Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
»Mein lieber Régnier«, sagte Bonaparte lachend, »nach allem, was wir soeben vernommen haben, können Sie Ihren Spitzel unbesorgt aus London zurückbeordern, wenn ich mich nicht täusche. Als Justizminister, mein lieber Régnier, tragen Sie bitte Sorge dafür, dass der arme Teufel, der gestern verurteilt wurde und der uns die Wahrheit gesagt hat – das lässt sich nicht bestreiten, denn seine Aussage stimmt mit den Worten Monsieurs überein« – wobei Bonaparte auf den Spitzel deutete, dessen Aussage wir soeben gelesen haben -, »nicht hingerichtet wird. Keine unumschränkte Begnadigung, denn ich will sehen, wie er sich im Gefängnis aufführt. Sie werden ihn im Auge behalten, und in sechs Monaten berichten Sie mir, wie er sich betragen hat. Zuletzt, mein lieber Régnier, möchte ich Ihnen mein Bedauern ausdrücken, dass ich Sie so früh aus dem Bett holen ließ, obwohl Ihre Anwesenheit völlig entbehrlich war. Bleiben Sie, Fouché.«
Der Polizeispitzel zog sich in den hinteren Teil des Salons zurück, so dass der Erste Konsul und der eigentliche Polizeipräfekt sich unbelauscht unterhalten konnten.
Bonaparte trat zu Fouché: »Sie sagten, Sie würden mir enthüllen, warum Sie mir Cadoudals Anwesenheit in Paris bislang verschwiegen haben.«
»In allererster Hinsicht, Citoyen Erster Konsul, verschwieg ich es Ihnen, damit Sie nichts davon erfuhren.«
»Keine Scherze, bitte«, sagte Bonaparte und runzelte die Stirn.
»Ich scherze keineswegs, Citoyen General, und ich bedaure, dass Sie mich heute dazu genötigt haben, es Ihnen zu sagen. Die Ehre, in Ihren näheren Kreis aufgenommen zu sein, hat mich bewogen, Sie zu beobachten. Runzeln Sie nicht die Stirn! Zum Teufel auch, das ist mein Beruf! Nun denn! Sie zählen zu jenen, die sich ein Geheimnis durch ihre Zornesausbrüche ablesen lassen. Solange Sie kühles Blut bewahren, steht nichts zu befürchten, denn Sie sind so verschlossen wie eine Champagnerflasche, doch sobald der Zorn Sie übermannt, explodiert die Champagnerflasche, und alles schäumt über.«
»Monsieur Fouché«, sagte Bonaparte, »verzichten Sie auf solche Vergleiche.«
»Und ich«, erwiderte Fouché, »verzichte auf weitere vertrauliche Mitteilungen; gestatten Sie, dass ich mich verabschiede.«
»Sachte, sachte«, sagte Bonaparte, »geraten wir jetzt nicht in Streit. Ich will wissen, warum Sie Georges Cadoudal nicht verhaften ließen.«
»Das wollen Sie wissen?«
»Unbedingt.«
»Und wenn ich meine persönliche Schlacht von Rivoli verlieren sollte, dann werden Sie es mir nicht verübeln?«
»Nein.«
»Nun gut! Ich werde Ihnen ermöglichen, alle Verschwörer mit ein und demselben Netz zu fangen. Ich will, dass Sie sich als Erster Ihres wunderbaren Fischzugs rühmen können. Ich habe Cadoudal nicht verhaften lassen, weil Pichegru erst seit gestern in Paris weilt.«
»Wie? Pichegru weilt seit gestern in Paris?«
»In der Rue de l’Arcade, wenn es beliebt, denn er konnte sich bisher noch nicht mit Moreau verständigen.«
»Mit Moreau!«, rief Bonaparte. »Sie müssen verrückt sein! Haben Sie vergessen, dass die beiden bis aufs Messer verfeindet sind?«
»Ach! Weil Moreau Pichegru denunziert hat, auf den er eifersüchtig war! Denn Sie, Citoyen Erster Konsul, wissen besser als jedermann sonst, dass Pichegru für seinen Bruder, den Abt, bei dessen keineswegs freiwilliger Abreise nach Cayenne zum Begleichen einer Schuld von sechshundert Francs Schwert und Epauletten verkaufen musste, welche die Inschrift trugen: Schwert und Epauletten des Siegers von Holland, und Sie wissen auch sehr wohl, dass Pichegru von Monsieur dem Prinzen von Condé keineswegs eine Million Francs erhalten hat. Noch besser wissen Sie, dass Pichegru, der nie verheiratet war und folglich weder Frau noch Kinder besitzt, sich in seinem Vertrag mit dem Prinzen von Condé keine Rente von zweihunderttausend Francs für seine Witwe oder von hunderttausend Francs für seine Kinder ausbedungen haben kann. Solche schäbigen Verleumdungen benutzt die Regierung gegen einen Mann, dessen sie sich entledigen will und der ihr so große Dienste erwiesen hat, dass sie ihn nicht anders als mit Undank zu belohnen weiß. Nun gut! Moreau hat um Verzeihung gebeten, und Pichegru ist gestern eingetroffen, um ihm zu verzeihen.«
Als Bonaparte hörte, dass die zwei Männer, die er für seine größten Feinde hielt, sich verständigt hatten, machte er unwillkürlich das schnelle Kreuzeszeichen auf der Brust, das ihm wie allen Korsen zutiefst vertraut war.
