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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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»Ich nehme an, Umerue hat sie unterschätzt. Und damit kommen wir zu etwas Anderem«, sagte Ista. »Wie kann eine Prinzessin aus Jokona, eine gläubige Anhängerin des vierfältigen Glaubens, überhaupt an einen Dämon kommen? Und ihn verborgen halten, oder anderweitig einer Anklage entgehen? Sie verbrennen Zauberer, obwohl ich nicht weiß, wie die jokonischen Geistlichen verhindern, dass der Dämon durch die Flammen auf einen anderen überspringt. Sie müssen irgendwas tun, um ihn an seinen Wirt zu binden, ehe sie beide ins Jenseits befördern.«

»Ja, mit aufwendigen Zeremonien und Gebeten. Keine schöne Sache. Und schlimmer noch: Es wirkt nicht immer.« Er zögerte. »Catti meinte, dass die Zauberin ausgeschickt wurde.«

»Von wem? Ihrem Bruder, dem Fürsten? Mal angenommen, dass die Erben ihres verstorbenen Gatten sie wieder bei ihm abgeladen haben.«

»Das haben sie, soweit ich weiß. Aber … es ist schwer vorstellbar, dass Sordso der Säufer um Jokonas willen mit Dämonen herumstümpert.«

»Sordso der Säufer? So wird der junge Fürst in Caribastos genannt?«

»So wird er überall genannt, zu beiden Seiten der Grenze. Die Zeitspanne zwischen dem Tod seines Vaters und dem Ende der Regentschaft seiner Mutter verbrachte er nicht mit dem Studium der Staatsführung und Kriegshandwerk, sondern mit Weingelagen und Dichtkunst. Er ist sogar ein ganz ordentlicher Dichter, der ein wenig zu Schwermut neigt, den Beispielen nach zu urteilen, die ich zu hören bekommen habe. Wir alle haben darauf gehofft, er würde dieser Berufung folgen. Offensichtlich eignet er sich dafür besser als für die Geschäfte eines Fürsten.« Er grinste. »Mein Herr, der Herzog dy Caribastos, hätte ihm mit Freuden einen Palast gestellt, ihm eine Pension gezahlt und seine schmalen Schultern damit von den Bürden der Herrschaft entlastet.«

»Wie es aussieht, ist der Fürst inzwischen nicht mehr so nachlässig. Er hat den Raubzug nach Ibra befohlen, dessen Teilnehmer später von Rauma aus ostwärts über die Berge flohen und mich entführten. Es waren Schreiber der Schatzkammer dabei, die über den fürstlichen Fünften Buch geführt haben. Hat Liss Euch davon erzählt?«

»Nur kurz.« Er nickte dem Kuriermädchen zu, und sie nickte bestätigend zurück. Dann kniff er seine dunklen Brauen zusammen. »Rauma? Das ist seltsam. Warum Rauma

»Wahrscheinlich wollten sie damit den Fuchs von Ibra so weit einschüchtern, dass er beim anstehenden Herbstfeldzug seine Truppen im eigenen Land lässt, anstatt seinen Sohn gegen Visping zu unterstützen.«

»Hm. Das könnte sein. Aber Rauma liegt zu weit in Ibra, als dass ein solcher Schlag sinnvoll erscheint. Die Rückzugsmöglichkeiten sind schlecht. Das haben die Angreifer ja offensichtlich auch festgestellt.«

»Lord Arhys meinte, es sind nur drei von dreihundert ausgezogenen Kriegern nach Jokona zurückgekehrt.«

Illvin stieß einen Pfiff aus. »Gut für Arhys. Ein teures Ablenkungsmanöver für Sordso!«

»Nur dass die Verluste sich am Ende beinahe doch ausgezahlt hätten, wenn sie mich hätten mit zurücknehmen können. Aber das gehörte bestimmt nicht zu ihrem ursprünglichen Plan. Sie hatten nicht einmal Karten von Chalion dabei.«

»Ich kenne den Grafen von Rauma von früher. Ich kann mir vorstellen, dass er den Jokonern einen heißen Empfang bereitet hat. Er war einer unserer besseren Feinde, damals, bevor wir alle mit Ibra verschwägert wurden. Die Heirat Eurer Tochter hat die westlichen Grenzen von Porifors ziemlich entlastet, und dafür bin ich ihr dankbar, Majestät.«

»Prinz Bergon ist ein guter Junge.« Doch von jemandem, der so offensichtlich in ihre Tochter verliebt war wie Iselles junger ibranischer Ehemann, konnte Ista natürlich nur eine gute Meinung haben.

