Der heisse Himmel um Mitternacht
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11452-7
- Переводчик: Roland Fleissner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Der heisse Himmel um Mitternacht». Краткое содержание книги:
»Nein. Natürlich nicht. Aber ich konnte sehen, wie er das dachte. Er ist genauso davon überzeugt, dass Israel insgeheim hinter der Sache steckt, wie du, dass es Kyocera ist.«
Er verspürte unendliche Erleichterung. Es war wieder einmal nichts weiter als ihre üblichen wirrköpfigen Spekulationen.
»Nun, da irrt er sich«, sagte Enron.
»Und wenn ihr euch alle beide irrt? Wenn es überhaupt keinen geheimen Finanzier gibt?«
»Du hast keine Ahnung von sowas.« Jetzt ärgerte Enron sich über ihre letzte Bemerkung.
»Stimmt«, sagte Jolanda. »Ich bin eine dumme Kuh, weiter nichts. Du bewunderst an mir bloß meine Titten.«
»Jolanda, bitte!«
»Ich habe sehr schöne Titten, da geb ich dir recht. Das haben mir viele Männer gesagt, und es fällt mir nicht im Traum ein, ihnen zu widersprechen. Aber es steckt mehr in mir, glaub mir, Marty. Und wenn du Glück hast, findest du's vielleicht raus.«
»Du missverstehst mich. Ich habe den allergrößten Respekt vor …«
»Ja. Ich bin sicher, das hast du.«
Jolanda blickte an seiner Schulter vorbei. Farkas war zurück und ragte nun über ihm auf.
»Und jetzt zum Dinner«, sagte er herzlich, während er sich setzte. »Wie gesagt, ich habe hier schon oft gespeist. Wenn ihr gestattet, kann ich euch ein, zwei Spezialitäten empfehlen.«
Kapitel 20
Es regnete wie aus Kübeln, als die Tonopah Maru mit dem Eisberg im Schlepp in die Bucht von San Francisco einlief. Wie passend, dachte Carpenter, dass der erste Regen seit Gott weiß wie vielen Monaten genau an dem Tag so verrückt und übermäßig über San Francisco niedergehen muss, an dem er mit seinem Trawler einen gewaltigen Wasservorrat heranschleppte.
Die gesamte zweite Hälfte der Fahrt verlief in grausamer Wolkenlosigkeit, nirgends eine Spur der sonst fast allgegenwärtigen Wasserdunstmassen, die sich ballen und in allen Erdregionen fast die ganze Zeit den Himmel bleichen. Auch dies war eine Auswirkung des Treibhauseffekts, diese Zunahme von Wasserdunst in der Atmosphäre, wodurch der relativ geringe ursprüngliche Erwärmungsimpuls, den das CO2 und andere Treibhausgase hervorrufen, multipliziert wurde. Doch aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen war der Himmel über der Tonopah Maru draußen auf See Tag um Tag makellos gewesen, und die Sonne hatte mit ungehemmter Wut auf den Eisberg niedergebrannt. Und dieser hatte unter dem täglichen solaren Trommelfeuer ein Gutteil seiner Masse verloren.
Aber es war noch reichlich Wasser für San Francisco übrig. Und da waren sie nun, am Ende ihrer Fahrt, und tuckerten mit etwa siebzehn-, achtzehnhundert Kilotonnen antarktischem Eis im Schlepp unter der ehrwürdigen Golden Gate Bridge hindurch in einen dunklen stürmischen Nachmittag voll unablässiger Sturzbäche, die mit wahnsinniger Wut auf die Stadt an der Bucht niederstürzten.
»Mann, schau dir das an!«, sagte Hitchcock, der neben Carpenter in den Wassergüssen stand. »Echter verdammter Regen!«
»Wundervoll«, knurrte Carpenter. »Großartig.«
Das war es natürlich nicht wirklich. Der Regen ließ in den Straßen Wolken von Umweltgiften aufsteigen, wirbelte die seit Monaten, vielleicht Jahren angehäuften Ablagerungen von Staub vor sich her, so dass der prasselnde Niederschlag noch dreckiger grau war, wenn er wieder zu Boden sank. Vom Himmel kamen Ströme von Gülle. Ja, dachte Carpenter, sehr bezaubernd, sehr hübsch der Anblick.
