Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Es sah so aus, als würde sie diese Zeremonie der Verstoßung noch viele, viele weitere Male ertragen müssen.
Vollkommen reglos ließ sie über sich ergehen, dass Magier, die sie unterrichtet hatten, vor sie hintraten, um ihre Roben zu zerreißen, während ihre Gesichter Missbilligung oder Enttäuschung ausdrückten. Lady Tyas rituelle Worte waren kaum hörbar, und sie eilte hastig davon. Lord Yikmo musterte sie forschend, dann schüttelte er traurig den Kopf. Schließlich waren nur noch wenige Magier übrig. Als diese in den Kreis traten, blickte Sonea auf, und ihr Magen krampfte sich schmerzhaft zusammen.
Rothen und Dannyl.
Ihr ehemaliger Mentor ging langsam auf Akkarin zu, und seine Augen brannten vor Zorn, dann bewegten sich Akkarins Lippen. Sonea konnte nicht ganz verstehen, was er sagte, aber das Feuer in Rothens Augen erlosch. Rothen murmelte eine Antwort, und Akkarin nickte kurz. Dann streckte Rothen stirnrunzelnd die Hand aus, um Akkarins Robe zu zerreißen. Er sprach die rituellen Worte und machte dann, ohne aufzublicken, die wenigen Schritte bis zu ihr.
Ihre Kehle schnürte sich zusammen. Rothens Gesicht wirkte ausgezehrt und gefurcht. Schließlich sah er zu ihr auf, und seine blassblauen Augen schimmerten, als sich Tränen darin sammelten.
»Warum, Sonea?«, flüsterte er heiser.
Auch ihre Augen wurden feucht. Sie presste die Lider fest zusammen und schluckte.
»Sie schicken ihn in den Tod.«
»Und du?«
»Zwei können vielleicht überleben, wo einer scheitern würde. Die Gilde muss die Wahrheit selbst herausfinden. Wenn es so weit ist, werden wir zurückkehren.«
Er holte tief Luft, dann trat er vor und umarmte sie. »Pass auf dich auf, Sonea.«
»Das werde ich tun, Rothen.«
Ihre Stimme versagte, als sie seinen Namen nannte. Er wandte sich ab, und erst jetzt wurde ihr bewusst, dass er ihre Robe nicht zerrissen hatte. Eine Träne lief ihr über die Wange, und sie wischte sie hastig fort, als Dannyl vor sie hintrat.
»Sonea.«
Sie zwang sich, zu ihm aufzusehen. Dannyl begegnete ihrem Blick vollkommen ruhig.
»Sachakaner, wie?«
Sie nickte nur, da sie ihrer Stimme nicht traute.
Er schürzte die Lippen. »Wir werden der Sache nachgehen.« Dann klopfte er ihr auf die Schulter und drehte sich um. Sie sah ihm nach, während er zu Rothen hinüberging.
Dann wurde ihre Aufmerksamkeit abgelenkt, als die Krieger, die sie und Akkarin umringten, einer nach dem anderen herbeikamen, um das Ritual auszuführen. Als sie fertig waren, sah Sonea sich um und stellte fest, dass die Magier zwei Reihen gebildet hatten, die zu den Türen der Gildehalle führten. Hinter ihnen standen die Novizen. Sonea war zutiefst erleichtert darüber, dass sie nicht in das Ritual eingeschlossen worden waren. Regin in dieser Situation gegenüberzustehen, wäre… interessant gewesen.
Die höheren Magier bildeten, angeführt von Lorlen, einen zweiten Kreis um die Kriegereskorte. Als der Administrator auf die Türen der Gildehalle zuging, folgte ihm diese doppelte Eskorte vorbei an den beiden Reihen von Magiern bis zum Eingang der Universität.
Vor dem Gebäude stand ein Kreis von Pferden, die von Stallburschen festgehalten wurden. Akkarin ging auf die beiden Pferde in der Mitte zu, und Sonea folgte ihm. Als er sich in den Sattel des einen Tieres schwang, zögerte sie und betrachtete skeptisch das andere Pferd.
»Zweifelst du an deiner Entscheidung?«
Sonea wandte sich um; Lord Osen stand neben ihr, die Zügel seines Reittiers in der Hand.
Sonea schüttelte den Kopf. »Nein, es ist nur… ich bin noch nie zuvor geritten.«
Er drehte sich zu den Magiern um, die jetzt durch die Türen hinter ihr strömten, dann wendete er sein Pferd, so dass die anderen Sonea nicht beobachten konnten.
