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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Von Zeit zu Zeit hatte die Straße auch durch kleine Weiler geführt. Lord Balkan hatte einen seiner Krieger in eines dieser Dörfer geschickt, um Nahrungsmittel zu kaufen. An den vergangenen zwei Tagen hatten sie jeweils gegen Mittag einen Magier und mehrere Einheimische getroffen, die mit frischen Pferden bereitstanden. Sie wechselten die Tiere aus, um auch nachts weiterreiten zu können. Die Eskorte legte nicht einmal Pausen ein, um zu schlafen, und Sonea vermutete, dass die Männer mit ihren Heilkräften gegen die Müdigkeit ankämpften.

Bisher verkraftete Sonea den Schlafmangel recht gut. Die erste Nacht war klar gewesen, und Mond und Sterne hatten ihren Weg beschienen. Sonea hatte vor sich hin gedöst, so gut es auf dem Rücken eines Pferdes eben ging. Die nächste Nacht war bewölkt gewesen, und sie waren im Schein etlicher Lichtkugeln geritten.

Nachdem sie das Vorgebirge erreicht hatten, fragte sich Sonea, ob sie wohl noch eine dritte Nacht in Kyralia verbringen würden.

»Halt!«

Die Eskorte kam langsam zum Stehen, und das Trappeln der Hufe auf dem Pflaster verklang. Soneas Pferd blieb neben dem Akkarins stehen. Eine leise Hoffnung regte sich in ihr, als Akkarin sich zu ihr umdrehte. Seit sie Imardin verlassen hatten, hatte er weder mit ihr noch mit irgendjemandem sonst gesprochen.

Aber er sagte nichts und wandte sich ab, um Lord Balkan zu beobachten.

Das Oberhaupt der Krieger reichte einem seiner Magier ein kleines Bündel. Geld, um im nächsten Dorf Essen zu kaufen, vermutete Sonea. Als sie sich umsah, stellte sie fest, dass sie an einer Wegkreuzung standen. Eine der Straßen führte in die Berge; über den anderen, schmaleren Pfad kam man in ein kleines, spärlich bewaldetes Tal, in dem sich mehrere Häuser um einen kleinen Fluss scharten.

»Lord Balkan«, sagte Akkarin.

Alle Köpfe wandten sich sofort in seine Richtung. Sie blickten so erschrocken drein, dass Sonea sich ein Lächeln verkneifen musste. Also hat er endlich beschlossen zu sprechen.

Balkan musterte Akkarin wachsam.

»Ja?«

»Wenn wir in diesen Roben nach Sachaka reisen, wird man uns rasch als Magier erkennen. Werdet Ihr uns gestatten, stattdessen gewöhnliche Kleidung anzulegen?«

Balkans Blick wanderte zu Sonea hinüber und dann wieder zurück zu Akkarin. Er nickte und drehte sich zu dem wartenden Krieger um.

»Bring also auch Kleider mit. Nichts zu Auffallendes oder zu Buntes.«

Der Magier nickte und musterte Akkarin und Sonea kurz, bevor er davonritt.

Sonea spürte, dass sich ihr Magen zusammenzog. Bedeutete das, dass sie in der Nähe des Grenzpasses waren? Würden sie heute noch die Grenze erreichen? Sie blickte zu den Bergen auf und schauderte.

Sie hatte viele Male gehofft, einen Gedankenruf von Lorlen zu erhalten, der sie nach Imardin zurückbeorderte, aber sie wusste, dass das nicht geschehen würde. Die Art ihres Aufbruchs aus der Gilde hatte allen klar gemacht, dass sie und Akkarin in Kyralia nicht länger willkommen waren.

Bei der Erinnerung daran verzog sie das Gesicht. Balkan hatte einen gewundenen Weg durch die Stadt gewählt, der sie durch jedes Viertel führte. An jeder bedeutenderen Straßenkreuzung hatten sie Halt gemacht, während Balkan Soneas und Akkarins Verbrechen sowie die Strafe der Gilde verkündete. Akkarins Miene war dunkel vor Zorn geworden. Er hatte die Magier Narren genannt und sich seither geweigert zu sprechen.

Die Prozession hatte große Menschenmengen angelockt, und als die Eskorte die Nordtore erreicht hatte, war dort bereits eine Gruppe von Hüttenleuten zusammengekommen. Als sie begannen, Steine nach Sonea zu werfen, hatte sie hastig einen Schild hochgezogen.

Während die Hüttenleute sie und Akkarin beschimpft hatten, war ein schreckliches Gefühl des Verrats in ihr aufgestiegen, das sich jedoch alsbald wieder verflüchtigt hatte. Die Hüttenleute sahen wahrscheinlich nur zwei böse Magier aus einer Gilde, die sie ohnehin verachteten, und sie hatten die Gelegenheit genutzt, ihnen Wurfgeschosse und Schmähungen entgegenzuschleudern, ohne eine Strafe fürchten zu müssen.

