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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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»Das kann ich nicht beurteilen«, antwortete Dannyl. »Ich kann nicht einmal sagen, woher er überhaupt von den Rebellen wusste.«

»Vielleicht hatte er Farands Kräfte auf dieselbe Weise wahrgenommen, wie er auch Soneas Kräfte entdeckt hatte, bevor sie Kontrolle über ihre Magie erlernte«, sagte Vinara.

»Aus solcher Entfernung? Die Rebellen befanden sich in Elyne!«, rief Sarrin.

Vinara zog die Schultern hoch. »Er hat viele einzigartige Fähigkeiten; Fähigkeiten, die er zweifellos durch die Anwendung von schwarzer Magie erlangt hat. Warum sollte er also nicht auch diese Fähigkeit besitzen?«

Sarrin runzelte die Stirn. »Ihr sprecht von Nachforschungen, die Ihr mit diesem Gelehrten durchgeführt habt, Botschafter. Welcher Art waren diese Nachforschungen?«

»Es ging um alte Magie«, erwiderte Dannyl. Er sah sich im Raum um. Als er Lorlens Blick begegnete, lächelte der Magier schwach.

»Ich habe ihnen erzählt, dass Ihr auf meine Anweisung damit begonnen habt«, erklärte Lorlen.

Dannyl nickte. »Ja, obwohl ich nicht weiß, warum.«

»Ich wollte etwas von dem Wissen zurückgewinnen, das Akkarin verloren hatte«, sagte Lorlen. »Aber Akkarin erfuhr von Euren Nachforschungen und gab mir unmissverständlich zu verstehen, dass er damit nicht einverstanden sei. Daraufhin habe ich Lord Dannyl mitgeteilt, dass seine Hilfe nicht länger benötigt werde.«

»Und Ihr habt diesem Befehl nicht gehorcht?«, fragte Sarrin Dannyl.

»Es war kein Befehl«, warf Lorlen ein. »Ich habe lediglich gesagt, dass die Nachforschungen nicht länger benötigt würden. Ich glaube, Dannyl hat dann aus eigenem Interesse weitergemacht.«

»So ist es«, bestätigte Dannyl. »Später hörte Akkarin, dass ich meine Nachforschungen fortgesetzt hatte, und rief mich in die Gilde zurück. Er schien erfreut über meine Fortschritte und ermutigte mich weiterzumachen. Unglücklicherweise konnte ich nur wenig Neues entdecken. Die einzigen Quellen, die ich noch nicht erkundet hatte, lagen in Sachaka, und er hat mir unmissverständlich verboten, eine Reise nach Sachaka zu unternehmen.«

Sarrin lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. »Interessant. Er hat die Nachforschungen zuerst unterbunden und sie dann wieder ermutigt. Vielleicht hattet Ihr bereits etwas entdeckt, von dem er nicht wollte, dass Ihr es findet, dessen Bedeutung Ihr jedoch nicht verstanden hattet. Dann hätte er keine Gefahr darin gesehen, Euch weitermachen zu lassen.«

»Diese Möglichkeit habe ich ebenfalls in Betracht gezogen«, pflichtete Dannyl ihm bei. »Erst durch das Buch des Rebellen ist mir klar geworden, dass die alte Magie, über die ich Nachforschungen anstellte, in Wirklichkeit schwarze Magie war. Ich glaube nicht, dass es in Akkarins Absicht lag, mich das wissen zu lassen.«

Sarrin schüttelte den Kopf. »Nein. Wenn das so ist, hätte er nicht gewollt, dass Ihr dieses Buch lest. Also wusste er wahrscheinlich nicht, dass es sich in Dem Maranes Besitz befand, und die Gefangennahme der Rebellen diente nicht dazu, des Buches habhaft zu werden.« Er runzelte die Stirn. »Außerdem könnte es Informationen enthalten, die ihm nicht bekannt sind. Sehr interessant.«

Während die Magier darüber nachdachten, blickte Dannyl von einem zum anderen.

»Darf ich eine Frage stellen?«

Lorlen lächelte. »Natürlich, Botschafter.«

»Habt Ihr irgendwelche Beweise dafür gefunden, dass Akkarins Geschichte wahr ist?«

Das Lächeln des Administrators verblasste. »Noch nicht.« Er zögerte. »Trotz Akkarins Warnung sehen wir keine andere Möglichkeit, die Wahrheit in Erfahrung zu bringen, als Spione nach Sachaka zu schicken.«

Dannyl nickte. »Ich nehme an, Ihre Identität wird geheim bleiben, selbst den Mitgliedern der Gilde gegenüber.«

»Ja«, erwiderte Lorlen. »Aber einige Personen, darunter Ihr selbst, sollen eingeweiht werden, denn sie würden wahrscheinlich den wahren Grund für die Abwesenheit gewisser Magier erraten.«

Dannyl straffte sich. »Wirklich?«

»Einer der Spione wird Euer Mentor sein, Lord Rothen.«

Der Aufstieg in die Berge schien endlos.

