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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Er zupfte an der Sehne. Sie klang kaum, aber sie schwang auf eine befriedigende Weise, dumpf und zitternd. Er meinte, für diesen Tag könne er mit der Arbeit aufhören. Er entspannte den Bogen.

Am folgenden Tage schnitt er sich, um einen Pfeil zu fertigen, einen gerade gewachsenen Zweig von einem Fichtenbaum. Das weiche, frische Holz ließ sich leicht bearbeiten, und in einer halben Stunde war er mit dem Schnitzen des Pfeils fertig. Dann rief er die Kinder. Walt und Josey kamen herbei, und Weston kam gleichfalls.

»Nun wollen wir sehen, wie er schießt«, sagte Ish.

Er zog die Sehne zurück und ließ sie los. Der ungefiederte Pfeil flog unsicher; aber da Ish in einem großen Winkel gezielt hatte, flog der Pfeil fünfzig Fuß, ehe er, zufällig mit der Spitze nach unten, in den Boden fuhr.

Sogleich merkte er, daß die Mühe sich gelohnt hatte. So etwas hatten die drei Kinder noch nie gesehen, und so standen sie einige Augenblicke mit großen Augen da. Dann liefen sie jauchzend davon und holten den Pfeil. Ish schoß ihn um ihretwillen immer wieder ab.

Schließlich kam die unvermeidliche Frage, auf die Ish gewartet hatte.

»Laß mich auch mal, Papa!« sagte Walt.

Walts erster, unsicherer Schuß ging nur zwanzig Fuß weit, aber die Sache machte ihm Spaß. Dann versuchte Josey es, und dann wieder Walt.

In der Zeit vor dem Abendessen schnitzte jedes Kind des »Stammes« eifrig an einem eigenen Bogen herum.

Alles ging glatter vonstatten, als Ish es zu hoffen gewagt hatte. Innerhalb einer Woche schien rings um die Häuser die Luft von ungeschickt abgeschossenen Pfeilen zu schwirren. Die Mütter fingen an, über ausgeschossene Augen zu unken, und zwei Kinder liefen heulend ins Haus, weil sie an verschiedenen Teilen ihres Körpers von Pfeilen getroffen waren. Aber da die Pfeile keine Spitzen hatten und die Bogen schwach waren, kam es zu keinerlei ernsthaften Verletzungen.

Es mußten Spielregeln aufgestellt werden. »Ihr dürft nicht dorthin schießen, wo Jemand steht.« — »Ihr dürft nicht in der Nähe der Häuser schießen.«

Nach und nach wuchs die Geschicklichkeit. Wie sie es bei den älteren, mit Gewehren schießenden Jungs gesehen hatten, veranstalteten die Kinder Wettschießen nach einer Scheibe. Sie versuchten es mit Bogen von unterschiedlicher Größe und Form. Als Josey klagte, daß Walt sie stets im Schießen übertreffe, gab ihr Ish heimlich den Rat, sie solle einmal versuchen, ein paar Wachtelfedern am Ende ihres Pfeils zu befestigen. Sie tat es, übertraf Walt, und plötzlich waren alle Pfeile am Ende mit Wachtelfedern versehen, flogen weiter und trafen genauer. Selbst die älteren Jungs bekamen Interesse, und einige fertigten sich Bogen, obwohl sie mit Gewehren schießen durften. Doch das Bogenschießen blühte zumal unter denen, die zu jung waren, um mit Gewehren umzugehen.

Ish wartete seine Zeit ab. Die frühen Regenschauer hatten den Grassamen aufsprießen lassen, und nun grünte es überall. Am Abend sank die Sonne hinter den Bergen südlich des Goldenen Tores.

Walt und Weston, die beiden Zwölfjährigen, waren jetzt tief in eine jungenhafte Verschwörung verstrickt. Sie befaßten sich ausgiebig mit Bogen und Pfeilen und vervollkommneten sie. Damit verbrachten sie tagtäglich viele Stunden.

Eines Tages, es war schon gegen Abend, hörte Ish draußen auf der Treppe das Getrappel aufgeregter Knabenfüße. Walt und Weston stürzten ins Zimmer.

»Sieh mal, Papa!« rief Walt und hielt Ish ein kläglich aussehendes, totes Kaninchen hin, das von einem Holzpfeil durchbohrt war.

»Sieh mal!« rief Walt nochmals. »Ich habe hinter einem Busch gestanden und gewartet, bis es dicht an mir vorbeihoppelte, und dann habe ich es durch und durch geschossen.«

Ish verspürte Mitleid mit dem armen Tier, obwohl er sich bewußt war, daß dies ein Sinnbild seines Triumphes sei. Scheußlich, dachte er, daß selbst das Schöpferische sich des Todes bedienen muß.