»Sein Vater allerdings, der König, hat etwas von einem Kaktus an sich — trocken und stachlig. Man holt sich leicht blutige Finger, wenn man mit ihm zu tun hat.«

»Nun, jetzt ist es unser Kaktus.«

»Allerdings.«

Mit einem Seufzer lehnte Ista sich zurück. »Diese Neuigkeiten sollten nicht vertuscht werden … Zumindest nicht die Neuigkeit, dass eine hochwohlgeborene Dame von Jokonas Hof einen Dämon beherbergt hat und versuchte, eine Festung Chalions mit Zauberei zu unterwandern. Ich sollte zumindest eine Warnung an den Erzprälaten Mendenal in Cardegoss aufsetzen, und an Kanzler dy Cazaril.«

»Das wäre angebracht«, räumte Illvin widerstrebend ein. »Obwohl es mich sehr in Verlegenheit bringt, dass Umerue beinahe Erfolg gehabt hätte. Andererseits … Es war nicht der Erzprälat von Cardegoss, den der Zufall bei den Haaren gepackt und zum hintersten Ende Chalions geschleift hat. Das wart Ihr! Ich kann mir kaum eine unwahrscheinlichere Antwort auf meine Gebete vorstellen.«

»Habt Ihr zum Bastard gebetet, wenn Ihr bei Sinnen wart?«

»Sagen wir lieber, wenn ich wach war, nicht bei Sinnen. Alles wirkt sehr unklar, bis … gestern? Ja, gestern. Ich habe jedenfalls inbrünstig gebetet. Sonst konnte ich ja nichts tun. Ich konnte nicht einmal die Worte richtig aussprechen, nur in meinem Innern herausschreien. An meinen Gott, den ich verlassen habe. Ich habe nicht viel gebetet, seit ich erwachsen bin. Wenn Er gesagt hätte: Verschwinde, Junge! Du wolltest es allein versuchen, also musst du jetzt auch allein fertig werden mit dem, was du dir eingebrockt hast, so hätte ich mir gesagt, dass es Sein gutes Recht ist.« Bedächtiger fügte er hinzu: »Aber warum Ihr? Wenn der Grund dafür nicht noch weiter zurückliegt, beim Vater meines Bruders und den Vorfällen bei Hofe in Cardegoss.«

Seine scharfsinnige Vermutung brachte Ista außer Fassung. »Ich trage noch einen Rest alten Schuldgefühls mit mir herum, was den verstorbenen Lord dy Lutez angeht, und muss damit fertig werden. Aber das hat nichts mit Arhys zu tun. Und Arvol war nicht mein Liebhaber!«

Illvin reagierte überrascht auf ihre Heftigkeit. »Das habe ich auch nicht behauptet, Majestät!«

Sie stieß den Atem aus. »Nein, das habt Ihr nicht. Es ist Lady Cattilara, die diese alte Verleumdung als romantische Geschichte betrachtet, die Götter mögen mich verschonen! Arhys möchte mich einfach als eine Art geistige Stiefmutter ansehen, nehme ich an.«

Zu ihrer Überraschung schnaubte er nur. »O ja.« Sein brüderlich erbostes Kopfschütteln trug kaum dazu bei, Ista diese rätselhafte Bemerkung verständlich zu machen.

Ein wenig säuerlich merkte sie an: »Bevor ich Gelegenheit hatte, euch beiden zuzuhören, war ich beinahe schon davon überzeugt, dass Ihr der eifersüchtige Mörder wart. Der verachtete uneheliche Halbbruder, dem der Vater vorenthalten war, Titel und Besitz, und der die neuerliche Zurückweisung schließlich nicht mehr ertragen konnte.«

Sein trockenes, halblautes Lachen klang nicht im Mindesten beleidigt. »Einer solchen Täuschung sind vor Euch schon andere aufgesessen. Tatsächlich ist es wohl eher umgekehrt. Ich hatte einen Vater, mein Leben lang. Oder zumindest sein Leben lang. Arhys hatte nur einen Traum. Mein Vater hat uns beide erzogen, und er hat stets versucht, bei Arhys sein Bestes zu geben. Doch es war immer ein bewusstes Bemühen zu spüren, während ich selbst seine Liebe ohne dieses Hindernis empfangen konnte.

Doch Arhys war niemals eifersüchtig oder verärgert, denn irgendwann einmal würde alles wieder gutgemacht. Irgendwann würde sein Vater ihn an den Hof rufen. Wenn er groß genug war. Wenn er gut genug war, ein hinreichend guter Schwertkämpfer, Reiter, Offizier. Der große Lord dy Lutez würde ihm einen Platz zu seiner Rechten gewähren, würde ihn seinem glanzvollen Gefolge vorstellen und zu all seinen mächtigen Freunden sagen: Seht her, dies ist mein Sohn. Ist er nicht großartig? Arhys trug niemals seine besten Gewänder. Die hatte er bereits für die Reise eingepackt. Für den Tag, an dem sein Vater nach ihm riefe. Er war jederzeit bereit, binnen einer Stunde aufzubrechen. Dann starb Lord dy Lutez, und … Arhys’ Traum blieb nur ein Traum.«

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