Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
Zwei Dutzend der entarteten Geschöpfe mühten sich neben ihm, eine Reihe von strampelnden Gestalten, die er um Kopfeslänge überragte, ihre Schreie waren nun seltener zu hören, manche klangen erstickt oder klagend, dafür war der Saal nun von keuchendem Atem erfüllt, schwarze und blonde Schöpfe flogen, magere Arme suchten an dem Geländer nach Halt …
Daniel merkte, daß er müde wurde. Es hatte den Anschein, als liefe das Band stets ein wenig schneller, als es seinem eigenen Lauftakt entsprach; so war er gezwungen, das Tempo zu beschleunigen, schneller zu laufen, obwohl es sinnlos war, dem Band entkommen zu wollen. Nur vorn war das Geländer offen – lief man schnell genug, so erreichte man das rettende Podest … Ruhe – jetzt traten alle Fragen, Vermutungen und Erwartungen in den Hintergrund, seine Gedanken kreisten nur noch um die Bewegung der Beine, um das Tempo, die Müdigkeit, das sichere Ufer des Podests.
Worum lief er? Worum ging es? Sein Blick war nach vorn gerichtet – dort sah man eine Skala, vertikal angeordnet, ein rotes Licht stieg und sank, pendelte bald ein Stück höher, bald ein Stück tiefer auf und ab. Darunter, auf einer Schale, lag ein kleiner blinkender Gegenstand, silbern und rot.
Ihm war, als füllten sich seine Schenkel mit Blei. Er war solche Anstrengungen nicht gewohnt, sein Körper war schwerer als jene der anderen Läufer rechts und links von ihm. Er nahm seine ganze Kraft zusammen, konzentrierte sich auf eine große Anstrengung und erhöhte schlagartig das Lauftempo, um auf das Podest springen zu können. Genauso rasch aber beschleunigte das Band seinen Lauf, und nun mußte er das erhöhte Tempo durchhalten, das die letzten Reserven aus ihm peitschte.
Er taumelte, drohte das Gleichgewicht zu verlieren. Er tastete nach dem Geländer, um sich zu stützen, doch zuckte seine Hand zurück, noch bevor er sich des Schmerzes bewußt wurde: das Geländer war elektrisch geladen.
Laufen und kein Ende …
Er war über sich selbst verwundert, daß er noch durchhielt. Seine Beine bewegten sich gegen den Widerstand einer zähen Masse, die Anstrengung, dagegen anzukämpfen, war schmerzhaft.
Er wurde langsamer …
Auch die Laufgeschwindigkeit des Bandes ließ nach, aber nicht genug – es lief immer noch schnell.
Daniel schwankte hin und her, stürzte. Das Band trug ihn nach hinten, er prallte an einer Wand an, ein elektrischer Schlag, er überschlug sich, rollte … immer wieder wurde er gegen das Geländer geschleudert, er kugelte auf dem Band, prallte auf …
Stille …
Nur ein paar Sekunden, dann wieder Geschrei – gierig, triumphierend.
Er fühlte sich emporgehoben, auf die Beine gestellt. Ein Primi stand dicht neben ihm, stützte ihn. Der Primi hielt ihn zurück, griff nach dem glänzenden Gegenstand, schälte ihn aus dem Papier, ein hellbrauner Klumpen war darin eingewickelt, eiförmig … Die Hand des Primis vor seinem Mund, drückte die weiche, klebrige Masse darauf. Daniel wehrte sich, doch gegen die Kraft des Primis konnte er nichts ausrichten. Er mußte die Kiefer öffnen … sein Mund war ausgefüllt von einem penetrant süß schmeckenden Kloß … er rang nach Luft, kämpfte mit einem Erstickungsanfall, schluckte, klebriger Brei lief ihm aus den Mundwinkeln, er hustete …
Das Ärgste war vorüber, die Masse löste sich rasch auf, einen Teil würgte er hinunter, einen Teil spuckte er aus.
Inzwischen hatte ihn der Primi mit sich gezerrt, ihn auf das Luftkissenfahrzeug geschoben … plötzlich sah er sich inmitten der kleinen Wesen, die zwar noch immer schrien, aber nicht mehr so laut, ihre Unruhe schien gedämpft, einige saßen am Boden und leckten an der süßen Speise, beschmierten dabei Hände und Gesicht, kauten und schmatzten.
Das Gefährt setzte sich in Bewegung.