Jetzt drehte Sonea sich im Sattel um und blickte zurück. Die Stadt lag mittlerweile weit jenseits des Horizonts. Die Krieger ihrer Eskorte beobachteten sie genau.

Lord Osen war einer von ihnen. Als ihre Blicke sich trafen, runzelte er die Stirn. Er hatte während der Reise mehrmals mit ihr gesprochen, meistens um ihr mit den Pferden behilflich zu sein. Verschiedentlich hatte er auch angedeutet, dass die Gilde sie möglicherweise nach Imardin würde zurückkehren lassen, falls sie ihre Meinung änderte. Sie hatte kein einziges Mal auf seine Andeutungen reagiert.

Aber Furcht, Unbehagen und Akkarins Schweigen hatten ihre Entschlossenheit geschwächt. Sie wandte sich von Osen ab, um noch einmal zu Akkarin hinüberzuschauen. Ihre Versuche, mit ihm zu reden, waren auf steinernes Schweigen getroffen. Er schien fest entschlossen zu sein, sie zu ignorieren.

Aber hier und da hatte sie bemerkt, dass er sie beobachtete. Wenn sie sich nicht hatte anmerken lassen, dass ihr sein Verhalten aufgefallen war, hatte sein Blick lange auf ihr verweilt; wenn sie jedoch in seine Richtung gesehen hatte, hatte er seine Aufmerksamkeit sofort auf ein anderes Ziel gelenkt.

Dieses Verhalten war ebenso ärgerlich wie faszinierend. Was sie erstaunte, war nicht die Tatsache, dass er sie ansah, sondern dass er dabei nicht ertappt werden wollte. Sonea lächelte schief. Würde sie die durchdringenden Blicke, die zu erwidern ihr lange Zeit so schwer gefallen war, tatsächlich vermissen?

Schlagartig wurde sie wieder ernst. Zweifellos zeigte er sich ihr gegenüber nur deshalb so abweisend, um sie einzuschüchtern, so dass sie klein beigab und zur Gilde zurückkehrte. Oder waren seine Gründe einfacherer Natur? Wollte er sie wirklich nicht bei sich haben? Sie hatte sich viele Male gefragt, ob er sie für die Entdeckung ihrer beider Geheimnis verantwortlich machte. Wenn Balkan nicht die Bücher über schwarze Magie in ihrem Zimmer gefunden hätte, hätte er sich dann mit Gewalt Zutritt zu Akkarins unterirdischem Raum verschafft? Akkarin hatte ihr nicht befohlen, die Bücher zu verstecken. Sie hatte es dennoch getan, aber offensichtlich nicht gründlich genug.

Vielleicht glaubte er einfach, dass er ohne sie besser dran sei. Dann irrt er sich, sagte sie sich. Ohne einen Gefährten, von dem er Kraft beziehen konnte, würde er, wenn er seine Magie benutzte, von Mal zu Mal schwächer werden. Wenn sie bei ihm war, hatte er vielleicht eine Chance, sich gegen einen Angriff durch die Ichani zu verteidigen. Es spielt keine Rolle, ob es ihm gefällt, mich dabeizuhaben.

Ah, aber es wäre so viel besser, wenn es ihm gefiele.

Würde er freundlicher sein, wenn sie Sachaka erreicht hatten und es keinen Grund mehr gab, sie zu einem Gesinnungswechsel zu bewegen? Würde er ihre Entscheidung, bei ihm zu bleiben, akzeptieren, oder würde er weiterhin wütend auf sie sein, weil sie ihm nicht gehorcht hatte? Sie runzelte die Stirn. Verstand er nicht, dass sie alles aufgegeben hatte, um ihn zu retten?

Sie schüttelte den Kopf. Es spielte keine Rolle. Sie wollte seine Dankbarkeit nicht. Er konnte so wortkarg und mürrisch sein, wie es ihm gefiel. Sie wollte nur sichergehen, dass er überlebte, und zwar nicht nur, weil er auf diese Weise würde zurückkehren und dazu beitragen können, die Gilde vor den Ichani zu retten. Wenn er ihr nichts bedeutet hätte, wäre sie in Imardin geblieben, und sei es auch als Gefangene der Gilde. Nein, sie hatte ihn begleitet, weil sie den Gedanken nicht ertragen konnte, ihn nach allem, was er durchgemacht hatte, im Stich zu lassen.

Ich bin an Takans Stelle getreten, dachte sie plötzlich. Der ehemalige Sklave war Akkarin aus Sachaka gefolgt und zu seinem getreuen Diener geworden. Jetzt folgte sie Akkarin nach Sachaka. Was hatte er nur an sich, das in anderen solche Ergebenheit weckte?

Ich Akkarin ergeben? Sie hätte beinahe laut aufgelacht. So vieles hatte sich geändert. Ich denke, ich könnte ihn jetzt sogar mögen.

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