Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
»Ich glaube«, sagte Larry. »Sie sind sich nicht im klaren darüber, was der Verlust der Bons bedeutet.«
»Was würde er bedeuten?«
Larry schien sich allmählich zu beruhigen. Er überlegte, antwortete langsam, man merkte, daß er mit seinen Gedanken woanders war. »Es bedeutet, daß Sie sich entscheiden müssen. Aber es ist Wahnsinn. Sie haben nicht einmal das Einführungsprogramm absolviert. Normalerweise kommt man mit 20000 Sekunden hundert Jahre aus, wenn man sparsam ist, auch länger!«
»Aber ich sagte Ihnen doch, daß ich die Bons nur vergessen habe.«
»Und die Nullmarke?«
»Was bedeutet sie schon?« fragte Daniel. Er nahm die Marke an sich, 000/000/000 – eine beklemmende Zahlenkombination.
»Daß Sie ausgeschieden sind«, antwortete Larry. Er nahm Daniel die Marke aus der Hand, sah sie an.
»Wie sind Sie überhaupt hierhergekommen?«
»Zu Fuß. Ich wollte Bewegung haben.«
»Ja«, wiederholte Larry, »es bedeutet, daß Sie ausgeschieden sind. Sie haben keinen Arbeitsplatz mehr bei uns, kein Appartement, keine Rechte.«
Maud saß noch immer desinteressiert auf der Tischkante. Sie hatte sich etwas herumgedreht, so daß sie nun dem jungen Mann im Nachbarraum zugewandt saß. Er war aufmerksam geworden und starrte sie an. Sie glitt vom Tisch herunter und ging zur Tür – mit kleinen Schritten, der Netzstoff ihres Rocks spannte sich bei jedem Schritt eng um ihre Beine. Die Tür öffnete sich, sie ging weiter und blieb vor dem Unbekannten stehen. Die Tür schloß sich wieder.
Larry und Daniel beobachteten es ohne Anteilnahme.
»Und was bedeutet 000 quer und so weiter?«
»Der Nullpunkt des Koordinatensystems, Ausgangs- und Bezugspunkt. Anfang und Ende. Sperrgebiet. Noch niemand von uns war dort. Niemand weiß etwas darüber, nur Vermutungen.«
»Was für Vermutungen?«
»Zwischenstufe, Übergang, Wartesaal zu weiteren Bereichen – aber fragen Sie nicht weiter, ich kann nichts Näheres darüber sagen. Hören Sie!« Er unterbrach sich. »Erstaunlich! Die Marke ist gefälscht!« Er wischte mit der Hand darüber hinweg – die Ziffern ließen sich löschen, verschwanden. »Eine echte Hülle, doch darin ein leeres Stück Metall. Die Ziffern mit Deckfarben darübergemalt. Das ist außerordentlich seltsam.«
Daniel nahm es als Anlaß, wieder Hoffnung zu schöpfen.
»Ich sagte Ihnen doch …«
»Wer mag Ihnen diesen Streich gespielt haben?«
»Mir fällt etwas ein!« Daniel erinnerte sich an sein gestriges Erlebnis, an den Schwarzhaarigen, der sich an seinem Arbeitsplatz zu schaffen gemacht hatte. Er hatte ihn verfolgt … aber was war dann geschehen? Er erzählte, versuchte, den Faden weiterzuverfolgen – vergeblich.
»Warum sind Sie losgerannt, haben nicht den Automaten angesetzt?«
Daniel schlug sich auf die Stirn – das hatte er doch getan …
»Die Daten müßten doch gespeichert sein.«
Der Nebenraum war leer. Maud hatte sich mit dem neuen Kollegen entfernt.
Sie liefen hinüber, setzten sich auf die Stühle, Larry drückte die Kassette seiner Rechenzeitbons in die Vertiefung seitlich an der Sichtplatte. Das »bereit«-Zeichen leuchtete grün auf. Larrys Finger glitten über die Tasten, gespannt sah er auf den Bildschirm … da wiederholte sich die Szene: der Schwarzhaarige von hinten, durch den Gang laufend … Kamerawechsel … der Bildschirm wurde schwarz.
»Gelöscht«, konstatierte Larry.
»Nichts zu machen?«
»Nichts.« Larry stand auf, nahm seine Rechenbons an sich. »Vielleicht der Mann, der vorhin hier saß …«
»Wo ist er?«
»Fort – mit Maud.«
»Vielleicht in ihrem Appartement?« Larry drückte die Audiophontaste und tastete Mauds Koordinaten ein … Rufzeichen … keine Antwort.
»Wir werden es erfahren«, sagte Larry. »Maud amüsiert sich gern, aber sie ist loyal. Ein gutes Mädchen – wenn auch eigenwillig. Jetzt sehen wir aber nach, ob sich Ihre Bons finden oder nicht!«
Die Bons waren nicht zu finden, nicht am Arbeitsplatz und nicht in Daniels Appartement.
