Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
»Vielleicht hofft man, daß Mrs. Mering ihn den Chattisbournes wegstiehlt.«
»Sie haben zu viele Sprünge hinter sich. Wir reden morgen früh weiter«, sagte ich, schaute auf den stockfinsteren Korridor und schlüpfte aus dem Zimmer.
Verity schloß geräuschlos die Tür hinter mir, und ich machte mich auf den Rückweg. Erst der Schirmständer…
»Mesiel!« schrie Mrs. Mering. Das Licht im Korridor ging an. »Ich wußte es!« Eine Kerosinlampe in der Hand, kam sie auf mich zu.
Der Treppenabsatz war zu weit weg, um ins untere Stockwerk zu flüchten, außerdem kam Baine gerade mit einer Kerze die Treppe hoch. Mir blieb nicht einmal Zeit, mich von Veritys Tür zu entfernen. So hatte sich Dunworthy die Schadensbegrenzung wohl kaum vorgestellt.
Ich überlegte, ob ich mich mit der Behauptung, ich wollte unten ein Buch holen, aus der Affäre ziehen konnte. Aber ohne Kerze? Und wo hatte ich dieses Buch jetzt? Oder könnte ich mich für einen Schlafwandler ausgeben, wie der Held in Der Mondstein von Wilkie Collins?
»Ich war…« begann ich, aber Mrs. Mering schnitt mir das Wort ab.
»Ich wußte es!« rief sie. »Sie haben es auch gehört, Mr. Henry, nicht wahr?«
Tossies Tür öffnete sich, und Tossie streckte den mit Lockenwickler geschmückten Kopf heraus. »Mama, was ist?«
»Ein Geist!« sagte Mrs. Mering. »Mr. Henry hörte ihn auch, stimmt’s?«
»Ja«, erwiderte ich. »Ich wollte gerade nachsehen. Ich dachte, es wäre ein Einbrecher, fand aber niemanden.«
»Haben Sie es auch gehört, Baine?« wollte Mrs. Mering wissen. »Ein klopfendes Geräusch, ganz leise, und dann so ein komisches Flüstern?«
»Nein, Madam«, sagte Baine. »Ich war im Frühstückszimmer und kümmerte mich um das Besteck.«
»Aber Sie haben es gehört, Mr. Henry«, sagte Mrs. Mering. »Ich weiß, Sie hörten es. Sie waren weiß wie ein Bettlaken, als ich auf den Flur kam. Ein klopfendes Geräusch, dann Flüstern und dann ein…«
»… ein unkörperliches Stöhnen«, sagte ich.
»Genau! Wahrscheinlich gibt es hier mehr als einen Geist, und sie unterhalten sich miteinander. Haben Sie irgend etwas gesehen, Mr. Henry?«
»Ein weißes Schimmern«, sagte ich, für den Fall, daß sie Verity gesehen hatte, wie diese die Tür schloß. »Aber nur für einen Augenblick, dann war es verschwunden.«
»Oh!« Mrs. Mering war atemlos. »Mesiel! Komm schnell! Mr. Henry hat einen Geist gesehen!«
Colonel Mering antwortete nicht, und während des Moments Ruhe, der eintrat, bevor sie wieder nach ihm rief, hörte man ganz leise Cyril von meinem Zimmer her schnarchen. Ich war noch nicht ganz aus dem Schneider.
»Dort!« Ich zeigte auf die Wand mit Lady Schrapnells Porträt. »Haben Sie das gehört?«
»Ja!« Mrs. Mering krampfte die Hände vor ihrem Busen zusammen. »Wie klang es doch gleich?«
»Wie Glockengeläute«, improvisierte ich aus dem Stegreif. »Und dann eine Art Schluchzen…«
»Genau«, erwiderte Mrs. Mering. »Der Dachboden. Baine, öffnen Sie die Luke zum Dachboden. Wir müssen hinauf.«
An diesem Punkt erschien endlich Verity, den Morgenrock um sich geschlungen und verschlafen blinzelnd. »Was ist, Tante Malvinia?«
»Der Geist, den ich vor zwei Nächten am Gartenpavillon sah«, entgegnete Mrs. Mering. »Er ist auf dem Dachboden.«
Cyril stieß ein mächtiges schnüffelndes Schnauben aus, das eindeutig aus der Richtung meines Zimmers kam. Sofort schaute Verity zur Decke hoch.
»Ich höre sie!« sagte sie. »Geisterhafte Schritte über meinem Kopf!«
Die nächsten zwei Stunden verbrachten wir auf dem Dachboden, in Spinnweben verwickelt, auf der Suche nach entfliehenden weißen Schimmern. Mrs. Mering fand keine, aber sie entdeckte ein rubinrotes Kompottglas, eine Lithografie von Der König des Glen von Landseer und ein mottenzerfressenes Tigerfell für den Basar.
