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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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In der Tat war es eine gewichtige Neuigkeit für ihn zu erfahren, dass Moreau sich an einer Verschwörung gegen ihn beteiligte. Moreau und Pichegru waren die Einzigen, die sich in militärischer Hinsicht mit ihm messen konnten. Pichegru, zu Recht oder zu Unrecht des Hochverrats verdächtigt und am 18. Fructidor nach Sinnamary geschickt, war trotz seiner wunderbaren Rettung wie durch Gottes Hand kein Gegner mehr, vor dem Bonaparte sich fürchten musste.

Moreau hingegen, noch vom Glanz seines Sieges bei Hohenlinden umstrahlt und von Bonaparte für diesen trefflichen und klugen Sieg mit Undank gelohnt, lebte als schlichter Bürger in Paris und konnte sich auf eine große Gefolgschaft verlassen. Am 18. Fructidor und am 13. Vendémiaire hatte Bonaparte nur die Jakobiner, das heißt die exaltiertesten Republikaner, für vogelfrei erklärt und aus den Staatsgeschäften verbannt. Alle gemäßigten Republikaner jedoch, die sahen, wie der Erste Konsul sich nach und nach die Macht sicherte und sich Schritt für Schritt dem Königtum näherte, hatten sich zumindest geistig – wenn nicht greifbarer – um Moreau gesammelt, der mit Unterstützung der wenigen anderen Generäle, die den Grundsätzen von 1789 und sogar von 1793 treu geblieben waren, und durch seine ununterbrochene Verschwörertätigkeit in der Armee, sichtbar durch Augereau und Bernadotte verkörpert, unsichtbar durch Malet, Oudet und die Philadelphes, zu einem Gegner geworden war, den man ernsthaft fürchten musste.

Und nun sollte Moreau, dieser untadelige Republikaner, dieser zweite Fabius, wie er genannt wurde, dieser Beschwichtiger, der immer gesagt hatte, sein Wahlspruch sei, dass man den Menschen und den Dingen Zeit geben müsse – nun sollte dieser Moreau sich ohne alle Bedenken Hals über Kopf in ein royalistisches Komplott gestürzt haben, mit dem Condé-Anhänger Pichegru und dem Chouan Cadoudal als Verbündeten! Bonaparte lächelte, verdrehte die Augen zum Himmel und sagte: »Die Sterne meinen es wahrhaftig gut mit mir!«

Dann wandte er sich an Réaclass="underline" »Ist der Brief wirklich von seiner Hand?«

»Ja, General.«

»Und unterzeichnet?«

»Und unterzeichnet.«

»Sehen wir es uns an.« Ohne eine Antwort abzuwarten, las er:

Ein Mann, soeben dem Grabe entronnen und noch von den Schatten des Todes umfangen, verlangt nach Rache an denen, die ihn und seine Mitstreiter durch ihre Perfidie in den Abgrund gestürzt haben, in dem er sich befindet. Nach Frankreich entsandt, um die Sache der Bourbonen zu unterstützen, sieht er sich genötigt, entweder für Moreau zu kämpfen oder auf das Unternehmen zu verzichten, welches das einzige Ziel seiner Aufgabe war...

Bonaparte hielt inne. »Was soll das heißen: ›für Moreau zu kämpfen?‹« fragte er.

»Lesen Sie weiter«, sagte Réal.

Ein Prinz aus dem Hause Bourbon sollte nach Frankreich kommen und sich an die Spitze der royalistischen Partei stellen. Moreau hatte versprochen, sich der Sache der Bourbonen anzuschließen. Kaum haben die Royalisten in Frankreich Fuß gefasst, zieht Moreau sich zurück. Er bietet ihnen an, für sie zu wirken und sich zum Diktator ausrufen zu lassen. Das sind die Tatsachen; ziehen Sie daraus Ihre Schlüsse.

Lajolais, ein General, der unter Moreau gedient hatte, wird von ihm nach London zu dem Prinzen geschickt. Pichegru war der Mittelsmann. Lajolais hält sich im Namen und im Auftrag Moreaus an den vereinbarten Plan. Der Prinz macht sich bereit abzureisen, doch in den Gesprächen, die Moreau, Pichegru und Cadoudal in Paris führen, erklärt Ersterer, dass er nur zu handeln bereit sei, um einem Diktator den Weg zu ebnen, nicht aber einem König. Ergebnis ist Zerwürfnis und beinahe völlige Niederlage der royalistischen Partei.

Besagten Lajolais sah ich in Paris, als er am 25. Januar Georges und Pichegru abholte; ich saß mit ihnen im Wagen am Boulevard de la Madeleine, Lajolais wollte sie zu Moreau bringen, der in der Nähe wartete; sie hatten eine Besprechung in den Champs-Élysées, in deren Verlauf Moreau sich dagegen aussprach, die Monarchie wiedereinzuführen, und vorschlug, man solle stattdessen ihn als Diktator an die Spitze der Regierung setzen und den Royalisten keine andere Wahl lassen, als seine Mitstreiter oder Soldaten zu werden.

