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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Ish hörte, wie die Kinder darüber sprachen und Vermutungen darüber anstellten, wie der Name wohl lauten würde. Die jüngeren sagten, es müsse »Das Pfeil-und-Bogen-Jahr« genannt werden. Aber die etwas älteren, die sich deutlicher des gesamten Jahresablaufs erinnern konnten, sagten, man müsse es vielmehr »das Jahr der Reise« nennen. Doch die noch älteren gedachten auch anderer Geschehnisse, und oftmals schwiegen sie und gerieten in Verlegenheit, und dann wußte Ish, daß sie an Charlie und die anderen Toten dachten. Ish selbst dachte vor allem an Joey und dann an die Wandlung seiner Grundhaltung, die er während dieses Jahres durchlebt hatte.

Als sie dann schließlich eines Abends Ausschau hielten, gewahrten sie, daß die Sonne an der gleichen Stelle wie am Abend vorher unterging, und vielleicht gar ein bißchen weiter nördlich; die älteren sagten, anderntags solle das Fest begangen werden, und die Kinder waren wild begeistert.

So versammelten sie sich denn am Ende des zweiundzwanzigsten Jahres abermals am Felsen, und Ish hieb mit Hammer und Meißel die 22 genau unter die 21 in das Gestein. Sie waren alle gekommen, denn es war schönes und für einen Wintertag warmes Wetter. Die Mütter hatten sogar ihre jüngsten Babys mitgebracht. Nachdem die Jahreszahl eingemeißelt war, riefen alle, die alt genug waren, um schon sprechen zu können, laut: »Prosit Neujahr!« wie es in den Alten Zeiten üblich gewesen und wie es jetzt noch immer üblich war.

Doch als Ish auf Grund des Rituals, das sich während der letzten Jahre herausgebildet hatte, fragte, wie das Jahr benannt werden solle, entstand ein jähes Schweigen.

Der einzige, der schließlich etwas sagte, war Ezra, der gute Helfer, der Menschenkenner:

»Letztes Jahr ist zu viel geschehen, und wie wir es auch benennen könnten: es wäre stets ein böser Unterton dabei. Für die Menschen sind Zahlen etwas Tröstliches, und von Zahlen gehen keine schlimmen Gedanken aus. Laßt uns dem Jahr keinen Namen geben. Wir wollen uns seiner erinnern als des Jahres 22.«

Hier endet der Zweite Teil. Es folgt das zweite Zwischenkapitel, betitelt »Eilende Jahre«, das sich unmittelbar anschließt.

EILENDE JAHRE

Wieder einmal flossen die Jahre eilends dahin, und jetzt kämpfte Ish nicht länger und schlug sich nicht mehr mit Problemen herum, sondern ließ sich guten Muts von der Strömung treiben.

In jenen Jahren bauten sie ein wenig Mais an, nicht zuviel, aber genug, um im Herbst eine bescheidene Ernte zu erzielen und Saatgut übrigzubehalten. In jedem Herbst, als gebe der erste Regen das Zeichen dazu, spielten die Kinder eine Zeitlang mit Pfeil und Bogen, ehe sie des Spiels wieder müde wurden. Dann und wann kamen die Erwachsenen zu einer Besprechung zusammen, die wie eine Gemeindeversammlung war, und was dort beschlossen wurde, das war, jeder wußte es, bindend für alle.

»Diesen Brauch wenigstens«, dachte Ish, »habe ich in die Zukunft hinübergerettet!« Die jedoch bei dergleichen Versammlungen sprachen, das waren in von Jahr zu Jahr steigendem Maß junge Menschen. Natürlich führte Ish den Vorsitz. Er saß, das Gesicht ihnen zugewandt, und wer zu sprechen wünschte, erhob sich und bat ihn voller Ehrfurcht ums Wort. Er saß da, hielt seinen Hammer oder hatte ihn, den schwankenden Stiel nach oben, neben sich stehen. Wenn die Auseinandersetzung zwischen zwei jungen Leuten zu heftig wurde, klopfte Ish mit dem Hammer, und sogleich wurden die jungen Menschen ruhig und nachgiebig. Aber wenn er selbst sprach, hörten sie zwar genau zu, schenkten aber oftmals hernach seinen Ideen keinerlei Beachtung.

So flossen die Jahre dahin — das Jahr 23, das des »Tollen Wolfes«, das Jahr 24, das »Brombeerjahr«, das Jahr 25, das des »Langen Regens«.

