Leben ohne Ende [Earth Abides - de]
- Автор: Стюарт Джордж
- Год: 1966
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- Переводчик: Ernst Sander
- Жанр: Пост-апокалипсис
Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
Im Weitergehen sah er, daß die Häuser zu beiden Seiten der Straße zusammengefallen waren. Wilder Wein klomm an ihnen empor.
Überall gewahrte er den Kampf zwischen heimischen Pflanzen, die in die Gärten zurückkehrten, und den Exoten, die hier früher angepflanzt und sorglich gepflegt worden waren.
Als er zum Universitätsgelände kam, mußte er erst einen Hain italienischer Pinien durchschreiten. Hier herrschte weniger Wirrwarr als in den Gärten längs der Straße, weil die Pinien sich ausgebreitet hatten und einen Baldachin bildeten, unter dem spärliches Gras wuchs. Es wirkte noch immer wie ein Park.
Dicht bei einem der Bäume sah er eine große Klapperschlange in der Sonne liegen. Sie schien erstarrt; sie hatte sich wohl noch nicht ganz von der Nachtkälte erholt. Er hätte sie unschwer töten können. Einen Augenblick zögerte er; dann ging er weiter.
Ja — einmal war er gebissen worden, und er erinnerte sich noch des Schrecks. Aber er empfand keinerlei Feindschaft gegen die gesamte Gattung der Klapperschlangen. Möglicherweise hatte jener Biß ihm das Leben gerettet. Vielleicht war weit eher Dankbarkeit als Feindseligkeit am Platz.
Er ging weiter; er durchschritt einen fast völlig überwachsenen, steinernen Torweg; er ging über eine Holzbrücke. Er spürte, wie sie unter seinen Füßen schwankte. Sie war immer eine alte Brücke gewesen, wie er sich erinnerte; schon als Junge hatte er gemeint, sie sei sehr alt. Längs des Baches war das Gestrüpp dicht, und er mußte sich einen Weg hindurchbahnen, obwohl er unter seinen Füßen noch Asphalt spürte.
Er hörte es im Gebüsch rascheln und wurde nervös, da er ohne Waffe war. Es konnte ja ein Berglöwe sein. Wölfe und wilde Hunde trieben sich ebenfalls gern an diesen mit Dickicht bewachsenen Bachläufen herum.
Aber als er wieder ins Freie kam, sah er nur ein Reh zwischen den Bäumen hindurch weglaufen.
Jetzt erhob sich zu seiner Linken eins der Universitätsgebäude. Er wußte nicht mehr, welche Fakultät dort untergebracht gewesen war. Das Gesträuch, das ehedem säuberlich beschnitten wurde, war hoch und struppig aufgeschossen und verdeckte die unteren Fenster.
Er ging seinem Ziele zu. Er zwängte sich durch ein weiteres Dickicht; dann sah er das große Bibliotheksgebäude vor sich.
Er stand und schaute. Auch dieses Gebäude war halb verdeckt vom aufgeschossenen Strauchwerk. Ein Fenster war zerbrochen, wahrscheinlich, weil ein Kiefernzweig darüber hinweggewachsen war, der bei starkem Winde schwankte. Das war geschehen, seit er vor einer ganzen Reihe von Jahren zum letztenmal hier gewesen war. Er hatte die Universitätsbibliothek als Reserve für die Zukunft aufgespart.
Er umschritt die Bibliothek, wobei er hier und dort Mühe hatte sich einen Weg durch das Gestrüpp zu bahnen. Einmal mußte er über einen umgefallenen Kiefernstamm klettern. Soweit er sehen konnte, befand sich das Gebäude nach wie vor in gutem Zustand.
Schließlich kam er an das Fenster, das er vor vielen Jahren eingeschlagen und dann wieder mit Brettern vernagelt hatte. Mit dem Hammer löste er eins der Bretter. Er gab sorglich acht, daß er es nicht zerbrach, um es hernach wieder anbringen zu können. Es fiel ihm zu seiner Freude ein, daß nun schließlich doch noch ein vernünftiger Grund dafür bestand, daß er den Hammer mitgenommen hatte.
Nachdem er das Brett gelöst hatte, konnte er durch die Öffnung in das Gebäude hineinklettern. Er durchschritt die Halle und fand die alte Tür zu den Bücherräumen.
Er trat vor die vertrauten Büchergestelle, und trotz der seither verflossenen Jahre war ihm, als sei er heimgekehrt. Er überflog mit den Blicken die Reihen und begann nach Büchern zu suchen, die er gelesen und durchgearbeitet hatte.
