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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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Savary kehrte nach Paris zurück, zutiefst überzeugt, dass es nur des sprichwörtlichen Funkens bedürfe, um das Pulverfass namens Vendée und Morbihan in die Luft zu sprengen.

Bonaparte lauschte ihm mit ungeheuchelter Überraschung. Mit dieser Entwicklung hatte er nicht gerechnet; gewiss, Georges hatte ihm den Fehdehandschuh hingeworfen, doch ihn wähnte der Erste Konsul in London, denn Régniers Polizei hatte ihm versichert, sie überwache Cadoudal lückenlos.

In den verschiedenen Kerkern der Stadt gab es zahllose Gefangene, die der Spionage angeklagt waren oder politischer Umtriebe und denen kein Prozess gemacht worden war, weil Bonaparte selbst gesagt hatte, die Zeit werde kommen, da man derlei Intrigen keine Bedeutung mehr beimessen und all diese Unglücklichen auf einen Schlag freilassen werde.

Diesmal ließ der Erste Konsul nicht nach Fouché rufen, sondern sich von Savary die Liste der festgenommenen Personen mit dem Datum ihrer Festnahme und den Notizen über ihr Vorleben bringen.

Unter diesen Häftlingen befanden sich ein gewisser Picot und ein gewisser Lebourgeois; sie waren vor über einem Jahr um die Zeit des Attentats mit der Höllenmaschine nach ihrer Ankunft aus England in Pont-Audemer in der Normandie festgenommen worden. Das Vernehmungsprotokoll wies folgende Randnotiz auf: »Eingereist, um den Ersten Konsul umzubringen.«

Es lässt sich nur spekulieren, warum diese Namen Bonaparte eher auffielen als andere. Jedenfalls ordnete er an, diese beiden und drei weitere vor Gericht zu stellen und abzuurteilen.

Trotz der erdrückenden Beweislage bewahrten Picot und Lebourgeois eine bewunderswerte Kaltblütigkeit; ihre Komplizenschaft mit Saint-Régeant und Carbon war so offenkundig, dass sie zum Tode verurteilt und füsiliert wurden. Bis zuletzt war kein Geständnis von ihnen zu erlangen; im Gegenteil trotzten sie dem Gericht und verkündeten, es werde bald genug Krieg geben, und dieser Krieg werde Bonaparte den Kopf kosten.

Zwei der drei übrigen Gefangenen wurden vom Gericht freigesprochen, einer wurde verurteilt. Der Verurteilte hieß Querelle; er war ein Niederbretone, der in der Vendée-Armee unter Georges Cadoudal gedient hatte.

Verhaftet worden war er auf Betreiben eines Gläubigers, dem er zu seinem eigenen Pech einen Teil des geschuldeten Geldes gezahlt hatte; da er nicht den ganzen Betrag hatte aufbringen können, hatte jener ihn als Verschwörer denunziert.

Der Prozess gegen Picot und Lebourgeois und der gegen Querelle wurden nicht gleichzeitig verhandelt, und so kam es, dass die drei nicht zusammen hingerichtet werden konnten. Die zwei zuerst Verurteilten hatten ihren Gefährten ermahnt, als sie zu ihrem letzten Gang aufbrachen: »Folge unserem Beispieclass="underline" Frommen Herzens und ehrlichen Sinnes kämpfen wir für Thron und Altar; wir sterben für eine Sache, die uns die Himmelspforten weit öffnet; sterbe wie wir und sage nichts, wenn du verurteilt wirst; Gott wird dich in die Reihen seiner Märtyrer erheben, und du wirst alle himmlischen Freuden kosten!«

Wie seine Gefährten es vorausgesehen hatten, wurde Querelle zum Tode verurteilt. Gegen neun Uhr abends ließ der Richter das Urteil dem Befehlshaber des Regimentsstabs überbringen, damit dieser bei Anbruch des nächsten Tages das Urteil vollstrecken ließ, wie es üblich war.

Der Befehlshaber war auf einem Ball; er kam um drei Uhr nachts nach Hause, öffnete die Depesche, steckte sie unter sein Kopfkissen und schlief ein.

Wäre der Befehl rechtzeitig ergangen, wäre Querelle zusammen mit seinen Gefährten zur Hinrichtung geschritten, dann wäre er sicherlich wie sie gestorben, von ihrem Mut und von seiner Selbstachtung aufrechterhalten, und er hätte wie sie sein Geheimnis mit ins Grab genommen. Doch die Verspätung in der Ausführung seines Todesurteils, der Tag, den er ganz allein im Angesicht des nahen Todes verbrachte, das langsame Herannahen des letzten Augenblicks, all das senkte Verzweiflung in seinen Geist. Gegen sieben Uhr abends fiel er in so heftige Zuckungen, dass man glaubte, er habe seinen Wärtern Gift entwendet. Der Gefängnisarzt wurde gerufen. Er befragte den Gefangenen nach der Ursache seiner Zustände; er war überzeugt, es mit einer Vergiftung zu tun zu haben, und wollte erfahren, welches Gift der Gefangene genommen hatte.