Bald glitt es rasch dahin, durch Dampfschwaden hindurch, durch lange Gänge, um Ecken herum, stets, wenn sie eine Kurve nahmen, fielen die kleinen Menschen durcheinander, rissen sich gegenseitig um, quiekten, balgten sich. Dabei kamen sie oft nahe an Daniel heran, die Ladefläche war klein, der Raum beengt. Daniel konnte ihren Geruch spüren, der ihn an parfümierte Haut und Exkremente erinnerte, sie berührten ihn schamlos mit ihrer blassen, feuchten, weichen Haut, was ihm äußerst unangenehm war. Auch seine Haut war feucht von Schweiß, an seiner Kleidung hatten sich Wassertröpfchen abgesetzt, die den Stoff schwer machten, die Hosenbeine hingen schlaff herab und klebten an den Knien.
Sie hielten, die Flügel der Schwenktür klappten auseinander. Sie standen am Eingang zu einem langgestreckten Raum, so daß an der Seite neben dem Fahrzeug kein Durchgang mehr frei war. Die andern drängten, und als Daniel stehenblieb, eilten zwei Primis herbei, hoben ihn auf den Boden, doch sie ließen ihn nicht los. Sie hatten sich wohl stumm – vielleicht durch Blicke – miteinander verständigt, denn, wie auf ein Zeichen hin, begannen sie, ihm die Kleider auszuziehen. Daniel wehrte sich, doch es nützte nichts, die Primis waren stärker. Sie behandelten ihn keineswegs brutal, ihre Griffe waren schonend, ihre Gewalt rücksichtsvoll, ihre Überlegenheit sachlich, sie blieben völlig unberührt, sie hörten nicht auf das, was er ihnen zu erklären versuchte, wahrscheinlich verstanden sie nicht, sie handelten geschickt, unbeirrt und schnell, und schon stand er nackt zwischen den anderen.
Der Raum war völlig leer, der Boden aus geriffeltem Kunststoff, es roch nach Karbol. Bisher war es angenehm warm gewesen, man fühlte sich hier – Daniel mußte es sich eingestehen – ohne Kleider wohler, doch war die Situation noch immer peinlich genug: der Aufenthalt zwischen diesen mißgestalteten nackten Wesen, männlichen und weiblichen, wie zu erkennen war, obwohl die Geschlechtsorgane kaum entwickelt, verkümmert schienen. Doch jetzt wehte plötzlich ein kühler Wind über sie hinweg, gleichzeitig erscholl ein Klingelzeichen. Daniel sah, wie sich die andern hinhockten und – er traute seinen Augen nicht – ihre Blasen und Därme auf den Boden entleerten, sie hockten sich hin, wo sie gerade standen. Daniel bemühte sich, über diese widerliche Szene hinwegzusehen, doch mußte er zu seinem Ärger feststellen, daß auch ihn plötzlich ein menschliches Rühren überkam – der kühle Luftzug am feuchten, bloßen Leib. Er versuchte, dem Andrang zu widerstehen, er blieb steif und aufrecht stehen, er stellte fest, daß er seinen Körper beherrschen konnte, und gleich darauf fühlte er, wie zum Lohn, daß der Luftzug wärmer wurde, eine Welle rührte an seinen Zehen. Wasser, heiß, aber erträglich, es floß irgendwo ab, eine neue Welle lief heran … Da waren wieder die beiden Primis neben ihm. Er fühlte sich gepackt, in gebückte Stellung gezwungen, und dann machte sich jemand an seinem Hinterteil zu schaffen – voll Empörung mußte er es sich gefallen lassen, daß ihm die Backen auseinandergezerrt wurden und ein Zäpfchen eindrang.
Er stand wieder aufrecht, noch immer festgehalten, nur Sekunden, dann gab es ein Rumoren in seinen Därmen und schon spürte er eine hohle Schwäche im Bauch, einen elementaren Druck, er konnte sich gerade noch hinhocken – die Wärter ließen ihn los – und schon gab er seine Fäkalien ab, stoßweise, krampfartig, keuchend.
Geschwächt, mit zitternden Knien, richtete er sich auf - unten war der Geruch, der sich allmählich ausbreitete, nicht zu ertragen, doch da kam schon ein stark nach Karbol riechender Windstoß herein, warm und angenehm, doch schwindelerregend …
Um ihn herum begann wieder das Geschrei, der Trubel – sie balgten sich, liefen hintereinander her, stießen sich gegenseitig an, er stand verloren inmitten des Treibens, bis eines von den weiblichen Wesen aus irgendeinem Grund auf ihn aufmerksam wurde, an ihn herantrat, einen Schrei ausstieß und auf ihn wies. Nun näherten sich auch die andern, kreisten ihn ein, glotzten, Mutige griffen nach ihm, betappten ihn, wurden frecher, zwickten ihn, berührten seine intimsten Körperpartien.