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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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Goram schüttelte den Kopf. »Da war ein dunkler Ort. Ich mochte ihn, weil es kühl war. Aber es stank.«

»Verstand und Erinnerung sind verzehrt, der Dämon ist fort, und doch … nicht tot«, sagte Ista grübelnd. »Es ist nicht leicht für einen Dämon, einen lebenden Wirt zu verlassen, habe ich dy Cabons Worten entnommen. Dämon und Wirt sind auf irgendeine Weise miteinander verstrickt. Tötet man den Menschen, zwingt man den Dämon heraus. Wie bei Umerue. Oder bei den Verbrennungen der Roknari.«

»Verbrennt mich nicht!«, jammerte Goram. Er machte sich noch kleiner, kauerte sich zusammen und starrte bestürzt auf seine Brust.

»Niemand wird dich verbrennen«, sagte Illvin beruhigend. »Nicht in Chalion. Und es besteht jetzt ohnehin keine Veranlassung, denn sie sagt ja, dass der Dämon dich verlassen hat. Er ist ganz und gar fort. Nicht wahr?« Er warf Ista einen auffordernden Blick zu.

»Vollkommen.« Und ein Großteil von Goram mit ihm, wie es schien. Ista fragte sich, ob er früher tatsächlich ein Diener gewesen war — oder mehr.

»Hamavik …«, murmelte Illvin. »Wie aufschlussreich. Sowohl Goram wie auch Prinzessin Umerue waren zur selben Zeit an diesem Ort. Kann dieser … Schaden an Goram Seele etwas mit Umerues Dämon zu tun haben?«

Es war verlockend, da einen Zusammenhang zu sehen, andererseits … »Cattis Dämon fühlte sich nicht so an, als hätte er sich an Kriegern gütlich getan. Er fühlte sich an … ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll. Zu weiblich. Wir können noch einmal versuchen, ihn zu befragen.«

Ista fiel auf, dass Liss sehr beunruhigt aussah. Erblickte sie in Gorams schlaffem, furchtsamem, verwirrtem Gesicht das zukünftige Schicksal von Foix? Wo war der Junge? Ista war noch nicht so verzweifelt, dass sie gebetet hätte, angesichts der Gefühle, die sie Gebeten gegenüber empfand. Aber so weit konnte es durchaus noch kommen, wenn diese schreckliche Ungewissheit noch viel länger anhielt.

Ista fuhr fort: »Dy Cabon sagte mir, dass Dämonen normalerweise überaus selten sind. Während der letzten paar Jahre allerdings nicht. Die Kirche hatte seit den Tagen König Fonsas keinen derartigen Ausbruch mehr erlebt — seit fünfzig Jahren. Ich kann mir nicht vorstellen, welch ein Riss in der Hölle des Bastards die Dämonen in solcher Zahl in die Welt sickern lässt, doch allmählich sehe ich da einen Zusammenhang.«

»Seit Fonsas Tagen.« Illvins Stimme wurde wieder undeutlich. »Seltsam.«

»Eure Zeit ist beinahe vorüber«, merkte Ista an und beobachtete das weiße Band, das immer dicker wurde, mit Missfallen. »Ich kann Euch ein wenig mehr zuteilen.«

»Aber Ihr hattet gesagt, Arhys würde dann verfaulen«, wandte Illvin ein. »Hochsommer. Können nicht zulassen … Stücke von ihm in seine Suppe fallen, nicht …?« Seine Stimme verklang. In einem Anfall von Verzweiflung raffte er sich noch einmal auf. »Nein! Es muss eine andere Möglichkeit geben! Wir müssen einen anderen Weg finden! Majestät … kommt Ihr wieder …?«

»Ja«, sagte sie.

Auf diese Versicherung hin löste er den Griff um den Rand der Tagesdecke und ließ sich zurückfallen. Sein Gesicht versank ein weiteres Mal in wächserne Regungslosigkeit.

Ista blieb an diesem Tag wieder in ihren Gemächern und setzte die neuen Briefe an Cardegoss auf. Als die Sonne versunken war, schritt sie so rastlos über den gepflasterten Innenhof, dass selbst Liss schließlich von ihrer Seite wich, auf einer Bank Platz nahm und zusah, wie Ista im Kreis herumlief. Zur Mitte des nächsten Vormittages war sie bereits so weit, dass sie in Gedanken ein weiteres scharfes Schreiben an den Herzog von Tolnoxo verfasste, obwohl der erste Brief ihn noch gar nicht erreicht haben konnte, geschweige denn, dass der Herzog daraufhin etwas hätte unternehmen können.

Auf den Treppen draußen wurden rasche Schritte laut. Ista blickte von ihrer angekauten Schreibfeder auf und sah Liss’ Zopf am Fenstergitter vorüberfliegen. Mit hämmernden Schritten rannte das Mädchen durch das Vorzimmer und steckte den Kopf durch die Tür.

