Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Durch eine angelehnte Tür hatte General Bonaparte das ganze Verhör belauscht und erfahren, was man sich im Großen und Ganzen erwartet hatte. Savary fragte den jungen Troche, ob man bald mit einer neuen Landung von »Schmugglern« rechne. Der junge Troche erwiderte, zu dem Zeitpunkt, da Savary ihm die Ehre habe angedeihen lassen, ihn abzuholen, um sich mit ihm zu unterhalten, kreuze ein englischer Kutter vor der Klippe von Biville und warte auf ruhigeres Wetter, um anlegen zu können.
Der Erste Konsul hatte Savary haarklein vorgegeben, wie er zu verfahren habe. Sollte Nicolas Troche gestehen – was er nun getan hatte -, dann würde Savary mit ihm in den Wagen steigen, der ihn hergebracht hatte, und sich unverzüglich auf den Weg machen, um die Neuankömmlinge bei Biville in Empfang zu nehmen.
Der junge Troche wurde die ganze Fahrt über bewacht.
Savary konnte nicht vor sieben Uhr abends aufbrechen; ihm folgte ein Wagen, in dem sich ein Dutzend Elitegendarmen befand.
Kurzfristig hatte man mit dem Gedanken gespielt, Troche junior zu seinem Vater Jérôme ins Gefängnis zu stecken, doch der junge Mann, der die frische Luft auf den Klippen der Kerkerluft vorzog, hatte darauf hingewiesen, dass keine Landung stattfinden würde, wenn er nicht an Ort und Stelle wäre, um das verabredete Signal zu geben. Nicolas Troche war der geborene Jäger: Wenig kümmerte ihn, für wen er jagte, solange er nur jagte. Die Einsicht, dass der Weg, dem er folgte, ihn auf das Schafott führen konnte, machte, dass er mit ebenso großem Eifer denen eine Falle stellte, deren Landung er erwartete, wie er denen geholfen hatte, die zuvor gelandet waren.
Savary erreichte Dieppe vierundzwanzig Stunden nach seiner Abfahrt aus Paris bei stockfinsterer Nacht, vom Kriegsminister mit allen Vollmachten versehen.
Troche erkundete sogleich die Lage an der Küste. Die See war noch immer unruhig, der Kutter kreuzte noch immer in Sichtweite. Das schlechte Wetter hatte eine Landung bisher verhindert. Bei Tagesanbruch suchte Savary mit Troche das Ufer auf. Der Kutter war nach wie vor zu sehen.
Bei günstigen Windverhältnissen konnte er von seiner derzeitigen Position aus ohne zu kreuzen den Fuß der Klippe erreichen.
Savary wollte nicht in Dieppe bleiben. Er verkleidete sich als Bürgersmann, ließ zwölf seiner Gendarmen ebenfalls bürgerliche Kleidung anlegen und begab sich mit ihnen nach Biville. Die zwölf Gendarmen gehörten zu den tapfersten des ganzen Regiments.
Savary ließ seine Pferde vorausschicken; von Troche geführt, betrat er ein Haus, das für gewöhnlich von den Kundschaftern besucht wurde, welche die englischen Postschiffe an der Küste absetzten. Dieses abgelegene Haus befand sich außerhalb des Überwachungsbereichs der Polizeibehörde am äußersten Rand des Dorfs und bot denen, die seinen Schutz suchten, den Vorteil, unbemerkt kommen und gehen zu können.
Savary ließ seine Männer vor dem Garten, sprang über die Hecke und näherte sich dem kleinen Haus. Durch einen geöffneten Fensterladen sah er einen Tisch, gedeckt mit Wein, frisch geschnittenen Brotscheiben und Butterbroten.
Savary wandte sich zur Hecke um, rief Troche herbei und zeigte ihm die Mahlzeit. »Das«, sagte Troche, »ist die Verpflegung, die für all jene bereitsteht, die von der Küste kommen, und sie zeigt, dass für heute Nacht oder spätestens für morgen mit der Landung gerechnet wird. Bei Ebbe werden die Ankömmlinge entweder innerhalb der nächsten Viertelstunde eintreffen oder erst morgen.«
Savary wartete vergebens; weder an diesem Tag noch an den folgenden Tagen kam es zu einer Landung.
Diese Landung, die nicht erfolgte, wurde mit größter Ungeduld erwartet. Den Gerüchten zufolge befand sich der sagenumwobene Prinz, ohne den nicht gehandelt werden konnte oder ohne den zumindest Georges nicht handeln wollte, an Bord des Kutters.
Bei Tagesanbruch war Savary auf dem Gipfel der Klippe. Der Boden war schneebedeckt; unterwegs hatte Savary einen Augenblick lang geglaubt, gefunden zu haben, was er suchte.
