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Azrael: Die Wiederkehr

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Azrael: Die Wiederkehr
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»Und wenn ich jetzt noch eure Handys bekomme, dann bin ich schon wunschlos glücklich«, sagte sie.

Die beiden Telefone folgten den Schlüsseln in die entgegengesetzte Ecke des Raumes, und Angela ließ mit einem Ausdruck sichtbarer Erleichterung ihre Waffe sinken.

»Und jetzt?« fragte Bremer.

»Geh zur Tür«, befahl Angela. »Schnell.«

Bremer gehorchte. Als er den halben Weg zurückgelegt hatte, rief Angela: »Nach links!« und er machte einen raschen Schwenk in die angegebene Richtung. Kaum hatte er es getan, erscholl hinter ihm ein scharfer Knall. In der Tür erschien ein winziges, rundes Loch mit ausgefransten schwarzen Rändern, und auf der anderen Seite erklang ein gedämpftes Stöhnen, gefolgt von einem dumpfen, sonderbar weichen Aufprall.

Angela stürmte an ihm vorbei, sprengte die Tür mit einem Fußtritt auf und quetschte sich durch den Spalt. Die Tür ließ sich nicht richtig öffnen, denn der Mann, der auf der anderen Seite gestanden hatte, lag jetzt verkrümmt davor und preßte die Hand gegen die Schulter. Die Uzi war zu Boden gefallen und ein Stück weit davongeschlittert. Angela hob sie auf, schob sie unter den Gürtel und runzelte die Stirn, als sie herausrutschte und abermals zu Boden fiel. Nachdem sie sie wieder aufgehoben hatte, behielt sie sie in der Hand und steckte statt dessen die Pistole ein. Das ging. »Hilf mir!« Gemeinsam schleiften sie den Verletzten in Brauns Büro. Bremer sah jetzt, daß die Kugel seine rechte Schulter glatt durchschlagen hatte. Die Wunde blutete heftig, und der Mann war kaum noch bei Bewußtsein.

»Du hättest ihn umbringen können«, sagte er.

»Ich habe mir gemerkt, wo er stand«, antwortete Angela. »Und wenn er sich bewegt hätte?«

»Hat er aber nicht, oder?« Angela grub das Handy des Mannes aus, zertrat es unter dem Absatz und fesselte anschließend seine Hände mit den Handschellen auf den Rücken. Dann zog sie das Hemd des Mannes unter dem Gürtel hervor, riß ohne die geringste Mühe mehrere Streifen davon ab und legte ihm einen hastigen, aber äußerst professionell aussehenden Druckverband an.

»Hast du zufällig auch Medizin studiert?« fragte Bremer.

»Nein«, antwortete Angela. »Aber fernöstliche Kampfkunst. Man lernt dabei nicht nur Leute zusammenzuschlagen, weißt du?« Sie zog den letzten Knoten fest, begutachtete ihr Werk und schlug dem Mann leicht mit der flachen Hand ins Gesicht. »Verstehen Sie mich?« Der Mann stöhnte. Vielleicht war es wirklich eine Antwort, vielleicht nur eine automatische Reaktion auf die Berührung. Angela schien es jedenfalls zu genügen.

»Halten Sie durch«, sagte Angela. »Versuchen Sie, nicht das Bewußtsein zu verlieren. Ich schicke Ihnen einen Arzt.« Sie nickte und fügte an Bremer gewandt hinzu: »Schließlich ist das hier ein Krankenhaus.«

»Informatikstudentin, wie?« fragte Bremer. »Und was jetzt, du Studentin!«

»Jetzt«, antwortete Angela und deutete nach draußen, »kommt der richtig schwere Teil.«

27

Das erste, was ihm auffiel, als er das Labor betrat, war Grinners Nervosität. Irgend etwas war passiert.

Der junge Forschungsassistent war allein, was so ziemlich gegen alles verstieß, was Braun jemals angeordnet hatte. Im Moment war ihm dieser Umstand aber nur recht.

Bis er einen wirklich guten Nachfolger für Mecklenburg gefunden hatte, mußte er eben mit diesem Möchtegern-Intriganten vorliebnehmen. Danach ... nun, er würde sehen.

»Was ist passiert?« fragte er übergangslos.

»Passiert?« Grinner zündete sich nervös eine Zigarette an, sah dann erschrocken zu Braun auf und blickte sich hektisch um. Neben ihm stand ein halbvoller Kaffeebecher, in dem mindestens schon ein Dutzend Kippen schwamm. Braun winkte ab, und Grinner behielt die Zigarette im Mundwinkel und zog nervös daran. »Wie ... kommen Sie darauf, daß etwas passiert ist?«

»Ich kann Gedanken lesen«, sagte Braun ungeduldig. »Also?«

»Ich weiß es nicht«, gestand Grinner. »Irgendwas ... stimmt nicht.«

»Er ist wieder aktiv«, vermutete Braun.

