Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
Oblomow schrieb voll Begeisterung; die Feder flog über die Seiten hin. Seine Augen leuchteten, seine Wangen glühten. Der Brief wurde lang wie alle Liebesbriefe; die Liebenden sind furchtbar geschwätzig.
Seltsam! Jetzt ist es mir nicht mehr traurig und schwer ums Herz, dachte er, ich bin beinahe glücklich ... Warum? Wahrscheinlich, weil ich die Last von meiner Seele in den Brief hineingelegt habe.
Er las nochmals den Brief, legte ihn zusammen und versiegelte ihn.
»Sachar!« sagte er, »wenn der Diener kommt, gib ihm diesen Brief für das Fräulein mit.«
»Zu Befehl!« sagte Sachar.
Oblomow war tatsächlich fast fröhlich geworden. Er zog die Füße auf das Sofa hinauf und fragte sogar, ob etwas zum Frühstück da wäre. Er aß zwei Eier und rauchte eine Zigarre an. Sein Herz und sein Kopf arbeiteten, er lebte. Er stellte sich vor, wie Oljga den Brief erhalten, wie sie erstaunen und was für ein Gesicht sie beim Lesen machen würde. Was würde dann sein? ... Er genoß die Perspektive dieses Tages, das Neue in der Situation ... Er lauschte mit Herzklopfen dem Knarren der Türe, ob der Diener nicht schon da war und ob Oljga nicht schon den Brief las ...
Nein, im Vorzimmer war alles still.
Was hat das zu bedeuten? dachte er unruhig - niemand war da; wieso denn?
Eine heimliche Stimme flüsterte ihm gleich zu: »Warum beunruhigst du dich? Das ist ja gerade recht, wenn du jeden Verkehr abbrechen willst!« Doch er erstickte diese Stimme.
Nach einer halben Stunde war es ihm gelungen, Sachar, der mit einem Kutscher auf dem Hofe saß, ins Zimmer zu rufen.
»War niemand da?« fragte er.
»Es war jemand da!« antwortete Sachar.
»Und was hast du gesagt?«
»Ich hab' gesagt, daß Sie nicht da sind, daß Sie in die Stadt gefahren sind.«
Oblomow öffnete weit die Augen.
»Warum hast du denn das gesagt?« fragte er. »Was habe ich dir zu sagen befohlen, wenn der Diener kommt?«
»Es war ja nicht der Diener da, sondern das Stubenmädchen,« antwortete Sachar mit unerschütterlichem Gleichmut.
»Und hast du den Brief abgegeben?«
»Nein. Sie haben ja befohlen, erst zu sagen, daß Sie nicht zu Hause sind, und dann den Brief abzugeben. Wenn der Diener kommt, gebe ich ihm den Brief.«
»Nein, nein, du ... du bist einfach ein Mörder! Wo ist der Brief? Gib ihn her!«
Sachar brachte den Brief, der schon ziemlich verschmiert war.
»Wasch dir deine Hände und nimm dich in acht!« sagte Oblomow zornig, auf einen Fleck hinweisend.
»Ich habe reine Hände,« gab Sachar, zur Seite blickend, zur Antwort.
»Anissja! Anissja!« rief Oblomow.
Anissja steckte ihren halben Körper aus dem Vorzimmer herein.
»Schau, was Sachar macht!« beklagte er sich bei ihr. »Da hast du den Brief und gib ihn dem Diener oder dem Stubenmädchen, die von Iljinskys kommen, sie möchten ihn dem Fräulein geben, hörst du?«
»Ich höre, Väterchen. Geben Sie ihn mir, bitte, ich richte es schon aus.«
Sowie sie aber ins Vorzimmer kam, riß ihr Sachar den Brief aus der Hand.
»Geh, geh,« schrie er, »nimm deine Frauenzimmerarbeit vor!«
Nach einiger Zeit kam das Stubenmädchen. Sachar machte ihr die Türe auf, und Anissja wollte unterdessen auf sie zugehen, doch Sachar blickte sie wütend an.
»Was hast du hier zu suchen?« fragte er heiser.
»Ich wollte nur zuhören, wie du ...«
»Ruhig!« donnerte er, auf sie mit dem Ellbogen zielend, »du fängst auch an?«
Sie lachte und ging, schaute aber aus dem Nebenzimmer zu, ob Sachar das, was der Herr angeordnet hatte, auch erfüllte.
Als Ilja Iljitsch den Lärm hörte, lief er selbst hinaus.
»Was willst du, Katja?«
»Das Fräulein hat zu fragen befohlen, wohin Sie gefahren sind, und Sie sind ja gar nicht weggefahren, Sie sind ja zu Hause! Ich werde es dem Fräulein melden,« sagte sie und wollte fortlaufen.
