Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
Cattilaras leichte Schritte erklangen im Torbogen. Die Männer blickten auf. Trotz seiner Überhitzung und Schwäche war dy Cabon von Cattilara anscheinend ebenso eingenommen wie die meisten anderen Männer. Jedenfalls lächelte er ihr gleichermaßen dümmlich zu. Foix blinzelte und erstarrte.
»Wo ist mein Gemahl?«, wollte Cattilara ängstlich wissen.
»Er ist wieder mit seinen Kundschaftern ausgeritten«, sagte Ista. »Wie es scheint, hat der Speerstoß, den wir beobachten konnten, ein anderes Ziel gefunden.«
Cattilara riss die Augen auf und drehte den Kopf in Richtung des steinernen Innenhofs.
»Ja«, sagte Ista. »Wie auch immer, er ist jetzt versorgt.«
»Oh. Gut.«
Cattilaras erleichterter Seufzer kam nach Istas Ansicht ein wenig voreilig. Das Mädchen hatte nicht alles zu Ende gedacht. Aber das würde sie noch. »Lord Arhys wird bis zur Mittagsstunde zurückkehren, kein Zweifel.«
Cattilara schaute sie kurz an, die Lippen zusammengekniffen.
Ista fuhr fort: »Lady Cattilara dy Lutez, Gräfin von Porifors, darf ich Euch meinen geistlichen Beistand vorstellen, Hochwürden Chivar dy Cabon, und Foix dy Gura, einen Ritter aus dem Orden der Tochter. Seinen Hauptmann und Bruder Ferda habt Ihr bereits kennen gelernt.«
»O ja.« Cattilara machte einen Knicks. »Willkommen auf Porifors.« Sie erwiderte Foix’ unsicheren Blick. Einen Augenblick standen sie einander gegenüber wie zwei Katzen mit gesträubtem Fell. In Istas Gegenwart waren die beiden dämonischen Schatten in ihrem Innern so dicht zusammengeballt, dass man kaum sagen konnte, wie sie auf die gegenseitige Nähe reagierten. Aber es schien nicht eben eine erfreute Begrüßung zu sein. Liss’ Gesicht hellte sich ein wenig auf, als sie bemerkte, dass Foix nicht die übliche männliche Reaktion auf die hübsche Gräfin zeigte.
Ista fügte mit einer Geste zu den abwartenden Dienstboten und in wohl überlegter Betonung hinzu: »Lord Arhys hat diesen Mann angewiesen, sich um die Bedürfnisse der neuen Gäste zu kümmern. Der Geistliche ist sehr erschöpft und von der Hitze geschwächt. Man sollte sich sofort seiner annehmen.«
»O ja«, stimmte Cattilara zu. »Bitte fahrt fort. Ich werde … Euch später noch angemessen willkommen heißen.« Sie vollführte einen Knicks, und Foix brachte eine Verbeugung zustande. Dann eilte sie die Treppe hinauf und verschwand. Foix und dy Cabon folgten dem Dienstboten und Pejar durch den Torbogen, vermutlich dahin, wo die Ritter der Tochter untergebracht waren.
Voller Unbehagen beobachtete Ista Cattilaras Abgang. Plötzlich fühlte sie sich an Lord dy Cazarils Aussage erinnert, dass den Dämonen langsamere Möglichkeiten zu Gebote standen, ihren Wirt zu ermorden. Tumore zum Beispiel. War vielleicht schon einer im Wachstum begriffen? Sie suchte in Cattilaras Seelensubstanz danach, nach irgendeinem schwarzen Fleck, voll Chaos und Verfall. Die Seele des Mädchens war derart aufgewühlt, dass man kaum sicher sein konnte. Ista stellte sich vor, was geschehen konnte — wie die leidenschaftliche Cattilara, verrückt vor verzweifelter Hoffnung, darauf bestand, dass die Symptome Anzeichen ihrer ersehnten Schwangerschaft waren. Wie sie eifersüchtig einen Leib behütete, der zusehends anschwoll, aber nicht vor Leben, sondern vor Tod … Ista erschauerte.
Illvin hat Recht. Wir müssen einen besseren Weg finden. Und zwar bald.
Es dauerte nicht einmal eine Stunde, bis die beiden Herumtreiber wieder bei Ista im steinernen Innenhof waren. Beide wirkten merklich erholt. Offensichtlich hatten sie ein behelfsmäßiges Bad erhalten, mit Güssen aus Eimern und häufigem Untertauchen. Ista zu Ehren hatten sie sich ein wenig zurechtgemacht, auch wenn sie immer noch abgerissen wirkten, mit nassen gekämmten Haaren und in trockener Kleidung, die zwar nicht gerade sauber war, aber zumindest weniger schweißbefleckt.
Ista winkte den Geistlichen auf eine steinerne Bank im Schatten des Säulengangs und ließ sich an seiner Seite nieder. Foix und Liss nahmen zu ihren Füßen Platz. Einen Augenblick verbrachte Liss damit, die ihr unvertrauten Röcke ein wenig ordentlicher zurechtzuzupfen.