Ein umfangreicher roter Leinenband zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Er streckte die Hand aus, nahm ihn aus dem Fach und blies den Staub vom Schnitt. Indem er seinen Fund anschaute, sah er den Verfassernamen Brooks und den Titeclass="underline" »Klimatische Veränderungen im Ablauf der Zeiten.« Er erinnerte sich des Buches. Als er es aufschlug, erblickte er vorn eingeklebt die Karte und stellte fest, daß der letzte Entleiher des Buchs — das Datum lag nur einen Monat vor dem Großen Unheil — jemand mit dem ungewöhnlichen Namen Isherwood Williams gewesen war. Erst nach ein paar Sekunden fiel ihm ein, daß er selbst Isherwood Williams war. Seit vielen, vielen Jahren hatte ihn niemand mit seinem vollen Namen angeredet. Jetzt fiel ihm ein, daß er dieses Buch während seines letzten Semesters gelesen hatte. Es war ein gutes und interessantes Buch, obwohl, wie er sich sonderbarerweise erinnerte, zum guten Teil überholt durch die neueren Forschungen eines Mannes namens — ja, er hatte einen deutschen Namen gehabt, vielleicht Zeimer.
Er legte den Hammer nieder, so daß er beide Hände für das Buch frei hatte. Dann ging er dorthin, wo ein Lichtschein durch ein verstaubtes Fenster fiel, und durchblätterte neugierig die Seiten. Gegenwärtig war dieses Buch ohne den mindesten Wert für den menschlichen Fortschritt. Klimatische Veränderungen stellten praktisch kein Problem dar. Überdies war das Buch schon damals überholt gewesen. Er konnte es ebensogut wegwerfen oder in Stücke reißen, tat es jedoch nicht. Er ging zurück und stellte es beinahe ehrfürchtig wieder an seinen Platz.
Dann ging er weiter, und plötzlich war alles in seinem Geiste wieder Staub und Asche. Wozu waren alle diese Bücher jetzt nütze? Warum sollte man sich über eins von ihnen Gedanken machen? Jetzt war niemand mehr da, der sie hätte entleihen können. Bücher an sich waren lediglich Holzschliff und Druckerschwärze; sie waren nichts ohne einen Geist, der sich ihrer bediente.
Sorgenerfüllt ging er weg, und gerade als er die Wendeltreppe hinabstieg, merkte er, daß ihm etwas fehlte. Er erschrak jäh und kehrte schleunigst in die Abteilung zurück, wo er das Buch aus dem Gestell genommen hatte. Mit dem Gefühl einer großen Erleichterung sah er den Hammer ruhig dort liegen, wo er ihn auf den Fußboden gelegt hatte. Er hob ihn auf und trat zum zweitenmal den Rückweg an.
Er kletterte durch das eingeschlagene Fenster hinaus und schickte sich mechanisch an, das Brett wieder an seine Stelle zu setzen. Dann hielt er inne. Abermals bemächtigte sich seiner ein Gefühl der Trostlosigkeit. Warum sollte er das Brett wieder anbringen? Es bedeutete keinen Unterschied. Es war niemand mehr da, der in Zukunft herkommen und lesen würde. Er wartete und schwang lässig den Hammer.
Schließlich befestigte er das Brett langsam und verdrossen und schlug mit dem Hammer wieder die Nägel ein. Es bestand kein Grund zu Schwung und Begeisterung. Es gab keine Hoffnung mehr. Doch dies gehörte zu seinem Leben.
Danach schlenderte er umher und setzte sich schließlich auf die Granitstufen des Eingangs der Bibliothek, um sich auszuruhen. Alles war überwuchert und halb zerfallen. Er schlug mit dem Hammer auf die Kante einer der Granitstufen. Es war purer Wandalismus. Für gewöhnlich tat er so etwas nicht. Ein Stück der Stufenkante splitterte ab. Mutwillig schlug er fester zu. Ein drei Zoll langes Stück Löste sich und fiel. Der frische Granitbruch sah rauh aus.
Als er so dasaß und mit dem Hammer spielte, konnte er zum erstenmal an Joey denken, ohne daß der Schmerz ihn übermannte. Was wäre denn geworden? Vielleicht wäre Joey gar nicht imstande gewesen, wirklich etwas zu unternehmen. Er war nur ein aufgeweckter kleiner Junge gewesen. Er hätte keinen Wandel herbeiführen können. Er hätte sich gegen Drang und Druck dieser veränderten Welt nicht behaupten können. Er würde immer nur gekämpft und gekämpft haben, und schließlich hätte er wohl als ein Erfolgloser dagestanden. Er wäre unglücklich gewesen.