Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
16
Ista eilte unter dem Torbogen hindurch und in den Vorhof und kam gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie der schwitzende und keuchende dy Cabon von seinem Pferd in die Arme eines Soldaten glitt. Der Geistliche taumelte ein paar Schritte weiter, gestützt auf den Krieger, und brach schließlich im schmalen Schatten der Mauer unter dem Mandelbaum zusammen. Besorgt hielt der Soldat eine Hand an dy Cabons Gesicht und sprach mit einem Diener, der eiligst davonrannte. Dy Cabon kämpfte sich aus seinem nur unzureichend tarnenden braunen Überwurf und ließ ihn um sich her auf das blütenblattübersäte Pflaster sinken.
Foix sah beinahe ebenso erhitzt und mitgenommen aus. Er sprang von seinem Pferd, ließ die Zügel fahren und trat an die Seite des Geistlichen.
»Verflucht, Foix«, stieß dy Cabon schnaufend hervor und starrte zu ihm hinauf. »Ich hab Euch doch gesagt, Ihr sollt nicht mit diesem Ding herumspielen!«
»Gut«, knurrte Foix. »Dann reitet doch zurück und legt Euch dort an den Straßenrand, als Futter für die jokonischen Hunde, wenn Euch das lieber ist. Das Rudel könnte einen ganzen Monat davon zehren.«
Der Dienstbote kehrte zurück, und auf einen Wink des Soldaten kippte er einen Eimer Wasser langsam über dy Cabons Kopf, tränkte dessen schmutzige weiße Robe. Dy Cabon wich nicht zurück, und er beschwerte sich nicht. Er saß einfach nur schlaff da, hob das Kinn und öffnete den Mund.
Foix nickte dankbar und nahm einen Blechbecher mit Wasser entgegen, den ein anderer Diener ihm aus einem zweiten Eimer anbot. Er stürzte ihn herunter, schöpfte einen zweiten und einen dritten Becher und wiederholte das Ganze. Mit mürrischer Miene füllte er dann einen weiteren Becher, ließ sich neben dy Cabon nieder und hielt den Becher an die Lippen des Geistlichen. Mit zitternder Hand griff dy Cabon danach und trank lautstark.
Der Soldat grüßte Ista respektvoll, als sie näher kam, und flüsterte ihr zu: »Der Mann steht kurz vor einem Hitzschlag. Ein schlechtes Zeichen, wenn ein so fülliger Mann zu schwitzen aufhört. Aber macht Euch keine Sorgen, Majestät, das bekommen wir schon in Ordnung.«
Foix’ Kopf fuhr herum. »Majestät!«, rief er. »Den Göttern sei Dank! Ich küsse Eure Hände, ich küsse Eure Füße!« Er schob einen weiteren Becher mit Wasser in dy Cabons Hände und ließ sich dann vor Ista auf ein Knie fallen, griff nach ihren Händen und küsste beide Handrücken. »Ah!« Dann drückte er die Hände weniger förmlich, aber in tief empfundener Freude, gegen seine schweißnasse Stirn. Er stand nicht sofort wieder auf, sondern setzte sich keuchend, mit übereinander geschlagenen Beinen, auf den Boden. Für einen kurzen Augenblick der Entspannung ließ er die breiten Schultern sinken.
Er grinste zu Liss empor, die an Istas Seite stand. »So, du hast es also auch hierhin geschafft. Hätte ich wissen sollen.«
Sie erwiderte das Grinsen. »Ja, hättest du.«
»Seit Maradi jagen wir durch die Staubwolke, die du hinterlassen hast. Aus irgendwelchen Gründen waren die schnellsten Pferde immer schon weg.«
Ihr Grinsen wurde fröhlicher.
Er blinzelte. »Hübsches Kleid. Was für eine Veränderung.«
Verlegen zog sie sich ein wenig zurück. »Das ist nur geliehen.«
Hufschlag ertönte. Foix hob den Blick und kämpfte sich auf die Füße. Flankiert von einem weiteren Berittenen trabte Lord Arhys auf seinem gefleckten Grauen durch den Torbogen. Er schwang sich vom Pferd und warf einem Reitknecht die Zügel zu.