»Majestät«, verkündete sie atemlos. »Da geschieht irgendwas! Lord Arhys ist mit mehreren Bewaffneten ausgeritten — ich wollte zum Nordturm und sehen, ob ich etwas erkennen kann.«

Ista erhob sich so hastig, dass sie beinahe über den Stuhl gestolpert wäre. »Ich komme mit.«

Hinter einem Armbrustschützen im grau-goldenen Wappenrock von Porifors stiegen sie die steinerne Wendeltreppe zu dem Aussichtspunkt hinauf. Dann begaben die drei sich dann an die nordwestliche Kante und spähten über die Zinnen hinweg.

Auf dieser Seite der Burg, gegenüber dem Steilhang zum Flusstal, befand die Landschaft sich auf annähernd gleicher Höhe mit dem Hügelgrat. Eine Straße, grau vor getrocknetem Staub, wand sich von hier aus nach Osten durch das regenarme, sonnige Umland.

»Das ist die Straße von Oby«, stieß Liss hervor.

Zwei Reiter galoppierten in der Ferne über den Weg, doch selbst von hier aus konnte Ista erkennen, dass einer der beiden stämmig war; der andere war dick und massig. Er trug ein braunes Gewand, unter dem ab und an weißer Stoff hervorblitzte. Deutlich war die unbeholfene Gangart eines Pferdes zu erkennen, das versuchte, trotz der auf und ab hüpfenden Körpermassen von Hochwürden dy Cabon einen Galopp durchzuhalten.

Ein kleines Stück hinter den beiden Reitern folgte ein Dutzend weitere Männer. Eine Eskorte? Nein. Die grünen Wappenröcke von Jokona, hier, unter dem missbilligendem Blick von Porifors selbst? Ista schnappte nach Luft. Die Verfolger der beiden Reiter machten allmählich Boden gut.

Begleitet vom Flüstern leichter Schuhe und dem Rauschen von Seide erschien Lady Cattilara auf dem Söller und ging zu den Zinnen. »Arhys … bei den fünf Göttern, oh, möge der Wintervater dich schützen …«

Ista folgte ihrem Blick. Unterhalb von Porifors führte Arhys auf seinem gescheckten Grauen eine Schar Berittener an, die Hals über Kopf die Straße entlangstürmten. Den schwächeren Pferden fiel es schwer, den langen Schritten des Grauen zu folgen. Liss bekundete leise ihre Bewunderung, was die raumgreifenden Sprünge des Tieres betraf.

Cattilara hielt den Atem an. Ihre Augen waren groß vor Furcht und Sorge. Sie stöhnte unterdrückt.

»Was denn?«, flüsterte Ista ihr zu. »Immerhin könnt Ihr kaum befürchten, dass jemand ihn umbringt.«

Cattilara warf ihr einen bösen Blick zu, schob eine Schulter vor und wandte sich wieder der Straße zu.

Dy Cabons überladenes Ross kam nur langsam voran und fiel allmählich zurück. Der andere Reiter — ja, es war ganz sicher Foix dy Gura — zügelte derweil sein Tier und winkte dem Geistlichen, weiterzureiten. Foix’ Pferd tänzelte und kämpfte gegen die Zügel an. Foix hielt es mit der Linken und fasste nach seinem Schwertgriff. Er stellte sich in den Steigbügeln auf und blickte seinen Verfolgern entgegen.

Nein, Foix!, dachte Ista hilflos. Foix’ Schwertarm war stark, doch er verfügte nicht über das einzigartige Geschick, das Lord Arhys auszeichnete. Er mochte vielleicht mit ein, zwei Feinden fertig werden, vielleicht sogar einen dritten niederstrecken — dann aber würden die anderen ihn überwältigen. Er hatte die Retter noch nicht herannahen sehen, da sie außerhalb seines Blickfelds durch eine Senke ritten. Foix würde sein Leben sinnlos für den Geistlichen opfern …

Er löste die Rechte vom Schwertgriff, krümmte die Finger und öffnete sie wieder. Steif streckte er den Arm aus. Ein schwacher, violetter Lichtstrahl schien von seiner Handfläche auszugehen. Cattilara schnappte überrascht nach Luft. Liss reagierte nicht; sie war offensichtlich blind für dieses Licht.

Das vorderste Pferd in der herannahenden Kavalkade stolperte und ging der Länge nach zu Boden. Der Reiter wurde aus dem Sattel geschleudert. Zwei weitere Tiere stürzten über das erste, ehe sie anhalten konnten. Einige Pferde bäumten sich auf, scheuten oder brachen zur Seite aus. Foix wendete sein Tier und galoppierte hinter dy Cabon her.

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