Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
»O ja«, sagte Foix. »Das war der größte Tratsch dort, nächst dem Klatsch über Eure Rettung. Lord dy Oby sagte, es hätte ihm sehr Leid getan, von der Sache mit Lord Illvin zu hören, und dass Lord Arhys ihn sehr vermissen muss. Er kannte die Brüder schon lange, meinte er, schon bevor er Lord Arhys’ Schwiegervater wurde. Er sagte, sie steuerten stets gemeinsam durch diese Region von Caribastos, seit mittlerweile zwanzig Jahren, wie die rechte und die linke Hand eines Mannes an ein und demselben Zügel.«
»Nun, Ihr kennt nicht die wahre Geschichte dieses Verbrechens.«
Foix blickte interessiert, wenn auch zweifelnd drein. Dy Cabon schien besorgt.
»Drei Tage lang habe ich mich durch Lügen und Täuschung gekämpft. Umerue mag vielleicht einmal Prinzessin gewesen sein, doch als sie hierher kam, war sie eine Zauberin, vollkommen verzehrt von einem Dämon. Ausgeschickt, so wurde mir gesagt, um Porifors zum Abfall zu bewegen und einer Person auszuliefern, die dem Hof von Jokona angehört oder ihm nahe steht. Welche Auswirkung das auf den bevorstehenden Feldzug gegen Visping gehabt haben mag — besonders, wenn dieser Verrat erst im ungünstigsten Augenblick enthüllt worden wäre —, überlasse ich Eurer militärischen Vorstellungskraft, Foix.«
Foix nickte bedächtig. Offensichtlich hatte er wenig Schwierigkeiten, diesem ersten Teil der Geschichte zu folgen. Was den nächsten betraf …
»In einer geheimen, verworrenen Balgerei wurden sowohl Umerue wie auch Lord Arhys getötet.«
Dy Cabon blinzelte. »Ihr meint doch nicht etwa Lord Illvin, Majestät? Lord Arhys haben wir gerade gesehen.«
»Ganz recht! Der Dämon ging auf Arhys’ Ehefrau über — aus seiner Sicht war das ein Fehler, wie es scheint, denn sie zwang ihn gleich unter ihre Herrschaft und befahl ihm, Arhys’ losgelöste Seele zurück in dessen Körper zu stecken. Dabei raubte sie die Lebenskraft seines jüngeren Bruders Illvin, um den Leichnam in Bewegung zu halten. Irgendeine verdrehte Art des Todeszaubers — Ihr als Geistlicher mögt die religiöse Bedeutung des Ganzen erläutern, sobald es Euch beliebt. Die Gräfin gab anschließend vor, dass Illvin verletzt worden war, und dass der jokonische Sekretär der Prinzessin diese ermordet hatte. Den Mann schüchterte sie ein, bis er die Flucht ergriff.«
»Das also habe ich gefühlt, als ich sie sah«, flüsterte Foix. Es klang, als wäre ihm eben eine Erleuchtung zuteil geworden. »Ein anderer Dämon.«
»Ich war bei den Aussagen jedes Beteiligten zugegen«, bestätigte Liss. »Es ist alles wahr. Wir haben sogar den Dämon befragt, obwohl es nicht viel erbracht hat. Als Lord Arhys heute Morgen im Kampf von dem jokonischen Lanzenreiter verletzt wurde, erschien der Schnitt an Lord Illvins Körper. Es war unheimlich … Furcht erregend.«
Ista blickte zur Sonne empor und schätzte die kürzer werdenden Schatten im steinernen Innenhof ab. »Bald werdet Ihr mit allen Beteiligten reden und es selbst bezeugen können. Aber hört zu, dy Cabon. Ich weiß nicht, weshalb Euer Gott mich zu diesem leidgeplagten Haus geführt hat. Ich weiß nicht, was oder wen man aus dieser grausigen Entwicklung noch retten kann. Ich weiß allerdings, dass man irgendwann, auf die eine oder andere Weise, diesen Dämon aus Lady Cattilara bannen muss. Er ist begierig zu fliehen, wenn es geht, mit ihrem Körper, doch er würde sie töten, um in einen anderen Leib zu gelangen, wenn er die Gelegenheit dazu erhält. Arhys’ Körper und Geist verfallen bereits. Schlimmer noch, seine Seele könnte bereits verloren sein. Lord Illvin stirbt langsam, denn die Zauberei entzieht ihm mehr Lebenskraft, als sein Körper ersetzen kann. Wenn er stirbt, geht auch sein Bruder, und Cattilara, glaube ich, wird von ihrem Dämon überwältigt.«
Sie hielt inne und holte tief Luft; dann blickte sie in die erschrockenen Gesichter, die sie anstarrten. Keiner von ihnen, wurde ihr mit einem Frösteln klar, starrte sie an, als wäre sie verrückt geworden. Sie alle blickten, als müsse sie ihnen sagen, was als Nächstes zu tun sei.
