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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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Ihre Gastgeber behielten sie vier Tage lang im jüdischen Viertel. Sie hatten reichlich Nahrung und eine ergiebige Quelle. Die Juden von Nazik waren liebenswürdig und höflich, und obwohl die Sonne heiß vom Himmel brannte, schliefen die Reisenden in einer kühlen, aus Steinen errichteten Scheune auf sauberem Stroh. Aus der Stadt hörte Rob den Lärm der Schlägereien und Gelage, das Splittern von Möbeln, und einmal kam ein Steinhagel von der anderen Seite der Mauer herüber, doch es wurde niemand verletzt.

Nach vier Tagen war alles ruhig. Einer der Söhne des rabbenu wagte sich hinaus und stellte fest, dass die Türken vom Feiern erschöpft und als Folge des wilden Gelages verträglich waren. Am nächsten Morgen konnte Rob mit seinen Reisegefährten Nazik guten Mutes verlassen. Nun folgte ein Treck durch einen Landstrich ohne jüdische Siedlungen und deren Schutz. Drei Tage, nachdem sie Nazik verlassen hatten, erreichten sie eine Hochebene mit einem großen stehenden Gewässer, das von einem breiten, weißen, von Sprüngen durchzogenen Schlammrand umgeben war. Sie stiegen von ihren Eseln ab.

»Das ist der Urmiasee«, erklärte Lonzano, »ein seichtes Salzgewässer. Im Frühjahr schwemmen die Bäche Minerale von den Berghängen an. Aber es gibt keinen Wasserlauf, der den See entwässert. Nur die Sommersonne trocknet das Wasser aus, und das Salz lagert sich dann am Rand ab. Nehmt eine Prise Salz und legt sie Euch auf die Zunge!«

Rob kostete vorsichtig und verzog das Gesicht. Lonzano grinste. »So schmeckt Persien.«

Es dauerte einen Moment, bis Rob begriff. »Wir sind in Persien?«

»Ja. Hier verläuft die Grenze.«

Rob war enttäuscht. Es war eine so lange Reise gewesen... und das war alles?

Lonzano begriff. »Macht Euch nichts daraus. Ihr werdet bestimmt von Isfahan begeistert sein. Wir sollten lieber aufsitzen, wir haben noch tagelang zu reiten.«

Doch vorher pißte Rob in den Urmiasee, um dem Salz Persiens einen Schuß englischen Spezificums beizufügen.

Der Jäger

Arieh zeigte seine Abneigung deutlich. Zwar hielt er vor Lonzano und Loeb seine Zunge im Zaum, doch wenn die beiden außer Hörweite waren, galten seine bissigen Bemerkungen Rob. Selbst wenn er zu den beiden Juden sprach, war er oft alles andere als freundlich. Rob war größer und stärker. Manchmal kostete es ihn seine ganze Willenskraft, Arieh nicht zu schlagen. Lonzano bemerkte es. »Ihr müßt ihn übersehen.« »Arieh ist ein...« Das persische Wort für Bastard fiel Rob nicht ein. »Nicht einmal zu Hause ist Arieh ein angenehmer Mensch, aber besonders schlimm ist er auf Reisen. Als wir Masqat verließen, war er erst ein knappes Jahr verheiratet. Er hat einen neugeborenen Sohn und wollte nicht von daheim weg. Seither ist er die ganze Zeit verdrossen.« Er seufzte.

»Wir alle haben eine Familie, und es ist oft hart, auf Reisen und fern von zu Hause zu sein, besonders am Sabbat und an Feiertagen.« »Seit wann seid ihr von Masqat fort?« fragte Rob.

: »Es sind jetzt siebenundzwanzig Monate.«

»Wenn das Leben eines fahrenden Kaufmanns so entbehrungsreich und einsam ist, warum bleibt Ihr dann dabei?« Lonzano sah ihn an. »Ein Jude überlebt eben auf diese Weise.«

Sie umritten den Urmiasee im Nordosten und befanden sich bald wieder zwischen hohen, baumlosen Bergen. Sie übernachteten bei Juden in Tebria und Takestan. Rob merkte kaum einen Unterschied zwischen den Orten und den Dörfern in der Türkei. Es waren öde, auf steinigem Geröll erbaute Bergdörfer, in denen die Menschen im Schatten schliefen und Ziegen beim Gemeindebrunnen herumstreunten. Kashan war auch so, aber Kashan hatte einen Löwen über dem Tor. Einen wirklichen, riesigen Löwen.