Dann kam das Jahr 26, und der alte George war nicht mehr unter ihnen. Nach seinem Tode wurden die Dächer nie wieder so gut ausgebessert, und die Zäune wurden nie wieder gestrichen. Maurine lebte noch ein Weilchen in dem sauberen Hause mit den rotfransigen Hängelampen, die nie wieder brennen würden, mit der Radiotruhe, die stumm blieb, und den Spitzendeckchen auf den Tischen. Aber sie war zu alt, und sie starb, noch ehe das Jahr zu Ende ging. So nannten sie es denn »das Jahr, da George und Maurine starben«.

Und weiter rannen die Jahre — 27, 28, 29, 30. Es war jetzt schwierig, sich die Namen zu merken, und die Gründe für die Benennung. Kam das »Jahr des guten Maises« vor dem »Jahr der roten Sonnenuntergänge«, oder kam es nach dem »Jahr, da Evie starb«?

Die arme Evie! Sie wurde bei den andern begraben, und wenigstens jetzt bestand kein Unterschied mehr zwischen ihr und ihnen. All diese Jahre hatte sie unter ihnen gelebt, und niemand hatte je gewußt, ob sie sich wohl gefühlt hatte und ob es recht gewesen war, sie am Leben zu erhalten. Nur einmal während der ganzen Zeit war sie in den Mittelpunkt gerückt, wenn auch nur für wenige Stunden; damals, als Charlie gekommen war, hatte sie eine wichtige Rolle gespielt. Nun war sie tot, und die jungen Menschen vermißten sie kaum; nur die älteren vergegenwärtigten sich, daß ihr Hinscheiden abermals das Abreißen einer Verbindung zu den Alten Zeiten bedeutete.

Nach Evies Tode waren nur noch fünf übrig, die von Anfang an dagewesen waren. Jean und Ish waren die jüngsten dieser fünf, und es zeigten sich an ihnen die geringsten Spuren des Alters, obwohl Ish von seiner alten Wunde her immer stärker hinkte. Molly klagte über unbestimmte Krankheiten und weinte oft. Ezra hustete trocken. Selbst Ems Gang war weniger sicher und nicht mehr von königlicher Anmut. Doch im Grunde waren sie alle für Leute ihres Alters erstaunlich gesund, und ihre verschiedenen Gebrechen rührten in der Hauptsache vom immer näher rückenden Greisenalter her.

Das Jahr 34 war bedeutsam! Vor einiger Zeit hatten sie herausbekommen, daß eine andere, freilich kleinere Menschenschar nördlich der Meeresbucht lebte; aber das Überraschende war, daß jene andern einen Boten sandten und eine Vereinigung vorschlugen. Ish hielt den jungen Menschen in gehöriger Entfernung, denn er wünschte keine Wiederholung der Angelegenheit Charlie. Als er von dem Boten alles erfahren, was er hatte wissen wollen, berief er eine Versammlung ein.

Ish saß mit dem Hammer da, denn es war ein feierlicher Augenblick. Es entstand ein hitziges Hinundhergerede.

Ish, zusammen mit Ezra, widersetzte sich der Vereinigung, in allzu großer Furcht vor ansteckenden Krankheiten, und Jack, Ralph und Roger, die ältesten der jüngeren Leute, gedachten des Jahres 22 und unterstützten Ish und Ezra. Aber die noch jüngeren Männer, zumal die unverheirateten, verlangten die Vereinigung, und Ish merkte, daß der Gedanke an die Mädchen des andern Stammes sie aufregte.

Dann sprach Em. Ihr Haar war jetzt ganz grau, aber ihre ruhige Stimme ließ alle aufhorchen. »Ich habe es schon früher gesagt«, sagte sie, »daß man nicht leben kann, wenn man das Leben verleugnet. Unsere Söhne und Enkel brauchen Frauen. Vielleicht kommt gleichzeitig der Tod, aber darauf müssen wir ohnehin gefaßt sein.«

Nicht so sehr durch das, was sie gesagt hatte, als durch den Geist, den sie ausströmte, faßten sie alle Mut. Sie stimmten ausnahmslos dafür, die anderen aufzunehmen.

Diesmal hatten sie Glück; denn die einzige Epidemie bestand darin, daß »Die Andern« sich an den Masern ansteckten, sich aber rasch wieder erholten.

Nach jener Zeit gab es stets eine Zweiteilung innerhalb des »Stammes«, etwa zwei Sippen vergleichbar: »Die Ersten« und »Die Andern«. Wenn Angehörige verschiedener Sippen einander heirateten, so gehörten die Kinder der Sippe des Vaters an, obwohl Ish sich gefragt hatte, ob man nicht der Mutterlinie den Vorrang geben solle, wie es bei vielen primitiven Völkern der Fall gewesen war. Doch die alte amerikanische Tradition erwies sich als zu stark.

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