Der Prinz sollte erst nach Frankreich kommen, nachdem ihm das Ergebnis der Konferenz der drei Generäle vorläge und nachdem die drei sich völlig einig erklärt hätten und Einigkeit über ihr weiteres Vorgehen bestünde.

Georges wies jeden Gedanken an einen Meuchelmord und an eine Höllenmaschine weit von sich; in London hatte er dies in aller Deutlichkeit zu verstehen gegeben; ihm war es nur um einen Kampf zu tun gewesen, in dem er und seine Offiziere ihr Leben riskiert hätten. Dieser Kampf hätte zum Ziel gehabt, sich des Ersten Konsuls und damit der Regierung zu bemächtigen.

Ich kann nicht wissen, welches Gewicht Sie den Worten eines Mannes beimessen, der seit einer Stunde dem Tod entrissen ist, den er sich selbst gegeben hatte, und der sich vor dem Tod sieht, den ihm eine Regierung zuweist, die er gekränkt hat, doch ich kann den Aufschrei meiner Verzweiflung nicht zurückhalten und den Mann, der mich ihr ausgeliefert hat, nicht schonen. Im Übrigen lassen sich im Verlauf des Hochverratsprozesses, der gegen mich geführt wird, Beweise finden, die erhärten, was ich vorbringe.

BOUVET DE LOZIER

Bonaparte verharrte nach der Lektüre einen Augenblick schweigend. Zweifellos versuchte er durch heftige geistige Anstrengung ein Problem zu lösen. Dann sagte er wie im Selbstgespräch: »Der Einzige, der mich besorgt stimmen kann, der Einzige, der mir gegenüber die geringsten Aussichten hätte, sollte sich so tölpelhaft verraten! Unmöglich!«

»Soll ich Moreau auf der Stelle verhaften lassen?«, fragte Réal.

Der Erste Konsul schüttelte den Kopf.

»Moreau ist zu wichtig«, sagte er, »er ist mir zu feindlich gesinnt, ich bin viel zu sehr daran interessiert, mich von ihm zu befreien, als dass ich mich den Mutmaßungen der öffentlichen Meinung aussetzen wollte.«

»Aber wenn Moreau mit Pichegru konspirieren sollte?«, wandte Réal ein.

»Dann muss ich sagen«, fuhr Bonaparte fort, »dass ich Pichegrus Anwesenheit in Paris erst durch Fouché und Ihren Todeskandidaten heute Nacht erfahren habe. Aber alle englischen Zeitungen tun so, als weilte er heute noch in London oder in der Nähe der Stadt. Ich weiß sehr wohl, dass diese Zeitungen gegen mich sind und gegen die französische Regierung konspirieren.«

»Auf alle Fälle«, sagte Réal, »habe ich die Schlagbäume schließen lassen und angeordnet, dass jeder, der die Stadt betreten will, gründlich untersucht wird.«

»Vor allem jeder, der die Stadt verlassen will«, sagte Bonaparte.

»Ist nicht vorgesehen, dass Sie morgen eine große Parade abnehmen, Citoyen Erster Konsul?«

»Ja.«

»Nun, die müssen Sie absagen.«

»Und warum?«

»Weil sich noch etwa sechzig Verschwörer in Paris herumtreiben, und wenn wir ihnen jeden Weg abschneiden, die Stadt zu verlassen, könnten sie einen waghalsigen Coup riskieren.«

»Und wenn schon«, sagte Bonaparte, »was geht mich das an? Ist es nicht Ihre Aufgabe, mich zu bewachen?«

»General«, erwiderte Réal, »für Ihre Sicherheit können wir nur garantieren, wenn Sie die Parade absagen.«

»Herr Staatsrat, ich wiederhole es«, sagte Bonaparte, der die Geduld zu verlieren begann, »jeder von uns hat seine Aufgabe; Ihre besteht darin, darüber zu wachen, dass ich nicht ermordet werde, wenn ich Paraden abnehme, die meine besteht darin, Paraden abzunehmen auf die Gefahr hin, dabei ermordet zu werden.«

»General, das ist unbedacht.«

»Monsieur Réal«, erwiderte Bonaparte, »Sie sprechen wie ein Staatsrat; die größte Bedachtsamkeit in Frankreich ist der Mut!«

Und er kehrte dem Staatsrat den Rücken zu und sagte zu Savary: »Lassen Sie Fouché durch eine Ordonnanz zu Pferd benachrichtigen, dass er mich auf der Stelle aufsuchen soll.«

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