»Aber«, sagte er, »werden Sie mich von ihnen befreien, sobald man sie sehen wird, sobald sie sich geeinigt haben werden, sobald diese Dolche, von denen die Luft voll ist, auf mich gerichtet sein werden? Werden Sie sie verhaften lassen?«
»Noch nicht.«
»Und worauf warten Sie noch, in drei Teufels Namen?«
»Ich warte auf die Ankunft des Prinzen in Paris.«
»Sie erwarten einen Prinzen?«
»Einen Prinzen aus dem Hause Bourbon.«
»Sie brauchen einen Prinzen, um mich zu ermorden?«
»Wer hat behauptet, man wolle Sie ermorden? Cadoudal hat immer gesagt, das würde er nie und nimmer tun.«
»Und was hat er dann mit dieser Höllenmaschine bezweckt?«
»Er schwört bei Gott und allen Heiligen, dass er mit diesem Teufelswerk nichts zu tun hatte.«
»Und was will er dann?«
»Sie besiegen.«
»Mich besiegen?«
»Warum nicht? Sie wollten sich neulich doch sogar mit Moreau schlagen.«
»Aber Moreau ist Moreau, ein großer General, ein Sieger; ich habe ihn den General der Rückzüge genannt, gewiss, aber das war vor Hohenlinden. Und wie will er mich besiegen?«
»Irgendeines Abends, wenn Sie nach La Malmaison oder nach Saint-Cloud zurückkehren, mit einer Eskorte von fünfundzwanzig bis dreißig Mann, sollen fünfundzwanzig bis dreißig Chouans unter Cadoudals Führung, bewaffnet wie Ihre Männer, Ihnen den Weg versperren, Sie angreifen und töten.«
»Und wenn ich tot bin, was wollen sie dann?«
»Der Prinz, der dem Kampf beigewohnt haben wird, ohne sich daran zu beteiligen, wird die Monarchie ausrufen; der Graf von Provence, der in der ganzen Sache nicht einmal den kleinen Finger gerührt hat, wird den Namen Ludwig XVIII. annehmen, sich auf den Thron seiner Vorfahren setzen, und das wird es gewesen sein. Sie werden als strahlender Punkt in der Geschichte verbleiben, als eine Art Sonne, die wie Saturn goldene Satelliten besitzt mit Namen wie Toulon, Montebello, Arcoli, Rivoli, Lodi, die Pyramiden oder Marengo.«
»Lassen Sie die Scherze, Monsieur Fouché. Wer ist der Prinz, der nach Frankreich kommen soll, um mein Erbe anzutreten?«
»Ach, was das betrifft, muss ich zugeben, dass ich nicht die geringste Ahnung habe. Seit etwa zehn Jahren erwartet man diesen Prinzen, und er kommt und kommt nicht.
Man hat ihn zur Zeit der Vendée-Kriege erwartet, aber er kam nicht. Man hat ihn bei Quiberon erwartet, er kam aber nicht. Man erwartet ihn in Paris, und es ist anzunehmen, dass er auch diesmal nicht kommen wird, nicht anders als in der Vendée und bei Quiberon.«
»Nun gut«, sagte Bonaparte, »dann wollen wir ihn erwarten. Fouché, Sie übernehmen die Verantwortung?«
»Für alles, was in Paris geschieht, vorausgesetzt, Ihre Polizei pfuscht der meinen nicht ins Handwerk.«
»Abgemacht. Sie wissen, dass ich keine Vorsichtsmaßnahmen treffe; es ist also Ihre Sache, mich zu bewachen. Apropos: Vergessen Sie nicht, Ihrem Mann sechstausend Francs Belohnung auszahlen zu lassen, und er soll nach Möglichkeit Cadoudal im Auge behalten.«
»Seien Sie unbesorgt; falls er ihn aus dem Auge verlöre, hätten wir immer noch zwei unfehlbare Mittel, ihn wiederzufinden.«