Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Ich kann Euch nicht hundertprozentig garantieren, dass das nicht geschehen wird«, sagte ich. »Ich glaube nicht, dass es dazu kommt – aber der Mensch denkt, und Gott lenkt, nicht wahr?«
Er nickte ganz langsam, blieb aber stumm. Ich holte tief Luft, denn fürs Erste waren mir die Argumente ausgegangen.
»Ich glaube, dass ich Eure Hand heilen kann«, sagte ich. »Ich kann es nicht garantieren. Manchmal gibt es Zwischenfälle. Entzündungen, Unfälle – irgendetwas Unerwartetes. Aber …«
Ich streckte die Hand nach ihm aus und wies auf die verkrüppelte Gliedmaße. Wie ein hypnotisierter Vogel, der im Blick einer Schlange gefangen ist, streckte er den Arm aus und ließ zu, dass ich ihn ergriff. Ich nahm sein Handgelenk und zog ihn hoch; er stand widerstandslos auf, blieb stehen und ließ mich seine Hand festhalten.
Ich nahm sie in die meine und drückte die verkrümmten Finger zurück, um sanft mit dem Daumen über die verdickte Aponeurose der Handfläche zu reiben, die die Sehnen einklemmte. Ich konnte sie deutlich spüren; konnte vor meinem inneren Auge genau sehen, wie ich das Problem angehen musste, wo ich das Skalpell ansetzen musste, wie sich die schwielige Haut teilen würde. Die Länge und Tiefe des Z-förmigen Einschnitts, der seine Hand befreien würde, so dass sie wieder zu gebrauchen war.
»Ich habe das schon öfter gemacht«, sagte ich leise und drückte zu, um die Knochen unter der Haut zu spüren. »Ich schaffe es auch diesmal, so Gott will. Wenn Ihr mich lasst?«
Er war nur ein paar Zentimeter größer als ich; ich hielt seinen Blick genau wie seine Hand. Seine grauen Augen waren klar und scharf und durchforschten mein Gesicht mit einem Ausdruck zwischen Angst und Argwohn – doch dahinter lag noch etwas anderes. Ganz plötzlich wurde mir sein Atem bewusst, langsam und gleichmäßig, und ich spürte ihn warm auf meiner Wange.
»Nun gut«, sagte er heiser. Er zog seine Hand aus der meinen, nicht abrupt, sondern beinahe zögernd, und umschloss sie wieder mit seiner gesunden Hand. »Wann?«
»Morgen«, sagte ich, »wenn das Wetter schön ist. Ich brauche gutes Licht«, erklärte ich, als ich den erschrockenen Ausdruck in seinen Augen sah. »Kommt morgen früh, aber ohne zu frühstücken.«
Ich griff nach meiner Ausrüstung, verbeugte mich steif vor ihm und ging. Mir war höchst merkwürdig zumute.
Allan Christie winkte mir fröhlich nach und wetzte sein Messer weiter.
»Glaubst du, er kommt?« Unser Frühstück war verzehrt, und noch keine Spur von Thomas Christie. Nach einer Nacht unruhigen Schlafes, in der ich wiederholt von Äthermasken und chirurgischen Katastrophen geträumt hatte, war ich mir nicht sicher, ob ich mir wirklich wünschte, dass er kam.
»Aye, er kommt schon.« Jamie las eine vier Monate alte North Carolina Gazette und kaute die letzten Reste von Mrs. Bugs Zimttoast. »Sieh nur, sie haben einen Brief des Gouverneurs an Lord Dartmouth abgedruckt, in dem steht, was für ein ungeregelter Haufen aufrührerischer Verschwörer und Diebe wir alle sind. Er bittet General Gage, ihm Kanonen zu schicken, damit er uns wieder Manieren beibringen kann. Ich frage mich, ob MacDonald weiß, dass das öffentlich bekannt ist?«
»Ach, wirklich?«, sagte ich geistesabwesend. Ich erhob mich und griff nach der Äthermaske, die ich während des ganzen Frühstücks angestarrt hatte. »Nun, wenn er kommt, sollte ich wohl besser bereit sein.«
Ich hatte meine selbstgemachte Äthermaske und die Tropfflasche bereitliegen, daneben das Sortiment der Instrumente, die ich für die eigentliche Operation brauchen würde. Unsicher griff ich nach der Flasche, entkorkte sie und wedelte mit der Hand über ihren Hals, so dass die Ausdünstungen auf meine Nase zuwehten. Das Ergebnis war ein beruhigender Schwindelanfall, der mich ein paar Sekunden lang verschwommen sehen ließ. Als mein Blick wieder klar war, verkorkte ich die Flasche und stellte sie zurück. Jetzt fühlte ich mich ein wenig selbstsicherer.
Gerade rechtzeitig. Ich hörte Stimmen an der Rückseite des Hauses und Schritte im Flur.