Es gab auf der Erde Gegenden, das wusste er von seiner kurzen Einlage beim Samurai Weather Service, in denen süßer, reinigender, Fruchtbarkeit bringender Regen an fast jedem Tag fiel, etwa am Ostrand des Mittelmeeres, im Korngürtel von Saskatschewan oder in den Ebenen Sibiriens. Aber nicht hier. An der Westküste der Vereinigten Staaten war Regen eine derartige Seltenheit geworden, dass er, wenn er schon einmal kam, mehr eine Plage war als erfreulich, weil er dann im allgemeinen in derart übertriebener Maßlosigkeit fiel wie jetzt. Regen fiel hier so unregelmäßig, dass die Aufrechterhaltung der Wasserversorgung nie gesichert war, und er diente hauptsächlich dazu, den angesammelten Chemiedreck auf Straßen und Wegen freizusetzen und sie zu Rutschbahnen zu machen, scheußliche Rinnen in die verbrannten und entlaubten Hügelhänge östlich der Bucht zu schneiden und die losen Schmutzpartikel durcheinander zu buttern, die überall in der Stadt herumlagen, und den Dreck umzuverteilen, nicht aber ihn zu beseitigen.
Ach, zum Teufel. Er war sicher zurück, und mit Fracht. Also war die Fahrt ein Erfolg, abgesehen von dem einen kleinen Schönheitsfehler: dieser Sache mit dem Kalmarfänger. Doch daran versuchte er nicht zu denken.
Er trat aus dem Regen unter die Kuppelblase am Achterdeck. Dort erledigte Caskie irgendwelche Verrichtungen am Kontrollbord. Er sagte zu ihr: »Hol mir das Hafenbüro von Samurai in Oakland, bitte. Ich muss wissen, an welchem Pier ich das Ding abliefern soll. Ich nehme den Ruf in meiner Kabine an.«
»Yessir. Sofort, Sir.«
»Sir?«, fragte Carpenter. Bisher hatte ihn an Bord noch niemand ›Sir‹ genannt, und in der Art, wie Caskie es nun tat, lag etwas Unwirkliches und seltsam Aufsässiges. Aber die kleine Funktechnikerin war bereits in ihr Kommunikationsnest davongehuscht, um seinen Ruf durchzugeben.
Er machte sich nach unten auf. In seiner Kabine wartete auf dem winzigen Wandvisor bereits der Oaklandoperator.
»Captain Carpenter. Melde sicheres Einlaufen der Tonopah Maru mit Eisberg von ungefähr siebzehnhundert Kilotonnen plus. Erbitte Anlegeinstruktionen.«
Der Android nannte ihm die Nummer der Pier, zu der er den Berg bringen sollte. Dann setzte er hinzu: »Captain, du sollst dich sofort nach Kommandoübergabe an das Hafenteam in der Administration im Schuppen Vierzehn melden.«
»Kommandowechsel?«
»Korrekt. Du wirst das Kommando an Captain Swenson übergeben und dich sofort zu Schuppen Vierzehn zu einer einleitenden 442-Befragung begeben.«
»Ich verstehe nicht.«
»Du wirst von Captain Swenson abgelöst und wirst dich …«
»Ja, das habe ich gehört. Du sagst ›442‹?«
»Korrekt. Es gibt ein 442, Captain.«
Carpenter war verwirrt. Was, zum Teufel, war ein 442? Aber der Android redete nur drum herum und gab keine klare Antwort. Er schaltete die Verbindung aus und ging dann an Deck.
»Hitchcock?«
Der eisgraue Ebenholzschädel des Navigators schob sich aus der Kuppel.
»Suchst du mich, Sir?«
Wieder dieses Sir. Irgendwas war wirklich faul.
»Hitchcock, was ist ein 442?«
Hitchcocks Gesichtsausdruck war heiter, beinahe verschmitzt, aber in den sehr weißen, blutgeäderten vorstrebenden Augen war ein merkwürdiges Glitzern. »Standeswidriges Verhalten, Sir.«
»Standeswidrig?«
»Verstoß gegen die Vorschrift, Sir.«
»Ihr habt mich angezeigt? Wegen der Calamari-Maru-Sache?«
»Sir, die 442er Vernehmung wird entscheiden …«
»Antworte mir!« Carpenter hätte Hitchcock am liebsten am Hemd gepackt und ihn gegen die Reling gestoßen. Aber er hielt sich zurück. »Habt ihr mich angezeigt?«
Hitchcock sah ihn heiter an. »Ja, wir alle, Sir.«
»Alle?«
»Rennie. Nakata. Caskie gab den Spruch durch.«
»Wann war das?«
»Vor vier Tagen. Wir haben denen gesagt, dass du eine Gruppe von Seeleuten in Seenot im Stich gelassen hast.«
»Ich kann es nicht glauben. Ihr habt denen gesagt, dass ich …«
»Das war eine scheußliche Sache, Sir. Ein Verstoß gegen jeglichen allgemeinen menschlichen Anstand, Sir.« Hitchcock war schrecklich gelassen. Er schien auf das Dreifache seiner normalen Größe angeschwollen zu sein, wirkte wie die monströse Verkörperung der Rechtschaffenheit und Moral. »War unsre Pflicht, Sir, die Autoritäten von diesem Verstoß gegen das Seerecht zu informieren.«