Sie bestand darauf, daß Baine die Sachen auf der Stelle ins Untergeschoß schaffte. »Erstaunlich«, sagte sie. »Einfach erstaunlich, welche Schätze man auf Dachböden findet«, sagte sie entzückt. »Nicht wahr, Mr. Henry?«
»Mmh«, erwiderte ich gähnend.
»Ich fürchte, der Geist hat sich zurückgezogen«, sagte Baine, der gerade die Dachbodentreppe hochkam. »Unsere Anwesenheit hier wird ihn nur noch weiter verstören.«
»Sie haben vollkommen recht, Baine«, stimmte Mrs. Mering zu, und so stand unserer Nachtruhe endlich nichts mehr Wege.
Als wir den Flur erreichten, fürchtete ich schon, Cyril wäre wieder lautstark am Schnarchen, aber aus meinem Zimmer hörte man keinen Laut. Cyril und Prinzessin Arjumand hockten sich stocksteif in der Mitte des Bettes gegenüber, Nase an Nase (wenn man bei Cyril überhaupt von so was reden konnte) und Auge in Auge.
»Hier wird sich nicht angestiert«, sagte ich, zog meinen Morgenmantel aus und kroch ins Bett. »Es wird auch weder geschnarcht noch sich ausgebreitet.«
Nichts davon wurde befolgt. Statt dessen stelzten beide, sich gegenseitig an den Schwänzen beschnüffelnd (wenn man bei Cyril überhaupt von so was reden konnte) mit mordlustigen Blicken ums Bett herum.
»Ins Bett mit euch«, zischte ich und lag dann da und grübelte über die versehentliche Bombardierung Londons und was wir weiter tun sollten, nach.
Logisch, daß es ein Krisenpunkt war. Nur zwei Flugzeuge waren daran beteiligt gewesen, und es hätte einer Kleinigkeit bedurft, um den Gang der Ereignisse zu ändern — die Piloten hätten Bodensicht bekommen und daran merken können, wo sie sich befanden, ihre Bomben hätten auf ein Gemüsekürbisfeld oder in den Ärmelkanal fallen können, englisches Flakfeuer hätte sie treffen können. Oder etwas noch Geringfügigeres, ein winziges Ereignis, das niemand bemerkte. So ist es eben in einem chaotischen System. Und deshalb konnten wir auch nicht wissen, was wir tun oder am besten lassen sollten, und wie unsere Handlungen Terences Heirat mit Maud beeinflussen würden.
Cyril und Prinzessin Arjumand umkreisten immer noch das Bett. »Legt euch hin«, sagte ich. Erstaunlicherweise folgte Cyril dem Befehl und sprang mit einem Satz aufs Fußende des Bettes. Prinzessin Arjumand stolzierte über ihn hinweg, hockte sich genau neben seinen Kopf und hieb ihm kräftig die Krallen auf die Nase.
Cyril erhob sich mit gekränkter Miene, worauf Prinzessin Arjumand sich auf dem frei gewordenen Platz ausstreckte.
Wenn bloß alles so einfach wäre! Aktion und Reaktion, Ursache und Wirkung. Aber in einem chaotischen System ist die Wirkung nicht immer die, die man sich wünscht.
Zum Beispiel wie bei dem Brief, den ich heute abend verbrannt hatte. Oder bei dem Kriegsschiff Nevada. Beim ersten Angriff auf Pearl Harbour war es beschädigt worden, sank aber nicht, sondern feuerte die Maschinen an, damit es aus dem Hafen herauskam und wieder manövrierfähig wurde. Das Resultat war, daß es beinahe im Ärmelkanal gesunken wäre, wo es monatelang den Zugang zum Londoner Hafen blockiert hätte.
Um fünf nach sieben morgens, fünfzig Minuten vor dem Angriff auf Pearl Harbour hatte andererseits ein Radartechniker seinem Vorgesetzten telefonisch von einer großen Anzahl unidentifizierter Flugzeuge berichtet, die sich von Norden näherten. Der Offizier hatte gesagt, das sei unwichtig, er solle es ignorieren, und sich wieder schlafen gelegt.
Und dann der Militärflugplatz Wheeler Field, wo man, um sie vor Sabotageakten zu schützen, die Flugzeuge in der Mitte des Feldes abgestellt hatte. Weshalb die Japaner genau zweieinhalb Minuten brauchten, um sie allesamt zu zerstören.