»Fein!« sagte er. »Fein, Walt! Das war ein guter Schuß!«

11

Noch immer ging Tag für Tag die Sonne am wolkenlosen Himmel weiter südlich unter. Sie befand sich jetzt unmittelbar vor der Wende. Das klare Wetter dauerte an.

Eines Tages, und zwar so unvermittelt, daß man sich beinahe versucht fühlte, den genauen Augenblick anzugeben, da es geschah, wurden die Kinder des Spiels mit Pfeil und Bogen müde und wandten sich begeistert etwas anderem zu. Ish machte sich deswegen keine Gedanken. Er wußte, daß sie nach Kinderart wieder darauf zurückkommen würden, vielleicht übers Jahr um die gleiche Zeit. Das Verfertigen von Bogen und das Schießen mit Pfeilen würde nicht in Vergessenheit geraten. Zwanzig Jahre lang, hundert Jahre lang, wenn es not tat, würde der Bogen ein Kinderspielzeug bleiben. Wenn schließlich die Munition ausgegangen war, dann war er noch immer da. Er war die beste Waffe, die der primitive Mensch je gekannt, und die am schwierigsten zu erfindende. Wenn Ish diese Waffe für die Zukunft gerettet hatte, so hatte er sehr viel gerettet. Waren die Gewehre nutzlos geworden, so brauchten seine Urenkelkinder dem Angriff des Bären nicht mit leeren Händen zu begegnen, so brauchten sie nicht inmitten der Viehherden Hungers zu sterben. Seine Urenkelkinder würden nichts von der Zivilisation wissen, aber sie würden wenigstens nicht auf allen vieren laufende Halbaffen sein, sondern als freie Menschen aufrecht gehen, in der Hand den Bogen. Selbst wenn sie keine Metallmesser mehr haben sollten, konnten sie sich mit Hilfe scharfer Steine Bogen anfertigen.

Er plante ein weiteres Experiment; doch damit hatte es keine Eile. Nun sie Bogen hatten, konnte er einen Bogenbohrer herstellen und die Kinder dessen Gebrauch lehren. Wenn dann sämtliche Streichhölzer aufgebraucht waren, wußte der »Stamm« wenigstens, wie man Feuer entzündete.

Doch wie es bei den Kindern der Fall gewesen war, kühlte auch seine Begeisterung sich im Verlauf der nächsten Wochen ab. Immer seltener gedachte er seines Triumphes, der Erfindung des Bogens und der Überlistung der Kinder, ihren Spaß damit zu haben. Vielmehr dachte er über das Unheil nach, das das Jahr gebracht hatte. Joey war gestorben, und dieser Verlust konnte nie wieder wettgemacht werden. Auch war der Welt, man könnte sagen, ihre junge Unschuld genommen worden, als sie zu viert jenes Wort auf ihre Zettel geschrieben hatten. Und er hatte viel Selbstvertrauen und Zuversicht eingebüßt, als er schließlich merkte, daß er auf seinen Traum vom Wiedererstehen der Zivilisation verzichten mußte.

Jetzt war die Sonne so nahe an den südlichsten Punkt ihrer Bahn herangerückt, daß in etwa zwei Tagen wohl ihre Wende erfolgte. Jedermann traf Vorbereitungen für den Feiertag, die Einmeißelung der Jahreszahl in die Felsplatte und die Benennung des Jahres. Es war dies unter allen, die sie begingen, der größte Feiertag, da er das Weihnachtsfest und den Neujahrstag der Alten Zeit zusammenfaßte und darüber hinaus ihr eigenes, ganz besonderes Fest war. Gleich so vielen anderen Dingen hatten auch die Feiertage beim Übergang von einer Welt in die andere merkwürdige Wandlungen erfahren. Nach wie vor feierten sie das Erntedankfest durch ein ausgiebiges Abendessen; aber der 4. Juli und alle andern vaterländischen Festtage wurden vernachlässigt. George, der an der Überlieferung hing und ein guter Patriot gewesen war, ließ stets die Arbeit ruhen und zog seinen besten Anzug an, wenn er meinte, es sei »Tag der Ruhe«. Aber niemand feierte mit ihm. Seltsamerweise oder vielmehr natürlicherweise hielten sich die alten volkstümlichen Festtage länger als die gesetzlich festgelegten. Nach wie vor feierten die Kinder den Narrentag und den Halloween-Abend mit großer Begeisterung und den überlieferten Bräuchen, obwohl sie das alles von ihren Eltern hatten lernen müssen. Auch redeten sie sechs Wochen nach der Wintersonnenwende vom »Eichhörnchen-Tag« und davon, ob das Eichhörnchen seinen Schatten sehen könne; denn da in dieser Gegend keine Wildschweine vorkamen, hatten sie statt ihrer die Eichhörnchen untergeschoben. Doch das alles wog gering im Vergleich zu dem großen Fest, wenn die Jahreszahl eingemeißelt wurde und das Jahr seinen Namen erhielt.

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