der Jujube-Baum); die einheimischen Sorten der Hyphaena und der Nux vomica, die verschiedenen Laubbäume: die Sterculia mit der hellgelben Rinde und der dichten, runden Krone; die Kapok, mit den großen Schoten, außen dunkelbraun, innen weiß und flauschig. Bei seinen Beobachtungen erlaubt er sich keine Nachlässigkeit: Die gelben Früchte werden nicht gepflückt, sehr wohl aber vom Boden aufgelesen, das Fleisch ist in Farbe und Geschmack mit der Mango verwandt, die großen Samen giftig oder bitter — warnte die Natur nicht mit Bitternis vor Gift? — , sie werden von allen ausgespuckt. Grün ist in diesen ersten Wochen eine Farbe der Kultivierung, die Parzellen zu beiden Seiten des Flusses dichtbepflanzt mit Reis, Mais, Maniok, Süßkartoffeln und Tabak. Es ist ein fruchtbares Land — Burton kann seine glückselige Entwicklung mit offenen Augen vorhersehen, es bedarf dazu nur einer ordnenden Hand.

Je mehr seine Vertrautheit wächst, je mehr er die Fremde enträtselt, desto leichter fällt es ihm, ihre Bedrohlichkeit zu entschärfen. Er gewöhnt sich an das schonungslos beharrliche Trommeln in der Ferne, dem der Jemadar jedes erdenkliche Grauen unterstellt, um seinen dreizehn Soldaten abstruse Scheinmanöver aufzuerlegen. Er gewöhnt sich an die Bedächtigkeit alter Männer, Dorfvorsteher mit Namen, die wie Versprecher klingen. In Kiranga Ranga regnet es zum ersten Mal, in Tumba Ihere sehen sie zum letzten Mal einen Mangobaum. In Segesera streiten sich zum ersten Mal die Belutschen; sie müssen auseinandergerissen werden, bevor ihre Dolche Tribut fordern; in den Wäldern nahe Dege la Mhora erblicken sie Meerkatzen, die sich so flink durch die Wipfel katapultieren, daß die Schüsse von Speke gegen Äste hallen, und mit jedem Echo verliert er an Respekt, weil er sein Gewehr gegen Meerkatzen richtet und weil er das Ziel verfehlt hat. In Madege Madogo stirbt der erste Esel, weitere Tiere verenden in den Tagen danach, ein erster Träger verschwindet, die Stimmung der Expedition sinkt wie das Barometer. Unerwartet früh müssen sie die Reittiere beladen, und bald müssen sogar die Anführer der Expedition zu Fuß gehen.

Obwohl Burton zu Fuß kaum langsamer ist als die Esel, verändert sich seine Wahrnehmung, sobald er absteigt. Seine Aufmerksamkeit wird von den eigenen Schritten gefangengenommen, der Aneinanderreihung von Hunderten und Tausenden von Schritten. Nach der frühmorgendlichen Frische, in der er seinen Blick auf alles richtet und sein Geist alles aufzunehmen scheint, konzentriert er sich allmählich, erhitzt und unwillig, auf seine Schritte, bis er alles ignoriert außer jene Kieselsteine, Dornen, Blätter, die unter seinen Stiefeln knirschen und rascheln, winzige Markierungen des Weges, die der Öde ein sich wandelndes Gesicht geben, marginale Veränderungen, auf die er achtet, um auf irgend etwas zu achten, auf die fauligen Früchte, die von den Ästen gefallen sind, die nicht ganz rund und nicht ganz gelb sind, zermatscht, verrottet, braunfleckige Früchte, von denen ein penetranter Geruch der Fermentierung ausgeht.

In den ersten Wochen mistet er im Leerlauf zwischen Kontrollen und Beobachtungen seinen Kopf aus, kehrt all jene Erinnerungen aus, die Spitzen hinterlassen haben, die gekrümmt in ihn hineingewachsen sind. Er weiß nicht, ob es Speke — der die Vorhut übernimmt, wenn er die Nachzügler begleitet — ähnlich ergeht; Themen wie diese sind von einer Intimität, die er nicht mit ihm teilt. Verwundungen von einst fühlen sich an wie jüngst erlitten: Er ist erneut so zornig wie damals, als er von dem Verrat seiner Vorgesetzten im Sindh erfuhr — die neuentfachte Wut treibt ihn über die nächste Hügelkette. Er trauert um Kundalini, so verbissen wie einst, er trauert bis zum nächsten Horizont, auf dem ein Baobab wächst, ein dickhäutiges Mahnmal. Erneut befürchtet er, als Frevler entlarvt zu werden, wie in der Wüste zwischen Medina und Mekka. Seine Schritte schleppen sich durch Zorn, durch Leid, durch Angst, und darin vergehen Stunden und Tage und Wochen. Alles, was in seinem Leben jemals untergegangen ist, treibt wieder an die Oberfläche, jede Erniedrigung, Enttäuschung, Verletzung. Er fühlt sich wie auf hoher See in einem steuerlosen Boot, er muß sich über Bord lehnen, um das Seewurfgut einzusammeln, jedes einzelne Stück, auch wenn es von Algen umschlungen oder vom Salz zerfressen ist, er hält es eine Duldigkeit lang in seinen Händen und untersucht es von allen Seiten, um festzustellen, daß die eine oder andere Seite nicht mehr wiederzuerkennen ist, und er legt es erst dann aus den Händen, wenn er es nicht mehr fühlen kann, weil es sich aufgelöst hat, in Gleichmut, nicht in Vergessenheit.

SIDI MUBARAK BOMBAY

Am Anfang wußte keiner von uns, was ihn erwartete, keiner von uns konnte ahnen, was wir erleben würden, und hätten wir es gewußt, keiner von uns hätte diesen Pfad der Narben und Entbehrungen auf sich genommen. Wir waren voller unbeschmutzter Erwartungen, am Anfang, als unsere Narben noch Wunden waren, als der Feind noch ein Bruder war und unsere Hoffnung reicher als unsere Erfahrung. Keiner von uns war auf das vorbereitet, was über uns hereinbrach, nicht einmal die Träger, die von den Menschen der Nyamwezi stammten, die schon einmal, mindestens einmal, durch dieses Land marschiert waren. Sie hatten das Gewicht von Karawanen getragen, die nach Gewinn strebten, aber diese Karawanen waren nicht von dem Ehrgeiz angetrieben, zu erreichen, was kein Mensch zuvor erreicht hatte. Die Träger hatten Befehle erduldet von Männern, die brutal, gierig und verschlagen, aber nicht verrückt waren. Keiner von uns hatte das Gewicht einer Karawane gebuckelt, die von Wazungu angeführt wurde, und die Wazungu, meine Brüder, sind seltsame Menschen, ich kann sie erkennen, ich kann sie auseinanderhalten, aber ich werde sie niemals verstehen können. Sie glauben, die höchste Bestimmung des Menschen sei es, dort hinzugelangen, wo seine Vorfahren nicht hingelangt sind. Wie sollen wir, die wir uns davor fürchten, dort zu gehen, wo keiner zuvor gegangen ist, so etwas verstehen? Wie sollen wir ihr Glück begreifen, wenn es ihnen gelingt, die Aufgabe, die sie sich selbst gestellt haben, zu erfüllen? Ihr hättet den Ausdruck auf ihren Gesichtern sehen sollen, sie waren so glücklich wie ein Vater, der sein neugeborenes Kind in den Armen hält, so glücklich wie ein frisch Verliebter, der seine Holde nahen sieht …

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