Die Morgensonne hatte steile, dicht bewaldete Hänge zu beiden Seiten offenbart. Obwohl die Straße sich in einem guten Zustand befand und offenkundig in jüngster Zeit noch ausgebessert worden war, gab es ringsum nichts als Wildnis. Falls die Eskorte in der Nacht an irgendwelchen Häusern vorbeigekommen war, hatte man diese Gebäude in der tiefen Dunkelheit jedenfalls nicht wahrgenommen. Die Straße folgte dem gewundenen Lauf der Hochtäler und führte durch steile Schluchten. Gelegentlich erhaschte Sonea einen Blick auf Felsvorsprünge über ihr. Es wurde stetig kälter, bis ihr nichts anderes mehr übrig blieb, als Tag und Nacht eine Wärmebarriere um sich herumzulegen.

Sie sehnte das Ende der Reise herbei und fürchtete es gleichzeitig. Es ging jetzt ständig bergauf, so dass sie ein wenig anders im Sattel saß als zuvor und vollkommen neue Muskelpartien mit Schmerzen auf sich aufmerksam machten. Außerdem hatte der grobe Stoff ihrer Hose ihr die Haut wund geschürft, und sie musste sich mehrmals am Tag heilen, um den Schmerz zu lindern.

»Halt!«

Als sie Balkans Befehl hörte, stieß Sonea einen Seufzer der Erleichterung aus. Sie hatten seit dem Morgen keine Pause mehr gemacht. Sie spürte, wie ihr Pferd tief Luft holte, als es zum Stehen kam, und sie dann schnaubend wieder ausblies.

Mehrere Männer aus ihrer Eskorte saßen ab, um die Pferde zu versorgen. Akkarin starrte in die Ferne. Als Sonea seinem Blick folgte, stellte sie fest, dass man durch eine Lücke in den Bäumen auf das Land unterhalb der Berge blicken konnte. Eine sanft gewellte Landschaft lief in der Ferne in eine flache Ebene aus. In den Tälern zwischen den Hügeln schimmerten schmale Flüsse und Bäche. Alles erstrahlte im warmen Licht der Nachmittagssonne, und der Horizont war nur eine in Nebel gehüllte Linie. Und irgendwo dahinter lag Imardin. Ihr Zuhause.

Mit jedem Schritt der Reise entfernte sie sich weiter von allem, was sie je gekannt hatte: von ihrer Familie, ihren alten Freunden, Cery, Rothen, Dorrien. Die Namen der Menschen, die ihr während der letzten Jahre ans Herz gewachsen waren, gingen ihr durch den Kopf: Tania, Dannyl, Tya und Yikmo – und selbst einige der Novizen. Vielleicht würde sie keinen von ihnen jemals wiedersehen. Bei den meisten von ihnen hatte sie nicht einmal die Chance gehabt, sich zu verabschieden. Ihre Kehle schnürte sich zusammen, und Tränen stiegen in ihr auf.

Sie schloss die Augen und zwang sich, langsam und gleichmäßig zu atmen. Dies ist weder die Zeit noch der Ort, um zu weinen. Nicht jetzt, da Balkan und die anderen Magier sie beobachteten – und vor allem nicht vor Akkarin.

Sie schluckte heftig und wandte sich von dem Bild, das sich ihr bot, ab.

Als sie die Augen wieder aufschlug, sah sie eine Veränderung in Akkarins Zügen. Bevor sich die vertraute Maske wieder über sein Gesicht legte, las sie dort für einen kurzen Moment tiefe Enttäuschung und Verbitterung. Verstört von dem, was sie gesehen hatte, senkte sie den Blick.

Osen begann, Brot, kaltes, gekochtes Gemüse und Brocken gesalzenen Fleisches zu verteilen. Akkarin nahm seinen Anteil schweigend entgegen und verfiel wieder in dumpfes Brüten. Sonea kaute langsam, fest entschlossen, alle Gedanken an die Gilde aus ihrem Kopf zu verdrängen und sich stattdessen auf die kommenden Tage zu konzentrieren. Wo würden sie in Sachaka Nahrung finden? Das Gebiet jenseits des Passes war Wüstenland. Vielleicht konnten sie etwas zu essen kaufen. Würde Balkan ihnen Geld geben?

Schließlich kehrte Osen an ihre Seite zurück und bot ihr einen Becher mit gewässertem Wein an. Sie leerte ihn schnell und gab ihn Osen zurück. Er zögerte, als wolle er etwas sagen, und sie straffte schnell die Schultern und wandte den Blick ab. Sie hörte einen Seufzer und dann Schritte, die sich entfernten, als Osen zu seinem Pferd zurückkehrte.

»Weiter«, rief Balkan.

Der dichte Baumbestand wurde nun immer häufiger von blankem Fels abgelöst. Die Sonne näherte sich bereits dem Horizont, als die Straße schließlich gerade wurde und zwischen zwei hohen, glatten Felswänden verlief. Vor ihr ragte, in das orangefarbene Licht der untergehenden Sonne getaucht, ein gewaltiger Steinquader auf, dessen Front durch winzige, quadratische Öffnungen gegliedert war.

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