Als ich mich erwartungsvoll umdrehte, sah mir Mr. Christie finster von der Tür aus entgegen, die Hand schützend vor der Brust zusammengeballt.
»Ich habe es mir anders überlegt.« Christie zog die Augenbrauen noch enger zusammen, um seinen Standpunkt zu betonen. »Ich habe über die Angelegenheit nachgedacht, und ich habe gebetet, und ich werde Euch nicht gestatten, mir Eure üblen Tränke einzuflößen.«
»Oh, was für ein Dummkopf«, sagte ich gründlich verärgert. Ich stand auf und erwiderte seinen finsteren Blick. »Was ist nur los mit Euch?«
Er sah verblüfft aus, so als hätte eine Schlange im Gras zu seinen Füßen es plötzlich gewagt, ihn anzusprechen.
»Es ist ganz und gar nichts mit mir los«, entgegnete er ziemlich schroff. Er hob aggressiv das Kinn und hielt mir seinen kurzen Bart wie ein Stachelkleid entgegen. »Was ist mit Euch los, Madam?«
»Und ich dachte, nur Highlander sind so stur wie Felsbrocken!«
Angesichts dieses Vergleiches zog er eine furchtbar beleidigte Miene, doch bevor er sich weiter mit mir anlegen konnte, steckte Jamie den Kopf in das Sprechzimmer, angezogen vom Klang unseres Wortgefechts.
»Gibt es ein Problem?«, erkundigte er sich höflich.
»Ja! Er weigert sich –«
»O ja. Sie besteht darauf –«
Die Worte prallten in der Luft aufeinander, und wir brachen beide ab und funkelten einander an. Jamie ließ den Blick von mir zu Mr. Christie schweifen, dann zu den Gerätschaften auf dem Tisch. Er richtete die Augen gen Himmel, als flehte er um Beistand, dann rieb er sich nachdenklich mit dem Finger unter der Nase.
»Aye«, sagte er. »Nun gut. Möchtet Ihr, dass Eure Hand geheilt wird, Tom?«
Christie starrte weiter vor sich hin wie ein Maultier und hielt sich die verkrüppelte Hand schützend vor die Brust. Nach ein paar Sekunden nickte er jedoch langsam.
»Aye«, sagte er. Er warf mir einen zutiefst argwöhnischen Blick zu. »Aber ich dulde keinen papistischen Unsinn dabei!«
»Papistisch?« Jamie und ich sprachen gleichzeitig; Jamie klang schlicht nur verwundert, ich absolut frustriert.
»Aye, und Ihr braucht gar nicht zu denken, dass Ihr mich dazu überreden könnt, Fraser!«
Jamie warf mir einen Blick zu, der »Ich hab’s dir ja gesagt, Sassenach« ausdrückte, nahm jedoch seine Geduld zusammen, um einen Versuch zu wagen.
»Nun, Ihr seid immer schon ein schwieriger Zeitgenosse gewesen, Tom«, sagte er nachsichtig. »Ihr müsst natürlich tun, was Euch gefällt – aber ich kann Euch aus Erfahrung sagen, dass es ausgesprochen schmerzhaft ist.«
Ich hatte das Gefühl, dass Christie ein wenig erbleichte.
»Tom. Seht her.« Jamie wies kopfnickend auf das Tablett mit den Instrumenten; zwei Skalpelle, eine Sonde, Schere, Zange und zwei chirurgische Nadeln, in die bereits Darm eingefädelt war. Sie schwammen in einem Glas mit Alkohol und glänzten stumpf in der Sonne. »Sie hat vor, Euch die Hand aufzuschneiden, aye?«
»Das weiß ich«, fuhr ihn Christie an, obwohl sein Blick von der unheilvollen Sammlung scharfer Kanten fortglitt.
»Aye, das tut Ihr. Aber Ihr habt nicht die geringste Ahnung, wie es sich anfühlt. Ich schon. Seht Ihr das?« Er hielt die rechte Hand hoch, drehte Christie den Handrücken zu und wackelte mit den Fingern. In dieser Haltung, voll von der Morgensonne beschienen, hoben sich die feinen weißen Narben, die seine Finger überzogen, deutlich von seiner dunkelbronzenen Haut ab.
»Das hat verdammt weh getan«, versicherte er Christie. »So etwas erduldet man nicht, wenn man eine andere Wahl hat – und die habt Ihr.«
Christie blinzelte nur kurz in Richtung von Jamies Hand. Natürlich, dachte ich, er musste mit ihrem Anblick vertraut sein; er hatte drei Jahre lang mit Jamie auf engstem Raum zusammengelebt.
»Ich habe meine Wahl getroffen«, sagte Christie mit großer Würde. Er setzte sich auf den Stuhl und legte seine Hand mit der Handfläche nach oben auf die Serviette. Sein Gesicht hatte jegliche Farbe verloren, und er hatte die freie Hand so fest geballt, dass sie zitterte.