Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
»Und welche?«
»Moreau und Pichegru.«
Kaum war Fouché gegangen, ließ Bonaparte Savary rufen.
»Savary«, sagte er zu seinem Adjutanten, »bringen Sie mir das Verzeichnis der Individuen, die im Departement Seine-Inférieure wegen Raubüberfällen auf die Eilpost und ähnlichen Delikten gemeldet wurden.«
Seit der innere Frieden eingekehrt war, hatte die Polizei alle Individuen erfasst, die sich zuvor am Bürgerkrieg beteiligt hatten oder in jenen Gegenden auffällig geworden waren, in denen die Kutschen der Eilpost überfallen wurden. Diese Individuen waren in mehrere Kategorien aufgeteilt: 1. Anstifter, 2. Täter, 3. Komplizen, 4. all jene, die einem Individuum der vorgenannten Kategorien zur Flucht verholfen hatten.
Es galt nun, den Uhrmacher ausfindig zu machen, den Querelle und Fouchés Spitzel erwähnt hatten. Über Fouchés Spitzel hätte Bonaparte seinen Namen erfahren können, doch er wollte nicht zeigen, dass ihm dieser Name wichtig war, damit Fouché nicht erriet, was er im Schilde führte.
Fouchés Scharfsinn hatte Bonaparte kaum minder gekränkt als Régniers Blindheit. Sich plötzlich einer Gefahr ausgesetzt zu wissen, von der er nichts geahnt hatte, und durch den Schild der Polizei vor dieser Gefahr geschützt worden zu sein, ohne davon gewusst zu haben, das kam für einen Menschen von Bonapartes Charakter und Tatkraft einer Demütigung gleich. Er hatte sich täuschen lassen – nun, dann würde er jetzt umso klarer sehen! Und deshalb ließ er sich von Savary die Liste der Verdächtigen im Departement Seine-Inférieure bringen.
Schon bei ihrem ersten Blick auf das Verzeichnis für Eu und Tréport sahen sie den Namen eines Uhrmachers Troche. Vater Troche befand sich in Haft, und da er zu den Hauptbeschuldigten zählte, war kaum damit zu rechnen, dass er den Mund aufmachte. Doch es gab einen neunzehnjährigen Sohn, der über die Landungen, die bereits stattgefunden hatten, und die noch bevorstehenden sicherlich Bescheid wusste.
Bonaparte ließ telegraphisch anordnen, den Sohn festzunehmen und auf schnellstem Weg nach Paris zu bringen; mit der Eilpost konnte er am Tag nach seiner Verhaftung in Paris sein.
Unterdessen war Réal in das Gefängnis zurückgekehrt, wo er den Gefangenen in einem erbarmungswürdigen Zustand vorgefunden hatte.
Bei Tagesanbruch, das heißt zwischen sechs und sieben Uhr morgens, war die militärische Einheit, die den Todeskandidaten zum Hinrichtungsplatz eskortieren und ihn dort füsilieren sollte, eingetroffen und hatte Aufstellung bezogen. Der Fiaker, der den Gefangenen befördern würde, stand vor der Gefängnispforte mit offener Tür und heruntergelassenem Trittbrett.
Der Gefangene, der sich wie gesagt in der Kanzlei des Gerichtsschreibers befand, deren vergitterte Fenster auf die Straße gingen, konnte von dort alle Vorbereitungen zu seiner Erschießung mit ansehen – Vorbereitungen, die zweifellos weniger erschreckend sind als die zum Guillotinieren, aber dennoch nicht ohne Grauen.
Er hatte gesehen, dass die Ordonnanz, die den Hinrichtungsbefehl abzuholen hatte, zum Gouverneur von Paris geschickt worden war, und er sah, dass der zuständige Adjutant bereits zu Pferde wartete, um die Hinrichtung anzuordnen und durchzuführen, sobald die Ordonnanz mit dem Befehl zurückkehrte. Die Dragoner, die ihm als Eskorte dienen würden, warteten ebenfalls aufgereiht zu Pferde, und ihr Offizier hatte die Zügel seines Pferdes an das Gitter des Fensters gebunden, aus dem er sah. In diesem schrecklichen Warten verbrachte er die Zeit von halb sieben bis um neun Uhr morgens.
Nachdem er darauf gelauscht hatte, wie die Glocke halbe Stunden und Viertelstunden schlug, vernahm er um neun Uhr endlich das gleiche Räderrollen, das er um fünf Uhr gehört hatte.
Ängstlich heftete sein Blick sich auf die Tür; sein Ohr suchte die Geräusche im Flur aufzufangen, und die Gefühle, die er vor Stunden empfunden hatte, ließen wieder sein Herz klopfen.
Réal trat lächelnd ein.