Larry machte ein bedenkliches Gesicht, als sie zu diesem Ergebnis kamen. Daniel war es, als zöge er sich von ihm zurück, sein Benehmen wurde frostiger, als gelte es nun, Distanz zu wahren.
»Sie haben also nicht geträumt«, sagte Larry. »Was geschehen ist, hatte reale Folgen. In ihren vergrabenen Erinnerungen muß die Erklärung stecken.«
»Ich könnte REVEILLINE nehmen«, schlug Daniel vor.
»Wir wollen kein Risiko eingehen. Kommen Sie, ich bin mit einem Arzt befreundet, einem Psychiater. Er soll Sie behandeln. Wahrscheinlich kann er uns auch bei der Deutung helfen.«
Sie ließen sich vom Lift in den Medizinertrakt bringen, wobei sie Larrys Kennmarke benutzten, um für Daniel die Schiebetür zu öffnen.
Larrys Freund Oakley war der Typ junger Wissenschaftler – nüchtern, gewandt, skeptisch. Er hatte kurzes rotes Bürstenhaar, schmale Lippen, blaue Augen, Sommersprossen. »Erst einige Stunden vergangen? Das kriegen wir heraus.«
Er setzte sich an die Schreibmaschine, gab Anweisungen in Klartext, noch ein Codewort, und die Panzertür vor dem Injektionsmixer, der in Brusthöhe in die Wand eingebaut war, öffnete sich. Durch die Sichtscheibe sahen sie zu, wie aus verschiedenen Glasbehältern Lösungsfäden durch millimeterdicke durchsichtige Kunststoffschläuche in eine Ampulle krochen. Ein Glockenton, ein grünes Lichtzeichen, Oakley schraubte die Patrone aus dem Gewinde und setzte sie in den Injektionsspray. Daniel entblößte die Armbeuge, und Oakley drückte den Auslöseknopf.
»Wie lange wird es dauern?«
»Nicht lang.«
Sie setzten sich auf rasch herangeholte Rollsessel, brauchten nicht zu warten.
»Es wird klarer!« sagte Daniel. Es war, als löse sich trüber Nebel auf, zerrisse in Fetzen, gäbe die Durchsicht auf eine weite Landschaft frei. »Ja, das war es. Jetzt weiß ich es wieder.«
Oakley schob ein Stativ heran, senkte eine Abnahmescheibe über Daniels Schädel. Sie saßen so, daß sie die Projektionswand im Auge hatten.
»Versuchen Sie, die chronologische Reihenfolge einzuhalten. Sprechen Sie laut, kommentieren Sie!«
Auf dem Bildschirm erschienen Flecken, verwischte Konturen … Oakley verstellte die Phase, und das Bild wurde deutlich …
Daniel rannte durch den Gang … war dem Unbekannten dicht auf den Fersen … dieser bog zur Seite … es ging im Kreis herum …
»Dann ein großer Saal, durchsichtige Schalen auf Tischen … ein Rollwagen kommt dicht auf mich zu … ein anderer … ich stürze …«
Der Tisch … die rotierende Scheibe … 0, 1, 0, 0, 0, 1 … nervöse Gesichter …
»Ich merke, der Lift fährt … versuche, die Fahrt zu stoppen … es gelingt nicht … ich nähere mich der Zone Null … unaufhaltsam … die Kabinentür öffnet sich …«
Daniel schwieg.
»Nichts mehr?« fragte Oakley.
»Nichts.« Daniel duckte sich unter der Haube weg und schob das Stativ zurück.
»Die typische Situation eines Psychotests«, sagte Larry. »Die Labilisierung, die Konsolidierung von Typsituationen, das Spiel als Symbol der höheren Macht …«
Daniel nickte. »Diese Erklärung liegt nahe. Aber: Wieso sind meine Bons verschwunden?«
»Es kann ein Test gewesen sein«, meinte Oakley. »doch war es bestimmt keiner der üblichen Tests, wie wir sie durchführen.« Oakley zögerte, dann beugte er sich wieder über die Schreibmaschine, ließ sich die Liste der am Vortag vorgenommenen Tests auf den Schirm ausgeben. Daniels Nummer war nicht aufgeführt.
»Nein. Es war kein Test unserer Abteilung. Freilich – es könnte sich um eine Routinetherapie gehandelt haben.«
»Kaum zu glauben«, entgegnete Daniel ärgerlich. »Es handelte sich um furchterregende, um quälende Geschehnisse. Ich erlebte alles dumpf, wie unter einer Lähmung. Ich war im Handeln beschränkt, konnte mich nicht zur Wehr setzen. Es war äußerst unangenehm. Sollte es sich wirklich um eine Behandlung von Psychotherapeuten gehandelt haben, so möchte ich mich beschweren.«