»So, Majestät.« Arhys wandte sich Ista zu, und ein Lächeln huschte über sein Gesicht. »Ich denke, Eure Vermissten sind zu Euch zurückgekehrt.«
Foix verneigte sich kurz. »Nur Dank Eurer Hilfe, Herr. Ich hatte keine Zeit, mich da draußen vorzustellen. Foix dy Gura, zu Euren Diensten.«
»Selbst wenn ich nicht bereits Euren Bruder kennen gelernt hätte, wären Euer Schwert und Eure Feinde Empfehlung genug. Arhys dy Lutez, Herr von Porifors. Ich werde noch Gelegenheit haben, Euch höflicher zu begrüßen, aber erst einmal muss ich mich um meine Kundschafter kümmern. Diese Jokoner hätten nicht da draußen auf dieser Straße sein sollen. Zwei von ihnen konnten wir lebend gefangen nehmen. Ich möchte herausfinden, wie sie ungesehen so nahe herankommen konnten.« Er schaute verdrießlich zu Ista hinüber. »Nun vermisse ich Illvin um so mehr — er beherrschte die roknarische Sprache besser als irgendein anderer hier.« Arhys wies auf den Ritter Pejar, der mit halb geschlossener Tunika und schief sitzendem Schwertgurt in den Vorhof stürzte und seinen zurückgekehrten Offizier begrüßte. »Da kommt einer Eurer Männer. Er kann Euch alles Weitere hier erklären.« Er rief einen Dienstboten herbei. »Sieh zu, dass diese beiden alles bekommen, was sie brauchen, bis ich zurückkehre. Was auch immer Pejar oder die Königin verlangen.«
Mit einer angedeuteten Verbeugung bestätigte der Diener den Befehl. Arhys warf einen misstrauischen Blick auf dy Cabon, der immer noch durchnässt auf dem Pflaster saß. Der Geistliche machte eine erschöpfte Bewegung mit der Hand, ein halbherziger Segen, der weitere Höflichkeiten für einen späteren Zeitpunkt ankündigte.
Arhys wandte sich wieder seinem Pferd zu, doch Ista fasste ihn am Ärmel, und er hielt inne. Sie griff empor und berührte seine Tunika, die an der rechten Schulter zerrissen und blutig war. Sie tastete durch den Riss und ließ die Finger über seine kühle, unverletzte Haut gleiten. Dann drehte sie ihre Hand dicht vor seinen Augen um und ließ ihn einen Blick auf die dunkelroten Flecken werfen. »Sobald Ihr einen Augenblick Zeit habt, Graf, solltet Ihr Euch die Verletzung Eures Bruders ansehen. Die neue Verletzung Eures Bruders.«
Erschrocken begegnete er ihrem ausdruckslosen Blick und zuckte zusammen. »Ich verstehe.«
»Bis dahin reitet vorsichtig. Tragt Eure Rüstung.«
»Wir hatten es eilig …« Er betastete den Riss und blickte noch finsterer drein. »Ja, gut.« Mit einem grimmigen Nicken in ihre Richtung schwang er sich wieder auf sein tänzelndes Pferd, bedeutete seinen Männern, ihm zu folgen, und ritt in leichtem Galopp aus der Burg.
Foix blickte sich um und sah zurück auf Pejar. Der schaute besorgt drein. »Ist Ferda hier? Geht es ihm gut?«
»Gut, Herr, aber er ist auf der Suche nach Euch«, antwortete Pejar. »Vermutlich hat er inzwischen Maradi erreicht. Ich nehme an, in einigen Tagen wird er vollends im Kreis geritten sein, hier wieder auftauchen und über die abgenutzten Hufeisen fluchen.«
Foix verzog das Gesicht. »Ich hoffe, er nimmt nicht dieselbe Straße wie wir. Die war nicht ganz so, wie ich es nach den Worten des Grafen von Oby vermutet hätte.«
Warum bist du nicht im Tempel in Maradi?, hätte Ista am liebsten gefragt, stellte es aber zunächst einmal hintan. Foix’ Seele war ebenso kräftig und fest wie die von Liss, doch Istas innerem Auge schien es, als lauere ein bärenförmiger Schatten in seinen Eingeweiden. Die Kreatur spürte offenbar ihren prüfenden Blick, denn sie rollte sich enger zusammen wie zum Winterschlaf. Ista winkte den bereitstehenden Dienstboten heran. »Sieh zu, dass diese Männer Gelegenheit bekommen, sich auszuruhen, insbesondere der Geistliche, und gib ihnen Gemach in meiner Nähe.«
»Jawohl, Majestät.«
An Foix gewandt, fügte Ista hinzu: »Wir müssen uns unterhalten. Lasst euch von Pejar zu mir in den steinernen Innenhof führen, sobald ihr ein wenig zu Kräften gekommen seid.«
»Jawohl«, sagte er eifrig. »Wir müssen unbedingt hören, was Ihr zu erzählen habt. Lord Arhys’ Hinterhalt war gestern in Oby in aller Munde.«
Ista seufzte. »Seither ist so viel Bedeutsames und Unheilvolles geschehen, dass ich diesen Hinterhalt beinahe schon vergessen hätte.«
Er hob die Brauen. »Wenn das so ist, werden wir an Eure Seite eilen.«
Mit einer Verbeugung wandte er sich um und half dem Dienstboten, dy Cabon wieder auf die Füße zu bringen. Foix schien sehr geübt darin, als wäre es ihm zur zweiten Natur geworden, den fülligen Mann hochzuhieven und in Bewegung zu setzen. Der durchnässte Geistliche tropfte nicht so sehr, sondern schien vielmehr zu dampfen. Anscheinend aber erholte er sich allmählich von seiner anfänglichen Erschöpfung.