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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Mehrere Lichtkugeln färbten sich langsam rot, aber die meisten blieben weiß. Die höheren Magier starrten lange Zeit zur Decke hinauf, und Sonea begriff, dass sie die Lichtkugeln zählten. Als sie wieder zu Lorlen hinabblickten, schüttelte jeder von ihnen einmal den Kopf.

»Die Mehrheit entscheidet sich für Nein«, erklärte Lorlen. »Lautet Euer Urteil, dass Akkarin aus der Familie Delvon, Haus Velan, schuldig ist, Wissen über schwarze Magie erstrebt, schwarze Magie erlernt und praktiziert sowie über die vorherigen Anklagepunkte hinaus mit schwarzer Magie getötet zu haben?«

Urplötzlich färbten sich alle Kugeln rot. Lorlen wartete nicht, bis die höheren Magier die Kugeln zählten.

»Die Mehrheit hat auf schuldig erkannt«, rief Lorlen. »Seid Ihr zu dem Urteil gekommen, dass Sonea, die Novizin des Hohen Lords, schuldig ist, Wissen über alte Magie angestrebt und erworben sowie über diese Anklage hinaus schwarze Magie praktiziert und zum Töten benutzt zu haben?«

Die Lichtkugeln blieben rot. Lorlen nickte langsam.

»Die Mehrheit hat sich diesem Urteil angeschlossen. Die vom Gesetz vorgesehene Strafe für diese Verbrechen ist die Hinrichtung. Wir, die höheren Magier, haben über die Angemessenheit dieser Strafe im Lichte der Gründe debattiert, die für das Verbrechen genannt wurden. Wir würden es vorziehen, die Urteilsverkündung aufzuschieben, bis die Stichhaltigkeit dieser Gründe festgestellt ist, aber aufgrund der Natur des Verbrechens sind wir der Meinung, dass unverzüglich Schritte unternommen werden müssen.« Er hielt inne. »Wir haben beschlossen, Akkarin mit Verbannung aus Kyralia und allen Verbündeten Ländern zu bestrafen.«

Ein Raunen lief durch die Halle, als die Magier diese Neuigkeit bedachten. Sonea hörte einige schwache Proteste, aber kein Magier erhob die Stimme, um zu widersprechen.

»Akkarin aus der Familie Delvon, Haus Velan, Ihr seid nicht länger willkommen in den Verbündeten Ländern. Eine Eskorte wird Euch in das nächstgelegene Land, das nicht zum Bündnis gehört, begleiten. Akzeptiert Ihr dieses Urteil?«

Akkarin blickte zum König auf, dann ließ er sich auf ein Knie nieder. »Wenn es der Wille des Königs ist.«

Der Herrscher zog die Augenbrauen in die Höhe. »Es ist mein Wille«, bekräftigte er.

»Dann werde ich fortgehen.«

Stille legte sich über die Halle, als Akkarin sich wieder erhob. Lorlens Seufzer der Erleichterung war deutlich zu hören. Er wandte sich zu Sonea um.

»Sonea. Wir, die höheren Magier, haben entschieden, dir eine zweite Chance zu bieten. Du wirst unter folgenden Bedingungen bei uns bleiben: Du musst ein Gelübde ablegen, dass du nie wieder schwarze Magie benutzen wirst, es wird dir von diesem Tag an nicht länger gestattet sein, das Gelände der Gilde zu verlassen, und du wirst niemals andere unterrichten. Akzeptierst du dieses Urteil?«

Sonea starrte Lorlen ungläubig an. Die Gilde hatte Akkarin in die Verbannung geschickt, ihr jedoch verziehen – obwohl sie beide sich desselben Verbrechens schuldig gemacht hatten.

Aber es war nicht das Gleiche. Akkarin war ihr Anführer, und sein Verbrechen wog schwerer, weil er eigentlich für die Werte der Gilde hätte einstehen müssen. Sonea war dagegen lediglich eine leichtgläubige junge Frau. Das Hüttenmädchen. Leicht zu beeinflussen. Sie glaubten, dass sie in die Irre geführt worden sei und dass Akkarin willentlich mit schwarzer Magie gearbeitet habe. In Wahrheit hatte sie aus freien Stücken schwarze Magie gelernt, und er war dazu gezwungen gewesen.

Also würden sie ihr erlauben, weiter in der vorübergehenden Sicherheit der Gilde zu verbleiben und deren Annehmlichkeiten in Anspruch zu nehmen, während Akkarin aus den Verbündeten Ländern in das nächstgelegene Land außerhalb des Bundes geschickt werden sollte. Und dieses Land war… sie hielt die Luft an.

Sachaka.

Plötzlich konnte sie nicht mehr atmen. Sie würden Akkarin in die Hände seiner Feinde schicken. Sie mussten wissen, dass er, wenn seine Geschichte wahr war, in Sachaka sterben würde.

Aber auf diese Weise brauchten sie nicht das Risiko eines Kampfes einzugehen, den sie vielleicht verlieren würden.

