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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Wie geht es Euch heute Morgen?«, fragte ich meinen Patienten. Er schien sich in erstaunlich guter Verfassung zu befinden, wenn man bedachte, wie viel Alkohol er letzte Nacht konsumiert hatte. Er hatte eine gesunde Gesichtsfarbe, und wenn man nach der Menge der Krümel auf dem Teller neben ihm ging, war an seinem Appetit ebenfalls nichts auszusetzen.

Er nickte mir herzlich zu, während seine Kiefer geräuschvoll kauten, und schluckte dann etwas mühsam.

»Erstaunlich gut, Ma’am, besten Dank. Bisschen wund am Allerwertesten« – er klopfte sich sachte auf die betreffende Stelle –, »aber ich hab noch nie eine schönere Naht gesehen. Mr. Ulysses war so freundlich, mir einen Spiegel zu besorgen«, erklärte er. Er schüttelte den Kopf mit einiger Ehrfurcht.

»Hab noch nie meinen eigenen Hintern gesehen – bei all den Haaren, die ich da habe, könnte man meinen, dass mein Papa ein Bär war!«

Er lachte herzhaft, und Farquard Campbell verbarg ein Lächeln in seiner Teetasse. Ulysses wandte sich mit dem Tablett ab, doch ich sah seine Mundwinkel zucken.

Jocasta lachte laut auf, und die Belustigung umgab ihre blinden Augen mit Fältchen.

»Man sagt, das Kind, das seinen Vater kennt, muss schlau sein, John Quincy. Aber ich habe deine Mutter gut gekannt, und ich würde sagen, es ist ziemlich unwahrscheinlich.«

»Tja, meiner Mama haben die haarigen Männer gefallen. Hat gemeint, die wären so gemütlich in kalten Winternächten.« Er blinzelte in seinen offenen Hemdkragen und betrachtete das Gestrüpp, das dort zum Vorschein kam, mit einiger Genugtuung. »Könnte schon sein. Den Indianermädchen scheint es zu gefallen – obwohl es vielleicht nur der Reiz des Neuen ist, wenn man es recht bedenkt. Ihre eigenen Männer haben kaum Pelz an den Eiern, geschweige denn am Hintern.«

Mr. Campbell bekam einen Krümel in den falschen Hals und hustete heftig in seine Serviette. Ich lächelte vor mich hin und nahm einen großen Schluck Tee. Es war eine starke, duftende indische Mischung, und ich genoss ihn trotz der drückenden Vormittagshitze. Mir brach der Schweiß aus, als ich trank, doch die Wärme ließ sich beruhigend in meinem aufgewühlten Magen nieder, und der Duft des Tees vertrieb den Gestank von Blut und Exkret aus meiner Nase, wie auch die fröhliche Unterhaltung die morbiden Bilder des Morgens aus meinen Gedanken verbannte.

Ich warf einen sehnsüchtigen Blick auf den Teppich vor dem Kamin. Ich fühlte mich, als könnte ich mich friedlich dort hinlegen und eine Woche lang schlafen. Doch es gab keine Rast für die Mühseligen.

Jamie kam herein, frisch rasiert und gekämmt und mit einem nüchternen Rock und einem sauberen Hemd bekleidet. Er nickte Farquard ohne erkennbare Überraschung zu; er musste seine Stimme vom Flur aus gehört haben.

»Tante Jocasta.« Er bückte sich und küsste Jocasta zum Gruß die Wange, dann lächelte er Myers zu.

»Wie geht’s Euch denn, a charaid? Oder soll ich sagen, wie geht’s ihnen?«

»Alles bestens«, versicherte ihm Myers. Er legte abschätzend eine Hand zwischen seine Beine. »Aber ich warte lieber noch ein oder zwei Tage, bevor ich wieder auf ein Pferd steige.«

»Das würde ich auch«, versicherte Jamie ihm. Er wandte sich wieder an Jocasta. »Hast du Duncan heute Morgen schon gesehen, Tante Jocasta?«

»Oh, aye. Er macht für mich eine kleine Besorgung, er und der Junge.« Sie lächelte und streckte ihre Hand nach ihm aus; ich sah, wie sie ihre Finger fest um sein Handgelenk legte.

»So ein wunderbarer Mann, dieser Mr. Innes. So hilfsbereit. Und so verständig und intelligent; wirklich ein Vergnügen, sich mit ihm zu unterhalten. Findest du nicht auch, Neffe?«

Jamie warf ihr einen seltsamen Blick zu, dann sah er Farquard Campbell an. Der ältere Mann wich seinem Blick aus und schlürfte seinen Tee, während er vorgab, das große Gemälde über dem Kamin zu studieren.

»In der Tat«, sagte Jamie trocken. »Ein brauchbarer Mann, unser Duncan. Und Ian ist mit ihm gegangen?«

»Um ein kleines Päckchen für mich zu holen«, sagte seine Tante seelenruhig. »Brauchst du Duncan sofort?«

»Nein«, sagte Jamie langsam und starrte auf sie herab. »Es kann warten.«

Ihre Finger ließen seinen Ärmel fahren, und sie griff nach ihrer Teetasse. Der zarte Henkel zeigte exakt in ihre Richtung, bereit für ihre Hand.