»Ja«, sagte Grinner. »Nein ... wie man's nimmt.«

»Na, das nenne ich doch mal eine wissenschaftlich fundierte Auskunft«, sagte Braun.

Grinner wurde noch nervöser. »Ich weiß nicht, was es bedeutet«, sagte er. »Er ist aktiv, das ist alles, was ich sagen kann.«

»Jetzt im Moment?« Um ein Haar hätte Braun sich erschrocken umgesehen.

»So einfach ist das nicht«, antwortete Grinner. »Was ich Ihnen vorhin gesagt habe, das war vielleicht ... nicht ganz präzise.« Er wußte plötzlich nicht mehr, wohin mit seinem Blick, aber Braun wurde der Grund für seine Nervosität plötzlich um einiges klarer. »Ich habe mir die Aufzeichnungen der letzten Tage noch einmal genauer angesehen. Er ist ... strenggenommen die ganze Zeit aktiv. Ich meine, es ... es schwankt. Mal mehr, mal weniger. Aber diese erhöhten Aktivitäten halten im Grunde nahezu zwanzig Stunden an.«

»Seit wann genau?« wollte Braun wissen.

»Seit gestern nachmittag. Es gibt immer wieder Spitzen, aber...«

Braun hörte gar nicht mehr richtig hin. Wenn Grinner diesmal die Wahrheit sagte, dann würde das bedeuten, daß das Ding seit gestern nachmittag ununterbrochen aktiv war.

Möglicherweise mordete es ja nicht im Akkord, sondern brauchte Ruhepausen, um sich von der anstrengenden Arbeit des Tötens zu erholen. Vielleicht hatte es aber auch bereits eine blutige Spur durch ganz Berlin gezogen, die sie noch gar nicht richtig entdeckt hatten. Es wurde Zeit, die Sache zu Ende zu bringen.

»Erhöhen Sie die Dosis des Beruhigungsmittels«, sagte er.

Grinner erschrak. »Das ... das geht nicht!« sagte er.

»Was ist so schwer daran, ein paar Knöpfe zu drücken?« fragte er. »Oder eine Spritze aufzuziehen?«

»Das meine ich nicht«, antwortete Grinner. »Aber wenn ich die Dosis weiter erhöhe, dann töte ich ihn vielleicht. Er bekommt jetzt schon viel mehr, als eigentlich zu verantworten ist.«

»Das Risiko müssen wir eingehen«, sagte Braun.

»Das kann ich nicht«, beharrte Grinner.

Braun sah ihm an, wie schwer es ihm fiel, ihm so offen zu widersprechen.

»Nicht ohne Professor Mecklenburg.«

»Professor Mecklenburg«, antwortete Braun ruhig, »ist nicht länger Leiter des Projekts.«

»Professor Mecklenburg ist...«

»...aus dem Projekt ausgestiegen«, bestätigte Braun. »Ich bin eigentlich nur heruntergekommen, um Ihnen mitzuteilen, daß ich Sie zum kommissarischen Leiter des Projektes bestimmen wollte - wenigstens, bis die Frage von Mecklenburgs Nachfolge endgültig geklärt ist.«

Grinner starrte ihn geschlagene zehn Sekunden lang einfach nur an. Dann sagte er: »Ich weiß nicht, ob ich dazu qualifiziert genug bin.«

So viel Ehrlichkeit überraschte Braun. »Ich bin sicher daß Sie es sind«, antwortete er. »Wie lange arbeiten Sie jetzt hier?«

»Seit fünf Jahren. Von Anfang an.«

»Dann sollten Sie doch mittlerweile wissen, daß mich vor allem interessiert, was ein Mann leistet, nicht, wie viele akademische Grade er hat.«

»Aber ich habe nicht einmal...«

»Von mir aus«, unterbrach ihn Braun, »können Sie gelernter Klempner sein, oder Dachdecker. Solange Sie Ihre Arbeit gut machen, interessiert mich das nicht. Also, was ist jetzt? Wollen Sie den Job oder nicht?« Er meinte das in diesem Moment sogar ernst. Grinner war Mecklenburgs engster Mitarbeiter gewesen. Er verstand von allem hier wahrscheinlich genau so viel wie der selige Professor. Und vor allem: Er gehörte dazu. Das Projekt war in eine Phase getreten, in der es Braun noch unangenehmer als sonst gewesen wäre, fremde Gesichter in seiner Truppe zu sehen. Jeder Neue bedeutete zugleich auch ein unkalkulierbares Risiko, und das konnte er sich im Moment einfach nicht leisten!

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Главный герой
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