»Sonea«, wiederholte Lorlen. »Akzeptierst du dieses Urteil?«

»Nein.«

Sie war selbst überrascht über den Zorn in ihrer Stimme. Lorlen starrte sie entsetzt an, dann blickte er zu Akkarin hinüber.

»Bleib«, befahl Akkarin ihr. »Es hat keinen Sinn, wenn wir beide fortgehen.«

Doch, dachte sie. Zusammen haben wir vielleicht eine Chance zu überleben. Sie konnte ihm helfen, zu größerer Kraft zu kommen. Allein würde er immer schwächer werden. An diese winzige Hoffnung klammerte sie sich und drehte sich zu ihm um.

»Ich habe Takan versprochen, auf Euch Acht zu geben. Ich habe die Absicht, dieses Versprechen zu halten.«

Er kniff die Augen zusammen. »Sonea -«

»Erzählt mir nicht, dass ich Euch nur im Weg wäre«, sagte sie leise, denn sie war sich der vielen Zeugen bewusst. »Das hat mich früher nicht aufgehalten, und es wird mich jetzt nicht aufhalten. Ich weiß, wohin man Euch schicken wird. Ich werde Euch begleiten, ob es Euch nun gefällt oder nicht.« Dann wandte sie sich wieder den vorderen Reihen der Halle zu und hob die Stimme, so dass alle sie hören konnten.

»Wenn Ihr den Hohen Lord Akkarin in die Verbannung schickt, müsst Ihr mich ebenfalls fortschicken. Und wenn Ihr dann zur Vernunft kommt, wird er vielleicht noch leben und in der Lage sein, Euch zu helfen.«

Stille herrschte in der Halle. Lorlen starrte Sonea an, dann wandte er sich zu den höheren Magiern um. Sonea konnte Niederlage und Frustration in ihren Gesichtern lesen.

»Nein, Sonea! Bleib hier.«

Beim Klang dieser Stimme krampfte Soneas Magen sich zusammen. Sie zwang sich, Rothen auf der anderen Seite des Raums anzusehen.

»Es tut mir leid, Rothen«, sagte sie. »Aber ich werde nicht bleiben.«

Lorlen holte tief Luft. »Sonea, ich kann dir nur eine einzige weitere Chance geben. Nimmst du dieses Urteil an?«

»Nein.«

»Dann lasst überall in den Verbündeten Ländern bekannt machen, dass Akkarin aus der Familie Delvon, Haus Velan, ehemaliger Hoher Lord der Magiergilde, und Sonea, ehemals Novizin des Hohen Lords, aufgrund der Verbrechen des Studiums und der Ausübung schwarzer Magie sowie des Tötens durch schwarze Magie aus allen Verbündeten Ländern verbannt sind.«

Er drehte sich zu Lord Balkan um und sagte etwas, das jedoch zu leise war, um es verstehen zu können. Dann stieg er von seinem Platz nach unten, trat in den Kreis der Krieger und blieb einige Schritte entfernt von Akkarin stehen. Er hob die Arme und umfasste die schwarze Robe mit beiden Händen. Sonea hörte den Stoff reißen.

»Ich stoße dich aus, Akkarin. Es ist dir verboten, jemals wieder deinen Fuß in mein Land zu setzen.«

Akkarin starrte Lorlen an, sagte jedoch nichts. Der Administrator wandte sich ab und trat vor Sonea. Einen Moment lang sah er ihr in die Augen, dann senkte er den Blick, griff nach ihrem Ärmel und zerriss ihn.

»Ich stoße dich aus, Sonea. Es ist dir verboten, jemals wieder deinen Fuß in mein Land zu setzen.«

Dann drehte er sich auf dem Absatz um und schritt davon. Sonea blickte auf den Riss in ihrem Ärmel hinab. Er war klein, nur fingerlang. Eine winzige Geste, aber so endgültig.

Die höheren Magier erhoben sich und gingen zwischen den Sitzreihen hindurch nach unten. Sonea ließ mutlos die Schultern sinken, als Balkan in den Kreis trat und auf Akkarin zuging. Als er die schwarzen Roben zerriss und die rituellen Worte sprach, bildeten die übrigen höheren Magier eine Reihe hinter ihm, und Sonea begriff, dass sie darauf warteten, es Lorlen und Balkan gleichzutun.

Als Balkan auf sie zukam, zwang sie sich, mit anzusehen, wie der Krieger ihre Robe zerriss und die rituellen Worte sprach. Es bedurfte all ihrer Entschlossenheit, aber sie brachte es fertig, seinem Blick standzuhalten, ebenso wie sie den Blicken eines jeden der Magier standhielt, die nun folgten.

Als alle höheren Magier das Ritual vollführt hatten, stieß Sonea einen Seufzer der Erleichterung aus. Die restlichen Mitglieder der Gilde erhoben sich von ihren Plätzen. Statt jedoch durch die Türen der Gildehalle hinauszugehen, traten sie einer nach dem anderen auf Akkarin zu.

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