»Majestät, erzählt uns von der Schlacht«, begann Foix eifrig.
»Euer Bruder hat mehr davon erlebt. Lasst es Euch von ihm berichten, wenn er zurückkehrt. Ich würde gern zuerst Eure Geschichte hören. Was ist geschehen, nachdem wir Euch auf der Straße zurückgelassen haben?«
»Zurückgelassen? Das würde ich nicht sagen«, widersprach dy Cabon. »Sagt lieber gerettet. Euer Versteck hat funktioniert, oder der Gott hat die Gebete in meinem Herzen erhört. Und in meinen Eingeweiden. Ich habe nicht einmal laut zu flüstern gewagt.«
Foix schnaubte zustimmend. »Ja. Das war eine hässliche Stunde, als wir in dem kalten Wasser kauerten. Jetzt im Rückblick wirkt das viel angenehmer. Wir hörten, wie die Jokoner über uns hinwegdonnerten. Schließlich krochen wir aus dem Durchlassrohr heraus und schlugen uns ins Gebüsch. Wir haben versucht, Euch zu folgen und zugleich außer Sichtweite der Straße zu bleiben. Das war eine Kletterei! Als wir das Dorf an der Kreuzung erreichten, war es bereits dunkel, und die bedauernswerten Dorfbewohner schlichen eben erst zu ihren Häusern zurück. Ein gutes Stück ärmer, nachdem die Heuschrecken aus Jokona durchgezogen waren, aber es hätte auch viel schlimmer kommen können. Zuerst hatten sie Liss offenbar für eine Verrückte gehalten, aber zu der Zeit fingen sie schon an, sie als Heilige zu preisen, die von der Tochter selbst geschickt worden war.«
Liss grinste. »Ich habe mich bestimmt wie eine Wahnsinnige angehört, als ich zuerst kreischend ins Dorf geritten kam. Den Göttern sei Dank für meinen Wappenrock der Kanzlei. Ich bin froh, dass sie auf mich gehört haben. Ich habe nicht abgewartet, um mich zu vergewissern.«
»Das haben wir gehört. Dy Cabon war fast am Ende, als wir eintrafen …«
»Ihr wart auch nicht viel besser dran«, murmelte der Geistliche.
»… also haben wir für die Nacht ihre Gastfreundschaft in Anspruch genommen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie Leute, die selbst so wenig haben, das Wenige noch mit Fremden teilen. Die fünf Götter mögen sie dafür segnen.
Ich konnte sie überreden, dem Geistlichen ein Maultier zu leihen. Sie schickten allerdings einen Jungen mit, um sicherzugehen, dass sie das Tier wieder sehen. Wir brachen dann am Morgen nach Maradi auf, hinter Liss her. Ich wäre lieber Euch gefolgt, Majestät, aber nicht so schlecht ausgerüstet, wie wir waren. Ich wollte eine Armee. Die Göttin muss mich erhört haben, denn einige Stunden später fanden wir eine, die uns die Straße entlang entgegenkam. Der Herzog von Tolnoxo stellte uns Reittiere zur Verfügung. Ihr könnt mir glauben — ich war wie begeistert, mich seiner Truppe anzuschließen. Wir hätten einige Schritte sparen können, hätten wir im Dorf auf sie gewartet, denn am Nachmittag kamen wir dorthin zurück. Brachten ihnen ihr Maultier wieder, was den Eigentümer sehr freute.« Er blickte dy Cabon an. »Vielleicht hätte ich dy Cabon zum Tempel in Maradi schicken sollen. Er hätte dort womöglich Liss einholen können. Aber er wollte sich nicht von mir trennen.«
Dy Cabon nickte zustimmend und sagte widerstrebend und leise: »Zwei jämmerliche Tage habe ich in dy Tolnoxos Tross verschwendet. Anschließend waren sämtliche Körperteile von mir, die mit dem Sattel in Berührung kamen, wund geklopft. Aber selbst ich konnte merken, dass wir zu langsam vorankamen.«
»Allerdings, so sehr ich mich auch darüber beklagt habe.« Foix verzog das Gesicht. »An der Grenze gaben die Tolnoxer auf. Sie behaupteten, die Truppe aus Jokona würde sich in Dutzende von Grüppchen aufteilen und überall verstreuen, und nur die Männer aus Caribastos, die sich in ihrem eigenen Land auskannten, könnten sie noch einfangen. Ich führte an, dass wir nur einer einzigen Gruppe folgen müssten. Dy Tolnoxo stellte es mir frei, mir ein Pferd zu nehmen und es zu versuchen. Ich hätte es beinahe getan, nur um ihn zu beschämen. Hätte ich vielleicht tun sollen — ich wäre womöglich rechtzeitig zu Lord Arhys’ Willkommensfeier erschienen. Aber der Geistliche war verrückt danach, mich zurück nach Maradi zu schaffen. Und ich war besorgt wegen Liss, daher ließ ich mich überreden.«