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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Du hast entschieden, wohin ich nicht gehen darf, und das ist genauso schlimm!« Die Weidenblätter glitten über seine Schultern, als sich das Boot, von Jamies Heftigkeit herumgestoßen, in Bewegung setzte. Wir drehten uns langsam und kamen unter dem Baum hervor.

Er ragte vor mir auf, so massiv wie die Sägemühle; sein Kopf und seine Schultern verdeckten einen guten Teil der Szenerie hinter ihm. Seine lange, gerade Nase war zwei Zentimeter von meiner entfernt, und er hatte die Augen zusammengekniffen. In diesem Licht erschienen sie fast schwarz, und es war extrem beunruhigend, aus der Nähe in sie hineinzusehen.

Ich blinzelte. Er nicht.

Er hatte mein Handgelenk losgelassen, als er durch den Blättervorhang kam. Jetzt ergriff er meine Oberarme. Ich fühlte die Hitze seiner Hände durch den Stoff. Sie waren sehr groß und sehr hart und brachten mir plötzlich zu Bewusstsein, wie zerbrechlich meine eigenen Knochen im Vergleich dazu waren. Ich bin ein brutaler Mensch.

Er hatte mich schon einige Male durchgerüttelt, und ich hatte es gehasst. Für den Fall, dass er jetzt etwas Derartiges im Sinn hatte, schob ich meinen Fuß zwischen seine Beine und bereitete mich darauf vor, ihm mein Knie dorthin zu stoßen, wo es am wirkungsvollsten war.

»Ich hatte unrecht«, sagte er.

In gespannter Erwartung von Gewalt hatte ich tatsächlich schon angesetzt, meinen Fuß hochzureißen, als ich hörte, was er gesagt hatte. Bevor ich innehalten konnte, hatte er die Beine fest zusammengeklemmt und hielt mein Knie zwischen seinen Oberschenkeln fest.

»Ich habe doch gesagt, dass ich unrecht hatte, Sassenach«, wiederholte er, eine Spur von Ungeduld in seiner Stimme. »Hast du mich gehört?«

»Äh … nein«, sagte ich ziemlich verlegen. Ich wackelte versuchsweise mit dem Knie, doch er hielt seine Oberschenkel fest geschlossen.

»Du würdest es nicht eventuell in Erwägung ziehen, mich loszulassen, oder?«, sagte ich höflich. Mein Herz hämmerte immer noch.

»Nein. Wirst du mir jetzt zuhören?«

»Ich denke schon«, sagte ich, immer noch höflich. »Es sieht nicht so aus, als wäre ich im Moment sehr beschäftigt.«

Ich war ihm so nah, dass ich seinen Mund zucken sah. Seine Oberschenkel drückten einen Augenblick lang fester zu, dann entspannten sie sich.

»Das hier ist ein ziemlich törichter Streit, und das weißt du genauso gut wie ich.«

»Nein, das stimmt nicht.« Meine Verärgerung hatte etwas nachgelassen, doch ich hatte nicht vor, ihn einfach so davonkommen zu lassen. »Für dich ist es vielleicht nicht wichtig, aber für mich schon. Es ist nicht töricht. Und das weißt du, sonst würdest du nicht zugeben, dass du im Unrecht bist.«

Diesmal war das Zucken deutlicher. Er holte tief Luft und ließ die Hände von meinen Schultern fallen.

»Also gut. Ich hätte dir vielleicht von Byrnes erzählen sollen, das gebe ich zu. Aber wenn ich es getan hätte, wärst du zu ihm gegangen, selbst wenn ich dir gesagt hätte, dass er Wundstarrkrampf hat – und ich wusste, dass es das war, ich habe es nicht zum ersten Mal gesehen. Du würdest doch selbst dann zu einem Patienten gehen, wenn du nichts tun könntest, oder?«

»Ja. Selbst wenn – ja, ich wäre zu ihm gegangen.«

Es gab wirklich nichts, was ich für Byrnes hätte tun können. Myers’ Anästhetikum hätte bei Tetanus nichts genutzt. Nichts konnte diese Krämpfe erleichtern, es sei denn, man injizierte ein Curarederivat. Ich hätte ihn nur mit meiner Gegenwart trösten können, und es war zweifelhaft, ob er das zu schätzen gewusst hätte – oder es überhaupt bemerkt hätte. Dennoch hätte ich mich verpflichtet gefühlt, es ihm zumindest anzubieten.

