Der heisse Himmel um Mitternacht
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11452-7
- Переводчик: Roland Fleissner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Der heisse Himmel um Mitternacht». Краткое содержание книги:
»Ja. Verdammt, das glaube ich. Du wolltest, dass es passiert, aber es gefällt dir gar nicht. Das merkte ich schon, als du in dem Restaurant aufgetaucht bist. Du glaubtest, du musst in unserer Nähe herumhängen, um ja nicht die Kontrolle zu verlieren, nicht einmal in dem Moment, wo du mich ihm in die Arme getrieben hast.«
Für Enron kam diese Anschuldigung ein wenig überraschend. War es wirklich so? Er hatte gedacht, dass er sich in dem Restaurant Jolanda und Farkas nur deshalb aufgedrängt hatte, um diesem die Nachricht zu signalisieren, dass sie sich unterhalten müssten, sobald Farkas sein Geturtel mit Jolanda hinter sich gebracht hatte. Aber vielleicht steckte ja mehr dahinter. Sicher, er hätte bis zum nächsten Tag warten können, den Kontakt zu Farkas aufzunehmen. Doch es war möglich, dass er ihm zu verstehen geben musste auf Jolanda so etwas wie ein Prioritätsrecht zu besitzen, einen Eigentumsanspruch, ehe die beiden ins Bett hüpften.
Achselzuckend sagte er: »Egal, hast du was Brauchbares von ihm erfahren?«
»Das hängt davon ab. Was verstehst du unter brauchbar?«
»Na, hat er zum Beispiel gesagt, weshalb er hier oben ist?«
»Er hat mir im Restaurant gesagt, weshalb er hergekommen ist. In Urlaub, sagte er.«
»Natürlich. Urlaub – du bist wirklich ziemlich dumm, nicht wahr?«
»Besten Dank.«
»Er ist hier, um für Kyocera zu spionieren. Das weißt du doch.«
»Na und? Spioniert er eben für Kyocera. Aber wir haben über nichts geredet, was irgendwie mit Kyocera zu tun hatte. Ich habe ein paar Messungen an seinem Gesicht und seinem Schädel vorgenommen, und dann fragte er, ob ich mit ihm ins Bett gehe, und dann …«
»Ja ja. Schon gut.«
»Im Bett wirkt er jedenfalls nicht wie ein Blinder, Marty. Auch nicht wie einer, der eine schöne Frau anschaut, und dabei einen Stapel Fässer sieht. Er wusste recht genau, wo alles hingehört.«
»Bestimmt«, sagte Enron und atmete langsam tief durch. »Okay, jetzt hör mir mal genau zu. Ich denke mir, Jolanda, dass die von Kyocera-Merck irgendwie die Finger in dem kleinen Komplott haben, das deine Freunde aus Los Angeles sich da ausgekocht haben, und dass der Ungar als Schlüsselmann für K-M hier ist, sich mit den Verschwörern treffen und ihnen helfen soll.«
Jolanda rückte auf ihrem Sitz herum und blickte zu ihm hoch. »Wie kommst du darauf? Keiner hat je was von Kyocera gesagt, als sie mir von ihrem Plan erzählten.«
»Wozu hätten sie das tun sollen? Aber ein solches Unternehmen kostet Geld. Jemand muss die Waffen kaufen und für den Transport hierher bezahlen. Die Leute müssen ausgebildet werden. Die Einreisezollgebühren, die Schmiergelder, was es eben so kostet, sich den Zugang an einen Ort wie den hier, der so gut abgeschirmt ist, für eine kleine Armee zu erkaufen. Also, was denkst du, wer finanziert deine Freunde?«
»Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Sie haben nie was davon gesagt.«
»Der einzige Zweck meines Aufenthalts hier – erinnerst du dich? – ist der, deine Freunde zu treffen und ihnen zu erklären, dass mein Land bereit ist, ihnen jegliche nötige finanzielle Unterstützung zu bieten, die sie brauchen. Aber jetzt zeigt sich die Möglichkeit, dass sie bei ihrem Vorhaben bereits einen sehr potenten Partner haben.«
»Du meinst Kyocera-Merck?«
»Es hat allmählich ganz den Anschein.«
»Aber weshalb sollten die von Kyocera-Merck den Diktator von Valparaiso Nuevo stürzen wollen?«
»Vielleicht aus purem Imperialismus. Man sagt, Kyocera steckt derzeit in einer stark expansiven Phase, vielleicht wollen sie einfach noch ein paar L-5-Welten mehr in ihrer Sammlung haben. Oder aber es leben hier ein paar Leute, die sie gern in die Finger kriegen wollen. Ich weiß es nicht, Jolanda. Aber dass Farkas hier ist, wenn ein Staatsstreich geplant ist, dann sagt mir das, dass er für K-M dabei irgendwie mitmischt.«