Das Pochen schwerer Stiefel hallte im Torbogen. Ista schaute auf und sah Lord Arhys eintreten. Er bemerkte sie und ihr kleines Gefolge, trat näher, hielt an, verbeugte sich vor ihr und wirkte überrascht, als alle seine neuen Gäste ihn verunsichert und prüfend musterten.
»Lord Arhys.« Mit einem Nicken nahm sie seine Verbeugung zur Kenntnis. »Ich habe den stellvertretenden Hauptmann meiner Wache und meinen geistlichen Beistand über den wahren Stand der Dinge auf Porifors in Kenntnis gesetzt. Sie müssen Bescheid wissen, damit sie mich auf die bestmögliche Weise beschützen und beraten können.«
»Ich verstehe.« Mit Mühe verwandelte er seine Grimasse zu einem gequälten Lächeln. Er zögerte einen Augenblick, als würde er überlegen, was er sagen sollte — sich für seinen Tod entschuldigen, vielleicht? Dann wechselte er verlegen zu näher liegenden Angelegenheiten. »Ich habe die Kundschafter ausgesandt, aber sie sind noch nicht zurück. Unsere Gefangenen sind zu keiner Zusammenarbeit bereit. Es sieht allerdings so aus, als wäre ihre Patrouille die Vorhut einer größeren Streitmacht. Offenbar hatten sie die Aufgabe, den Austausch von Nachrichten auf der Straße zwischen Porifors und Oby zu unterbinden. Der Angriff auf dy Gura und den Geistlichen war wohl ein wenig voreilig, doch Genaueres konnten wir nicht aus ihnen herauspressen. Wir ergreifen Vorsichtsmaßnahmen … decken die Zisternen ab, warnen die Stadt und schicken Reiter aus, um das Umland zu warnen und zur Wachsamkeit aufzurufen. Von meinen eigenen Leuten, die ich entlang der Grenze postiert habe, habe ich nichts von einer derartigen jokonischen Streitmacht gehört, aber … ich war in den letzten paar Tagen sehr von meinen Pflichten abgelenkt.«
Ista schürzte die Lippen und stieß die Luft aus. »Ein Angriff aus Jokona? Weshalb jetzt?«
Er zuckte die Schultern. »Eine verspätete Vergeltung für den Tod ihrer Prinzessin, vielleicht? Oder ein weniger verspäteter Versuch, die kostbare Beute wiederzuerlangen, die kürzlich verloren gegangen ist.« Ernst blickte er sie an.
Trotz der Hitze schauderte Ista. »Ein solches Ungemach würde ich auf keinen Gastgeber herabbeschwören wollen, am wenigsten auf Euch. Vielleicht sollte ich mich nach Oby zurückziehen.« Davonlaufen? Eine enttäuschend vernünftige Feigheit wäre das. Die Burg hinter sich lassen, die Verwicklungen, die gequälten und umnachteten Seelen, damit sie unter dem wachsenden Gewicht ihrer Fehlentscheidungen, ihres Jammers und ihrer Liebe versanken … Sie konnte davonlaufen. Sie konnte es.
»Vielleicht.« Er nickte ihr vieldeutig zu. »Aber nur, wenn wir uns sicher sein können, dass auf der Straße keine Gefahr mehr droht. Sonst würden wir Euch als bereits ausgepacktes Geschenk in die Hände der Jokoner geben. Ich muss heute Nachmittag noch einmal reiten — ich kann jetzt nicht alles hinter mir lassen. Das müsst Ihr einsehen.« Mit eigentümlichem Ernst fügte er hinzu: »Ihr dürft mich jetzt nicht aufhalten.«
»Da ich nicht einmal wüsste wie«, sagte sie seufzend, »seid Ihr davor erst einmal sicher. Was Euch sonst widerfahren mag, kann ich allerdings nicht sagen.«
»Ich werde mich bald wieder ausruhen müssen …«
»Illvin muss eine Gelegenheit zum Essen erhalten, besonders jetzt«, sagte sie warnend.
»Ich wünsche nichts anderes. Aber zunächst einmal würde ich mir gern seine neue Verletzung anschauen.«
»Das wäre klug.«
Offenbar erwartete er, dass sie ihn begleitete. Also erhob sie sich und stieg hinter ihm die Treppen hinauf. Ihre Leute folgten mit unverhohlener Neugier. Als so viele Personen ins Gemach traten, war Goram beunruhigt. Ista versuchte, ihn mit sanften Worten zu beschwichtigen, doch als Liss ihm freundlich auf die Schulter klopfte, schien ihn das mehr zu trösten. Auf Anweisung des Grafen wickelte er Illvins neuen Verband ab. Die Untersuchung Arhys’ war kurz und sachkundig. Foix und dy Cabon betrachteten mit schüchterner Aufmerksamkeit den blutigen Riss in Arhys’ Tunika. Als der Graf sich abwandte, versammelten sie sich an der Bettkante und lauschten den geflüsterten Erklärungen von Liss.