»Dann ist es ja gut«, sagte sie. »Willst du vielleicht etwas frühstücken? Und Farquard – noch etwas Gebäck?«

»Ah, nein, Cha ghabh mi ’n còrr, tapa leibh. Ich habe in der Stadt zu tun und sehe besser zu, dass ich aufbreche.« Campbell stellte seine Tasse ab, stand auf und verbeugte sich nacheinander vor mir und Jocasta. »Ergebenster Diener, die Damen. Mr. Fraser«, fügte er mit hochgezogenen Augenbrauen hinzu, verbeugte sich und folgte Ulysses hinaus.

Jamie setzte sich hin, die Augenbrauen seinerseits hochgezogen, und nahm sich eine Scheibe Toast.

»Diese Besorgung, Tante Jocasta – Duncan ist auf der Suche nach der Sklavin?«

»Ja.« Jocasta richtete stirnrunzelnd ihren blinden Blick auf ihn. »Ich hoffe, es macht dir nichts aus, Jamie? Ich weiß, dass Duncan zu dir gehört, aber die Sache kam mir dringend vor, und ich konnte nicht wissen, wann du kommen würdest.«

»Was hat Campbell dir gesagt?« Ich konnte mir denken, was Jamie meinte; es erschien mir nicht wahrscheinlich, dass der aufrechte und gestrenge Mr. Campbell, Richter des Distriktes, der keinen Finger gerührt hatte, um einen grausamen Lynchmord zu verhindern, sich an einer Verschwörung zum Schutz einer Sklavin – noch dazu einer Engelmacherin – beteiligen würde. Und dennoch – vielleicht betrachtete er es als Ausgleich für das, was er nicht hatte verhindern können.

Ihre wohlgeformten Schultern hoben sich in einem angedeuteten Achselzucken, und neben ihrem Mund regte sich ein Muskel.

»Ich kenne Farquard Campbell schon zwanzig Jahre. Ich höre das, was er nicht sagt, besser als das, was er sagt.«

Myers hatte diesen Wortwechsel mit Interesse verfolgt.

»Könnte nicht sagen, dass meine Ohren auch so gut sind«, beobachtete er nachsichtig. »Ich habe ihn nur sagen hören, dass irgendeine arme Frau sich durch einen Unfall ums Leben gebracht hat, oben bei der Sägemühle, als sie versuchte, was Kleines loszuwerden. Er sagt, er hat sie nicht persönlich gekannt.«

Er lächelte mir freundlich zu.

»Und das allein sagt mir schon, dass das Mädchen eine Fremde war«, beobachtete Jocasta. »Farquard kennt die Leute, die am Fluss und in der Stadt leben, genauso gut, wie ich meine eigenen kenne. Sie ist niemandes Tochter und niemandes Dienstmädchen.«

Sie stellte ihre Tasse ab und lehnte sich mit einem Seufzer im Sessel zurück.

»Es wird schon in Ordnung kommen«, sagte sie. »Iss nur auf, Junge, du musst am Verhungern sein.«

Jamie starrte sie einen Moment lang an, die Toastscheibe unberührt in seiner Hand. Er beugte sich vor und ließ sie auf den Teller fallen.

»Ich kann nicht sagen, dass ich im Augenblick großen Appetit habe, Tante Jocasta. Von toten Mädchen bekomme ich Bauchgrimmen.« Er stand auf und strich über seine Rockschöße.

»Sie mag niemandes Tochter oder Dienstmädchen sein – aber im Augenblick liegt sie im Hof und lockt die Fliegen an. Ich wüsste gern ihren Namen, bevor ich sie beerdige.« Er machte auf dem Absatz kehrt und schritt hinaus.

Ich trank den restlichen Tee aus und stellte die Porzellantasse mit einem leisen Klirren ab.

»Tut mir leid«, sagte ich entschuldigend. »Ich glaube, ich habe auch keinen Hunger.«

Jocasta regte sich nicht, und ihr Gesichtsausdruck blieb unverändert. Als ich das Zimmer verließ, sah ich, wie sich Myers von seiner Chaiselongue herüberbeugte und zielsicher nach dem letzten Brötchen angelte.

Es war fast Mittag, als wir das Lagerhaus der Krone am Ende der Hay Street erreichten. Es stand etwas oberhalb der Stadt am Nordufer des Flusses und hatte sein eigenes Pier zum Verlassen. Im Augenblick schien es kaum Bedarf für eine Wache zu geben, denn nichts regte sich in der Nähe des Gebäudes außer ein paar blassgrünen Schmetterlingen, die sich, unbeeindruckt von der drückenden Hitze, emsig in den dichten, blühenden Büschen abmühten, die das Ufer säumten.

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