Querelle jedoch umschlang den Hals des Arztes, näherte seinen Mund dessen Ohr und flüsterte: »Ich bin nicht vergiftet. Ich habe Angst!«

Da erkannte der Arzt, wie man ihn zum Sprechen bringen konnte.

»Sie wissen um ein Geheimnis«, sagte er, »für das die Polizei viel geben würde; stellen Sie Ihre Bedingungen – wer weiß, ob man Sie nicht begnadigen wird!«

»Oh! Niemals, niemals!«, stöhnte der Verurteilte. »Zu spät.«

Auf Drängen des Arztes verlangte Querelle zuletzt eine Feder und Papier und schrieb an den Gouverneur von Paris, er habe ihm Enthüllungen zu machen.

Gouverneur von Paris war nicht mehr Junot, sondern Murat. Bonaparte fand, Junot sei zu leichtfertig, und hatte ihn durch Murat ablösen lassen.

Gegen elf Uhr abends unterhielt sich der Erste Konsul sorgenvoll und nachdenklich in seinem Kabinett mit Réal. Plötzlich wurde die Tür geöffnet, Savary kündigte den Gouverneur von Paris an, und Murat erschien.

»Ah, Murat, Sie sind es«, sagte Bonaparte und trat seinem Schwager ein paar Schritte entgegen. »Sie müssen gewichtige Neuigkeiten haben, wenn Sie mich zu so später Stunde aufsuchen.«

»Ja, General; ich habe soeben den Brief eines armen Teufels erhalten, der zum Tode verurteilt ist und morgen früh hingerichtet werden soll. Er bietet uns Enthüllungen an.«

»Und?«, sagte Bonaparte gleichgültig. »Leiten Sie den Brief an den Richter weiter, der ihn abgeurteilt hat, der soll sich damit befassen.«

»Ich gedachte«, sagte Murat, »so zu verfahren, doch der Brief ist von einer solchen Offenheit und Ehrlichkeit, dass er mein Interesse geweckt hat. Lesen Sie selbst.«

Bonaparte las den Brief, den Murat ihm entrollt hinhielt.

»Armer Teufel! Er will eine Stunde Leben herausschlagen, weiter nichts. Tun Sie, wie Ihnen geboten.«

Und er reichte ihm den Brief zurück.

»Aber General«, beharrte Murat, »haben Sie denn nicht gesehen, was dieser Mann steif und fest behauptet?«

»O doch, das habe ich sehr wohl gesehen; aber solche Behauptungen bin ich gewohnt, und ich sage Ihnen noch einmal, dass der Verurteilte uns nichts mitzuteilen hat, was einen Aufschub rechtfertigen würde.«

»Wer weiß?«, sagte Murat. »Überlassen Sie mir und Monsieur Réal diese Sache.«

»Wenn Sie unbedingt darauf bestehen«, lenkte Bonaparte ein, »dann tun Sie, was Sie für richtig halten. Réal, Sie werden ihn vernehmen. Murat, Sie begleiten den Oberrichter, wenn Sie wollen, aber keinen Aufschub, haben Sie verstanden, ich gestatte keinen Aufschub.«

Réal und Murat zogen sich zurück. Bonaparte ging in sein Schlafzimmer.

32

Die Polizei des Citoyen Régnier und die Polizei des Citoyen Fouché

Es war nach Mitternacht, als Réal und Murat den Tuilerienpalast verließen. Der Verurteilte sollte erst um sieben Uhr morgens füsiliert werden. Um ihn aufzusuchen, hatte Murat eine prunkvolle Abendgesellschaft verlassen müssen, die er zufällig an diesem Abend gab und bei der sich zu zeigen er nicht umhinkonnte. Er überließ es daher Réal, den Gefangenen aufzusuchen; seine Aufgabe hatte er erfüllt, er hatte den Ersten Konsul informiert, und der Erste Konsul hatte die Sache demjenigen übergeben, den sie von Rechts wegen betraf, nämlich dem Oberrichter.

Réal dachte sich, es werde genügen, den Gefangenen zwei Stunden vor der Hinrichtung zu besuchen; sollten die Enthüllungen einen Aufschub geraten sein lassen, wäre dafür immer noch genug Zeit; wären sie wertlos, würde die Hinrichtung ihren Verlauf nehmen.

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