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Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]

Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:

Lange bevor Cyberspace und virtuelle Welten zu einem festen Bestandteil der allgemeinen Diskussion wurden, hat sich Herbert W. Franke (geb. 1927), theoretischer Physiker, Kybernetikfachmann, Pionier der Computerkunst und Science-fiction-Autor, in seinen wissenschaftlichen und belletristischen Arbeiten mit diesen Themen auseinandergesetzt. Mit Einsteins Erben liegen drei der erfolgreichsten Bücher von H. W. Franke wieder vor: In seinem Roman Zone Null entwirft er in Form eines spannenden Expeditionsberichts das Bild einer computerisierten Zivilisation, deren Angehörige, aller materiellen Sorgen enthoben, sich ganz dem widmen können, was sie interessiert: der Forschung, der Kunst, dem Spiel. Aber ist solch ein technisches Paradies ein erstrebenswertes menschliches Ziel? In Ypsilon minus zeigt Franke eine totalitäre Technokratie, in der elektronische Überwachungsanlagen die absolute Kontrolle aller Menschen ermöglichen. Beides, totale Freiheit und totale Kontrolle, sind Extremfälle der technischen Entwicklung. Sind warnende Beispiele für falsche zivilisatorische Entwicklungen. Probleme und ihre Lösung bilden auch den Kern des Erzählbandes Einsteins Erben: Informationsexplosion, Überbevölkerung, Umweltverschmutzung, die Anwendung von Kybernetik und Biotechnik sind die Themen dieser Erzählungen, die »an wissenschaftlicher Phantastik und spannendem Aufbau nicht zu wünschen übriglassen« (Neue Zürcher Zeitung).
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Daniel versuchte zu fliehen. Er kroch einige Meter weiter, schleppte sich auf seinem gesunden Bein dahin – viel zu langsam.

Das Gebilde kam nicht an ihn heran, es hielt dort, wo er hereingekommen war, das Auge drehte sich, tastete rundum.

Dann bewegten sich die Gliedmaßen wie Spinnenbeine, ein konisches Gebilde, an einem Teleskoparm befestigt, wurde ausgefahren. Ein Zischen, ein pendelndes Hin und Her …

Der herabhängende Draht war entfernt worden, der konische Gerätekopf legte sich an eine Stelle der Wand, bewegte sich langsam und gleichmäßig auf einer Geraden durch die Luft, ließ einen hellbraunen Strich hinter sich zurück …

Die Leitung befand sich wieder dort, wo sie sich ehedem befunden hatte, das System war wieder vollständig, die Ordnung war wieder hergestellt. Das Gebilde – ein Robotwagen, über die Metallschiene herangeleitet. Irgendwo befand sich eine leitende Instanz, das Gehirn eines Kontrollsystems, das allgegenwärtig war. Wahrscheinlich war auch keine Anlage ausgefallen, wahrscheinlich gab es Sicherungen gegen alle Arten von Störungen – obwohl in diesem Bereich Menschen nichts zu suchen hatten.

Pamela? Was tat sie hier? Konnte man hier untertauchen? Ein eigenes Leben führen? Konnte man von hier aus Einfluß nehmen auf die Abläufe der anderen Seite? Konnte man stören, sabotieren?

Daniel hielt die Augen geschlossen, die Erschöpfung übermannte ihn, er schlief nicht, aber er war auch nicht wach, er döste vor sich hin, Gestalten zogen an ihm vorbei, Szenen der jüngsten Vergangenheit, nicht in einer logischen Folge, sondern ungeordnet, er nickte ein, ohne daß die Bilder verschwanden, schreckte auf …

Pamela stand neben ihm. Sie hatte zwei Krücken gebracht. Sie half ihm beim Aufstehen, schob die Stützen unter seine Achseln. Das kranke Bein hochgezogen, abgewinkelt, das gesunde trug ihn, stemmte er sich vorwärts, was wegen der Röhren und Kabel auf dem Boden schwierig war, kam langsam voran. Oft wurde es eng, an den Wänden hafteten Schaltungen, mechanische und chemische Apparate, Kameras, doch in Bodennähe über der Leitschiene blieb ständig ein Durchgang frei.

Es gab Kreuzungsstellen und Verzweigungen, Übergänge zu tieferen Stockwerken, doch sie blieben auf ihrer Ebene. In einer Gangerweiterung hielten sie. Zwischen unverkleideten Schaltungen ein massiver Sockel, in dem es summte, auf einem Bündel schraubig gewundener Röhren einige Decken. Daniel ließ sich hineinsinken, Pamela deckte ihn zu und kniete neben ihm nieder. Auf einem Drahtnetz, das zu einer Schaltung gehörte, hatte sie einen Koffer mit medizinischen Geräten abgestellt. Sie holte einen Injektionsspray heraus und sprühte ein schmerzlinderndes Mittel ein. Dann beschäftigte sie sich mit seinem Fuß, strich mit einem Pinsel eine eiskalte Flüssigkeit darüber, kramte ein Kästchen aus, richtete einen Parabolschirm auf den Knöchel und schaltete ein. Es zog und prickelte, aber es schmerzte nicht. Daniel hatte aber die deutliche Empfindung, daß Getrenntes wieder zusammenwuchs, Knochen an Knochen, Fleisch an Fleisch.

Pamela kniete noch immer neben ihm, zu ihm hinuntergebeugt, sie legte ihre Hände an seine Wange, seinen Hals, seine Schultern.

»Weißt du, was eine Mutter ist?« fragte sie zärtlich.

Daniel schüttelte den Kopf: »Nein.«

»Ich bin deine Mutter«, sagte sie eindringlich. »Und du bist mein Kind.«

»Ja«, antwortete Daniel.