»Und wenn?«
»Dann muss ich mich in den Deal einschalten. Ein Partner-Venture, geteilte Kosten, geteilter Profit. Kyocera kann das Habitat haben, wenn sie es wollen. Aber ein paar Leute, die sich hier verborgen halten, die wollen wir haben – und wir kriegen sie – so oder so.«
Enron gönnte sich gerade genüsslich eine ausgiebige üppige Dusche vor dem Essen, als Jolanda die Kabinentür aufschob, den Kopf hereinsteckte und sagte: »Der Kurier ist am Apparat. Er glaubt, er hat Davidov ausfindig gemacht. Willst du ihn sprechen?«
»Sag ihm, er soll warten.«
Enron trat wieder unter die Brause, ließ sich das Wasser genüsslich über den dichten seifigen Haarpelz auf der Brust strömen. In Israel gab es selbstverständlich immer ausreichend Wasser für luxuriöses Duschen. Doch er war kurz zuvor noch in Kalifornien gewesen und hatte die spartanischen Zwänge zum Wassersparen erlebt, die durch die endlosen Dürreperioden an der Westküste verordnet werden mussten, und so genoss er es, hier in Valparaiso Nuevo unbegrenzt Wasser vergeuden zu können, wo alle Ressourcen mit höchster Effizienz in Recyclingprozesse eingebunden waren und wo es für nichts Rationierungen gab.
Eine ganze Weile später erst tauchte er auf und rubbelte sich trocken. Dann ging er ins Schlafzimmer. Aus dem Visor sah ihm Kluges ernstes dickliches Gesicht entgegen. Enron wickelte sich nachlässig das Badetuch um die Hüften und trat auf Sichtnähe heran.
»Also?«
»Speiche C«, sagte Kluge. »Hotel Santa Eulalia in der Ortschaft Remedios. Vier Mann mit kalifornischen Pässen stiegen da letzte Woche ab. Das war einer von ihnen. Er geht unter dem Namen Dudley Reynolds, aber ich denke, er ist der, den du suchst. Ich pumpe dir sein Bild rüber.«
Das Visorbild verschwamm kurz durch Download-Interferenz. Kluge stöpselte sein Flexterminal in den Output. Dann war das Bild wieder klar, und Enron sah vor sich das Solido-Bild eines Mannes mit quadratischem Kopf, kurzem Hals, nüchternen blauen Augen und fast farblos blonden, sehr kurz geschnittenen Haaren. Die Haut, die wohl ursprünglich von slawischer Blässe gewesen war, wies eine schwarzpurpurne Tönung von zu hohen Screendosen auf und war fleckig und gedunsen. Ein erschreckendes Gesicht mit breitem Kinn, fast lippenlos, eine viehische Visage.
Enron fragte Jolanda: »Was meinst du?«
»Das ist Davidov, ja. Genau.«
»Er sieht aus wie ein Tier.«
»Aber er ist wirklich ganz sanft«, sagte sie.
»Bestimmt.« Er befahl Kluge wieder vor die Kamera. »Gut. Du hast ihn gefunden. Gute Arbeit. Wo sind sie jetzt?«
»Das weiß ich nicht.«
»Was?«
»Sie sind vor zwölf Stunden ausgezogen. Vielleicht sind sie auf die Erde zurück.«
»Sauerei«, knurrte Enron. »Sie sind uns entwischt.«
»Da bin ich nicht ganz sicher. Meine Kontaktleute bei der Emigration haben mir bisher noch keine Information geliefert, dass sie abgereist wären. Aber Tatsache bleibt, sie haben ihr bisheriges Hotel verlassen. Ich suche weiter.«
»Ja, mach das.«
»Ich könnte einen Vorschuss auf mein Honorar brauchen«, sagte Kluge. »Meine Ausgaben für die Sache bisher sind ziemlich hoch gewesen.«
»Wie viel brauchst du?«, fragte Enron.
»Tausend Callaghanos?«
»Ich gebe dir zweitausend. Das erspart mir den Ärger, dass du in ein, zwei Tage wieder mit ausgestreckter Hand ankommst.«
Kluge wirkte tatsächlich sehr überrascht. Auch Jolanda schaute Enron verwirrt an.
Enron nahm sein Terminal von der Kommode, tippte Kluges Kontonummer und transferierte die Summe. Kluge stammelte dankbar, dann verschwand er vom Bildschirm.
Jolanda fragte: »Weshalb gibst du ihm so viel Geld?«
»Was spielt das für eine Rolle? Geld ist nicht knapp. Ich wäre bereit gewesen, ihm fünf zu zahlen.«
»Aber sie respektieren dich nicht, wenn du zu großzügig mit Geld um dich wirfst.«