»Das ist ein berühmtes Tier, es mißt fünfundvierzig Spannen von der Schnauze bis zum Schwanz«, erklärte Lonzano stolz, als wäre es sein Löwe. »Er wurde vor zwanzig Jahren von Abdallah Schah, dem Vater des jetzigen Herrschers, erlegt. Er richtete sieben Jahre lang großen Schaden unter den Viehherden dieses Gebietes an, und schließlich brachte ihn Abdallah zur Strecke. In Kashan findet jedes Jahr am Jahrestag der Jagd eine Feier statt.«

Nun hatte der Löwe getrocknete Aprikosen statt der Augen und ein Stück roten Filzes als Zunge, und Arieh wies verächtlich darauf hin, daß er mit Lumpen und trockenem Unkraut ausgestopft sei. Generationen von Motten hatten das von der Sonne getrocknete Fell stellenweise bis auf die nackte Haut abgefressen, aber die Beine des Löw6n waren wie Säulen, und er hatte noch immer seine großen Zähne, die scharf wie Lanzenspitzen waren, so daß Rob eine Gänsehaut bekam, als er sie sah.

»Ich möchte so einem Tier nicht gern begegnen.« Arieh lächelte überlegen. »Die meisten Menschen gehen durch das Leben, ohne jemals einen Löwen zu sehen.«

Der mbbenu von Kashan war ein vierschrötiger Mann mit rotblondem Haar und Bart. Er hieß David ben Sauli der Lehrer, und Lonzano sagte, daß er schon einen Ruf als Gelehrter besitze, obwohl er noch jung sei. Er war der erste rabbenu, den Rob sah, der einen Turban anstelle eines jüdischen Lederhutes trug. Als er sprach, zeigten sich wieder die Sorgenfalten in Lonzanos Gesicht.

»Es ist gefährlich, die Route nach Süden durch die Berge zu nehmen«, warnte sie der rabbenu. »Ein großer Verband von Seldschuken versperrt dort den Weg.« »Wer sind die Seldschuken?« fragte Rob.

»Sie sind ein Hirtenvolk, das statt in Dörfern in Zelten lebt«, antwortete Lonzano. »Mörder und wilde Kämpfer.

Sie fallen in den Gebieten zu beiden Seiten der Grenze zwischen Persien und der Türkei ein.« »Ihr könnt nicht durch die Berge ziehen«, beschied der rabbenu traurig. »Die Krieger der Seldschuken sind wilder als Straßenräuber.« Lonzano sah Rob, Loeb und Arieh an. »Dann bleiben uns nur zwei Möglichkeiten. Wir können hier in Kashan warten, bis die Schwierigkeiten mit den Seldschuken vorbei sind, was viele Monate, vielleicht ein Jahr dauern kann, oder wir können die Berge und die Seldschuken umgehen und durch die Wüste und dann durch die Wälder nach Isfahan gelangen. Ich bin noch nie durch die Wüste Dasht-i-Kavir gezogen, habe aber andere Wüsten durchquert und weiß, wie furchtbar das ist.« Er wandte sich an den rabbenu. »Kann man sie durchqueren?«

»Ihr müßt nicht durch die ganze Dasht-i-Kavir, das verhüte der Himmel«, meinte der rabbenu bedächtig. »Ihr müßt nur einen Teil davon durchqueren, eine Reise von drei Tagen nach Osten und dann nach Süden. Ja, manche wagen es. Wir können euch die Route beschreiben, die ihr reiten sollt.«

Die vier blickten einander an. Schließlich brach Loeb, der nicht gerne viele Worte machte, das bedrückte Schweigen. »Ich will nicht ein Jahr lang hierbleiben«, entschied er und sprach damit den anderen drei aus dem Herzen.

Jeder kaufte einen großen Wassersack aus Ziegenleder und füllte ihn vor der Abreise aus Kashan. Der volle Sack wog schwer. »Brauchen wir soviel Wasser für drei Tage?« fragte Rob.

»Man muss mit unvorhersehbaren Zwischenfällen rechnen, wir werden uns vielleicht länger in der Wüste aufhalten«, gab Lonzano zu bedenken. »Und Ihr müßt Euren Wasservorrat mit Euren Tieren teilen, denn wir durchqueren die Dasht-i-Kavir mit unseren Eseln und Maultieren und nicht mit Kamelen.« Ein Führer aus Kashan begleitete sie auf einem alten Schimmel bis zu

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