»Oh, Sie würden nicht lächeln«, rief der unglückliche Gefangene, warf sich vor ihm nieder, umschlang seine Knie und preßte sie an seine Brust, »wenn ich zum Tode verurteilt wäre!«
»Ich habe Ihnen nicht die Begnadigung versprochen«, sagte Réal, »ich habe Ihnen einen Aufschub versprochen, und Aufschub wird Ihnen gewährt, doch ich verspreche Ihnen, alles zu tun, was in meiner Macht steht, um Ihr Leben zu retten.«
»Aber dann«, rief der Gefangene, »dann lassen Sie diese Dragoner, diesen Fiaker, diese Soldaten entfernen, wenn ich nicht vor Angst sterben soll. Meinetwegen sind sie hier, und solange sie hier sind, kann ich nicht glauben, was Sie mir sagen.«
Réal ließ den Gefängnisdirektor kommen. »Die Hinrichtung ist aufgeschoben«, sagte er, »durch Ordre des Ersten Konsuls. Bringen Sie Monsieur in eine Einzelzelle, und lassen Sie ihn heute Abend in das Temple-Gefängnis überstellen.«
Querelle atmete auf. Im Temple befanden sich Häftlinge mit langen Haftstrafen, aber keine zum Tode Verurteilten. Das war die Bestätigung dessen, was Réal ihm gesagt hatte. Als Nächstes sah er aus dem Fenster, von dem er den Blick nicht abwenden konnte, dass das Trittbrett des Fiakers eingezogen und die Tür geschlossen wurde, dann sah er, dass der Offizier sein Pferd losband, es bestieg, an die Spitze seiner Männer ritt, und dann sah er nichts mehr.
Im Übermaß seiner Freude war er ohnmächtig geworden.
Der Arzt wurde gerufen und ließ den Gefangenen zur Ader. Querelle kam wieder zu sich, wurde in Einzelhaft untergebracht und wie befohlen am Abend in das Temple-Gefängnis überführt.
Monsieur Réal war bei ihm geblieben, solange er ohnmächtig war, und hatte bei seinem Erwachen das Versprechen wiederholt, sich bei dem Ersten Konsul für ihn zu verwenden.
33
Das Nest ist leer
Ein befremdlicher Umstand hatte die Polizei auf Troches Fährte gesetzt. Zwei, drei Jahre vor der Zeitspanne, die wir inzwischen behandeln, war es bei einer Landung zu einer Auseinandersetzung zwischen Zoll und Schmugglern gekommen; Schüsse waren gefallen, und an einem der halb verbrannten Stopfen, die auf dem Schlachtfeld liegen geblieben waren, konnte man die Aufschrift entziffern: An Citoyen Troche, Uhrmacher in …
Jedermann in Dieppe kannte den Citoyen Troche, und niemand bezweifelte, dass der Citoyen Troche sein Gewehr mit einem Stopfen geladen hatte, der aus einem an ihn adressierten Brief bestand; dieser Brief lenkte folglich die Aufmerksamkeit der Regierung auf Troche.
Wenige Tage vor Querelles Verurteilung hatte man den Citoyen Troche, einen gewieften Normannen von fünfundvierzig bis fünfzig Jahren, Querelle gegenübergestellt; da Troche sah, dass Querelle ihn nicht erkennen wollte, hatte auch er Querelle nicht erkannt, doch ungeachtet seiner Schweigsamkeit hatten die Behörden den Citoyen Troche in Haft behalten.
Nun wandte man sich an Troche junior, einen groß gewachsenen naiven Jüngling von neunzehn oder zwanzig Jahren, der seiner vorgeblichen Naivität zum Trotz als Schmuggler weitaus gewandter war denn als Uhrmacher. Nach Paris gebracht und Savary vorgeführt, der zur Wache beim Ersten Konsul eingeteilt war, tat Nicolas Troche so, als glaubte er, was man behauptete, dass nämlich sein Vater alles gestanden habe, und legte ein Geständnis ab.
Dieses Geständnis belastete ihn selbst nicht allzu schwer. Er gestand, dass er von Schmugglern, die an Land gehen wollten, benachrichtigt wurde und dass er ihnen ein verabredetes Signal zukommen ließ. Bei ruhigem Seegang half er ihnen, bei unruhiger See wartete er auf Windstille; er reichte ihnen die Hand, wenn sie den Gipfel der Klippe erreichten, und dann, so erklärte er, wies er sie an einen seiner Freunde weiter und hörte erst wieder von ihnen, wenn er die drei Francs pro Person für seine Hilfe erhielt.
So hatte man es seit Menschengedenken im Hause Troche gehalten; der älteste Sohn erbte dieses Gewerbe als Teil seines Geburtsrechts, und die ganze Sippschaft der Troches, die auf diese Weise an die tausend Francs im Jahr erwirtschaftete, tat so, als hätte sie bei diesem klandestinen Treiben noch nie mit anderen Kunden als Schmugglern zu tun gehabt.