Der Wind blies heftig vom Meer herein, Schneeflocken wirbelten in der Luft, und man sah keine zehn Schritte weit, doch man hörte sehr gut. Stimmen ertönten aus einem Hohlweg, der zur Klippe führte, Troche legte Savary die Hand auf den Arm und sagte: »Das sind unsere Leute; ich höre Pageot de Pauly.« Pageot de Pauly war ein junger Mann in Troches Alter, der in seiner Abwesenheit die Funktion des Führers innehatte. Savary ließ seine Gendarmen den Hohlweg am anderen Ende abriegeln und ging mit Troche und zwei Mann auf die Stimmen zu. Das plötzliche Erscheinen von vier Männern oben auf der Klippe und der laut geäußerte Ruf: »Halt!« erschreckten die nächtlichen Wanderer. Pageot aber erkannte Troche und rief: »Ihr habt nichts zu fürchten, es ist Troche!« Die zwei Gruppen näherten sich einander; Pageots Begleiter waren nur Dörfler, die in Erwartung einer Landung zur Klippe gegangen waren.
Die Landung war versucht worden, doch die Schaluppe hatte nicht landen können, weil der Seegang zu heftig war. Eine laute Stimme hatte aber gerufen: »Bis morgen!«, und diese Worte hatte der Wind bis zu den Dörflern hinaufgetragen. Es war das dritte Mal, dass der Kutter seine Schaluppe zu Wasser gelassen hatte, ohne dass ihr die Landung geglückt war.
Bei Tagesanbruch fuhr der Kutter auf das offene Meer hinaus, und dort kreuzte er den ganzen Tag. Am Abend näherte er sich wieder der Küste und versuchte eine Landung seiner Schaluppe. Savary blieb die ganze Nacht auf der Lauer, doch nichts geschah, und am nächsten Morgen entfernte sich der Kutter von der Küste und fuhr nach England zurück.
Savary blieb einen Tag länger, um zu sehen, ob der Kutter wiederkehren würde. Während dieses Tages untersuchte er aufmerksam das Kabel, mit dessen Hilfe die Gelandeten die Klippe überwanden, und obwohl er kein Hasenfuß war, bekannte er, dass er lieber zehn Schlachten auf sich nähme, als an diesem dünnen Seil die Klippe zu erklimmen, vom Sturm umtost, vor sich die Finsternis, unter sich das Meer.
Jeden Tag korrespondierte er über einen Boten mit Bonaparte. Am achtundzwanzigsten Tag wurde er telegraphisch nach Paris zurückbeordert.
Savary war zurückbeordert worden, weil gewisse Dinge sich erhellt und andere sich verdunkelt hatten.
Bonaparte war inzwischen überzeugt, dass auf dem Kutter, dessen Anwesenheit ihm Savary zehn oder zwölf Tage lang gemeldet hatte, nicht der sagenumwobene Prinz weilte, ohne den Georges nicht losschlagen wollte. Wenn Georges allein handelte, war er nur ein gewöhnlicher Verschwörer; wenn Georges mit dem Herzog von Berry oder dem Grafen von Artois zusammen handelte, war er Verbündeter eines Prinzen.
Bonaparte hatte Carnot und Fouché kommen lassen. Lesen wir, was er selbst über diese Unterredung in dem Manuskript sagt, welches das Schiff Le Héron von Sankt Helena mitbrachte:
Je weiter ich voranschritt, desto gefährlicher wurden die Jakobiner, die mir den Hinrichtungstod ihrer Freunde nicht verzeihen konnten. In dieser äußersten Gefahr ließ ich Carnot und Fouché holen.
»Meine Herren«, sagte ich zu ihnen, »nach langen Stürmen schmeichle ich mir mit dem Gedanken, dass Sie wie ich erkannt haben, dass die Interessen Frankreichs bislang keineswegs im Einklang mit den verschiedenen Regierungen waren, die das Land sich im Lauf der Revolution verliehen hat; keine dieser Regierungen war der geographischen Lage Frankreichs, Anzahl und Befähigung seiner Bewohner umsichtig angepasst. Der Staat mag Ihnen heute friedlich erscheinen, doch er gründet noch immer auf einem Vulkan, dessen Lava brodelt und dessen Ausbruch es um jeden Preis zu verhindern gilt. Ich glaube, wie im Übrigen sehr viele ehrbare Leute, dass es nur einen einzigen Weg gibt, Frankreich zu retten und ihm für alle Zeiten die Vorteile der Freiheit zu sichern, die es errungen hat, indem es unter den Schutz einer konstitutionellen Monarchie mit erblicher Thronfolge gestellt wird.«