»Du mußt mir alles sagen. Du mußt Vertrauen zu mir haben. Nur ich kann dir helfen.«

»Nur du«, sagte Daniel.

»Armer Junge«, sagte sie. »Was haben sie nur mit dir gemacht! Aber welche Schuld auch immer du auf dich geladen hast – die Mutter verzeiht alles. Das ist immer so gewesen, und wird auch immer so bleiben.«

»Ja. Ja.«

»Du bist anders als die andern, ich habe das gleich gefühlt, noch ehe ich dich erkannt habe. Aber auch die andern haben es bemerkt. Das ist der Grund dafür, daß sie dich von einer Verzweiflung in die andere jagen. Daß diese schrecklichen Dinge passieren.«

Sie schwieg, streichelte ihn, setzte von neuem an. »Ich kann dir helfen, bin die einzige, die dir helfen kann. Aber du mußt mir alles sagen. Wo bist du gewesen? Woher kommst du? Was hast du getan – draußen?«

Was hatte er getan? Er mußte es Pamela sagen, aber was war es nur?

»Warum verschweigst du mir etwas, ich meine es doch gut mit dir? Sag es, und alles ist gut!«

»Ich weiß es nicht.«

»Du darfst nicht lügen, sicher weißt du es. Wer hat dir verboten zu sprechen? Es gibt keinen Grund dafür, etwas zu verschweigen. Denk daran, wie böse sie sind! Du warst schrecklich allein, das ist nun vorbei. Du wirst mir alles erzählen, nicht wahr?«

Daniel wollte ihr alles erzählen, gewiß. Er war von außen gekommen, von irgendwoher. Hatte er – vom Tag der Reife an – sein Leben in einer der Städte verbracht wie alle andern? Gab es etwas Besonderes, das mit ihm zusammenhing? In irgendeinem Winkel seines Gehirns saß das Wissen – aber es war blockiert. Gab es ein Stichwort, einen Schlüssel? Er versuchte sich zu konzentrieren, Schweiß trat auf seine Stirn. Irgendwo, irgendwas? Gab es verborgene Bereiche – Dinge, Personen, Erlebnisse? Ein phantastisches Leben, freie Beweglichkeit? Sonne, Sturm und Sterne? Freunde und Feinde? Aufgaben und Ziele? Er merkte, daß er nahe herangekommen war.

»Da gab es …«

»Was gab es? Sag es, Liebling!« Pamelas Hand auf seiner Stirn, ihr Gesicht über dem seinen, der Ausdruck in ihren Augen …

Er hatte die Fährte verloren. Vergeblich. »Ich weiß nichts!«

»Das ist aber sehr böse von dir! Ich werde dich strafen müssen. Ich werde dir weh tun, schau so!« Sie schaltete den Apparat ab, von dem die heilende Strahlung in sein Bein gedrungen war. »Die Wirkung der Injektion hält nur kurz an! Dein Fuß ist noch nicht geheilt; genaugenommen: Er ist kaputt wie zuvor, gebrochen. Spürst du es?« Sie richtete sich ein wenig auf, und die Hand, die eben noch zärtlich seine Brust gestreichelt hatte, faßte nun den Fußrist und drehte kurz zur Seite. Der Schmerz lebte auf, unverzüglich, stärker als zuvor.

»Und so!« Sie drehte ruckartig nach der anderen Seite, er versuchte das Bein mitzudrehen, aber das gelang ihm nur beschränkt. Sie machte die Bewegung mit, drückte, bis sie den Widerstand der Sehnen und Bänder fühlte, und hebelte dann langsam auf und ab. »Pamela, bitte nicht. Es tut schrecklich weh!« keuchte er.

»Du mußt mir alles sagen! Dann höre ich sofort auf.«

»Aber ich weiß doch nichts! Ich weiß nichts …« Er schluchzte verzweifelt auf.

»Sie sind wirklich ein harter Brocken«, sagte Pamela. Sie ließ den Fuß plötzlich los, und sein Zurückschnellen trieb den Schmerz noch einmal auf die Spitze. Es wurde dunkel um ihn, einen Atemzug lang, er spürte leise Erschütterung … Als er die Augen öffnete, hatte sich die Umgebung geändert. Noch immer lag er auf den Decken, aber er befand sich auf einem Tisch, und rundherum standen Menschen: Solla, Fenner, dessen Kollege, Figueira, Miriam und der dunkelhaarige Unbekannte, der seine Tasche geraubt hatte.

»Stefano, zeig ihm die Tasche!« befahl Pamela.

Der Dunkelhaarige trat vor, hielt etwas hoch.

»Sie haben meine Tasche«, sagte Daniel.

»Ja. Man hat Ihnen ein Duplikat gegeben. Wir haben die echte Tasche. Und wir haben auch das, was drin ist.«

»Was ist es?« Trotz seiner Verwirrung war das Interesse an seiner Vergangenheit nicht erloschen – und wäre es auch nur deshalb, um Pamela endlich alles erzählen zu können. Denn dann hätte er Ruhe …

»Sie wissen es wirklich nicht?«

»Nein.«

»Zeig es ihm!«

Stefano griff hinein, zog einen Zettel heraus, hielt ihn Daniel vor die Augen. Daniel las:

Pavel 106

Greg 109

Josef 183

Tibor 165

Sonja 185

Dan 182

Notruf 200

Er ließ die Namen auf sich wirken. Ja, sie weckten Erinnerungen. Sie waren der Schlüssel. Doch wozu? Es lag lange zurück, durch Welten getrennt. Namen, Nummern, ein Leben voll Abenteuer …

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