»Du musst die Hand vorn auf den Sattel legen und dann den linken Stiefel hier hineinschieben.« Er griff nach dem Steigbügel ihres Pferdes und hielt ihn fest. Sonea tat wie geheißen, und mit Hilfe weiterer Anweisungen gelang es ihr irgendwie, in den Sattel zu kommen.
»Zerbrich dir nicht den Kopf darüber, das Pferd zu führen«, erklärte er ihr. »Es wird den anderen folgen.«
»Vielen Dank, Lord Osen.«
Er blickte zu ihr auf und nickte kurz, dann wandte er sich ab und schwang sich auf sein eigenes Reittier.
Aus ihrer neuen Perspektive konnte sie sehen, dass die Magier sich inzwischen draußen vor der Gilde versammelt hatten. Die höheren Magier standen nebeneinander auf der untersten Stufe der Universitätstreppe, bis auf Lord Balkan, der wie die übrigen Krieger ihrer Eskorte bereits auf seinem Pferd saß. Sonea hielt Ausschau nach dem König, der jedoch nirgends zu sehen war.
Schließlich trat Lorlen vor und ging langsam auf Akkarin zu. Er sah zu ihm auf und schüttelte dann den Kopf.
»Dir wird eine Art zweiter Anfang geboten, Akkarin. Nutze diese Möglichkeit wohl.«
Akkarin schaute ihn einen Moment lang an. »Und du solltest das Gleiche tun, mein Freund, obwohl ich befürchte, dass dir schlimmere Übel bevorstehen als mir. Wir werden in Kontakt bleiben.«
Lorlen lächelte schief. »Das werden wir gewiss.«
Er wandte sich ab und nahm wieder seinen Platz unter den höheren Magiern ein, bevor er Balkan ein Zeichen gab. Der Krieger trieb sein Pferd an, und der Rest der Eskorte folgte seinem Beispiel.
Als Soneas Pferd sich in Bewegung setzte, klammerte sie sich am Knauf ihres Sattels fest. Sie sah zu Akkarin hinüber, der jedoch den Blick fest auf die Tore der Gilde gerichtet hielt. Als sie sie passiert hatten, drehte Sonea sich vorsichtig um, um einen letzten Blick auf die Universität zu werfen.
Zu ihrer Überraschung verspürte sie einen Stich der Trauer und des Bedauerns.
Mir war gar nicht bewusst, wie sehr ich mich hier zu Hause gefühlt habe, dachte sie. Werde ich überleben und die Gilde eines Tages wiedersehen?
Oder, fügte eine dunklere Stimme hinzu, werde ich dann nur noch einen Trümmerhaufen vorfinden?
Zweiter Teil
19
Eine Bitte
Sonea rutschte in ihrem Sattel hin und her und versuchte, ihre schmerzenden Oberschenkelmuskeln zu lockern. Obwohl sie ihr wundes Fleisch jeden Abend heilte, konnte sie niemals lange reiten, bis ihr Körper von Neuem zu schmerzen begann. Lord Osen hatte ihr erklärt, dass sie sich an den Sattel gewöhnen würde, wenn sie sich nicht heilte, aber sie konnte keinen Sinn darin entdecken, sich für das Reiten zu stählen, wenn man ihr das Pferd ohnehin bald wegnehmen würde.
Seufzend blickte sie zu den Bergen vor ihr auf. Am vergangenen Tag waren sie zum ersten Mal am Horizont aufgetaucht. Die schattenhafte Linie war langsam größer geworden, und an diesem Morgen hatte die Sonne felsübersäte und waldbestandene Hänge enthüllt, die bis zu hohen Gipfeln hin anstiegen. Die Berge wirkten wild und unbezwingbar, aber jetzt, da die Eskorte die flachen Ausläufer erreicht hatte, konnte Sonea ein weißes Band erkennen, das sich zwischen den Bäumen hindurchschlängelte. Irgendwo am Ende der Straße stand die Festung, und von dort aus gelangte man nach Sachaka hinein.
Die Landschaft, die sich langsam wandelte, faszinierte sie. Sie war nie weiter als bis zum Stadtrand von Imardin gekommen. Das Reisen war eine neue Erfahrung für sie, und unter anderen Umständen hätte sie es vielleicht genossen.
Zuerst war die Straße durch bestellte Felder verlaufen. Die Menschen, die auf den Äckern pflügten, hackten, Getreide aussäten oder ernteten, waren eine bunte Mischung von Männern und Frauen, Jungen und Alten. Sowohl Erwachsene als auch Kinder hüteten Haustiere aller Größen. Einzelne kleine Häuser lagen weit voneinander entfernt inmitten der weiten Fluren. Sonea fragte sich, ob ihre Bewohner wohl glücklich waren, ein so einsames Leben zu führen.