»Ich bin zu Hause. Der da lügt immer,« sagte Oblomow. »Da, gib dem Fräulein den Brief!«
»Zu Befehl, ich trage ihn hin!«
»Wo ist das Fräulein jetzt?«
»Das Fräulein ist ins Dorf gegangen und hat mir zu übergeben befohlen, Sie möchten gegen zwei Uhr in den Garten kommen, wenn Sie mit dem Buche fertig sind.« Sie ging.
Nein, ich gehe nicht ... wozu soll ich meine Gefühle aufreizen, wenn alles beendet sein muß? ... dachte Oblomow, die Richtung nach dem Dorfe einschlagend.
Er sah aus der Ferne, wie Oljga über den Berg ging, wie Katja sie einholte und ihr den Brief gab; dann sah er, wie Oljga einen Augenblick stehenblieb, den Brief betrachtete, nachsann, dann Katja zunickte und in die Parkallee ging.
Oblomow ging um den Berg herum, trat von der anderen Seite in die Allee, und als er sie bis zu ihrer Mitte durchschritten hatte, setzte er sich ins Gras zwischen das Gebüsch und wartete.
Sie wird hier vorübergehen, dachte er, ich werde unbemerkt beobachten, was mit ihr ist, und entferne mich dann auf immer.
Er erwartete klopfenden Herzens ihre Schritte. Nein, es war still. In der Natur herrschte reges Leben; um ihn herum wurde unsichtbar und unmerklich gearbeitet, während alles in feierlicher Ruhe dazuliegen schien. Unterdessen bewegte sich, kroch und wimmelte alles im Grase. Da laufen Ameisen geschäftig und eilig nach verschiedenen Seiten hin, sie stoßen aufeinander, weichen einander aus, eilen, genau so, wie wenn man von einer Höhe auf irgendeinen Markt der Menschen herabschaut; dieselben Haufen, dasselbe Gedränge, dasselbe Hin- und Herrennen des Volkes. Hier summt eine Hummel über eine Blume und kriecht in ihren Kelch hinein; dort umringt ein Fliegenschwarm einen Tropfen, der aus der Ritze einer Linde hervorgequollen ist; jetzt wiederholt ein Vogel irgendwo vom Dickicht immer denselben Ton, er ruft vielleicht einen andern. Hier eilen zwei Schmetterlinge, nebeneinander wie im Walzer durch die Luft schwirrend, an den Baumstämmen vorbei. Das Gras duftet stark; aus ihm ertönt ein unaufhörliches Zirpen ...
Was hier für ein Trubel ist! dachte Oblomow, der ununterbrochenen Bewegung folgend und den einzelnen Geräuschen der Natur lauschend: und von außen ist alles so still und ruhig! ...
Es waren noch immer keine Schritte zu hören. Endlich, jetzt ... »Ach!« seufzte Oblomow, die Zweige leise auseinanderschiebend. »Sie ist es, sie ... Was ist das? Sie weint! O Gott!«
Oljga ging langsam und wischte sich mit dem Tuch die Tränen ab; aber sowie sie sie getrocknet hatte, erschienen neue. Sie schämte sich, verschluckte sie, wollte sie sogar vor den Bäumen verbergen, es gelang ihr aber nicht. Oblomow hatte Oljga noch nie weinen gesehen; er hatte ihre Tränen nicht erwartet, und sie verbrannten ihn gleichsam, aber so, daß es ihm dabei nicht heiß, sondern warm wurde.
Er folgte ihr schnell.
»Oljga, Oljga!« sagte er zärtlich ihr folgend.
Sie fuhr zusammen, schaute sich um, blickte ihn erstaunt an, wandte sich dann um und ging weiter.
Er schritt neben ihr her.
»Sie weinen!« sagte er.
Ihre Tränen strömten noch heftiger, sie konnte sie nicht mehr zurückhalten, preßte sich das Tuch ans Gesicht, brach in Schluchzen aus und setzte sich auf die Bank, die sie fand.
»Was hab' ich getan!« flüsterte er entsetzt, indem er ihre Hand ergriff und sie vom Gesicht fortreißen wollte.
»Lassen Sie mich,« sagte sie, »gehen Sie! Warum sind Sie hier? Ich weiß, daß ich nicht weinen darf, weswegen denn? Sie haben recht; ja, alles kann vorkommen.«
»Was soll ich denn tun, damit diese Tränen aufhören?« fragte er, vor ihr niederkniend, »sprechen Sie, befehlen Sie, ich bin zu allem bereit ...«
»Sie haben meine Tränen verursacht, und es steht nicht in Ihrer Macht, sie zu stillen ... Sie sind nicht so stark! Lassen Sie mich!« sagte sie, sich mit dem Tuch das Gesicht fächelnd.
Er sah sie an und überschüttete sich im Geiste mit Verwünschungen.
»Der unglückselige Brief!« sprach er voll Reue.