»Ich hätte gehen müssen«, sagte ich, schon sanfter. »Ich bin Ärztin. Verstehst du das nicht?«

»Natürlich verstehe ich das«, sagte er schroff. »Glaubst du, ich kenne dich überhaupt nicht, Sassenach?«

Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr er fort:

»Es hat Gerede gegeben über das, was bei der Sägemühle passiert ist – das war zu erwarten, aye? Aber so, wie der Mann dir unter den Händen weggestorben ist – nun, niemand hat bisher direkt gesagt, dass du ihn absichtlich umgebracht hast, aber man kann sehen, dass die Leute es sich denken. Vielleicht nicht einmal, dass du ihn umgebracht hast – aber, dass du auf die Idee gekommen sein könntest, ihn absichtlich sterben zu lassen, um ihn vor dem Galgen zu retten.«

Ich starrte auf meine Hände, die gespreizt auf meinen Knien lagen, fast so blass wie der elfenbeinfarbene Satin darunter.

»Ich bin ja auch auf diese Idee gekommen.«

»Das weiß ich wohl, aye?«, sagte er trocken. »Ich habe dein Gesicht gesehen, Sassenach.«

Ich holte tief Luft, wenn auch nur, um mich zu vergewissern, dass es nicht mehr nach Blut roch. Doch mir drang nur der harzige, belebende Terpentingeruch des Kiefernwaldes in die Nase. Plötzlich überkam mich eine lebhafte Erinnerung an das Krankenhaus und den Geruch des nach Kiefern duftenden Desinfektionsmittels, der dort in der Luft hing und den darunterliegenden Krankheitsgeruch überdeckte, ihn aber nicht vertreiben konnte.

Ich tat noch einen befreienden Atemzug und hob den Kopf, um Jamie anzusehen.

»Und hast du dich gefragt, ob ich ihn umgebracht habe?«

»Du wirst getan haben, was du für das Beste hältst.« Er ignorierte die nebensächliche Frage, ob ich einen Mann getötet hatte, um beim eigentlichen Thema zu bleiben.

»Aber ich hätte es unklug gefunden, wenn du beim nächsten Todesfall ebenfalls die Hand im Spiel gehabt hättest, falls du verstehst, was ich meine.«

Das tat ich, und nicht zum ersten Mal wurde ich mir der subtilen Netzwerke bewusst, denen er auf eine Weise angehörte, wie es mir niemals möglich sein würde. Eigentlich war dieser Ort ihm genauso fremd wie mir, und doch wusste er nicht nur, worüber die Leute sprachen – das konnte jeder herausfinden, der gern ins Wirtshaus oder auf den Markt ging –, sondern auch, was sie dachten.

Noch mehr irritierte mich, dass er wusste, was ich dachte.

»Du siehst also«, sagte er, während er mich beobachtete, »ich wusste, dass Byrnes sterben würde und du ihm nicht helfen konntest. Doch ich wusste auch, dass du zu ihm gehen würdest, wenn du von seinem Leiden erfuhrst. Und dann würde er sterben, und die Leute würden sich wundern. Vielleicht würden sie nicht laut sagen, wie seltsam es wäre, dass beide Männer dir sozusagen unter den Händen weggestorben sind – aber –«

»Aber sie würden es denken«, beendete ich seinen Satz.

Das Zucken wurde zu einem schiefen Lächeln.

»Du fällst den Leuten auf, Sassenach.«

Ich biss mir auf die Lippen. Es stimmte, im Guten wie im Bösen, und die Tatsache, dass ich auffiel, hatte mich schon mehr als einmal beinahe umgebracht.

Er stand auf, hielt mit Hilfe eines Astes das Gleichgewicht, trat auf den Kies und zog sich das Plaid über die Schulter.

»Ich habe Mrs. Byrnes gesagt, ich würde die Sachen ihres Mannes aus der Sägemühle holen«, sagte er. »Du brauchst nicht mitzukommen, wenn du nicht möchtest.«

Die Sägemühle ragte vor dem sternenübersäten Himmel auf. Sie hätte beim besten Willen nicht unheimlicher aussehen können. Wo du hingehst, da will auch ich hingehen.

Ich glaubte jetzt zu wissen, was er tat. Er hatte alles sehen wollen, bevor er seinen Entschluss fasste; es in dem Bewusstsein betrachten wollen, dass es ihm gehören konnte. Der Spaziergang durch den Park und die Obstgärten, die Bootspartie vorbei an den dichten Kiefernwäldern, der Besuch bei der Sägemühle – er verschaffte sich einen Überblick über den Besitz, den man ihm anbot, abwägend und einschätzend, stellte fest, welchen Komplikationen er sich gegenübersah und ob er die Herausforderung annehmen konnte und wollte.

Schließlich, dachte ich grimmig, hatte der Teufel darauf bestanden, Jesus alles zu zeigen, was er sich entgehen ließ, und ihn auf das Dach des Tempels geführt, damit er die Städte der Welt sah. Die einzige Schwierigkeit dabei war – falls Jamie beschloss, sich hinabzustürzen, stand keine Heerschar von Engeln bereit, um zu verhindern, dass er sich den Fuß – und alles andere – an einer Platte aus schottischem Granit stieß.

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